Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450975--82940-2540917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr.'15 D e r. I s t a e 1 i t 15. April 1937 vergeben. Namentlich seit den Zeiten der Renaissance wuchs dieser Sturm gegen die jüdische Voranstellung G'ttes, gegen die g'ttliche Bändigung des Menschen immer mächtiger an, suchte sich der ursprüngliche Instinkt des Heidenmenschen immer sehnsüchtiger den Weg ins Freie, zu seinem sogenannten freien Spiel der Kräfte, darin nicht gerade nur Kain den Abel,, sondern auch ein Kam den anderen und, wenns darauf ankommt, sogar ein Abel den andern niederschlägt. Wir aber waren wie Menschen in einer windstillen Bucht, die den Sturm auf dem offenen Meere toben sehen. Mit verwunderten Augen sahen wir dem Kampfe da draußen zu, der Riesenschlacht um ein Zwergteilchen unseres Judentums und blieben, — blieben allein mit Korrespondenzen. i .' Deutsches Reich. Thoralehranstalt Jeschiwa. Frankfurt a. M., 14. April. Von der Frankfurter Thoralehranstalt Jeschiwa wird nus mitgeteilt, daß das Somm er »Semester mit allen üblichen Lehrgängen nächsten Montag, den 19. April, im Jeschiwa-Gebäude Friedberger Anlage 5, beginnt. Nähere« über die Zahl der Hörer und die Lehrgänge dieses Sommers ward noch bekannt gegeben. Eröffnung der neuen Höheren Schule der Berliner Jüdischen Gemeinde. B e r 1 i n , 12. April. Unter Beteiligung einer außerordentlich . großen Zahl von Lehrern, Eltern und Schülern wie Vertretern vieler Körperschaften fand am 11. April im Berliner Logenhaus die Feier der Eröffnung der höheren Schule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Ansprachen hielten Dr. Alfred Klee im Namen der Schulverwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde und der Direktor der neuen Schule, Dr. Bruno Strauß über Bedeutung, Gestaltung und Erziehungsziel dieser Schule, mit der ein neuer jüdischer Schultyp geschaffen werden soll. Dr. Klee erinnerte daran, daß die letzte Feier vor nunmehr zehn Jahren der Einweihung einer Volksschule galt. Zwischen ■diesen beiden Schulen gebe es nur einen Unterschied des Lehrgangs. Es dürfe aber keinen Unterschied ihrer Bewertung und-der Bewertung derjenigen Kreise geben, die die verschiedenen Schulen besuchen. Aus ganzem Herzen und nicht nur durch äußeren Zwang werde heute Volksschulbildung und Erziehung zu manuellen Berufen in jüdischen Kreisen voll gewürdigt. Es würde aber ein Fehler sein, wenn an die Stelle der früher verbreiteten Ueberschätzung der höheren Bildung nunmehr ihre Minderbewertung treten sollte. Die Schule müsse heute bei voller Weltoffenheit ausschließlich in jüdischem Lehrgut und jüdischem Volkstum wurzeln. Auf die Erziehung zur Treue gegenüber den trad i t ixo n e 11 e n Werten werde besonderes Gewicht' gelegt werden. Direktor Dr. Strauß betonte, daß es sich bei dieser Gründung nicht nur um eine neue Schule, sondern auch um eine Schule der Erneuerung handein soll. Der Weg dazu ^sei -die Einkehr in unser eigenes Weeen, das Erziehungsziel, innere Sicherheit, die gleichzeitig unbedingte innere Freiheit bedeute. Zur Erreichung dieses Zieles sei die Hinführung zu religiösen Werten in stetem Bewußtsein der religiösen und nationalen Zusammenhänge erforderlich. „Wir werden," sagte Dr. Strauß, ,,nie die Größe der deutschen Kulturwelt vergessen, deren Sprache wir sprechen, und um die Generationen von uns ehrlich gerungen haben, aber der Spiegel, von dem alle diese geistigen Werte aufgefangen werden, müsse unsere nationale und religiöse Eigenart sein." Juden sind nicht mehr Gemeindebürger. Berlin,?,. April, In einem Runderlaß des Reichsinnenministers werden weitere Ausführungsanweisungen zur Durchführung der Deutschen Gemeindeordnung gegeben. Hierbei werden die verwaltungsrechtlichen Folgen aus den Nürnberger. Gesetzen gezogen. Bisher war Bürger der Gemeinde^ jeder deutsche Staatsangehörig©) der die sonstigen Voraussetzungen de© § 19 der Deutschen Gemeindeordnung erfüllte. Nunmehr -wird als Bürger der Gemeinde jeder Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes angesehen, der am 30. September 1935 das Reichstagswahlrecht beden Schauern der Ewigkeit. G'tt hatte uns, wir hatten ihn gewählt. ' * * Man schreibt uns aus Scheveningen.' In dem Nachrufe auf Nathan Birnbaum in der jüngsten Nummer des „Israelit" hat sich ein Mißver* ständnis eingeschlichen: Die -Worte „Nützet meinen Tod zur Propagierung meiner Ideen ordentlich aus" sind nicht von Nathan Birnbaum, in dieser Form gesprochen, worden, sondern bilden eine nur sinngemäße Wiedergabe jdes Hörers. Sie bezogen sich übrigens nicht auf Propagierung seiner Ideen im allgemeiner», sondern standen im Zusammenhang mit der Arbeit für j ü di® c h e,Gr o ß si e d 1 un g en auf der Grundlage religiös=nationaler Autonomie auch außerhalb Palästinas. Es waren nicht die letzten Worte, die man aus seinem Munde hörte, die betreffende Aeußerung wurde vielmehr einige Monate vor seinem Hinscheiden gesprochen. ^■■■^■■^■■■^■■■■■■BHB sessen hat, oder dem das vorläufige Reichsbürgerrecht verliehen wurde. Die sonstigen Voraussetzungen sind unverändert geblieben. Hiernach sind, wie der Minister feststellt, Juden nicht mehr Gemeindebürger. Die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 unterscheidet zwischen Einwohnern und Bürgern einer Gemeinde. Bürger der Gemeinde sind, wie §. 19 bestimmt, die deutschen Staatsbürger, die das 25. Lebensjahr voltendet haben, seit mindesten®, einem Jahr in der Gemeinde wohnen, und die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen. Einwohner der Gemeinde ist, wer in der Gemeinde wohnt. {ITA.) Der Privatunterricht Jüdischer Schüler. Berlin, 9. April. Nach einer Anordnung des Reichserziehungsministers kann jüdischen Antragstellern bei Vorliegen der allgemeinen Voraussetzungen die" Erlaubnis zum Privatunterricht für jüdische Schüler erteilt werden. Jüdischen Mischlingen darf die ,Erlaubnis nur aus* nahmsweise und nur mit Genehmigung des Ministers gegeben werden, Jüdische Mischlinge sollen, 'soweit sie nicht ausnahmsweise zum Besuch einer jüdischen Schule zugelassen sind, nicht von jüdischen Lehrkräften oder jüdischen Mischlingen unterrichtet werden. Die besondere Unterrichtserlaubnis bezieht sich darum nur auf den Privatunterricht... In allen Fällen kann -eine Unterrichtseriaubnii» nur erteilt werden, wenn gegen die politische Haltung der Lehrkräfte keine Bedenken bestehen. Tagung dies Verbandes bayerischer Gemeinden. München , 9. April, Am 21, und 22. März.fand eine Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden statt. Einem offiziellen Bericht über die Tagung ist zu entnehmen, daß der Präsident des Rates, Oberstlahdesgerichtsrat i.. R. Dr. Neumeyer, den Arbeitsbericht erstattete, wobei er u. a. ausführte, daß die Zahl der Juden in Bayern i. J. 1933 noch 42.000 betragen habe, und sich heute auf wenig mehr als 30.000 belaufe: Seit der letzten Tagung seien die Rabbinatsbezirke Bayrefuth=Neumarkt und Regensburg vereinigt worden. Erledigt seien die Rabbinatsbezirke Kitzingen durch das Ableben von Dr. Wohlgemuth, Ansbach durch Berufung von Dr. Münk ' nach Paris und Ichenhausen durch Berufung des Rabbiners Schwab ~ nach Baltimore. Ueber .die Zusammenlegüng der Bezirke Kitzingen und Ansbach bestehe grundsätzlich Einigkeit. Von sozialen und kulturellen Aufgaben des Verbandes erwähnte Dr. Neumeyer die bevorstehende .Errichtung von Lehrwerkstatten für .Mechaniker, Elektromechaniker und Tisch- ■ 1er in München mit zunächst vierzig Lehrlingen. Der Verband habe auch das L e h r 1 i n g s h e i m in München übernommen. Er habe den Wanderbüchereibetrieb aufgenommen und beab= •sichtige an Orten, die keinen Anschluß an den Kulr turbund hätten, sogenannte Knlturfahrten durch Veranstaltung von Konzerten und Vorträgen durchzü-, führen. Kommerzienrat Ludwig Rosenzweig berichtete über die Jahresrechnung 1936/37 und über den Etat 1937/38. Er erwähnte,, daß die'Gemeinden Müh-;' chen und Nürnberg 70 Proz. und die Großgemeinden zusammen 90 Proz. der gesamten Umlagen des Verbandes aufbringen würden. In der Aussprache ergab sich die allgemeine Anerkennung für die Leistungen des Verbandes. Jahresrechnung und Voranschlag fanden einmütige Billigung. A Rechtsrat Dr. Weiler erläuterte sodann den Sozialetat. Es wurde eine neue Verfassung des Verbandes angenommen. Nach; ihr wird eine Vertretung der Gemeinde, der Rat mit dem Recht der.Exekutive (22—25 Mitglieder) gebildet.' Die Rabbinatsbe-: zirke werden durch den neugebildeten Landesaus?; schuß (20 Mitglieder) vertreten, dem insbesondere die Wahrnehmung der Klein- und Mittelgemeinden ob-, liegt. Eine weitere Aenderung liegt in der Verstärkung dar Recht© des Verbandes: -gegenüber den in; der Auflösung begriffenen. Gemeinden, im Interesse der Erhaltung des Gemeindeguts, Die Gemeinde Gochs heimbei Schweinfürt wurde als aufgelöst erklärt.' Wahl-Kompromiß; in der Gemeinde Breslau;' verlängert; .... - Breslau, 8. April. Die zwischen den Parteien der Repräsentanten- Versammlung der Breslauer Synagogengemeinde getroffene Verständigung über die Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung, durch die eine Neuwahl vermieden wurde, ist durch eine Erklärung aller in Betracht kommenden Gruppen bis zum 31, Dezember 1938 verlängert worden. Eine Kündigung müßte bis* zum 30. September 1938 erfolgen. Rumänien. Gemeinde-Wahlen in Rumänien im Zeichen der judenfeindlichen Propaganda. Bukarest, 11. April. Für die am 16. April stattfindenden Gemeinde: wählen in Rumänien entfaltet die judenfeindliche Nationalchristliche Partei eine besonders" heftige Wahlpropaganda. Alle Städte und Dörfer sind mit den Plakaten dieser Parteiüberschwemmt, in denen den Juden die" Schuld an <allen öffentlichen Ueheln zugeschrieben wird. Gleichzeitig' hat; auch die fudenfeindliche Presse. ihre Propaganda verschärft. Die Jüdische Partei, die in dem am stärksten von Juden bevölkerten Stadtteil von Bukarest eine eigene Kandidatenliste aufgestellt hatte, hat sich genötigt gesehen, diese w i.ied e ri z u r ü c k z u z i eh e n, nachdem eine sehr große Zahl jüdischer Wähler wegen „technischer Irrtümer" aus den. Wählerlisten gestrichen worden war. Andererseits wurde in der transsylvanischen Ortschaft De.v.a ein Wahlabkom- 1 men zwischen den Juden und der extrem judenfeindlichen Nationalchristlichen Partei sowie, mit der „Rumänischen Front", der für den sogenannten Numerus Valachicus eintretenden Gruppe des früheren Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vaida-Voeved geschlossen. Der Präsident der dortigen jüdischen Gemeinde, Dr. Eugen Lörinc, steht auf derselben Liste Wie die judenfeindlichen Kandidaten. Das Wahlabkommen zwischen den verschiedenen Parteien ist geschlossen worden, um ein Vordringen der radikalsozialistischen „Plugari'' (Pflüger) zu verhindern. England. Ein neuer ständiger Unterstaatssekretär im Colonial Office. . . Lon don, .11. April. Am 1. Juli tritt der bisherige ständige Unterstaatssekretär im Kolonienministerium, Sir John M a f f e y , von seinem Posten zurück. Dieser Rücktritt ist im Hinblick auf den starken Einfluß, den Sir John auf die englische Palästinapolitik ausübte, von 'Bedeutung. Der Nachfolger, des bisherigen Unterstaatssekretärs wird Sir Arthur C. Parkinson sein. ' . .. - Die Regierung konstatiert Besserung der Sicherheits. Verhältnisse in Palästina, , London, 6. April. In der Unterhaussitzung vom 6. April wurde von einem Vertreter des Kolonienministeriums festgestellt, daß in der letzten Zeit eine Besserung der Sicher* heitsverhältnisse in Palästina zu bemerken sei. Der Abgeordnete Thomas Williams hatte an den Koloniienminiister die Frage gerichtet, ob «r dem Hause eine Mitteilung über den Stand der Dinge' in Palästina zu machen habe. Ferner hatte der Abgeordnete Mander gefragt, ob der Minister eine Erklärung über die Lage in Palästina unter Berück5 sichtigung ,der Ausbrüche von Gewalttätigkeit und der zu ihrer Verhütung getroffenen Maßnahmen abgeben könne. In Beantwortung beider Fragen erklärte in Vertretung des' Kolonienministers, Commander Southby, Lord Commissioher des Schatzamtes: Ich . freue mich, feststellen zu können, daß ein Rückgang der Kriminalität stattgefunden' hat und daß das' Gefühl der Unsicherheit in den letzten zehn Tagen. anscheinend weniger akut geworden ist. Um einem Wiederaus* bruch von Gewalttaten vorzubeugen, sind von der Palästinaregierung besondere Mäßnahmen getröffen worden, bei denen die militärischen" Kräfte den Zivilbehörden in verschiedener Richtung weiter Beistand leisten'werden. Eine Aktion für die Juden in Polen. L o n d o n , .9. ' April. Auf einer Londoner Konferenz, die zu der Notlage d e r Juden i n Polen Stellung nehmen sällte., würde ein Zustämmungsschreiben vom früheren Ministerpräsidenten David LloydG«:o r & e verlesen, in dem er auf die Pflicht hinweist, den 3*/» Millionen5! Juden in Polen;zü : Hilfe zu 'kommen.' Prof. Dr. Brodetz ky schilderte in seinem Hauptreferate «dfö' H&feesj&h^bUcke-' «Armut der' Juden in Polen in den schwärzesten Farben. Hunderttauä sende leben unter Verhältnissen; Von. denen sich der Westen gar keine Vorstellung machen kann. Es herrsche ,dort .auch politische Not, und, Angriffs auf Juden seien in den' Straßen der polnischen" Städte an der Tagesordnung.' Die 'Haltung der'jüdischen Stu-