Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 15 Oer Israelit 15. April 1937 ISRAEL Ungewißheit üb er die neue Halb jahrsquote. London, 9. April. Das Kolonienministerium hat auf eine Anfrage der ITA., wann die neue Halbjahresquote der Arbeitereinwanderung nach Palästina für die Monate April bis September, 1937 bekannt gegeben werden wird, sich außerstande erklärt, Mitteilungen hierüber zu machen. Die Festsetzung der Einwanderungsschedule, so heißt es in dem Bescheid des Kolonienministeriums, gehöre ausschließlich zu den Befugnissen -des High Commissioner; das Kolonienministerium nehme darauf keinen Einfluß. Die neue Fluglinie Polen—Palastina, Jerusalem, 7, April. Für' die Piloten und Passagier« der neueröffneten Fluglinie Polen—Palästina wurde in Tel Awdw ein Empfang veranstaltet, an dem der polnische Generalkonsul Hulanicki, Vertreter der Jewish Agency, der Stadt gemeinde von Tel Awiw und der Tel Awiwer Banken teilnahmen. Bürgermeister Israel Rokach hielt an die Gäste eine Ansprache und forderte sie auf, dafür zu wirken, daß Polen die OffenhaLtung der Tore Palästinas für jüdische Einwanderung unter stütze. Der Generaldirektor der Anglo-Palestin e Bank, S. Hoofien, trat für stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern ein. Aus Warschau wird berichtet: Das Flugzeug, das zum ersten Male die neuer- ' öffnete Flugstrecke Polen—Palästina beflogen hat, ist wieder in Warschau eingetroffen. An Bord befand sich der Generaldirektor der Fluggesellschaft Lot, Makowsikd, der seine Befriedigung über den Verlauf des ersten Hin- und Rückfluge© nach Palästina ausdrückte und sich in anerkennenden Worten über die Entwicklung Palästinas äußerte. Das Flugzeug brachte zwei Kisten ' Apfelsinen mit, die die Zitrusgesellschaft Jachin der polnischen Fluggesellschaft Lot geschenkt hat. Wie aus Berlin berichtet wird, wird die Eröffnung der neuen Fluglinie Polen—Palästina auch die Beförderung von Luftppstsendungen aus Deutschland nach Palästina günstiger gestalten. In Zukunft werden Luftpostsendungen nach Palästina außer mit den Luftposten Amsterdam—Bandoeng und London—Singapore auch mit der neuen Luftpost Warschau—Athen—Lydda befördert. Der Postschluß für diese Flüge ist beim Postamt Berlin C. 2 am Montag und Freitag um 6 Uhr. Die Sendungen gehen ab Berlin am Montag und Freitag um 7 Uhr, sind in Athen (Montag und Freitag 18.45 Uhr, gehen ab Athen Dienstag und Sonnabend 11.30 UhT und sind in Lydda Dienstag und Samstag um 17.05 Uhr. Wieder ein jüdisches Todesopfer. Jerusalem, 11. April. Der Araberterror in Palästina hat am Samstag wieder ein 'jüdisches Todesopfer gefordert. In der am Jarkonfluß gelegenen Siedlung Jarkona nördlich von Petach Tikwah wurde "die 38jährige Kolonistin Mali Engelhardt, als sie zum Stall ging, um das Vieh zu füttern, von Terroristen angeschossen. Sie wurde durch eine Kugel schwer verletzt. Wie später im Krankenhaus von Petach Tikwah festgestellt wurde, hat es sich um ein Dum- Dum-Geschoß gehandelt. Nach wenigen Stunden erlag Frau Engelhardt, die aus Deutschland eingewandert war, ihren Verletzungen. Der Mord hat dm ganzen Jischuw ungeheure Erregung hervorgerufen. Die Nachforschung nach den Tätern wurde von der Polizei sofort aufgenommen. Man vermutet, daß sie unter den Bewohnern der benachbarten arabischen Dörfer zu suchen sind. Araber gegen Araber, Jerusalem, 11. April. Der Terror gegen den gemäßigten Teil der arabischen Bevölkerung Palästinas hält unvermindert an. Am Samstag wurde um Mittemach der Vizebürgermeister von Tiberias, Ibrahim' Jussuf, auf dem Rückwege von einer Hochzeit in dem arabischen Dorf Sehafraam eiriBcho.ss©n. Jussuf, der von Beruf Rechteanwalt war, hatte sich geweigert, an dem Srteik der arabischen Stadtverwaltungen teilzunehmen. Ein zweiter Araber wurde am Sonntag zwischen den Siedlungen Jarkona und Petach Tikwah tot aufgefunden. Im Zusammenhang mit der Tat wunden vier Juden, darunter zwei Revisionisten aus Petach Tikwah, verhaftet, "bald darauf jedoch wieder freigelassen, da sich' keine Verdachtsmomente gegen sie ergaben. Vier Araber, unter ihnen zwei Führer von Streikkomitees in Dörfern bei Jerusalem, wurden beim Verlassen der Omar-Moschee angeschossen. Zwei wurden schwer verletzt. * Allerlei aus Erez Israel Jerusalem, 12. April. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope war bei der 25=Jahrfeier des Technikums in Haifa zugegen und hielt eine Ansprache, in der er von' seinem „lieben Freund Shmarjahu L e w i n " •sprach, den er als bewunderungswürdige« Mann ■schilderte. Die ehemaligen Angehörigen der Jüdischen Legion ließen sich in einer Konferenz genau über die Aufstellung des*neuen Grenzkorps unterrichten. Das Grenzkorps wird aus 15.00 Polizisten bestehen. Die ehemaligen Legionisten machen Anspruch, in genügendem Maße bei der Anstellung berücksichtigt zu werden. In Erwartung des iN e b i M u s s a - Festes, bei dem es eine oft recht turbulente Pilgerfahrt nach dem angeblichen Grabe von Moses gibt, hat der Gouverneur von Jerusalem eine (Reihevon Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erlassen. Das Fest' fällt auf den. 22. April. Einige Führer" der radikalnationalistischen arabischen Jugend haben eine Sicherstellung von je 25 Pfund hinterlegen müssen. Die Führer müssen in ihren Dörfern bleiben und sich täglich bei der Polizei melden. Im Hafen von Tel Awiw wird eine Quarantänestation eingerichtet, worin man eine Vorbereitung für die Eröffnung de® Tel Awiwer Hafens für den Passagierverkehr erblicken kann. Man erwartet, daß schon demnächst ein großer Teil der jüdischen Alijah über Tel Awiw gelenkt werden kann. ( " Es steht nun fest, daß der Chefsekretär der Palästinaregierung, John Haxhorn Hall, am 16. April aus dem Amte scheiden und Palästina verlassen wird. Die Arbeiterschaft Palästinas erlitt einen empfindlichen Verlust mit dem Tode ihres Führers Jo- 'sei Aronowitz. Aronowitz war Mitbegründer des „Hapoel Hazair", dessen Organ er lange Jahre redigierte. Er wurde 60 Jahre alt. Zur gleichen Zeit starb im Alter von 73 Jahren Simson Beikind, einer der letzten Ueberlebenden der Bilu-Bewegung und der Mitbegründer von Richon L'zion. Während der Pessachfeiertag© haben über 10.000 Juden an der West mau er Gebete verrichtet. Die Polizei hatte ein wachsames Auge. Zwischenfälle kamen glücklicherweise nicht vor. Die Zahl der Touristen um die Pessachwoche wird auf 800 geschätzt. Die erste Verordnung auf Grund der PaleStine (Defence) Order in Council 1937. Jerusalem, 11. April. Auf Grund der Palestine (Defence) Order in Council 1937 hat der High Commissioner eine Verordnung erlassen, durch die 'die Distriktskommissare oder ihfe Stellvertreter ermächtigt werden, Polizeiabteilungen in Gebiete zu senden, deren Einwohner die Unterstützung der Polizei oder der Behörden bei der Unterdrückung von Unruhen verweigert haben. Diesen Polizeiabteilungen sind von der Bevölkerung Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung zu stellen. Geschieht dies nicht, dann ist die Polizei be: rechtigt, Unterkünfte und Nahrungsmittel zu requirieren. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Zum Andenken an Nathan Birnbaum V"2?T* Im Zusammenhange mit der bevorstehenden Landeskonferenz .der Aguda® Jisroel.- in England ' und Irland hielten Zeiire Agudas' Jisroel in Londlon am letzten Sonntag eine Versammlung ab, in der der Chawer Spring 1-er aus dem Haag die Nachricht vom .Ableben Nathan Birnbaums überbrachte, die tiefe Bestürzung hervorrief. Herr Springler zeichnete in ehrenden Worten die Persönlichkeit Birnbaums und seine Theorien. Seine Weckrufe haben viele zur Besinnung gebracht und aus der geistigen Knechtschaft befreit, Birnbaum war >es, der in seinem Werke „Im Golus bei Juden" schonungslos die Tatsache aufdeckte, daß -die freigesinnten Teile des Judentums eine Monopolstellung im Judentum behaupten, aus der sich die religiösen iMassen, vorweg die in Agudas Jisroel organisierten religiösen Juden, befreien müssen. Herr Zimmermann referierte.über dien Stand der Vorbereittingen für die zweite Landeskonferenz der englischen Agudas Jisroel. Di,e Jugend müsse dort in: entsprechender Anzahl und würdiger Weise vertreten sein. Die Wahlen der Delegierten werden demnächst stattfinden. /-Um die Aufstellung des Sommerprogramms entwickelte sich eine lebhafte Dis-- kussion. Nathan Birnbaum-Klub in Warschau. Eine Anzahl Intellektueller und junger Akademiker gründete zum Andenken an 'Dr. Nathan Birnbaum einen Klub auf seinen Namen, der die akademische Jugend um sich sammeln, und die Ideen Nathan Birnbaums unter der gebildeten jüdischan Jugend Polens verbreiten will. Marienbad und die Kenessio Gedaulo, Der Stadtrat von Marien bad hat in einem Telegramm an die Exekutive der Agudas Jiisroel-Weltorganisalion in London mitgeteilt, daß er gerne bereit sei, den K ü r s a a 1 für die Sitzungen der dritten Kenessio Gedaulo im kommenden Hochsommer zur Verfügung zu stellen: Auf der letzten Sitzung der englischen Agudas Jisroel wurde b eschlossen, die zweite L a n d e s konferenz der Agudas Jisroel in England und Irland am 2 8. Ijar in London abzuhalten. Es wurde dn der Sitzung konstatiert, daß im abgelaufenen Jahre Keren Hatorah und Keren Hajischuw im englischen Judentum festere Wurzel ge« faßt haben. Besondere Fortschritte hat die Beth J aakow-Bewegung zu verzeichnen, an deren Spitze die bekannte Lady S a «' s o o n steht.- In Lomdon=Ost wie im Norden der Stadt bestehen mehrere Jugendgruppen der Aguda, ebenso Bnoth Agudas Jisroel-Gruppen. Im Mittelpunkt der kommenden Landeskonferenz wird 'die 25-Jahrfeier der Katto witzer Konferenz stehen. Der Board of D'eputdes wird auf der Konferenz durch seinen Präsidenten Newille L a s k i vertreten sein. [J. P. B.) Beth Jaäkow-Vortrag in Würzburg. Im Jüdischen Frauenverein sprach Frau Lehrer Roberg in einem bestens durchdachten, auf eigene Erfahrung gegründeten Vortrag über das Beth Jaakow-Schulwerk der Agudas Jisroel. Mit Spannung lauschten die in stattlicher Anzahl erschienenen Mitglieder den Ausführungen über die Entstehung des großen Gedankens, seine Verwirklichung und das Anwachsen zu der heute bestehenden umfassenden Organisation, über deren Aufgaben, Leistungen und Ziele. Die Vortragende erzählte von Sarah Sehe* n i r e r , die von der dringenden Notwendigkeit der Mädchenausbildung im Osten zu unentwegter zielbewußter Arbeit entflammt war, einer Arbeit, die ihr denn 'auch im Laufe der Zeit den schönsten Lohn eintrug. Nach 10 Jähren schon sah sie, inzwischen selbst Jugendbildneritt geworden, ein© Generation von Mädchen ^heranreifen, die dank der, Vertiefung ihres jüdischen Wissens', ihres Strebens nach geistiger und seelischer Vervollkommnung sich mit Stolz ihres Berufensein® als Jüdinnen bewußt wurden. — Nachdem nun Dr. Leo D e u t s c h 1 ä n d e r, damals Referent für jüdisches Unterrichtswes'en im Mtaui* sehen Ministerium, die Leitung des Schulwerks übernommen hatte, wuchs es zu einer Organisation heran, die 1929, also zwei Jahrzehnte nach der Gründung bereits 150 Schulen in Polen allein umfaßte, 'mit eigenen .Lehrermnenseminarien in Krakau und Wien. (Heute gibt.es ein weiteres dn Czernowitz)i. Fr. Roberg bracht© zuletzt "noch Urteile und Schildefun-- gen namhafter Persönlichkeiten zusr Verieiurig, u. a. auch einen Bericht der uns Würzburgern bestens bekannten Frau Dr. Judith Rpsenbaum-Grünfeld. Reicher Beifall dankte den fesselnden Ausführungen; der Dank des Frauenvereins wurde von Frau Rabbiner Dr. 'Hanover in warmen Worten zum Ausdruck -gebracht. ' , J. L.