Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1937)
- Date
- 1937-04-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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8.<.A$>rii 1037 Ü -e-f •- l s r a e 1 i t /Nr. 14 Seit© 7 Wohlfahrtspflege' - und Sozialpolitik, die gewiß von"...praktischen' Gesichtspunkten geleitet wiird, wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß derartig© unter Zwang, entstehend^ Schematisierungeri von i vornherein zum Mißerfolg verurteilt sind, wie an Vielen iBeisrjieleri der Geschichte der jü-;'• disch'en 'Erziehung und der Fürsorge nachgewiesen werden kann. In der Tat:' Man mag iüber den Besuch der Oberstufe einer höheren Schule verÄchiedeher Meinung' sein -—v ausgemacht ist darüber noch nichts —, daß eine Mittelstufe für die 14- bis 17Jährigen kein Luxus ist, ja, daß sie in: gewissen Zentren geschaffen werden müßte, wo sie nicht da ist, ergibt sich schon-aus dem ^Gesichtspunkt des . Nützlichen. Schon um Kindern einen leichteren Start in der Welt z»i schaffen, müssen wir:auf eine der Fassungskraft der jungen Menschen entsprechende gute geistige Unterfcauung. ihrer .Leistungsfähigkeit -'tschen. Ob sie in 'der Landwirstchaft oder in den, Haushalten, in Amerika oder in Palästina leben werden, eine: geistige Schulung, eine abgerundete Allgemeinbildung, reales Wissen und Kenntnis der Sprachen werden sie überall 'sehr gut brauchen können.- Daß eine Schule, die diese Fähigkeiten pflegt, zu praktischen Berufen: Untauglich macht, - ist ein Märchen, das der Wahrheit noch weniger - entspricht, als wenn früher 'behauptet wurde, daß das 'Handwerk' den Menschen 'entehr Es ist möglich, daß solche jungen Menschen höhere Ansprüche an sich selbst .«'teilen,' indem sie nicht aufhören wollen, sich weiterzubilden, dafür werden sie aber auch, nicht an den Hemmungen eines bohrenden Minderwertigkeitsgefühls leiden. Freilich: So wenig bloße berufliche Fertigkeit genügt,; so wenig sichert eine der Tiefe entbehrende. Geistigkeit, wie wir sie' früher wohl unter dem Namen, ,,Intellektualismus':' kennen gelernt haben, den Weg ins Freie. Dazu gehört eine Verinnerlichung und die Ausbildung einer Innenwelt, die den Jugendlichen zu sich und über sich hinausführt. .'Bis zu seinem vierzehnten Jahre ist er dazu nicht reif. Mehr oder weniger geschieht da alles, was er tut und läßt, im Banne konventionellen Herkommens und fremder Autorität." Erst mit . dem1 vierzehnten Jahre beginnt die Stufe pragmatischer Selbsterziehung, erst von -da ari treffen die Forderungen der Religion und Sittlichkeit auf die Fähigkeit zu eigener Wertung und persönlicher Stellungnahme. Die Freilegung einer eigenen Innenwelt, die Bewußtmachung der jugendlichen Strebungen, in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung und in ihren Folgen für das Ganze eines Lebens braucht seine. Zeit genau wie. das physische Wachstum, ohne die der. Mensch ein Krüppel bleibt. Wenn irgend, bedarf es in diesen Jahren . der Adoleszenz einer systematischen erzieherischen... Arbeit, für, die der Jugendliche übrigens gerade ,da am dankbarsten ist. Es ist voa Sr°ß". ter Wichtigkeit, daß er diesen Weg zu sich selbst im Zeichen jüdischer Charakterbildung ,und ehrlicher Selbsterkenntnis geführt wird, über; die . Neigung zu impulsivem Handeln und zu sprunghaften Entschlüssen " 'zu folgerichtigern Tun, , zur Selbstüberwindung jm Dienste , eines höheren, Willens, .zur Aufgabe individueller Interessen zu gunsten der Gemeinschaft vorschreitet. Wie aufgeschlossen 4er Jugendliche in diesen Jahren: für diese ihm'dadurch zufließende Kraft ist, zeigt sich ah seiner Lust, selber zu führen, die die Jugendbewegung — zu früh— ausnutzt. Jedenfalls wird erst durch / diesen , Weg , der Junge -Mensch . zu> sich selbst zum sittlichen Wollen über sich hinaus geführt, ohne das er überall in unwürdiger AbhähMkeit,., in steter. Unfreiheit, in seelischer Ünrieife stecken bleibt. ,; > ' ,: ■ .•; .! < ■ ■• i Ein drittes tut not. Das. Problem der\nackten Existenz und;,der Willenskraftmacht ihmigewjiß. zu jschaffenr, Mehr..i?och das Qefühl der Heiinalt-. losigkeit. Die .Sehnsucht -nach, einer Welt,uin;ider;; er, zu Hausle, nach; einer Geineinschaft, < mit der er•.sich ••v.efpintd:e,-;vnach einem Geist, in dem er , s;ch erkennen undvin ^seinem ^pllen. und; Wesän bestätigtr-sefyen.'.- lca^Vf/begründet eine besondere^ Not..; Die ^Zahl der/ Gefährdeten ,wächst. ,: ,;Däs : Elend- ..des vEmigrantentums beginnt nicht erst jenseits der Grenzen. Es gilt, Heimat in der Fremde zu schaffen. Die Schule ist eine Insel des Vertrauens den vor Verkennung und Not flüchtenden Kindern,!sie schafft ihnen ein heimisches Milieu und führt sie vom Weg zu sich selbst schließlich weiter zu einem Ich, das tiefer, in Jahrtausenden, verwurzelt liegt. , Was das bedeutet, wissen am besten die zu schätzen, die aus der Provinz, wo sie isoliert von Freunden und ohne Verbindung mit dem Jüdischen gelebt hatten, nun in jüdische Schulen kamen. Ihre Seele begann zu trinken, längst verschüttete Quellen öffneten sich wieder. Die . Schule kann nicht verhindern, daß auch hier die "Ungunst der Verhältnisse an .sie herankommt. l Aber isie erfahren sie; iii der Gewißheit, sie aus der Kraft ihres Judeseins überwinden zu köne Korrespondenzen. Deutsches Reich. ' Sederabende der Berliner Jüdischen Winterhilfe. - ' ' Berlin, 1. April. Der ITA. wird mitgeteilt: Die Jüdische Gemeinde ■; zu Berlin hat durch die Jüdische Winterhilfe und •durch das jüdische Wohlfahrtsamt gemeinsame Sederabende in allen Stadtteilen Berlins veranstaltet, an denen etwa ,2000 Personen an beiden Abens; den" teilnahmen. Der Gemeindevorsitzende Direktor Heinrich Stahl, der einige dieser Sederabende besuchte, 'sah, wie alljährlich, 130 Personen als. seine Gäste zum Sederabend im iLogenhaus bei sich. Die Beratung durch den .Hilfsverein. ' B evr 1 i n , 4. April., Der Hilfsverein der Juden in Deutschland gibt folgendes bekannt: . \ ' , Neben der Zentrale in Berlin, die sich lediglich . mit grundsätzlichen Angelegenheiten befaßt, stehen; für den Beratungsdienst der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ab 1. April 1937 Beratungsstellen des Hilfsvereins in folgenden Städten zur Verfugung: Berlin für Berlin und Brandenburg, Bielefeld "für Westfalen und Teile von Hannover (die Kreise Grafschaft Bentheim, Landkreis Osnabrück, Melle und Wittenberge), in Bremen für Bremen, in Oldenburg, , Ostfriesland und Teile von Hannover (die Kreise ' Meppen, Lingen und Bersenbrück, ferner vom Regierungsbezirk Lüneburg den Landkreis Verden, Rotenburg in Hannover, Bremervörde und Stade), Breslau für Schlesien, in Frankfurt a. M. für Frankfurt, HessenaNassau (ausschließlich Bezirk Kassel) und Hessenj Hamburg? für Groß-Hambur«*, Schleswig-Holstein und .Mecklenburg, Hannover, für Hannover, und Bezirk Kassel, in' Karlsruhe für Baden: ausschließlich ' Mannheim, in Köln für .Rheinprovinz und Saargebiet, in Königsberg für Ostpreußen, in Leipzig für Sachsen,- in Männheim für Mannheim und Rheinpfalz,?n München für Südbayern, in Nürnberg für Nordbayern, in Stettin für Pommern und Grenzmark, in Stuttgart für Württemberg und Hohenzollern. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ratsuchenden ausschließlich'' iri' den für ihren Wohnbezirk zuständigen Stellen beraten werden und Sonderberatungen von : Personen!aüs dem Reich in Berlin nicht erfolgen köh- ' rien. Die'Berliner Beratungsstelle steht nur den in ■ Berlin und Brandenburg \vbhnnaften "Ratsuchenden zur Verfügung. ': ' ' < V Handel und Verkehr;,mit Juden. K ö In r 4. April., ., iDerj „"VCfestdeutsohe. Beobachter", berichtet, daß Is'tYJ^^ßhjede^pG<^einden im-.,'Gia.u. K ö Iji- Aachen nen. Um ihnen dieses drei Jahrtausende umfassende, von Blut und Tränen gedüngte, von weltumspannenden Ideen und Persönlichkeiten befruchtete Saatfeld so nahe zu bringen, daß es ihre; Heimat, daß ihre1 Seele seine Heimat wird, daß sie gebend und nehmend daran wachsen, dazu bedarf es mehrerer Jahre. Je geschlossener es sich der Jugend erschließt, je eindeutiger ihre jüdische Pflicht aus dem Geist der jüdischen Geschichte und Lehre daraus hervorgeht, desto tiefer wird das Gefühl für Ehre und Verantwortung, desto stärker der Rückhalt werden, den diese Heimat auch schon in der Fremde gewährt. Sie wird davor schützen, je wieder irgend ein Land der Gola für Erez Isroel anzusehen, sie wird erst recht davor, schützen, je wieder aus Erez Isroel ein Land der Gola werden zu lassen. 1 gegen den Handel und Verkehr von Gemeindeange* hörigen mit Juden Stellung genommen haben. So heiße es im Bericht über die letzte Sitzung der Gemeinderäte von Oberbruch-Drommen und Perselon (Kreis Gelsenkirchen) u. a.: „Die Gemeinderäte berieten den Beschluß des Bürgermeisters, allen Gemeindeeing&sessenen, -die geschäftlich oder auf andere Art mit Juden verkehren, das Gemeindenutzungsrecht zu entziehen." „Es ist nicht mehr als recht und billig," so schreibt der „Westdeutsche Beöbachter", „daß solche Menschen, die durch ihr Verhalten zu erkennen geben, daß sie sich mit den Juden auf eine Stufe stellen, auch von rechts= und Gesetzes» wegen nur der Einrichtungen teilhaftig werden, die dem Gastvolk eingeräumt sftid. Diese Leute können also an keiner gemeindlichen Sache, die 'sonst allen Volksgenossen zur Verfügung steht, mehr teilhaben. Sie können keine öffentlichen Einrichtungen, z. B. und dergleichen mehr benutzen; sie können kein Vieh auf die Gemeindewiesen treiben usw." * * * Stuttgart, 4. April. Das „Stuttgarter Neue Tageblatt" meldet, daß auf dem Stuttgarter Pferdemarkt Juden und deren Pferde keinen Zutritt haben. Auflosung von jüdischen Gemeinden in Baden, Karlsruhe, 23. März. Der- Oberrat der Israeliten Badens gibt bekannt, daß mit Genehmigung des Staatsministeriums und des Synodalausschusses die Lsraelitichen Gemeinden in O est rin,gen, Eberstadt und Ödenheim aufgelöst und die noch verbleibenden Mitglieder anderen Gemeinden zugeteilt werden. Weiter sind die Religionsgemeinden Heidelberg und Rohrbach zu einer Gemeinde mit der Bezeichnung Israelitische Religionsgemeinde Heidelberg mit Wirkung vom 1. April 1937 vereinigt worden. Oesterreich. Zahlenmäßiger Rückgang der jüdischen Bevölkerung Wiens» Wien, 30. März. Die Statistikder Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zeigt eine dauernde Abnahme der Wiener jüdischen Bevölkerung. In, den Monaten Januar und Februar 1937 betrug die Zahl der Sterbefälle 517, '•die der Geburten nur 106. Die Üeberalterung .der jüdischen Bevölkerung kommt auch in dem starken Rückgang der Zahl der jüdischen Volksschüler zum Ausdruck. Im Schuljahr 1930/31 waren in den Wiener Volksschulen noch 9272 jüdische Kinder eingeschrieben. In diesem Schuljahr ist die Zahl der jüdischen Kinder bereits auf die Hälfte gesunken. ' Die Zihl der Scheidungen jüdischer Ehen ist im letzten Jahre beträchtlich zurückgegangen. : Schweiz. Vorbereitung ein«r neuen Konferenz für Auswanderer-Fragen. ' Genf, '26.' März. Der Generalsekretär des Völkerbundes, A'venol, hat den Mitgliedsstaaten 'des Völkerbundes das' vor=