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Der Israelit · 1937-04-15 · Heft 15 (15.4.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 15 (15.4.1937)
Date
1937-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 15 Der Israelit 15. April 1937 * " v K E R EN H AT O.RA H steht im Dienste u n serer J u g e n d! s, Talmud Tjora-'Sch'uleri - für unsere Jugend! SrReligionsunf^rricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Hator'qh-Reime,;>'für unsere Jugend!? \^Subyentionierung des Jeschiwa-Besudies - für unsere Jugend! L a'nd es" direkt or i um de s K e'p'e n H dt orah; Hambur g,,'Po s t sich ec k kon to: Hamburg 2 475 3 D » IttUHMAIORAHt verstärkt sich, wenn man nun noch den oben bereits angedeuteten dritten Gesichtspunkt ins Auge faßt, der -das halachische Fundament seines Bildungs- und Erziehungsprogramms bildete und der uns erst hinüberführt'in das Verständnis der innersten Sinnes dieses Programmes. Niemand kann mit größerer Ehrfurcht und Dankbarkeit der gewaltigen Geistesarbeit und der Verdienste David Hoffmanns "?"XT um die Verteidigung der G'tteswahrheit gedenken, als der Schreiber dieser Zeilen, und es mag sehr wohl sein, daß für das Berliner Rabbinerseminar, wollte es in der ihm gegebenen Atmosphäre ehrliche, wahrhaft gläubige Rabbiner erziehen, geradezu der Zwang vorlag, seine Schüler in die Auseinandersetzung mit der Bibelkritik einzuführen und so das OTrp^ÖüVftfä J?T i« vollendeter intellektueller Ehrlichkeit zu vollziehen; aber daß Rabbiner Hirsch damit nicht einverstanden war, ist eine historische Tatsache, die sich nicht aus der Welt schaffen läßt. Meines Wissens ist ja auch, was die Schriftleitung des Nach'lath Zwi besonders interessieren wird, an der Frankfurter Jeschiwaf die doch gewiß nicht zu den Verächtern des Thora im Derech Erez-Prinzips gehört, gleichwohl die Bibelkritik auch als Gegenstand der Widerlegung programmatisch ausgeschlossen, durchausim Geiste Rabbiner Hirschs. Es dürfte also auf meiner Seite mindestens keine „völlige" Verkennung seiner Bildungsforderungen vorliegen. Von dem in meiner Broschüre an das obige Zitat sich anschließenden dritten Abschnitt meiner Darstellung, der unier der Ueberschrift „Thora und Wissenschaft" den tiefsten Sinn der Hirschiüchen Auffassung des Thora im Derech Erez- Gedankens nach Pentateuch-Kommentar und Chaurew zu untersuchen sich bemüht, haben weder Landau, noch Weinberg die Güte gehabt, zur Kenntnis zu nehmen. Sie hätten mir sonst als ehrliche Menschen nicht eine Verkleinerung und künstliche Verengung des Hirschischen Grundgedankens vorwerfen können. Es heißt dort Im Anschluß an das Erziehungsprogramm des Chau-. rew: „In 'diesem Programm, das zwar äußerlich ein reiner Lehrplan für den schulmäßigen Unterricht ist, in Wirklichkeit aber zugleich das entscheidende Wort spricht für die prinzipielle Einstellung des Thorajudentums zu allem wissenschaftlichen Erkenntnisstreben, kommt der jüdische Einheitsgedanke zu klarstem Ausdruck. Aus G'tt stammt die Fülle .der Ersehe inun g'sw e 11 in Raum, Zeit-; und Kausalität, ah deren Ergründung das menschliche Denken sich in aller Wissenschaft versucht, aus G'tt stammt die T h o r a, nach deren - Maßstäben allein das Volk der Thora sich denkend und handelnd in dieser Erscheinungswelt orientieren kann. Die Thora — im weitesten Sinne genommen — ist also für den Juden Voraussetzung und Maßstab aller Wissenschaft, neben ihr kann es nur Hilfswissenschaften von relativem Werte geben, die zur Erkenntnis des unn^n Tina» der (Herrlichkeit der ersehe in emd e n G ' 11 esi w e 11 di em e n s ollen. Prinzipiell bringt diese einzig authentische Fassung des S. R. Hirsch'schen „Thora im Derech Erez"-Prinzips (wir werden wohl jetzt nicht mehr mißverstanden werden, wenn wir der Kürze halber nunmehr diesen Ausdruck im- Sinne des pars pro toto brauchen) nichts anderes, als was Rabbenu Bechaj im nrmnn -yv des nnaaVn mann hundert Jahre vor dem Rambam ausgeführt und vor ihm Rabbenü S'aadia Gaon sicherlich im Einklang mit dem breiten Strom der talmudisch-gaonäischen Ueberlieferung gelehrt hat." Wenn hier im Geiste Hirschsdas Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und künstlerischer Kultur als Hilfsmittel zur höchsten Erfassung der D,fcB> ms^a TDD begriffen wird, so dürfte die Charakterisierung grade einer solchen Auffassung Hirsehischer Lehre als „Verkleinerung und künstliche Verengung" dieser Lehre alles andere sein denn gerecht und objektiv wahr. Mußten diese Ausführungen auch in die Form einer Abwehr literarischer Angriffe gekleidet werden, die ich nur als Folge völligen Mißverstehens empfinden konnte, so sollen sie doch vor allem der positiven Förderung einer Verständigung unter denen dienen, die in gleicher Aufrichtigkeit die Sammlung des ganzen jüdischen Volkes um die Erkenntnis und Verwirklichung des Thorageistes ersehnen, und die in S. R. Hirsch einen der hervorragendsten Pioniere dieses Sieges der Thora in Israel verehren. »3 SB Wochenrundschau. Mittelmeerpolitik und Palästina — Der Sabbat da und dort — Man diskutiert über Gerüchte — Ein ernster Schritt des Volkerbundskommissars — Die zweite jüdische Stadt — Die jüdische Tragödie in Polen — Beruhigung in Algier. Die Mittelmeerpolitik der Großstaaten Europas in' unmittelbare Beziehung zum Jüdischen Nationalheim in Palästina bringt ein dieser Tage in Rom erschienenes Buch unter dem Namen „Juden in Italien", das Professor Paolo Orano, einen der führenden faschistischen Politiker, zum Autor hat. Der gelehrte Politiker spricht in seinem Buche die Meinung aus, daß die Ideen eines jüdischen Nationalheims in Palästina den italienischen Staatsinteressen nicht dienlich seien. Orano versichert den Juden seine Freundschaft, aber er warnt die italienischen Juden vor der Unterstützung der zionistischen Bestrebungen, die mit der italienisch-vaterländischen Haltung nicht vereinbar sei. Der Platz der italienischen Juden als Juden, meint er, sei in der Synagoge, dann könnten sie sich als jüdische Italiener auch in allen Berufen und Stellungen ungestört behaupten. Eine andere Politik als ein© italienisch orientierte würde aber der Position der Juden in Italien nur schaden. Es würde zu weit führen, hier nachweisen zu wollen, was bereits unzählige Male geschehen ist, daß das Judesein auch über die Synagoge hinaus nirgendwo im Gegensätze zu der Staatstreue stehe. Es fehlt in Italien nicht an jüdischen Stimmen, die diese Synthese noch einmal klar zu machen suchen. Manche Vorgänge in Palästina, die durch die divergierenden Interessen von England und Italien im Mittelmeer bedingt sind, werden aber durch die Ausführungen im Orano'schen Buche verständlich, * * * Dem Sabbat geht es nicht viel anders, wie dem Volke des Sabbat: Er leidet Not an einer Stelle und kommt zu Recht und Geltung an einer anderen Ecke des Weltenrundes. Zwei Nachrichten gelangen mit gleicher Post zu'uns, aus London und Wars c h a u. Erstere besagt: Unter dem Vorsitz des Lord Mayor von London hat ein Ausschuß der Londoner Stadtvertretung beschlossen, auch nach dem Inkrafttreten der neuen Softötagsruhekestimmungan -; ■■■'/ifi'g^fe Sabbath und Schmittoh. Von Willy Wolf in Köln. Die kommenden Wochenabschnitte mit ihren Lehren über die Bodengesetze bilden den Auftakt für die geistige Vorbereitung, deren wir alle bedürfen, soll das große Werk, dem Heiligen Lande während des herannahenden Schmittohjahres unsere tatkräftige Fürsorge zu widmen, in vollkommenem Maße gelingen. Welch gewaltige Bedeutung die Tauroh selber dem Schmittohjahre beimißt, zeigt sie an der ersten Stelle, an welcher sie uns mit ihm vertraut macht. Sie stellt dort (2. B. iM., Kap. 23, Verse 11 und 12) das Sabb.atjahr mit dem allwöchentlichen Sabbat zusammen und setzt ■ dabei entgegen unserer Erwartung das Schmittohjahr dem Sabbat voran. Sie will damit (laut der Mechilta zur Stelle) bekräftigen, daß auch im Schmittohjahre die Vorschriften des Sabbat in Geltung bleiben. Wie aber ist's überhaupt vor* stellbar, daß der Sabbat, wenngleich nur zeitweilig, außer Kraft treten könnte. Ist er doch durchaus die Grundlage des Judentums, deren Leugnung der Leugnung G'ttes gleichkommt. Aber die Tauroh selbst hat in unserer Sidröh das siebente Jahr genau wie den wöchentlichen Sabbat als „Sabbat für G'tt" bezeichnet. , Sie hat dadurch dem Gedanken Ausdruck verliehen, daß die Feier des Landes in gleichem Sinne wie der Sabbat eine G'tteshuldigung bedeutet und daß sie vom Sabbatjahre eine Auswirkung erwartet, die dem Einfluß des Sabbat auf Geist und Gemüt, auf das Leben des Einzelnen, der Familien und der Gesamtheit ähnelt. Der Tauroh stand dabei die unvergleichliche Weihe des Sabbat vor Augen; aber sie schätzte auch den umfassenden Segen des siebenten Jahres so hoch, daß sie es für möglich hielt, der Sabbat würde in den Augen der Menschen vor ihm zurücktreten. Von solch hohem Gesichtspunkte hat die Tauroh den Sinn des Schmittohjahres betrachtet; in solch weitem Umfanghat sie sich die Wirkung der Schmittohruhe ausgemalt, daß sie dieselbe der Sabbatruhe ebenbürtig zur Seite stellte und an die Möglichkeit dachte, man könnte einmal in Schmittoh einen Ersatz für den Sabbat erblicken. Darum läßt uns die Tauroh zuerst die G'tteshuldigung des Schmittohjahres ahnen und deutet dann im folgenden Verse an, daß gleichwohl auch im sieben» ten Jahre der Sabbat in voller Kraft bestehen bleibt und dann in ganz besonderer Weise seinen Getreuen von Woche zu Woche neuen .Mut zum Ausharren in der Rast auf Feld und Flur verleiht. . Uns allen in der Gola wird im Schmittohjahre die hehre Aufgabe zuteil, unseren Gesinnungsgenoss-en in Erez Israel die Existenz zu ermöglichen. Auch diese Tat, in welcher sich das heilige Land und die Gola zu einer geistigen Einheit verbinden, -entsprichf dem Geiste des' Sabbat. Denn durch den Sabbat der Woche erkennen wir 'G'tt als den Schöpfer des Weltalls an; durch den Sabbat des Lande® bekennen wir uns zu der Wahrheit, daß das heilige Land für immer G'ttes bleibt und daß Er es dem jüdischen Volke, das seine geschichtliche Schöpfung darstellt, zugewiesen. Schon. im, zweiten..Jahrhundert, der üblichen^Zeitrechnung zog Rabbi, Jehuda Hanassi die große geistige Linie, auf welcher er uns die Judenheit, auf drei Gebiete der Erde verteilt, darstellt: die Bewoh* ner des heiligen Landes, Babylöniens und der übrigen Länder. (Midrasch Rabba zu Bereschit, Abschnitt 11 und in etwas' anderer Lesart, im Namen 1 von »a-iä J-i in der Gemoro: '« ns».)i. 'Für jedes dieser Gebiete nennt R. Jehuda Hanassi eine hervorstechende jüdische Leistung, welcher es Hab und Gut verdankt. Das Verdienst des heiligen Landes ist die Abgabe der nnpy»' das Verdienst der Männer in Babylonien ist die Pflege der Tauroh und das Verdienst Israels in den anderen Ländern die Ehrung des Sabbat. Ohne Zweifel hegte Rabbi bai dieser Umschau die Hoffnung, das charakteristische Wirken auf dem Gebiete der \Mizwoth in einem Lande möge jeweils -die iReiigionsigenosseh in den Ländern beispielgebend beeinflussen. Uns Spät* geborenen ist es erireulciherweise vergönnt, wahrzunehmen, daß diese iHofnung sich in reichein Maße erfüllt hat. Ist doch durch das Vorbild der 'nnW» vom Bodenertrage Erez Israels das np"7X ivvn Gemeingut im jüdischen Volke geworden. Hat doch die Tauroh von den Hochschulen Babylöniens aus ihre Verbreitung in ganz Israel, gefunden. Ist doch der Glanz des Sabbat gerade dadurch in seiner ganzen Herrlichkeit erhalten geblieben, daß die Gola für ihn mit allen 'Kräften im Lebenskämpfe» stand. Es> galt für sämtliche Geschlechter in den vielen Jahrhunderten seit Rabbi, Jehuda .Hanassi, sich des Lobes, welches er ihren Vorfahren in obigen Worten gezollt, würdig zu erweisen. Für die. Getreuen in' der Gola hat jetzt die große Stunde gesehlagen, sich i» erweiterter Form als bewußte Träger des. Sabbatge* danken® zu bewähren; das Verständnis dafür zu.zeigen, daß es den Gesinnungsgenossen in Erez , Israel im Schmittohjahre obliegt,' die beiden Arten des

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