Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1937)
- Date
- 1937-04-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 8 Nr. 16 / Der israe Ii t; 22. April 1937 E E Z ISRAEL Wirtschaftslage und Einwanderung in Palästina. 'Jerusalem, 15. April. Der Merkas Ali ja hat An. Tel Awiw eine Beratung abgehalten, bei der ein Bericht über die Aussichten der Einwanderung unter Berücksichtigung der Lage in den verschiedenen Wirtschaftszweigen erstattet wurde. Es wurde festgestellt, daß du der gemischten Landwirtschaft Mangel an Arbeitskräften herrscht. Für Neukolonisation werden etwa 1000 Einwanderer benötigt. Auch in der Industrie werden trotz des schweren Rückschlag®, den sie infolge der Unruhen erlitten hat, viele Facharbeiter, aber auch ungelernte Arbeiter benötigt. Die jüdischen Kolonien, die be» reits Tausende Arbeiter aus den Städten aufgenominen haben, sind noch für weitere Arbeitskräfte aufnahmefähig. Ferner sollen demnächst umfangreiche öffentliche Arbeiten in Angriff genommen werden. Sollte sich die Festsetzung der neuen Einwanderungsquote noch länger verzögern, >so würde dies, -erklärte der Referent, einen schweren Schaden nicht nur für die nationalen Interessen-, sondern auch für «die Wirtschaft des Landes bedeuten. Im Laufe der jetzt zu Ende gehenden Zitrussaison sind bis zum 30. März fast 10 'Millionen Kisten Zitrusfrüchte ausgeführt worden, um fast vier Millionen mehr alg im vertan/geilen Jahr. Die Gesamtsumme umfaßt 8,610.000 Kisten Orangen, 1,138.000 Kisten Grapefruit und 59.000 Kisten andere Zitrusfrüchte'. In dem neuen Hafen Tel Awiw sind 284.000 Kisten verladen worden, in Haifa über 6 Millionen. N«ue Terrorakte. — Begnadigung. Jerusalem, 18. April. In Jerusalem ist ein jüdischer Arbeiter von einem arabischen überfallen worden. Die Polizei nahm den Angreifer fest und brachte ihn sofort vor den Richter, der ihn zu sieben Tagen Gefängnis verurteilte. Ein Araber, bei dem ein Revolver mit sechs Patronen gefunden worden war, ist auf Grund der Ausnahmebestimmungen zu fünf Jahren Gef ä n g n i s verurteilt worden. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat drei Juden, 'die dm Zusammenhang mit den vor drei. Monaten in Tiberias stattgefundenen Unruhen verurteilt worden waren, die Strafe erlassen. Die Begnadigten sind Elijahu iSchoscham und Josef Hab du, die zu zwei Jahren und Carsenti, der zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Die vor einiger Zeit neu errichteten Siedlungen E j n H a k o r e und M a s s a d a sind von Arabern beschossen worden. Die Siedler erwiderten das Feuer. Sie haben keine Verluste erlitten. Jerusalem, 19. April. Arabische Terroristen haben am 15. April in Haifa den leitenden Polizeioffizier des Distrikts, Halim ßasta, einen Araber, erschössen. Auch der Polizist, der den Offizier zu seinem persönlichen Schütze begleitete, fiel dem Ueberfall zum Opfer. Schon vor einigen Monaten war auf Basta ein Anschlag verübt worden. Der Offizier wurde damals verwundet. Er ist immer wieder aus radikalnationalistischen Kreisen mit dem Tode bedroht worden, weil er der Leiter der polizeilichen Aktion gegen 'die Terroristendes Norddistrikts war. In Jaffa haben 18 hervorragende arabische Kaufleute, unter ihnen angeblich auch der Bürgermeister der Stadt, von Terroristen Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, größere Beträge zur Finanzierung netter Unruhen zur Verfügung zu stellen. Die Drohbriefe waren von der „Schwarzen Hand" unterzeichnet. Der neu ernannte Distriktsbeamte für den Nord5 distrikt, Mr. Andrews, hat die dieser Tage im Beisan-Gebiet neuerrichtete Siedlung Bet Joseph besucht und sich damit einverstanden erklärt,- daß eine Abteilung jüdischer Hilfspolizei in 'der Siedlung Dienst tue. 0 Im Zusammenhang mit dem Mord an der jüdi» sehen Kolonistenfrau Mali Engelhardt in Jarkona wurden drei Araber als der Tat verdächtig verhaftet. Bombenabwürfe gegen Juden und Araber kamen wieder vor, die aber keinen Schaden anrichteten. Kleine Nachrichten aus Palästina. Jerusalem, 19. April.. Der Ex odus a-u© der Jerusal em er Alt stadt hält an. Mit der Verlegung der , Jesdiiwa „Ez Chajim" in 'die Neustadt ist die letzt© Thora- Lehranstalt aus der alten Stadt ausgezogen. Es darf verzeichnet werden, daß einige Lehrer der mit der Jeschiwa verbundenen Talmud Thora-Schule sich weigerten', die historischen Stätten zu verlassen und ihre Tätigkeit als Kleinkinder-Lehrer in der Altstadt fortsetzen. Die Jeschiwa „Ez Chajim" wurde vor 60 Jahren gegründet und befand sich inder Nähe der Churwa=Synagoge. Die Jeschiwot „Torat Chajim" und „Chaj'0 Okm" haben fxühier schon die Altstadt verlassen. Eine Lehrerkonferenz in Haifa befaßte sieh mit den Vorschlägen des Ausschusses für Erziehungsfragen bei der Jewish Agency zur Reorganisierung des T'nach Unterrichtes an den jüdischen Volksschulen Palästinas. Ob nun an Stelle ■eineis T'nach-Ensataes in der Form einer biblischen Geschichte T'nach im Original igelehrt werden soll, darüber gehen idie Meinungen noch auseinander. Der Hebräische Weltverband hat dieser Tage .einen großen Transport hebräischer Bücher an die T a r b u t - Z e n t r a 1 e n in Europa abgehen lassen. Die Aktion des Weltverbandes 'bezweckt, den geistigen Kontakt zwischen Galuth und Erez Israel zu verstärken. Daß mit 'diesen 'Büchern „die Thora von Zion und das Wort G'ttes aus Jerusalem" aus* geht, läßt sich gerade nicht sagen. Wiederum ist einer der ersten Pioniere von Rischon Lezion im Alter von 78 Jahren gestorben. Simcha, Jacob sö hn war noch einer der Letzten der Bilu-iBewegung, von der noch wenige lebendige Zeugen vorhanden sind.. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß sich der High Commissioner Sir Arthur Wauchope in einer Unterhaltung mit David ben Gorion entschieden gegen die Teilung Palästinas ausge* sprochen hätte. Da sich der Lärm um die Teilungspläne ein wenig gelegt hat, hat man auch wenig Interesse, diesen Gerüchten nachzugehen. Der jetzt in Palästina .weilende Bischof von Porthmouth besuchte Oberrabbiner DuscJiinskd und hatte mit ihm und Rabbi Mosche Blau eine längere Unterredung, bei der verschieb dene Palästina-Probleme erörtert wurden. Der Bischof sprach sich u. a. entschieden gegen das Kantonisierungsprojekt aus. Es wird bekannt, daß der Vorsitzende de& Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, nach London reist, um als Vertreter des Waad LeTima an den Krönung sf e i e r 1 i c h k e i t e n teilzunehmen. Bei Wiederkehr des Tages, an dem voriges Jahr die Palästina-Unruhen begonnen haben, fanden und finden Gedenkfeiern in allen jüdischen Siedlungen statt. Die Unruhen begannen bekanntlich am 19. April 1936 mit einer blutigen Demonstration in Jaffa, worauf die arabische Terroraktion einsetzte. In den letzten Tagen wurden 700 Hauraner von der Polizei ausgewiesen. Die Polizei führt Razzien auf die in den Städten und Dörfern umherwandernden Hauraner durch. Die Abteilung für Landvermessung bei der Palästinanegierung hat auf Aufforderung der Kgl. Kommission sehr genaue Landkarten aller Distrikte Palästinas herstellen lassen und sie nach London gesandt. Zum Andenken an 'die von arabischen Terroristen ermordeten Siedler aus der Kolonie Jawniel, Gedalja Geller, Salm an Ben Sasson und Jehuda Eljowitsch, soll in 'der Näh.© von Jawniel eine neue Siedlung, Mischmar Haschloscha, errichtet werden. Der Jüdische Nationalrat Palästinas (Waad Leumt) hat beschlossen, 'die Wahlen zur Jüdischen Nationalversammlung (Assefat Haniwcharim) auf ein halbes Jahr zu verschieben. Das offizielle Organ der Arabisch-Palästinensisehen Partei, der Partei dies Großmufti von Jerusalem, die Tageszeitung „El Liwaa", ist für zehn Tage verboten worden. Von der Choreb-Schule. Jerusalem, 14. April. , Die Choreb=Schule in Jerusalem, die Schule, die vorwiegend von Kindern reKgiös-jüdischer Einwanderer aus Deutschland besucht wird, benötigt für ihren Schulbetrieb folgende Sachen: Eimen Vergrößerungsapparat, einen Vervielfältigungsapparat, eine he« bräische Schreibmaschine. Di© Palästina-Zentrale, Frankfurt a. M., (Adresse: Hanauedlandstr. 15} bittet Spender im Interesse der ihr nahestehenden Schule, die heute fast 150 Kinder hat, ihr diese Sachwerte frdl. zukommen zu lassen. Neugründungen in der Lebensmittel-Industrie Palastinas. : Jerusalem; 12. April-. In den letzten Monaten sind in der Leben»- m i 11 e 1 i n d u s t r i e Palästinas erhebliche Veränderungen, fN'eugründungen und Erweiterungen erfolgt. Eine Reihe neuer Mühlen wurde gegründet. Auch die Mazzotfabriken. haben zu P'essach ihre Produktion gesteigert. Großes Interesse finden die Bemühungen um die Verwertung der Zitrus-Ausschußfrüchte. Die Jaffa=Orange Products Cooperative Society in Rechowot hat ihre aus technischen Gründen stillgelegte' Erzeugung wieder aufgenommen und stellt durch. Konservierungsmittel haltbar gemachten reinen Zitrussaft her. Die Fruchitsaftfabrik „Assis" in Ramat Gan befaßt sich mit finanziellen Reorganisierungs- . planen, da durch starke Erweiterung. der Anlagen neue Betriebsmittel erforderlich sind. Die Jerusalemer Schokoladenfabrik DeptaeL die 1934 gegründet worden ist, wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Elite Chocolate and Sweets Factory in Ramat Gan hat ihre Anlagen vergrößert und beschäftigt jetzt 200 Arbeiter. /Neuerdings wird auch Kunsthonig erzeugt. Die Konservenfabrik Primason hat in ihrem Produktionsprogramm acht Sorten Fisch- und 17 Sorten Gemüsekonserven.r Jüngst wurden auch Versuche zur Konservierung von Orangen mit und ohne Schale in Büchsen angestellt. In Tel Awiw ist von einer Butter-Einfuhr-Firma ein Kühlhaus mit Eisfabrik errichtet worden; eine zweite 'gleichartige Gründung ist geplant. -•i— Handel und Industrie. Die Lage auf'dem Eisenmarkt. — Verwaltungsüberschüsse. Jerusalem, 14. April. Die Lage auf dem Eisenmarkt An Palästina wird gegenwärtig durch zwei Umstände bestimmt: durch die Lage auf dem Weltmarkt, wo eine erhebliche Eisenknappheit und PreisTsteigerung herrscht, und durch die Umstände im Lande, wo die Stockung der Baukonjunktur ein Ende gefunden zu haben scheint. Diese durch 'die Unruhen herbeigeführte Unterbrechung der Bauinvestitaonen hat die Eiseineinfuhr Palästinas im Jahre 1936 erheblich vermiindert. Bei Stangen, Winkeln, Stäben und Trägern trat mengenmäßig eine Verminderung gegenüber der Einfuhr von 1935 um 58,4 Proz., dem Werte nach um 52,8 Proz. ein; bei Rohren und Pattings betrug 'die Verminderung 53,1 Proz. bezw. 55,3 Proz, Auf der anderen Seite ist die Ausfuhr von Abfalleisen in den ersten zehn Monaten 1936 gestiegen. Auch sind Bemühungen im Gange, das Ende 1936 stillgelegte Werk der Palestine Foundries. and Metal Works wieder fortzuführen. Das Werk war stillgelegt worden, nachdem ein Gläubiger von der versuchsweise durchgeführten Zwangsverwaltung nicht befriedigt worden war: Das in der Haifa-Bucht liegende Werk ist die größte Eisengießerei Palästinas. Es beschäftigt zur Zeit mehrere hundert Arbeiter. Palästina hatte seinen Eisenbedarf bisher von den bekannten Ausfuhrländern, aber auch von solchen Lieferanten bezogen, 'die der internationalen Rohstahl-Export-Gemeinschaft (IREG) nicht angehörten. Das führte zu Schwierigketien, als 1936 zahlreiche Außenseiter, darunter auch ." viele Lieferanten Palästinas, der IREG beitraten. Palästina muß daher jetzt ein lokales IREG-Kartell bilden und seine Käufe den (Bedingungen der IREG unterstellen. Die erste Quote für Palästina wird auf der nächsten IREG-Konferenz in Paris festgelegt werden. Die neue Quote wird, wie erwartet wird, zwischen 40.000 to und 60.000 to jährlich,, liegen. Die palästinensische Einfuhr von Eisenstangen, Winkeini, Stäben und Trägern stellte sich 1936 auf 36.000 to, 1935 auf 87.000 to und 1934 auf 80.000 to. Das palästinensische Kartell wird etwa fünfzehn Mitglieder 'Umfassen. Die Preise werden künftig den von der IREG festgelegten internationalen Preisen entsprechen und' sich nicht mehr nach der inneren Marktlage richten. Es wird erwartet, daß 'die neue Preisgestaltung die Lage desi Baumarktes und der Metallindustrie stark •beeinflussen wird. Das Rechnungsjahr. 1936(37 der Stadtverwaltung Haifa erbrachte einen Verwaltungsübeoisehuß in Höhe von 18.632 Pfund. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, eine Gastwirtesteuer einzuführen und hat entsprechende Anträge an die Regierung gestellt. In einer Sitzung des Stadtrates' wurde bekannt gegeben, •daß die Regierung, ihr© "Genehmigung daeii. erteilt hat, daß 8400 Pfund für den Bau vom Iterieselungs* anlagen und Abwässern verwendet werden. Der Stadtrat beschloß, 10.000 Pfund zur Verwendung^für öffentliche Arbeiten in den neuen Voranschlag einzusetzen. ..... In der „Palestine Gazette1' wird amtlich bekannt gegeben, daß der Verwaltun g'aiü b ers c huß der Pal «stiii*r e g.ierua.ig Ende Februar' -1937 614 Millionem Pfund betrug. '*