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Der Israelit · 1937-04-15 · Heft 15 (15.4.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 15 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 15 Der Israelit 15. April 1937 KURIOSA. Drei ijüdische Polizisten m Palästina, und wie verschieden voneinander/ Das erfuhr ein Freund unseres Blattes in Jerusalem, der sich das Vergnügen machte, am Freitag abend, kurz vor Sal bateingang eine kleine Studienreise durch das .Geschäftsviertel der Stadt zu unternehmen. Vor einem jüdischen 'Laden eine große Menschenansammlung. Sabbatlich gekleidete Juden protestieren gegen einen Kaufmann, der, obwohl es schon stark dämmert, sein Geschäft noch nicht schließt. Ein jüdischer Polizist erscheint auf der Bildfläche. Man hört, wie er gütlieh auf den Ladeninhaber einredet, daß er doch schleunigst schließen möchte, um Tumulte zu vermeiden. Ein Schlüsselgerassel, die Rolläden fallen herunter, die Versammlung zerstreut sich und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Eine Straße weite*. Wieder laute Proteste vor einer offenen Ladentüre. Ein jüdischer Polizist erscheint und beginnt ohne Federlesens auf die protestierenden Menschen einzuschlagen. Man hört, wie er den Kaufmann ermutigt, „den Fanatikern ja nicht nachzugeben" und das Geschäft offenzulassen. Er droht, die Protestler zu verhaften. Plötzlich kommt ein europäisch gekleideter Herr des Weges, scheinbar ein Amerikaner. In gutem Englisch legt er den Polizisten nahe, daß es. eher doch seine Pflicht wäre, gegen den eigentlichen Ruhestörer, den Sabbatentweiher, einzutreten, als1 gegen die Juden, deren heiligste Gefühle verletzt werden. „Wir haben lange gewartet auf den (jüdischen Polizisten und begrüßten ihn mit Freude und Hoffnung, aber wir konnten nicht ahnen, -daß jüdische Polizeigewalt auf diese Art mißbraucht wird." Der Polizist senkt ein wenig den Kopf Und geht etwas beschämt von dannen. Der Ladeninhaber, nun bar des polizeilichen Schutzes, schließt rasch und die Menge zerstreut sich in aller Ruhe. Einige Straßenecken weiter. Ein jüdischer Polizist wütet und, schlägt nach recht* und links auf die Menschen ein, die gegen einen offenen Laden protestieren. Er packt einen am Kragen und zerrt ihn aufs Revier, wo er ein phantastisches Protokoll — es ist längst Sabbat — aufsetzt. Hinzulügen will aber der Berichterstatter, daß der Richter tags, darauf den Juden freispricht. Der englische nichtjüdische Richter hat mehr Verständnis für die Psyche des sabbattreüen Volkes als der jüdische Polizist. * * Wir lesen im „Kol Israel"; „Ein bulgarischer Staatsangehöriger in Bethlehem, der einen Selbstmordversuch machte, wurde vom Richter verurteilt, eine Kaution von 25 Pfund zu stellen, als Garantie für gute Führung in den nächsten sechs Monaten." Nun kann das hohe Gericht in Bethlehem ruhig schlafen. Der iMann wird gewiß die 25 Pfund nicht ■im Stich lassen und einfach aus dem Leben scheiden ... * * f - . Das J. P. B. meldet: Ein Londoner Mädchen schickte einem in Sowjetnißland wohnenden Verwandten einen Gebetmantel. Diese Woche bekam die Absenderin das Tallith zurück, mit dem Vermerk, daß „Gebetmäntel auf der Liste der verbotenen Einfuhrartikel in Sowjetrußland stehen." Das Tallith mit seinen Schaufäden, an den vier Enden, die das Seh e n und Gedenken gebieten, ist wirklich eine der wirksamsten Propagandamittel für die Religion und daher kein Einfuhrartikel für das Land der Gottlosenbewegung ... Und nochmals der „unbehütete" Jude. Als Kuriosität fing es an. Da® war, als der „Israelit" von jenem merkwürdigen jüdischen Zeugen berichtete, der so tat, als wüßte er nicht, daß er bei der Eidesleistung den Hut aufzusetzen habe. Dann folgte ein zweites Eingesandt, immer noch unter dem Sammelnamen Kuriosa, das von einem noch krasse-' ren Fall religiösen Nihilismus zu berichten wußte. Schon aber wies die .Schriftleitung darauf hin, daß das Alles nicht mehr kurios, sondern als tief tragisch zu bezeichnen wäre. Wie recht sie damit hatte, dafür kann ich einen neuen Beleg bringen, der an einem Beispiel und merkwürdiger Weise gerade wieder an dem des hutlosen Juden zeigt, wie erschütternd und verheerend die Folgen der Nichtachtung unserer Gesetze sind. Als voriges Jahr Aufruhr, Mord und Brand' das Land Palästina durchrasten, da waren die Zeitungen der ganzen Welt erfüllt von diesen Ereignissen. Heute sind zwar die sogenannten Unruhen vorbei, aber nach wie vor fließt jüdisches Blut auf diesem ältesten Märtyrerboden der Menschheit. Nur daß die Welt jetzt andere Sorgen hat und kaum mehr davon Notiz nimmt. Damals erschien ein interessanter Bericht eines Schweizers, der die Schreckenstage in Jaffa mitgemacht hatte. Der erste Teil sei ^wörtlich hierhergesetzt: -. .Sturm über Palästina. Ich trete aus der Tür des Hotels, das ich in Ja!ffa bewohne. . Sofort stehen zwei englische Polizisten die Karabiner über den Schultern, neben mir und beginnen höflich, aber bestimmt meine Taschen zu durchsuchen. Da sie außer Bleistiften und einem No tizbüch nichts finden, bekomme ich freie Passage Ich schlendere durch .die Straßen; aber es ist nicht viel zu sehen; die Stadt ist seit Wochen tot — ode besser scheintot. Polizeistreifen, Soldatenpatrouillen ein paar Hunde mit eingekniffenen Schwänzen — mehr ist nicht zu sehen. Dennoch lebt Jaffa, lebt und vibriert, aber das spielt sich in den Wohnungen ab, hinter den dicken weißen Hauswänden. Juden gibt es nicht mehr in Jaffa. Ihre Häuser sind verlassen Aber die Araber? Es ist nicht so, daß sie sich nicht auf den Straßen blicken ließen; aber am Tage sieht man sie wenig; erst in den Abendstunden beleben sich die Straßen und vor allem der große Plate am Hafen, den englische Soldaten unter scharfer Be wachung halten. M a n muß sich .vor sichtig bewegen als-Weißerj man muß trotz der Hitze trachten, seinen Hut auf dem Kopf zu behalten. Denn hat man als Europäer keinen Hut auf, so wird man von den Arabern, nicht nur in Jaffa sondern in -ganz Palästina, für einen Juden gehalten, und das kann schlimme Folgen haben. Es ist unmöglich, mit irgend einem Araber ins Gespräch zu kommen, wenn dieser den Verdacht hegt, man sei der „jüdische Feind" Läuft es einem nicht kalt, über den Rücken, wenn man diesen Bericht liest? Diese paar Sätze, die ahnungslos hier niedergeschrieben, sie werden zur furchtbaren Anklage. So sehr hat die Verwilderung jüdischer Gebräuche um sich -gegriffen, daß ein fremder Beobachter zu dem Schluß kommt, „In Palästina erkennt man. den Juden daran, daß er ohne Hut herumläuft." O, wenn doch unsere Brüder und Schwestern in Erez Isroel alle diesen Brief lesen möchten! Wenn der „Israelit" immer und immer wieder seine war nende Stimme erhoben — als Einziger, so viel ich es übersehen kann — es geschah doch immer nur aus übergroßer Liebe, aus Besorgnis, aus einem Zittern um die Folgen für das große Aufbauwerk drüben, im heiligen Land. Noch ist das Schreckensjahr nicht zu Ende, immer noch steht der JLsehuw drüben in schwerster Bedrängnis, Zeit ist es, sich daran zu erinnern, daß es einen tälmudischen Ausspruch gibt, der da heißt: „Wenn ein Mensch sieht, daß Leiden über ihn kommen, soll er sein Handeln und Tun über- »r ii pruten. Möge der unbehütete Jude, der so zum Symbol der Entartung wurde, drüben \yerschwinden, dann wird der Allgütige die Kinder seines Bundes unter seine Hut nehmen. Dr. S. H. G. Die jüdische Volksseele. „Die jüdische Volksseele" betitelt sich ein neues Buch von Oberralbbin©r Adolf A 11 m a n n , Trier, da« bei Berthold L e v y , Berlin, ■dieser Tage erschienen ist. Es gehört vielleicht einiger Mut dazu, mitten in den schweren Sorgen um den Tag heute ideoi logischen Studien von so diffiziler Art nachzugehen, Elementen der Seele nachzuspüren in einer Zeit, da im Vordergrund de® Interesses die Pflege des Körpers allgemein steht. Aber auch die Seele darf nicht hungern. Wir -Juden wissein es am besten, wie hätten sonst die schwersten und schlimmsten Zeiten unserer Geschichte jene grandiosen Werte und Werke für Geist und Seele hervorbringen können? Wir sind daher dem Autor dankbar, daß er uns aus den niäteriellen Sorgen des Tages heraus einmal in das Reich des Seelischen hineinführt und in der ihm eigenen leichten und fließenden Diktion uns vieles von den ewigen Dimgen vermittelt, ohne uns mit verschlungenen Phdlosophemen und Theorien zu belasten. Altmann klärt die Begriffe Volk und Seele, aus denen sich die Synthese „Volksseele" ergibt, die nicht etwa bloß eine romantische Erfindung, ist, sondern auch Gegenstand ernster Studien für die strenge Wissenschaft. Aus der Welt- und Volksseele hebt sich die Einzelseele ab, zu deren Definition s der Verfasser Stellen aus Bibel, Talmud, aus den früheren und späteren, jüdischen und nichtjüdischen Philosophen anführt. Aus dieser Zusammenstellung ergibt, sich, daß das jüdische Volk nur durch seine besondere Seele als Volk G'ttes gekennzeichnet ist. Bezeichnend, daß die Seele dm Talmud u. a. auch «ipn» genannt wird, die Einzigartige. „Ein Licht G'ttes ist die Seele des Menschen". Von da dringt der Autor , zum Geheimnis der Seele vor. Was die Seele des jüdischen Volkes geformt, und geprägt hat, ist ein: Geheimnis und zugleich Offenbares', es ist nichts anderes als die Bibel, und Kernpunkt der Bibel ist die Thora. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich das Verhältnis zwischen Seele und Schicksal, denn v.on dem Grade, wie wir zur Thora, der Seele unseres Lebens, stehen; ist unser Schicksal unter den Völkern bedingt. „Aus uns heraus kann man die Bibel und aus der Bibel hieraus uns erken=' nen." Darum ist e® weniger eine Wissensals mehreine Schicksalsfrage, die wir;, jedem Juden stellen. müssen: „Was weißt Du von der Bibel, welche Macht hat sie bewußt über Dich?" i Aus 'diesem Gedamkenboden heraus erwachsen ganz naturgemäß einige . interessante Ansichten, über Buch und Bibel, S e e 1«;ü n>d Bibel. Ein spannendes Kapitel : ist üb erschrieben „Iin Seeleabann der Bibel", ein anderes „Bibel und Menschheit", gewissermaßen^ aber nur als Einleitungen zu dem Kapitel über dlie j ü di s c h e V e r p f 1 ä c h t ung auf die Bibel. . „Sie verehren, bewundere, lieben und bewahren die Bibel, sie lesen und studieren und hören sie, aber sie leben-sie nicht." Die Bibel äst nicht dazu da, um ein bloßes Bibliothekendasein zu fristen, sie muß vielmehr jedem. Einzelnen wie xler Gesamtheit das tägEche und stündliche Brot sein, der Imperativ und die Maxime seines Lebens und Tuns. Wie nun die Bibel in all© Belange unseres Lebens befruchtend eingreifen muß, ja, auch eingegriffen hat, beweist der Autor in dem Kapitelchein über Kunst, Kultiir, Aufbauwerk und Bibel, Eine j ü dische Bibelgesellschaft zur Verbreitung der Bibel und zwar der jüdischen Bibel in jüdischer Ausdeutung tue uns. Not. Wir lassen hier zur Veranschaulichung der Denkweise und Schreibart Altmanns das Schlußkapitelchen aus der Schrift, die wir allen, besonders auch der Jugend, zur Lektüre und Beherzigung empfehlen, folgen: „Jeder kennt das berühmte Gemälde „Golus" von ins Elend hinausziehenden Juden, Männer und Frauen, Greise und Kinder, tragen nichts mit sich in Händen, All© sind blank und bloß, ohne jede Habe. Aber in der vorderen Reihe trägt einer eine Thorarolle im Arm, und sie wissen alle, sie haben alles, sie tragen ihre Sinngewißheit und Bestandesgrundlage mit sich. — In einer kleinen Gemeinde erlebte ich vor einiger Zeit eine Vision 'dieses Bildes. Eine Gruppe nach Uebersee auswandernder jünger Juden trat an mich mit einer religiösen Anfrage heran. Sie wollten wissen, wie man nach religiöser Vorschrift eine heilige Schrift=Rolle für eine solche Reis© zu verpacken habe. Sie wollten eine Thorarölle mit sich nehmen. Sie wollten, wohin sie auch das Schicksal tragen wende, nicht ohne die Möglichkeit isedn, ein Weiterleben ihrer heimatlichen jüdischen Gemeinschaft aufzurichten und eine Gemeinde zu bilden, für die doch vor allem eine Thora unerläßlich sei. Diese kleine Gruppe Hinausziehender hat, vielleicht unbewußt, aber um so wahrer und schlichter, das jüdische Zeitsymbol und seine Parole ausgesprochen! Nehmt überallhin den letzten Sinn eurer Legi timität und Existenz als Juden in der Welt mit euch — die Bibel! Tragt sie hinaus in die Welt, d. h. nicht nur in der pergamentenen Rolle oder im Buche, sondern am Geiste, im Herzen, in Leben und Tat! Umschichtung und Wanderung, Bewegung und Aufbruch des Judentums überall in der Welt, aber keine Auflösung! Denn 'die Parole gilt: Verantwortung tragen für 'die Seele. Vergeßt ihrer nicht über den physischen Nöten, denkt an die Bibel, sie ist,des jüdischen Volkes Seele!" Postanschlüsse nach Uebersee, mitgeteilt vom Atlantic Expreß G. m. b. H„ Berlin, Friedrichstr. 100. Palästina: 17. 4. Anh. Bhf. 22.45 Uhr 18. 4, „ „ 22.45 Uhr ' 19. 4. „ „ 22.45 Uhr 21. 4. „ „ 22.45 Uhr 24. 4. „ „ 22.45 Uhr L u f t p o st : 16. 4. C 2 13.45 Uhr via Amsterdam 17. 4. C 2 8.45 Uhr via Rom 18. 4. C 2 8.45 Uhr via Brindisi 20. 4. C 2 13.45 Uhr via Amsterdam 21. 4. C 2 8.45 Uhr via Rom 23. 4. C 2 13.45 Uhr via Amsterdam 24. 4. C 2 8.45 Uhr via Rom Zuschlag für je 5 Gramm 10 Pfg. mindestens aber 15 Pfg. Südafrika: . ' 21. 4. Anh. Bhf. 23.48 Uhr via ,Southampton Luftpost: 17. 4. C 2 8.45 Uhr via Brindisi 21. 4. C 2 8,45 Uhr per Imperial 24. 4* C 2 . 8.45 Uhr Airways Zuschlag für je 5 Gramm 35 Pfg. Südamerika: 20. - 4. Potsd. Bhf. 23.45 Uhr via Genua per S/S Augustus 22. 4. Charlb. Bhf. 23.58 Uhr via Boulogne per Highl. Chieftain Luftpost:. 17. 4. C 2 9 00 Uhr 21. 4. C 2 21.00 Uhr 24.. 4. ,C 2 9.00 Uhr Nordamerika: 1. 30. 3. „ „ 11.20 Uhr via Cherbourg per S/S Queen Mary 1. 4. . „ „ 11.20 Uhr via Cherbourg -per v , : S/S Hamburg 20. 4. Charlb. Bhf, 11.20 Uhr viaXherbourg per •S/S: Europa 21. 4. . „ . 1L20 Uhr yda le Havre per ,; / S/S. Washington 22. 4: .' ,, 11.20 Uhr via Chettb'oür.g per '; '- S/S New York.

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