Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-04-08 · Heft 14 (8.4.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 14 (8.4.1937)
Date
1937-04-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450974--82922-2540898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

g, Aprilq£37 D e r : 1s r. a e 1 i . t Nr, 4'4,, Seit©: 5 S o ward er zum naitPfl bs*t ■■ttfv* Sni»*:ö>p!rte. pKAistir naim^snar. Dipai? .n»5?^ - -§ f > / Nathan Birnbaum ist eine doppelte Unsterblichkeit sicher. Seine S e e 1 e ist dorthin heimgekehrt, wohin /das sehnsüchtige Ahnen,, manches. Gerechten und Heiligen nicht zu dringen wagen darf — und in der G e s c h i c h t e des wirklichen jüdischen- Volkes, auf Erden; . des Volkes der Thöra, wird sein Name als tröstendes, in die Zukunft weisendes f e ü.e'r.z.eic'h en. "weiterleben, ein Feuerzeichen der einstigen ■• Volkes* nn^r» die am Ziele der Tage winkt: rwattn ypbx 't\ isr nnwi weisen, wie ihm als die Aufgabe der Juderiheit gegenwärtig war: „Von u n d mit dem G e - s e t z durch Hei 1 i g k e i t zum Messiä s!" Wie es ihm als größte Verpflichtung vor Augen . war, die gläubige Judenheit „zu heißer, fruchtbarer Messiassehnsucht, zu freudiger Gewißheit, sich den Messias selber verdienen zu können, zu wecken"! Und wie es ihm stets unfaßbar geblieben war, daß die zeitgenössische traditionstreue Judenheit den Moschiach-Gedanken durch Entpersönlichung verfälscht und verdürftigt hatte, daß so viele von ihr in kühler, unfruchtbarer Moischiaehgläubigkeit dahinlebten. Die Gewißheit des Moschiach lebte in ihm; in den andern diese Gewißheit lebendiger zu machen war sein Verlangen, W]ina 131 imn nasni nVaVs „Hast du der Weisheit letzten Schluß gezogen, Eines aus dem Andern sich entwickeln lassen?" Bist du auf dem Weg der Erkenntnis stehen geblieben oder hast du mutig die Konsequenzen gezogen? Und Birnbaum weist hin auf sein Leben: Hatte er die zionistische Anschauung überwunden, dann gab er das. Amt preis, das ihm Brot und Ehren gab. Hatte er die Lehre des Judentums als wahr erkannt, dann gab er sich;./n einem Leben 4P ■ .- des Judentums, dann fühlte er sich mühsam und Schritt für Schritt ein in den für ihn so ungewohnten Gang des „Lernens": der große Denker unseres Volkes saß in rührender Geduld vor seinem Mischhajäus und prägte sichs ein, Wort um Wort! Und an diesem Zug erkannte man ihn in seiner ganzen Unbedingtheit vielleicht am deutlichsten. Erkannte man, daß er auch die entscheidende Frage beantworten dürfte: ■nnx K'n ti mir! 3. ' . Ein junger gesinnungsgenössischer , Schriftsteller im Osten nannte einmal in einem Huldigungsartikel Nathan Birnbaum einen Propheten. Dies veranlaßte die O^Vtt des Ostens zu einer Mahnung, mit den uns geheiligten und gan& eindeutig bestimmten Ausdrücken wie Prophet« ttnpn ITH usw. vorsichtiger zu sein, denn wir haben heute keine Propheten mehr und der n*I*7 tH£n strömt nicht mehr. Nathan Birnbaum war gewiß kein Prophet, aber des Wortes dürfen wir uns erinnern, von dem die Gemoro in Psochim 66a spricht: „Laß* Israel nur, wenn sie auch keine Propheten sind, so sind sie Kinder von Propheten!" Das deutet dort Raschi: Von i'hrem Tun k ö n n t ihr die Halocho ablernen! Und so stehen wir auch vor Nathan Birnbaum in Liebe, Dankbarkeit und tiefer Ehrfurcht. Von seiner Lebenstat lernen wir unsere Lebenstat, unseren Lebensgang. Wir wollen, wie er, dem G'tt der Wahrheit dienen, der Lehre der Wahrheit uns hingeben! Als Diener der Wahrheit hüten und heiligen wir sein Vermächtnis, und so sein Gedächtnis! 1 bereits zu kennen. Die Einwanderung nach Palästina solle auf der Basis einer bestimmten Jahresquote festgesetzt werden, jedoch von der Aufnahmefähigkeit des Landes nicht mehr abhängig sein. Der Legislative Council sei ins Auge gefaßt. An Stelle der Abhängigkeit vom Völkerbünde werde, die unmittelbare britische Regierungsgewalt verstärkt. Der Berichterstatter glaubt, daß die Kommission einer Kantonisierung Palästinas nach den bekannten Plänen nicht ab* geneigt gegenüberstehen, jedoch herrsche innerhalb der Kommission über diese Frage noch keine, Einmütigkeit, Wie gesagt, Kombinationen, die der festen Unterlage entbehren. * * * In den politischen Kreisen Palästinas verbreitet sich aber immer stärker die Ansicht, daß die Königl. 'Kommission eine Losung des Palästm eher durch „geographische Methoden" als durch sozialpolitische M a ß n a Ii m e n anstreben wird. Große englische und .holländische Zeitungen lassen sich von Ein Wort zum Ableben Nathan Birnbaums . von Rabb, Woll S. Jacobson. „Und alle Trauer um ihn gipfelt in der größten Klage, daß uns in dem Dreiundsiebzigjährigen ein Junger starb, ein junger Baumeister, der mit seinen Werken noch immer höher und höhe» gewachsen wäre. Däß sich mitten in seinem neuen Jünglihgsschaüen seine Augen schließen mußten" ." .; So möchten wir das Wort variieren, das Nathan Birnbaum vor mehr als 20 Jahren dem Dichter Perfez nachrief, da er als Vierundsechzigjähriger starb! Denn nannte ihn auch erst jüngst einer,* 'der 'Birnbaum äh seinem schweren Leidenslager besucht hatte, den „großen a 1t e n Mann" des jüdischen Volkes, in Wahrheit war dieser alte, sieche Mann; jung und jugen dlich geblieben bis in die letzte Stunde seines Lebens! \ .; Denn „Jungsein" bedeutet doch wohl: mitten in seiner Zeit zu stehen, nicht in der kühlen und abgemessenen Distanz des Beobachters, sqn-; dern in der heißen, bis ins Innerste bewegten Lebendigkeit des Gestalters, bedeutet doch wohl:, in jedem Äugenblick bereit sein, den Kampf mit 'dieser Zeit, mit dem, was morsch an ihr ist, aufzunehmen, bedeutet! die Kraft und den Mut und die Ausdauer besitzen, zu jeder Stunde — um eines seiner großen und schönen Worte zu gebrauchen — '„der Tradition des Sich-leicht- Machens und der Fässadengenügsamkeit" entgegenzutreten, mit der. Fackel der Wahrheit in der Hand! Jung und jugendlich und riesenstark in seinem Geist steht darum Birnbaum vor unserm Auge, er, dessen von Nöten und Entbehrungen früh und viel geschwächter Körper schon sfeit Jahrzehnten mit den Beschwernissen des" Alters zu kämpfen hatte! Und noch ein andrer Begriff wird für uns immer verbunden sein mit dem Namen Nathan Birnbaums: Wahrheit und Wahrhaftigkeit! Gewiß, wir alle streben nach Wahrheit, wir alle bemühen, uns, Wahrhaftige Menschen zu sein; wie oft aber strauchelt unser Bemühen an unserer Schwäche, an unserm Bestreben, es mit den andern nicht zu verderben; wie oft nehmen wir uns das Recht heraus DlV^n "»fiö rttJtfV' wie oft schweigen wir, wo wir reden müßten! E r ab er : er kannte nicht, um in der Sprache der Gemoro (Eruchin 16b) zu reden, die ni3tf HawV das Schweigen aus falscher Bescheidenheit, das in Wahrheit nur beobachtet wird, um sich Ungelegenheiten zu vermeiden* er kannte nur die nfcwbnrDirv die Zurechtweisung t,uin G'ttes willen" — er weinte, warnte, er flehte, forderte, er schrieb, schrie, immer, und ohne Unterlaß getrieben und gedrängt'von dem Ruf der Wahrheit, mochte sie auch noch so hart, streng und unbequem sein, für uns — und für ihn! Ein ganz großer Mann ist von uns gegangen, wir haben einen unserer sichersten und bewährtesten Lotsen verloren! . Nathan Birnbaum steht nun vor seinem himmlischen Richter, und G'ttes Fragen dringen an sein Ohr. 1 ni*iöJt3; nmi ilSti^a „Hast du gekämpft um die Ernuno?" So versteht er die erste Frage. Und Nathan Birnbaum weist hin auf sein Leben, legt Rechenschaft' ab für den Weg, den er gegangen lst „vom Freigeist zum Gläubigen", wie er den leeren Rationalismus seiner Jugend, den religionslosen . Natiönali'smüs. seiner Mannes jähre ■*n unermüdlichem Ringen:'-zu überwinden wußte, um sich schließlich einzureihen in „G'ttes Volk". Er weist hin auf sein zähes und ausdauerndes Ringen „um die Ewigkeit" — und er hofft, in demütiger Gläubigkeit, daß G'tt seine Antwort wohlgefällig aufnimmt". THin^ DTiy D»3j? „Hast du die Zeiten fest gemacht für die Tauro und ihre Forderungen? So versteht er die zweite Frage. Und Nathan Birnbaum tritt vor seinen Schöpfer, „und seine Lehre ist in seiner Hand"! Denn die letzten Jahrzehnte dieses Lebens kannten ja kein anderes Ziel, hatten ja keinen anderen Inhalt als die Menschen zurückzurufen zu G'tt und Seiner Lehre! Nichts anderes wollte er ja, als er die- Worte der Aufsteigenden an uns richtete, als er zu den" drei Heiligkeiten hin unseren Geist und unsere Seele lenken wollte: zur Heiligkeit der Erkenntnis, indem man G'tt erkennt, an ihm sich entflammt und vor ihm sich beugt —• zur Heiligkeit des Erbarmens, indem man von G'ttes Barmherzigkeit erwirbt und der Geschöpfe sich erbarmt — zur Heiligkeit der Pracht, indem man sich seinen Anteil leiht von G'ttes Pracht und darein sieh hüllt! "dT) 'v723 Jlj?D9 „Hast du gekämpft für den Fortschritt der Menschen?" So versteht er die dritte Frage. Und Nathan Birnbaum zeigt, wie all sein Streben dahin ging, den Schutt-und das Geröll wegzuräumen, die von draußen kommende Kulturen und Zivilisationen, 'Umgebungen, Beschäftigungen und Sitten auf dem1 Weg des jüdischen . Volkes angehäuft hatten, wie er nichts sein wollte als ein Wegbereiter zum währen Heil esf ortschritt der Menschen, wie diesem Ziele gälten alle seihe Anregungen und Vorschläge, die- „Häuptgrundsätze für die Gesamtheitseinrichtungen" wie die „Hauptgrundsätze für die Einrichtung, die die Glaubenshüter umfaßt." 'Hnd er wird sprechen von dem Schmerz, der ihn peinigte, da er selbst die dem Gesetz Treuen beobachten mußte in oft erstarrter Gebahrung, und wie deshalb sein ganzes Sehnen und. Kämpfen dahinging, die reichen Kräfte wieder fruchtbar und nutzbar zu mächen, die wir besitzen, ohne sie zu brauchen. JI'SX „Hast du des Heiles geharrt?" War dir der Moschiach die Gewißheit und der Trost deines Lebens? Und er wird darauf hin- " v £ Woehenrundschau. Rätselraten um die Königl. Kommission — Käntoni sierung, ab er wie? — Direkte Verständigung? — Freundliche Worte in Tripolis —- Jüdische Märtyrer in Söwjetrußland •— Abwendung einer Gefahr für die Juden in Rumänien — Ende des Spaniolischen in der Türkei. Die Königl. Kommission hat, ihren Bericht vnoch nicht . erstattet, ihr »Urteil noch nicht gefällt, den. Kombinationen ist inzwischen freier Spielraum gewährt. Der. politische Mitarbeiter der Londoner „Sundäy Despätch" glaubt, die Gr'ündzüge der Vorschläge der. Kömmission

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.