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Der Israelit · 1937-04-22 · Heft 16 (22.4.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 16 (22.4.1937)
Date
1937-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 16 Der Israelit 22. April 1937 V/enn jeder, der die Keren Hatorah-Ziele begreift/in die K@f6ri HötO^ täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden. Dosen anforde r n bei: Keren Hotorah, H amburg 13, Hei n r i c h Ja rthstraße 21 Von Dr. B. Cohen in Hamburg. Als der Thora philosophische Gründe entgegengehalten wurden, mußten die Weisen Israels zur Abwehr dieser Gründe selber philosophische Gedanken erörtern. Als man aus der Geschichte Zweifel an der Wahrheit der Thora zog, mußten unsere Weisen die Geschichte durchforschen, um die Haltlosigkeit jener Angriffe zu erweisen. Heutzutage kämpft gegen uns weder Philosophie noch Geschichte den gefährlichsten Kampf. Heute sind wir von den Bekennern der Realität bedroht. Als etwas Unwirkliches und Undurchführbares wird das Leben im Thoragesetze von unseren Gegnern bezeichnet. Thorafeinde und Zwßiilar gehen einig in der Wahnidee, die Befolgung des Rechtsgesetzes der Thora, wie es die Weisen der Mischna und des, Talmud ausgelegt, könne nie Grundlage des Staats- und Volkslebens gewesen sein. Kann man diese Irrtümer theoretisch widerlegen? Zweiiellos kann und soll man das. Es soll nicht den Anschein haben, als seien diese Einwände theoretisch berechtigt. Man wird diese Feinde und Zweifler darauf hinzuweisen haben, wie die Amoraim der späteren Zeit die Grenzen ihrer Kompetenz sehr wohl selber absteckten. (Die Uebersicht dieser Selbstbegrenzung gibt ja z. B. der erste Paragraph des Choschen Mischpat). .Man wird aber diese Gegner darauf hinzuweisen haben, daß diese Selbstbeschränkung durchaus aus inneren Gründen erfolgte, meist nicht infolge äußeren fremdstaatlichen Druckes oder gar wirtschaftlicher Aenderungen des Weltbildes. Den Beweis dazu bilden gerade diejenigen wenigen Mischna- und Talmudstellen, die von Tekonoth im Zusammenhange mit solchen Neuerungen des äußeren Lebens sprechen; gerade aus ihnen sieht man, daß, wenn solche Anlässe vorlagen, sie von unseren Weisen auch zugestanden wurden. Den Grundcharakter aller jener Selbstbeschränkungen wird man aber leicht erkennen; er ist: Die Einsicht, daß nach dem Schwinden der Prophetie und der Ordination auch die intellektuelle Erfassung des Gesetzes im Volke Israel im Laufe der Generationen sich mindert.- Ein Ausblick auf die seelischen Tatbestände der Prophetie und der Semicha wird sich dabei nicht vermeiden lassen^denn auch dahin führen heute Wege des Wissens. Das alles aber schlägt nicht unsere heftigsten Feinde. Denn sie sagen nicht nur: „es konnte nicht sein," sondern: „es war nicht und es wird nicht." Hiergegen gibt es nur eine einzige Widerlegung: Verwirklichen! Wir haben stellenweise in gesetzestreuen Siedlungen des heiligen Landes Gelegenheit zum Verwirklichen der Rechts- und Lebensordnungen der Thora, und hiervon darf nichts außerachtgelassen werden. Was die Anderen. am meisten bezweifeln, das muß am eifrigsten verwirklicht werden. Alle die Erschwerungen, welche der Sabbat des Landes, das siebente Jahr mit sich bringt, werden schon aus diesem Grunde, aus eisernem Abwehrwillen gegen den soziologischen Apikorß u t h die Getreuen des Gesetzes freudig auf sich nehmen. Sie werden sich daran erinnern, daß die grausamste Thora-Bekämpfung noch immer in jenen Kreisenherrscht, welche der Meinung sind, Religion sei unter die Räder der heutigen Wirtschaftsordnung geraten und von dort nicht mehr auferstanden. Sie werden aber die Schemittagesetze des Heiligen Landes nur als ersten Anlaß empfinden, um mit der „Apologetik des Verwirklichens" auch im sonstigen ganzen Leben Ernst zu machen — und wir Alle, in allen Ländern, werden uns daran ein Vorbild nehmen. Bis zur äußersten Grenze dessen, was ein jeder Staat uns für zwischen uns selber bestehende Rechtsmeinungsverschiedenheiten an eigener Gerichtsbarkeit beläßt, werden wir von dieser Thoragerichtsbarkeit Gebrauch machen; in den rein jüdischen Wohngebieten werden wir an der Einordnung aller Lebensverhältnisse der Gegenwart ins Thora-Recht mit aller Kraft arbeiten, — die Gelehrten theoretisch, . das Volk durch Befolgung. Die K e t h u b a wird als soziologisch überholte Einrichtung angesehen? Ein Grand mehr, sie völlig ernstzunehmeri. Das Zins verbot innerhalb Israels gilt als undurchführbar? Ein Grund mehr, selbst die erlaubten Ausnahmen nach Kräften zü meiden. Die Vorschrift, daß nur Befolger der ganzen Thora als Zeugen zugelassen werden, wird für ein Hindernis des Rechts- und Volkslebens angesehen? Ein Grund mehr, sie ohne Ansehen der Person zu befolgen. Sogar solche Rechtsgebiete, die „im heutigen Weltzeitalter nicht angehen" T'TlTl fUnia DlPfr sollten unseren '»"S THil '^HÄ mit der Bitte unterbreitet werden, inwieweit sie sich nXliri "pTS J—TtflP dazu eignen, im Rahmen des Halachisch- Möglichen heute, Gegenstand der „Apologetik des Verwirklichens" zu sein. Doch ist es vielleicht besser, soweit nicht ständig zu denken; denn wir dürfen nicht die ständigen und täglichen Pflichten des Verwirklichens außerachtlassen, Genug wi r d davon geredet, d a ß t ä g 1 i c h e r G ' 11 e sh a u s b e s u c h mit erfolgreichem Erwerbsstreben, ja mit jüdischer Vereinsarbeit nicht recht zu vereinbaren sei. Um so heiligere Pflicht ist es für jedweden jüdischen Gewerbetreibenden und erstrecht für jeden jüdischen Lehrer, in vorbildlicher Pünktlichkeit yDiTS^? mural Q'DIP» zu sein, — und je eifriger er für den schaffen will, um so mehr. Das ist tägliche Apologetik des Verwirklichens. Es ist lehrreich, wird aber meist einfach übersehen, daß die Mehrzahl, der Geringschätzer des Gemeindegebets nicht durch die dadurch gewonnene Zeit und Kraft schon so viel profitiert haben. Noch lehrreicher und nützlicher für die Jüdischkeit aller ist es jedenfalls, durch eigenes Vorbild zu zeigen: rTllX»1? pöHj?» Eifer in Allem-führt auch zu Eifer in Mizwoth, und vom Eifer rnPlT führt bekanntlich die Stufenleiter der Eigenschaften nach ''OST zur Vollendung des Menschen und der W,elt. Ein Pereksatz, der zu denken gibt. ni n«a na -i»iki im»»» fosöi naien -pia *]5>n»n *iai« vi •irsja awiwiö 3"nyo m tj hkj na „Es lehrt R. Schimon: Ist jemand auf dem Wege und er spricht: wie schön ist doch diesier Baum, wie schön jene Flur, dem rechnet '©s die Schrift an, als hätte er steine Seele verwirkt" (Petrek 3, 7), Dieser Satz, so wendet man ©in, ist kaum mit der jüdischen Auffassung vom Genüsse der Naturschönheiten zu vereinbaren, wie er auch im eigenen Segensspruch über blühende Bäume deutlich zum Ausdruck kommt. Und dann — wo ist der Schrift* satz, der die Bewunderung von Baum und Flur unter Strafe stellt? Der Vers "befindet sich, um die letztere Frage zuerst zu beantworten, im Ijob 30, 4, wo zu lesen ist n»ff 'Vsr niVa o'Söipiv was msm wie folgt übersetzt: sabv-j 'i>'» bwn jwa?> ni5»a Kn"*iiio ■>axns ppatr-j „Die ausschalten die Worte der Lehre aus der Tafel ihres Herzens wegen der weltlichen Dinge." Di« Mischnaweisen dachten an jenen Satz, und da die targumische Auffassung ihnen vielleicht etwas homiletisch erschien, bemerken sie 'iJti a'Tina i^'sa „als ob", „b e i m a h e im Gegensätze zur Mischna 4 'Iii nV^a iwan wo es in ganz bedingter Form heißt: * . 3"hno.ri'T '"in Mit dieser Eruierung der Quelle der Mischna in der Schrift ist aber der- Widerspruch noch nicht geklärt, in dem ihr Inhalt zü der sonstigen jüdischen Anschauung über ■ dem Natürgenuß steht. Tief er gefaßt, könnten wir •darin eine Warnung sehen, nicht gleich den heidnischen Völkern über der Bewunderang und Anbetung dar >Natur Ihn, dem Schöpfer der Natur, zu vergessen, den r-pwmi r\my, auf den gerade die Brocho unsere Sinne hinlenkt. Für unsere Zeit scheint es nicht unberechtigt, 'diese These auch als eine Mahnung aufzufassen, daß wir, „das Volk des Buches," nicht jetzt unter dem Zwange der Verhältnisse plötzlieh ins Extrem verfallen und auf Kosten des Buches und des Geistes alles Heil ausschließlich in der manuellen Arbeit und der agrarischen Beschäftigung erblicken. yna' "tf>n»n Schon bald zweitausend Jahre, daß wir unterwegs sind. Was taten wir auf dem Wege? naitfi Wir schufen die Mischna, den Talmud, bereicherten den Geäst, den eigenen und fremden, an all seinen Bezirken. iM&öö p'Dsai Nun sollten wir die „Geistesarbeit gänzlich abbrechen, das Buch aus der Hand legen und unsere Zukunft einzig auf pit "fy>* und in "V»3, auf Baum und Flur, auf Plantage und Acker stellen? Jener Satz in Ijob sagt es nicht unbedingt, aber in ©einen Worten Ast die Warnung mit enthalt tesn, daß wir uns nicht auf däie«© Weise um unser Kostbarstes, unser unantastbares sie eli s c h es Gut bringen. ltwaa a"nno iV'Ka- Kleines Feuilletont, ... / ■ ■ Zur Notiz über R. Schlomoh Lurja. Man muß Herrnf Dr. Rosenwasser-^Berlin., xtnbe» dingt beistimmen, wenn, er bemängelt, daß ■ es mit der Geschichtswissenschaft an/Bezug auf Genealogie und sonstigen - Einzelheiten sehr .schlecht stetig :-nhddaß .man dauernd auf widersprechende Angaben und; Fehler stoßen k#nn. -Auf das Wesentliche von Rosenwassers Feststellung will ich hier nicht eingehen, da mir gerade kern Exemplar der liin D")P bei der Hand ist, doch ist es* nicht verwunderlich, daß man R. Schlomo Lurjas Geburtsort im Osten sucht. Sein Urgroßvater Jechiel ist au® Deutschland nach Litauen ausgewandert, nur dessen Sohn Abraham, sowie sein Enkel Jechiel — der Vater ,des Meharschoh--lebten im Osten. In der weiteren Famdhengeschichte des großen Gelehrten bringt jedoch Rosenwasser mit seiner kleinen Notizeine weitere Verwirrung, indem er. den Wormser Gemeindevorsteher Elieser Oppenheim zu seinem Großvater macht. Hier irrt Rosenwasser. Der Schwieigersohni Elieser Oppenheims wird Jeho'schua Möschen Lurja, ein ganz entfernter Verwandter der Mehairsehal. Dies© Verwandtschaft rührt von dem gemeinsamen Altgrpßvater Ahron Lurja, der Mitte des 15. Jahrhunderts blühte, her. lieber Elieser Oppenheim und seine Tochter Jutlin, Gattin des Jeh. Mosche Lurja, berichtet David Kaufmann (R. Jair Chajim Bacharach, 1894, Seite 8), ausführlich. Nach dem Stammbaum der Familie. Lurja (hcrausg. v. Anton Lurja) hießen die Großväter des Mß5 harschal väterlicherseits Abraham; Lurja und mütterlicherseits Jizchok Klauber, letzterer in Posen wohnhaft. Eine der ausführlichsten Biographien über den Miehanschäl steht dm Literatttrblatt des Orient 1848 (S. 568). Der Verfasser, Dr. Jacobe Frankel, nennt den Großvater von Muttersseite richtig' Jizchok, aber als Vater der Venn» gibt er Asch e r «N z c h o k an. Was auf diesem Gebiete nicht etwa von David Kaufmann, Leopold Loewenstein oder Bernhard Wachstemgeschrieben ist —- diese'drei haben auch derartige mühselige Kleinarbeit mit .absoluter ß«" wiissenhaftigkeit geleistet —■ bedarf stets, der Nachprüfung. . , ,- ' Buchhändler Loui» Lämm, Amsteidaim-

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