Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1937)
- Date
- 1937-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. ,14__ läufige Projekt zu einer Konferenz über Fragen der Rechtsstellung und des'Arbeitsrechtes aus Deutsch« land Ausgewanderter zugesandt und die Regierungen aufgefordert, ihre Bemerkungen hierzu bis zum 1. Juli einzusenden. Das Vorbereitungskomitee wird sodann die Tagesordnung für die geplante internationale Konferenz ausarbeiten, Oer Zeitpunkt der Eröffnung steht noch nicht fest. Er wird von den Antworten abhängig sein, die das Völkerbundssekretariat von den Mitgliedsstaaten erwartet. D.e.ii I s «J i t Tschechoslovakei, Der Munkacz^ Rabbi erkrankt, Prag, 31. März. Der Gesundheitszustand des schwer erkrankten Rabbi von Munkacevo, Lazar Spira, gibt zu Besorgnissen Anlaß. Rabbi Spira ist, aus Budapest, wo er hervorragende ungarische Aerzte zu Rate zog, nach Munkacevo zurückgekehrt. Die orthodoxen Gemeinden in Karpathorußland und in der Slovakei veranstalten Bittg'ttesdienste um die Genesung Rabbi Spiras. (Wir werden ersucht, alle1 o*kt* aufzufordern, sich den Gebeten anzuschließen. Oer Name des Gaon ist -mos p nty^K n"n D. Red.) Polen. Bombenanschläge in Polen. Warschau, 31. März. In Posen haben nationaldemokratische Exzedenten eine Bombe in ein jüdisches Tabakgeschäft geschleudert. Die Inneneinrichtung und das Warenlager des großen Ladens wurden durch den bei der Explosion entstandenen Brand vollständig vernichtet. Der Schaden wird auf 8000 Zloty geschätzt. Die Täter sind entkommen.. Im Zusammenhang mit den in den letzten Tagen in Wilna verübten Bombenanschlägen gegen jüdische Geschäfte und die Wohnung des. jüdischen Arztes Feldstein sind mehrere Verhaftungen unter den Mitgliedern der Nationaldemokratischen Partei und des Nationalradikalen Lagers vorgenommen worden." In Warschau führten Organe der Politischen Polizei Haussuchungen bei'Mitgliedern der National* demokratischen Partei und in den Redaktionen nationaldemokratischer Zeitungen durch. Es wurde Material beschlagnahmt und eine Anzahl prominenter Parteimitglieder und Redakteure verhaftet. Der Stadtrat von Lodz gegen Einführung von Arier-Bestimmungen, Warschau, 23. März. Ein Antrag der nationaldemokratischen Fraktion im Stadtrat von Lodz, in dem die Entlassung aller jüdischen städtischen Beamten sowie die Nichtvergebung städtischer Aufträge an jüdische Lieferanten gefordert worden war, ist von der Stadtverwaltung mit dem Hinweis abgelehnt worden, daß für solche Maßnahmen kein sachlicher Grund vorhanden sei. Der polnischen Verfassung gemäß seien alle Bürger gleichgestellt. Alle Bürger ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit, des Bekenntnisses und der Ueberzeugung hätten^ in gleicher Weise Zutritt zu den öffentlichen Aemtern. Die jüdischen Beamten kämen ihrer Pflicht ordnungsgemäß nach. Was die städtischen Lieferungen betrifft, so sei die Stadtverwaltung nicht berechtigt, ausschließlich polnische, Lieferanten zu berücksichtigen. Die Lieferungen würden vielmehr auf Grund des Ergebnisses öffentlicher Ausschreibung vergeben. Dabei würden die Angebote aller Firmen berücksichtigt, ohne daß ein Unterschied wegen des Glaubens oder der Volkszugehörig* keit der Firmeninhaber gemacht wird. Das Ueber* gehen von ßürgern nichtpolnischer Volkszugehörigkeit bei städtischen Aufträgen wäre ein Verstoß gegen die Verfassung. Polnischer Lehrer-Verband gegen den Arier- Paragraphen. Warschau, 23. März. .Die Warschauer Ortsgruppe des allgemeinen polnischen Lehrerverbandes, einer der mächtigsten Organisationen pohlischer Intellektueller, die in Warschau allein mehrere tausend und in ganz Polen weit über 50.000 Mitglieder zählt, hat eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten. Unter star= Die Woche. Berlin. Die Uraufführung des Palästina* films Hatikwa in Berlin, die bereits vor kurzem erfolgen sollte, findet nunmehr am Dienstag, den 13. April, am Logenhaus Kleiststraße um 20.30 Uhr statt. — Die Ausstellung „Das jüdische Plakat" im Jüdischen Museum bleibt bis zum 24. April wegen der Vorbereitungen , zur Frühjahrsausstellung Berliner ijüdischer Künstler, geschlossen. Schneidemühl, Die Synagoge in Waldenburg (Grenzmark); ist verkauft worden. Ein G'ttesdienst wurde in ihr schon seit langer Zeit nicht mehr abgehalten, da nur wenige jüdische Familien am Orte wohnen, von denen in der letzten Zeit noch einige fortgezogen sind. Wien. Vom Präsidenten der Wiener Israelitischen •Kultusgemeinde wurden die Rabbiner und Religionslehrer der Gemeinde ersucht, am 8. Pessachtage und im. Rahmen des Religionsunterrichts der 500 Jahrfeier von Don Isaac Abarbanel zu gedenken. — Der Bezirksführer der Vaterländischen Front, Generalmajor Zobbernigg, hat der Union österreichischer Juden zum Zeichen , der Anerkennung ihrer vaterländischen Haltung eine Fahne der Vaterländischen •Front feierlich überreicht. — Anläßlich des Fußballänder Wettspiels in Wien veranstaltete eine Abteilung italienischer Schwarzhemden unter Führung des Generals V a c c a r o eine Ehrung für den verstorbenen Sportführer Hugo Meis.l, der auf der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs beerdigt ist. Genf. Prof. B. Chajes, früher in Berlin und jetzt in Tel Awiw, ist voni Internationalen Arbeitsamt in das Komitee für Industriehygiene gewählt worden. Er ist der erste Palästinenser in einer Völkerbundskörperschaft. Prag. Bei dem vom Melantrich- Verlag veranstalteten Preisausschreiben für Romane und Novellen hat Ivan 01 - bracht, einer der bedeutendsten zeitgenössischen tschechischen Schriftsteller, den ersten Preis (Kc. 20.000) für sein Werk „Galut v udoli", eine Sammlung von Er= Zählungen aus dem Leben der Juden im Osten der Tschechoslovakei, erhalten. Warschau. Auf Initiative de® < jiddischen Schulverbandes und des jiddischen Schrift* steller- und Journalistenvereins in Warschau wird auf der Pariser Weltausstellung , ein jiddischer Kulturpavillon aufgebaut, in welchem die jiddische Kulturbewegung in den verschiedenen Ländern dargestellt werden wird. — Der vor kurzem 102 Jahre alt gewordene Isidor Finkelstein in Luck, der j'ahrelang durch die öffentliche Wohlfahrt erhaN ten werden mußte, hat nun von seinem in New York 90jährig verstorbenen Bruder Moses, von dem er seit achtzig Jahren nichts mehr gehört hatte ,40.000 Pfund geerbt. Als er von der Erbschaft erfuhr, lud eralle über achtzig Jahre alten Juden der Stadt Luck zu einer Feier ein. Paris. Auf Anordnung des Oberrabbinats war in den französischen Gemeinden die Pessach-Predigt der Erinnerung an Don Isaac Abarbanel gewidmet. In den Gemeinden wurden Vorträge zum Andenken an diese große Persönlichkeit der jüdischen Geschichte gehalten. Rom. Adv. Carlo Alberto V i terbo ist von der Studienreise, die er im Auftrag des Verbandes der jüdischen. Gemeinden Italiens nach Abessinien unternommen hat, wieder nach Rom zurückgekehrt. Adv. Viterbo hatte die Aufgabe, in Addis Abeba und D i r e d a u a jüdische Gemeinden zu (gründen und die Lage der Falaschas eingehend zu studieren. Sofia. Am 28. März fanden in Sofia die Wahlen zum Stadtrat statt, der sich aus dreißig Mitgliedern zusammensetzt, von denen 15 gewählt und X$ von der Regierung ernannt werden. Im zweiten Wählsektor waren zehn Kandidaten aufgestellt, von denen der Jude Joseph Isaac Guerc h o n mit Stimmenmehrheit gewählt wurde, Im dritten Sektor wurde als einziger Kän* didat Moise Benjamin L e v y gewählt. Saloniki. Die 'griechische Regierung hat der Jüdischen Gemeinde in Saloniki einen Betrag von 100.000 Drachmen als P e s s a c fall ilfe für jüdische Arme überwiesen. Dieser "-Betrag wurde zusammen mit den 75.000 Drachmen, die für den gleichen Zweck in der vergangenen Woche von dem Salonikier Stadtrat bewilligt worden sind, am Vorabend des Pessachfestes zur Verteilung gebracht: * ] iS ■■- ,T - C- . >'< M i> %-' BÜXt^jiifit.iviiiisij' yfog»,?y">,■,.!■><» W JUAfcrJL 1537 —•""*"—. ..... ..... . - .. -....... ".- ~ kern Beifall beschloß die Versammlung einstimmig mit Rücksicht auf den unpolitischen Charakter des Lehreryerbandes, dem neugeschaffenen Regieruhgslager des 'Obersten Koc nicht beizutreten. Stürmischen Widerspruch erregte es, alsj ein Mitglied den Antrag auf Einführung des Arierparagraphen' stellte. Der Vorsitzende erklärte, er werde die Abstimmung über diesen Antrag vornehmen, obwohl er satzungsgemäß nicht zulässig sei. Bei "der Abstimmung wurden nur yier^ Stimmen für den Antrag abgegeben, nachdem der Vorsitzende. erklärt hätte, die-Annahme eines: solchen Antrages: würde den guten Ruf der polnischen Lehrerschaft schädigen. Lemberger Stadtrat streicht alle Beihilfen für jüdische Einrichtungen. Lemberg, 23. März. Der Lemberger Stadtrat hat alle bisher jüdischen Einrichtungen gewährten Beihilfen gestrichen.;-'Die jüdischen Stadtverordneten haben daraufhin gegen den Haushaltsvoranschlag gestimmt- Lemberg ohne Koscherfleisch, - Lemberg, 6. April. Das für Lemberg bestimmte Koscherfleischkoritingent ging vor Pessach zu Ende, so daß die Lemberger Gemeinde am Pessach öTme Fleisch war. Eine Eingäbe der Lemberger Gemeinde an die Mächt, mit Rücksicht auf das Fest eine Zulage zu genehmigen, wurde abgelehnt. Die jüdische Gemeinde in Lemberg zählt 80.000 Seelen. Vorzeitig explodierte Bombe, Wilna, 23; März. Im Hause der iN a t i o n a ld e m o k ratischen Partei in Wilna explodierte Während gerade ' eine Versammlung abgehalten wurde, vorzeitig eine Bombe, die offenbar für einen der in Wilna so häufigen Terroristen-Anschläge vorbereitet Wörden war. Es wurden mehrere Personen verletzt7 ins Krankenhaus gebracht. Die iNationaldemokraten bemühten sich zwar, die Spuren der. Explosion zu beseitigen, die Polizei erhielt jedoch troztdem Kenntnis von dem Vorfall und versiegelte das Lokal. In letzter Zeit sind in Wilna mehrere Bombenanschläge auf jüdische Wohnungen verübt worden. England. Die allgemeine Lage in Palästina wird im Unterhause verhandelt., London, 6, April. In der Unterhaussitzung vom 25, März hat Kolonienminister O r m s b y - Gore in Beantwortung mehrerer Anfragen eine Erklärung über 'die gegenwärtige Lage in Palästina abgegeben'. Die allgemeine Lage, sagte der Minister, sei seit Mitte März unverändert, die Sicherheitsverhältnis-se im Süddistri&t hätten sich nicht verschlechtert. Es seien in letzter Zeit viele Verhaftungen vorgenommen' worden. Ein neuer Berich^ des High Commissioners werde« erwartet. Es-treffe zu, daß das Oberste Arabische Komitee einen Aufruf veröffentlicht hat; in dem die arabische Nation aufgefordert wird, Ruhe zu wahren, „nachdem den arabischen Königen urid Fürsten volle Unterstützung und Erfüllung der arabischen nationa* len Forderungen zugesagt worden sei." Der Minister muß zugeben, daß seit Veröffentlichung -dieses arabischen Aufrufes n e u e Morde vorgekommen seien, er meint aber, daß da« Arabische Komitee diese Ausschreitungen mißbillige. Jüdische Bürger in Palästina genießen das gleiche >N o t w e h r r e c h t wie alle Personen 'in England. Ueber das Recht zum Waffentragen bei den Beduinen und Juden wolle der Minister noch einmal Bericht einholen. Im weiteren teilte der Minister auf Anfrage mit, daß im Jahre 1936 in Palästina 4847 Juden ei n ge - b ü r g e r t wurden.. Der XX. Ziomstenkongreß, L ö n d ö h , 30. Marz. Wie die ITA. erfährt, wird der XX, Zionistenköngreß am 3. August, voraussichtlich iti der alten Kongreßstadt Basel, eröffnet werden. Die Er-