Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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15. April 1937 D e r 1 s r,a e Ii t Nr. 15 Seite 5 jüdischen Kaufleuten in East=End, -die am Sabbat ruhen, zu erlauben, am' . Sonntag bis 2 Uhr Mittag ihre Geschäft© offen zü halten. Die Ausnahme-tBestimmungenfür die jüdischen Kaufleute werden in •der nächsten Sitzung des Stadtrates im Einzelnen festgelegt werden. Der schon geradezu weltberühmte P e 11 i c o a 11 a n e M a r k t wird auf diese ■ Weise erhalten bleiben. Und zur gleichen Zeit wurden in der polnischen Stadt Lublin die jüdischen Besitzer von Branntweinschenken von der Finanzbehörde aufgefordert, ihre Geschäfte am Samstag offenzuhalt e n. Das staatliche Spiritusmonopol, heißt es in der Begründung, könnte Schaden erleiden, wenn der Alkoholverkauf an Sabbat und jüdischen Feiertagen unterbliebe. Es gihh. Länder, in denen man von einer gelegentlichen Schließung der Branntweinschenken eine Hebung der Volksmor.al erwartet. Sollten die Finanzbehörden in Lublin — das letzte Wort wird doch wohl Warschau zu sprechen haben — das Spiritusmonopol über die Volksmoral stellen? Hoffen wollen wir, daß Marschall B a 1 b o , der Hüter der italienischen Kultur in Tripolis, bei der Modernisierung und lEuropäisderung der Haupt» stadt Libyens sich nicht Lublin, sondern London zum Muster nimmt. Die Vensucheirakete,. die von London nach der Richtung einer Teilung Palästinas abgelassen wurde, wuchs sich in der dicken Luft zu einer Bombe aus, die mit solcher Wucht mitten in die Diskussion um Palästdna hineinplatzte, daß, wie aus den Berichten der jüngsten Nummer des „Israelit" hervorging, darüber alle anderen Sorgen um Palästina eine Zeitlang vergessen schienen. Wie aber, wenn das Ganze wirklich und wahrhaftig nur aus der Luft gegriffen wäre und die Königl. Kommission noch ' gar nicht daran gedacht hätte, ihre-Karten aufzudecken? Der Kolonienminister in London wie der High Commissioner in Palästina erklärten gleichlautend, daß sie von den Vorschlägen der Königl; Kommission noch nicht die geringste Kenntnis hätten. Die dem Kolonienministenium sehr nahe-stehend^ Londoner Zeitschrift „Great Britain and the East" betont noch einmal, daß alle Gerüchte um die Teilungspläne' lediglich auf Vermutungen beruhen, die vorerst jeder festen Grundlage entbehren. Keines von den Kommissionsmitgliedern hätte bis jetzt nur eine Andeutung Über den Geist und die Art der zu «machenden Vorschläge geäußert. Man müsse eich zunächst mit der Gewißheit bescheiden, daß. die Königl. Kommission etwas Entscheidendes und Nützliches vorschlagen werde, mit unbegründeten Voraussagen erschwere man nur die Entspannung der Atmosphäre. —— Nach diesen Aeußerungen von offizieller und offiziöser Stelle wäre es vielleicht .wirklich ratsam, all den Gerüchten gegenüber etwas mehr Zurückhaltung zu wahren. Wir können uns aus diesem Grunde zunächst auch die Meldungen der „ITA." über Beschlüsse der Exekutive der N. Z. 0. und über Aeußerungen einiger zionistischer und revisionistischer Pariedgrößen über den Teilungsplan schenken. Es kömmt nicht so häufig vor, daß der Völkerbund und seine Instanzen ernstlich zugunsten der Auswanderer eingreifen. Und so gereicht es uns zur Genugtuung, einmal von einem solchen Schritte Sabbat, den wöchentlichen Sabbat und den Sabbat des Landes, zu beobachten. Der gesetzestreue Teil der Gola hat es gemäß der Erwartung, die .der Verfasser der Mischnah auf ihn setzte, verstanden, den allwöchentlichen Sabbat in den mannigfaltigten Wandlungen des wirtschaftlichen Lebens zu wahren und in würdiger Ausgestaltung zu ehren. Jetzt winkt ihm die herrliche Aufgabe, sein Ringen für den Sabbat krönend zu vollenden, d. h. wenigstens durch materielle Beisteuer mitzuwirken an der Beobachtung des Sabbatjahres im heiligen Lande, Die große Stunde lädt zu großer Tat — wer wollte nicht ihrem Rufe Folge leisten; wer wollte sich dem unmittelbaren Eindruck entziehen, mit welchem 'die Sätze der kommenden Sidroth un® Ani Hinblick auf das bevorstehende Schmittojahr in seinen Bannkreis zwingen. Wochenkalender. Vom 17.-24. April 1937 / Vom 6.-13. Ijar 5697 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag 'Samstag;> \ 'BT ip rnrun 17 6 w 18 7 ry Apr. 19 8 n» 20 IV« 9 ujr 21 10 Ö 22 li ,'XS 23 12 ■?fl . 24 13 'a p*is snxD Wim :. /w rpayn »E^an jvajm 'i pis 'aygipsinx. melden . zu . dürfen..'.. .. Einer . großen. Anzahl von eingewanderten Juden in Sü&afrika drohtbekanntlich da« Schicksal der .'"Ausweisung, weil sie kurz vor oder nach Inkrafttreten der heuen Gesetze bei der ^Landung irgendwie mit den neuen Einwanderungsbestimmungen in Kollision geraten, seien'. Nun hat sich; wie .die ITA. Berichtet, Sir' N e i 11 Malcolm, der Völkerbundskommissar für Auswandererfürsorge, mit dem High Commissioner für Südafrika, te Water, in Verbindung gesetzt und zunächst Erhebungen darüber angestellt, wieviele Auswanderer, aus Deutschland von diesen Maßnahmen beiraiien werden. Sobald diese Erhebungen abgeschlossen sind, will der Völkerbundskommissar/in dieser Angelegenheit eingehend Und energisch -intervenieren, und es kann kein Zweifel sein, daß die Intervention von Erfolg sein wird. Was die ITA. nicht berichtet und wir aus dem Londoner „Jewish Preß Bureau" erfahren, ist, daß dieses Eingreifen Sir Neills auf telegraphi* sches. Ersuchen des politischen Sekretärs derAguda- Weltorgankation, Mr. H, A. Goodman, erfolgt ist. Es handelt sich, nach dem J. P. B., um 2000 jüdische Einwanderer aus Deutschland, denen geholfen werden soll. : Die Tragödie der Juden in Polen weckt schließlich das europäische 'Gewissen., soweit dieses wenigstens von den •führenden Männern in England vertreten ist. Im Korrespondenzenteil berichten wir über ein Schreiben Lloyd Georges an eine Londoner jüdische Konferenz zur Beratung über die Lage der Juden in Polen. Außer diesem haben aber auch die ersten Kirchenfürsten Botschaf» ten an die Konferenz gerichtet. In der Auslassung des Erzbischofs von York ist u. a. folgendes zu lesen: „Mit wachsender Bestürzung habe ich wie viele andere die Ausbreitung einer judenfeindlichen Stimmung in Polen, hie. und da sogar in unsesrem Lande verfolgt. Es wird stets mein Wunsch sein, Verständigung und Freundschaft zwischen Christen und Jus den in jeder möglichen Weise zu fördern," Der Bischof von Durham, Dr. Hensley H e n s o n , erklärt, er reihe sich in die Front derjenigen ein, die für die Gerechtigkeit eintreten. Er könne seinen Abscheu vor der Verfolgung der Juden in Polen nicht scharf genug zum Ausdruck bringen. Unabhängig davon, welche praktischen Vorteile dabei herauskommen, werden solche Aeußerungen warmer Menschlichkeit von der jüdischen Gemein* schaff allenthalben mit Dank aufgenommen werden. Die Erhebung von Petach Tdkwah zur S t a d t g em e i nd e , — worüber wir bereits in der jüngsten /Nummer berichtet haben, — bedeutet einen ' Wendepunkt in der Geschichte des> Jischuw. Petach Tikwah, eine der ersten und ältesten Kolonien, noch aus der yorzdonistischen Zeit, wird nun nach Tel Awiw die zweite rein jüdische Stadt in Palästina sein, und da Petach Tikwah ■ von früher her und bis zuletzt immer noch ein Zentrum gut jüdischen Lehens war und ist, vortreffliche jüdische Schulen und Bildungsstätten der Thora, auch ein frommes, an Lehre und Gesetz orientiertes Bürgertum besitzt, so wird Petach Tikwah, wenn auch ein kleineres, so ein besseres Tel Awiw sein. Die Bedeutung dieser Wendung wurde dadurch unterstrichen, daß am 8. April der High Co mmissioner S'ir Arthur Wauchope selbst in der neuen Stadt anwesiend war, um im Rahmen eines Festaktes ihren Stadtcharakter zu verkünden. Die Stadtvertretung veranstaltete aus diesem Anlaß eine Feier, in die leider ein wehmutsvoller Ton hinein* klang mit dem Gedenken an die jüdischen Opfer der Unruhen in -den Jahren 1929 und 1936. Fünfzehn Stadtverordnete mit einem Bürgermeister an der Spitze, durchweg Juden, werden "in der Irifa die neue Stadt verwalten. .. Daß. der High Commissioner von Petach Tikwah aus den kleinen Hafen in Tel Awiw besucht hat, mag mit jener Ernenn» ng nicht in direkter Verbindung stehen, Die neuen Baulichkeiten im werdenden Hafen, die der erste Beamte Palästinas einer besonderen Besichtigung unterzog, lassen aber darauf schließen, daß die bisherige Anlegestelle für Frachtschiffe schon in der nächsten Zukunft auch einen Landungshafen für die Passagierdampf er bilden wird. Also Aufschwung und Fortschritt trotz allem und allem! Die Lage der Juden in Algier hat seit den Ausschreitungen vor zwei Jahren die Ortsbehörden wie die Zentralregierung in Paris lebhaft beschäftigt und uns allen Anlaß zur Besorgnis gegeben. Neue Anzeichen veranlagten dieser Tage die algerische Judenheit, eine Abordnung zu dem General- Gouverneur von Algerien zu schicken. Der Generalgouverneur L e B e a u konnte den jüdischen Vertretern mitteilen, daß ein Gesetz in Vorbereitung sei, durch welches Angriffe, gegen Andersgesinnte und Angehörige anderer Religionen und Konfessionen mit schwerer Strafe belegt werden. Der Gouverneur ist überzeugt, daß mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes die Diffamierung von Juden in einem Teil der algerischen Presse und damit auch die Verhetz zung der Massen sofort aufhören werden. Wir wollen uns dieser Hoffnung anschließen. Nathan Birnbaums Bekenntnis. (Aus seinem 1918 erschienenen „G'ttes Volk".) Nicht diese oder andere Erwägungen waren es, die mich G'tt gewinnen ließen. Ich habe G'tt nicht gesucht, wie man das heute so schön und so verlogen ausdrückt, ich brauchte ihn nicht' zu finden. Er hatte sich in mar angekündigt und trat dann plötzlich in mein Bewußtsein ein. Unmittelbar erkannte ich ihn, in dem alle geistigen Achsen der Völker verwurzelt sind, den Vater und Urgrund aller Dinge, den Vorzeichner der Entwicklungen, den Urplaner und Urbauer. Nur eine Weile wehrte sich noch falsche Scham, diese Erkenntnis zu bekennen. Aber ich. überwand sie und an ihre Stelle trat eine neue, eine heiße Scham, die bis zur Stunde anhält; Daß ich SO lange unter denjenigen hatte sein können, die nichts von ahm wissen, daß die Erkenntnis meiner Urahnen, die gewaltigste, die es jemals auf Erden gab, so lange in mir geruht, die Stimme meines Volkes so lange in mir geschwiegen hatte, Und nun fiel auch der letzte Rest materialistischer Geschichtsklitterung von mir ab. Nun erkannte ich auch erst mein Volk, die Einzigartigkeit seines Wesens und Lebens. Gewiß, ich sah, es gab auch unter den anderen Völkern, noch ehe jüdische Einflüsse sie erreichten, Männer, die G'tt erkannten oder seiner Erkenntnis, nahe kamen. Aber sie pbilosdphierten nur über ihn in kalter Höhe, sie liebten ihn nicht, waren seine Boten nicht, Et* sandte sie nicht, vor ihre Völker hinzutreten, um ihn ihnen zu verkünden, um sie-mit ihm in die Welt einzuführen. Und die Völker fingen weiter ihre Wege^ suchten das G'ttliche in der Welt, in der Buntheit der Erscheinungen und konnten dann nicht anders als es in Bildern auflösen, als mit ihren Sinnen G'tt zersplittern und zerlegen. Nur wir, wir. allein, wir, das Stäubchen unter den (Bergen, wir, seit unvordenklichen Zeiten ,die Ersten und Einzigen unter Allen, Morgenländern sowohl als Abendländern, erkannten G'tt, ohne ihn gesucht zu haben, uns war er mehr als eine philosophische Entdeckung. Wir waren mit ihm in die Welt und in die Geschichte eingetreten, um jene durch ihn zu schauen und diese nach seinem Willen zu zimmern. Wir allein haben unsere kleine Gemeinschaft für ihn und nicht für unsern beschränkten Machtnutzen eingerichtet Einsam und unerkannt sind wir unter den Heidenvölkern des Altertums geblieben, ein Sonderling, mit dem sie nichts anzufangen wußten. Und später als die Jahrtausende des Zusammenstoßes kamen, blieben wir doch wieder in unserer glänzenden Vereinsamung. Denn wähl gaben wir den Völkern neue religiöse Grundlagen, wohl senkten wir unseren jüdischen G'ttesgedanken als ewigen Gärungsstoff in ihre feindliche Welt — so daß insofern von einer Art geistigen Kolonialjudentums gesprochen werden kann, — aber immer und immer wieder setzte ihr zähes inneres Heidentum mit seinen Rebellionen gegen unsere große einzige Revolution des Menschengeistes ein. Immer häufiger, immer dichter, immer offener wurden ihre Angriffe gegen die Gestaltungen, die der jüdische Gedanke bei ihnen angenommen hatte und die selbst von jener Auflehnung nicht frei waren. Sie mochten ihnen die jüdische Anregung und den jüdischen Wesensteil nicht