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Der Israelit · 1937-11-25 · Heft 47 (25.11.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 47 (25.11.1937)
Date
1937-11-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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25. November 1937 0 er 1 s r a e 1 i t Nr. 47 Seite 9 Aus der Agudas Jisroel - Bewegung. Gründung von Frauengruppen in Amsterdam und im Haag. Die Leitung der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael teilt uns mit: Wir werden in Zukunft den Namen '"»N3iy „Nowaj" führen. Am 8, November wurde im Hause von Frau Rosi Wreschner unter Mitwirkung von Frau Meta Posen- Prins, Frankfurt und Frl. Elisabeth Heymans, Naarden, die ag'udistische Frauengruppe in Amsterdam gegründet. Präsidentin ist Frau Kolthof-Hirsch. Am 10. November folgte ebenfalls unter Mitwirkung von Frau Meta Posen-Prins die Gründung der Frauengruppe im Haag im Hause von Frau Mimi Zadoks-Elzas, welche zur Präsidentin der.' neuen Gruppe gewählt wurde. Gemäß Antrag 14 der Finanzkömmission Nr. 1 soll die „Groschensammlung" als Hilfsfonds für die kulturellen und allgemeinen Aufgaben der „Nowaj" aufgenommen werden. Es ist vorgeschlagen, einen Becher aus Pappmache mit der Aufschrift; „Kaus Jeschuoh schel N'schei Uwenöth Agudath Jisrael" zu verwenden, der mit einem Deckel verschlossen sein soll. Ein. Probebecher geht den Landesvorsitzenden zu. Dieser Becher soll den Kindern gemäß Antrag 14 übergeben werden, damit das Kind den kleinen täglichen Beitrag einzieht. Jede Familie gibt nach Anzahl ihrer Personen, d. h. für jede Person 1 Pfennig täglich, z. B. wenn eine Familie 2 Personen hat, 2 •Pfennige, bei 3 Personen 3 Pfennige usf. Bei gutem Willen ist jede Familie in der Lage, dieses Geld beiseitezulegen, das dann von unserer Jugend eingesammelt, und regelmäßig am Rausch Chaudesch bei der Kassiererin abgeliefert wird. Der Pfennig, den die jüdische Hausfrau sich Tag für Tag entziehen soll, indem sie irgendetwas im Werte von 5 bis 10 Pfennigen erspart, ist kein Beitrag, ist keine Spende der Wohltätigkeit im gewöhnlichen Sinne, sondern ein persönlicher Verzicht der jüdischen Hausfrau für ihre überall in der ganzen Welt notleidenden Schwestern und Kinder. Dadurch wird die Frauenorganisation funktionsfähig, Die Einführung der allgemeinen eigenen Sammlung gibt unserer Frauenorganisation ein Eigenleben, und damit allen daran beteiligten Frauen ein stärkeres Bewußtsein ihrer eigenen Bedeutung und Wirkungsmöglichkeit. Gründungsversammlung der Frauengruppe der Agudas Jisroel in Zürich Ein Initiativ-Komitee hatte sich vor einiger Zeit unter den Züricher Frauen der Aguda gebildet, um eine Frauengruppe zu gründen und, dadurch aktiver an dem großen Aufgabenkreis der Aguda mitarbeiten zu können. Von diesem Komitee war Frau Therese Mannes-Lev enstein beauftragt worden, die Gründungsversammlung auf Montagabend einzuberufen und zu leiten. Frau Mannes wurde am Schluß der Versammlung einstimmig zur Präsidentin der Frauengruppe gewählt. 60 Damen, darunter auch einige aus andern Gemeinden sowie die Mitglieder der Mädchengruppe waren anwesend, als die Präsidentin mit einigen herz« liehen Begrüßungsworten die Versammlung eröffnete und die Tagesordnung skizzierte. Zwei zu Herzen gehende Einleitungsreferate gaben dem Abend das geistige Niveau. Frau Goldschmidt-Leven - stein charakterisierte in schlichten, dafür um so eindringlicher wirkenden Worten, wie das Programm der Aguda der ständige Wegbegleiter der frommen jüdischen Frau sein kann und sein muß. Mit ihrem Appell für eine Rappensammlung fand die zweite Referentin, Frau S i 1 b i g e r , ebenfalls begeisterte Zustimmung. Die Hausfrauen sollen von fetzt ab täglich einen Rappen pro Kopf der Familie sammeln — so (ist es in Marienbad beschlossen — und mit dieser Rappenspende sollen Frauen und Kinder in Not sowohl in Polen wie in Erez Israel unterstützt werden. Alle Beträge werden durch Frauen gesammelt, verwaltet und auch wieder nur für Frauen und Kinder ausgegeben. Ein Wettbewerb ist für eine Idee ausgeschrieben, die statt der sonst üblichen Büchsen einen anderen Behälter für die Aufbewahrung der Rappen in den Familien vor der Abholung schafft. Auch noch abseitsstehende orthodoxe Frauen sollen für die Rappenspende gewonnen werden. Dann folgte der praktische Teil des Abends. Frau Mannes zeigte, daß die Frauengruppe das Bestreben hat, sehr aktiv zu sein. Auf der Vorschlagsliste für das Winterprogramm stehen sieben verschiedene Punkte. Ein Kurs für Bibelerklärungen, ein Dinimkurs, sowie ein Fröbelkurs. Dann soll ein Näh- und Strickabend eingerichtet werden, an dem für ein Waisenhaus in Erez Israel geschafft wird. Außerdem soll an einem solchen Abend eine Dame stets ein kleines Referat über die neuesten Vorgänge in Palästina und ändere wichtige Probleme halten.- Die Hilfsbereitschaft für erkrankte orthodoxe Frauen, überhaupt soziale Arbeit, soll so gut vorbereitet werden, daß im Falle" der verlangten Hilfe sofort eingegriffen werden kann. Ausspracheabende werden veranstaltet und schließlich soll auch die Gesellig keit gepflegt werden, z. B. ist vorgesehen, daß sieh einmal im- Jahre alle Schweizer Frauen der Aguda treffen. Im übrigen erhielt jede anwesende Dame einen Fragebogen, auf dem sie ihre Wünsche eintra gen ' konnte, damit alles recht schnell organisiert werden kann. Dann fanden die W a h 1 e n statt. In den Vorstand wurden folgende Damen durch Akklamation gewählt: Bollag-Bander, Eiss-Askenasy, Fruchthändler, Goldsehmidt-Levenstein, Kornfein, Koschland, Krauss, Mosbacher, Neumann, Rhein, Rosenblatt Silbiger, Stephansky. In einem Schlußwort würdigte die Präsidentin noch einmal die Tatsache,£daß am 13. Marcheschwan die Frauengruppe der Agudas Jisroel gegründet werden konnte. Jüdische Familienremheit, Vortrag, gehalten auf dem l. Weltfrauenkongreß der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Israel (Agudistische Frauenorganisation) in Marienbad am 14, Ellul 5697 von Ele Schmuelowitz, Kowno (Lit.). Reinheit — das ist ein heiliges Etwas, um dessentwillen das jüdische Volk, alt und jung, arm und reich, sich seit den ältesten Zeiten zum Opfertode führen ließ, um G'ttes Namen zu heiligen, "iintj — lauter sein, im Aramäischen "inr. durchsichtig, klar, davon abgeleitet niTO Vorsicht — auf diesen Begriffen basiert nnawn mnt). jüdische Familienreinheit. Wenn der Mensch sich zu beherrschen versteht, wenn er seinen Gefühlen nicht freien Lauf gewährt, wenn er zu allem und jedem, was verboten und schädlich ist, in Vorsicht Bezug nimmt, wenn er also den mnu 'an sich unterwirft, und dem geistig Ungesunden aus dem Weg geht, dann heißt dies, nach Reinem, nach Lauterem streben, dann heißt dies, von allem Bösen behütet sein. Umgekehrt aber bringt der Jude, der nicht 1WB ist, der seinen Gefühlen freien Lauf gewährt, sich und seiner ganzen Familie, wie auch der gesamten jüdischen Gemeinschaft, nichts als Unglück und Verderbnis. Was Viele Reinheit nennen, das ist noch nicht jüdische Reinheit. Bei ihnen mag es angehen, durch Mittel den Zweck zu heiligen. Bei uns Juden aber muß der Weg zur mrto ein durchaus reiner sein, ebenso wie der Weg zur Wahrheit ein durchaus wahrer sein muß, und der Weg zum Frieden nimmer ein kriegerischer sein darf. Der Weg zur fnnts nnswnn ist ein Weg von lauterem Denken und lauterem Handeln; eins ist ans Andere gebunden, eins ins Andere geflochten. Lauteres Denken und reines Handeln, reines Handeln und lauteres Denken haben stets und ständig den Weg und den Zugang geebnet zu nnswan mmv zur jüdischen Familienreinheit. Die Epoche der Aufklärung hat auch diesem Pfeiler jüdischen Lebens Erschütterung gebracht. Die eigentliche Attacke gegen nrtspan mno aber ist von der aufgeklärten jüdischen Frau in Rußland ausgegangen. Sie ist es gewesen, die zur Zeit der russischen Revolution zusammen mit allen alten „rückständigen" Begriffen des zaristischen Rußlands auch systematisch nnawnn mnu zu bekämpfen begann, sie hat diesen Lebenskomplex als einen „unhygienischen Lebensmodus bei Mann und Frau verschrieen, man sei unterjocht und versklavt von uralten Thoragesetzen". Im Gegensatz hierzu war diesem Frauentypus außergewöhnlich verlockend und anziehend die „freie Liebe", die seinerzeitals eines der „Freiheits"-Symbole proklamiert wurde, Jahre gingen ins Land. Die „freie Liebe" hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Kleine Kinder, notdürftig bekleidet, Tsarfuß, laufen in den russischen Gassen herum; hungrig, durstig rufen sie um Hilfe. Aber wonach rufen sie in Wirklichkeit? Nach Vater, nach Mutter . . Die verwahrlosten Kinder suchen irgendeinen Halt, Kinderhände suchen eine Mutter, sie zu liebkosen! Kinderaugen suchen einen Mutterblick, der so zart — aber wo, wann? Wie lange schon entschwand die Mutter, wie lange ist's schon her, daß ein Vater hier war — freie Liebe! Frei von Mutterpflicht, frei von Vaterpflicht — jeder nur auf der Jagd nach sinnlichem Genuß! Und ihr gegenüber — Scharen verunglückter Kindef, in Unsittlichkeit geboren, in Knechtschaft aufgewachsen, sie ballen die Fäuste zusammen . . . Von Rußland fand — leider! — die freie Liebe auch den Weg ins Land der Reinheit —. nach Erez Israel! Dort, wohin wir uns alle wenden um des Geistes, um der Reinheit willen, werden gar oft O'Vnr, Gezelte errichtet, aber kein "-^rifc findet sich darunter .... * * * Treten solche Bilder uns nicht wie Warnungen entgegen? Sollten wir uns nicht zu entschlossenem Handeln aufrufen? Betrachten wir dt© Gründe, die solchen Niedergang yeranlaßtenf Um sie zu begreifen, bedarf es zunächst .der Erkenntnis, das physische und geistige Erscheinungen den gleichen Gesetzen unterliegen. Eine Pflanze benötigt zu ihrer normalen Entwicklung der Sonne, der Bewässerung und der vollständigen Beseitigung des sie umgebenden Unkrautes. Fehlt eine dieser drei Bedingungen, dann kann sich die Pflanze nicht normal entwickeln, sie wächst inkrankhafter Weise, oder sie kommt überhaupt nicht richtig zum Vorschein, Dasselbe gilt auch für die geistige Welt. Damit das lebendige Wesen sich geistig normal ent-' wickeln kann, bedarf es, ehe es noch die Schwelle des Lebens betritt, einer geistigen Planung. Muß es ihrer entraten, so wächst es als geistiger Krüppel auf. Als Beispiel mag uns die Geschichte der Geburt Elischa ben Abujas dienen, der seinerzeit zum Acher, zum Abtrünnigen, wurde. Unsere Weisen unterziehen sich der Mühe, die Gründe aufzudecken für die sonderbare Erscheinung, welche ihresgleichen in der jüdischen Geschichte sucht. Wie konnte es geschehen, daß ein so großer Geist wie Elischa ben Abuja^ der der Lehrer unseres großen Rabbi Meir war und sein konnte, daß dieser Mann vom rechten Weg abirrte? Und sie geben zur Antwort: Als die Mutter Elischas ihr Kind unter dem Herzen trug, da nahm sie an einem Heidentempel den Geruch von Gewürzen in sich auf, und so geschah es, daß auch das noch nicht vollkommene Wesen des werdenden Elischas von fremder Geistigkeit einen Hauch verspürte. Als aber die Beschneidungsfeier des kleinen Elischas herankam, so berichten unsere Weisen, da fanden sich beim reichen Abuja viele Gäste ein. Ein Teil Ö'Mn '"TO^ru in der Thora kundige Männer, der andere pnrr'»y reiche, aber unwissende Menschen. Man wartete auf den Mauhel, der die Beschneidung zu vollziehen hatte, die Thorakundigen diskutierten über Thoragesetze, die reichen Gäste aber verbrachten die Zeit mit leerem Gerede. Plötzlich ließ sich vom Himmel eine feurige Erscheinung herunter, die sich in eine Art Wand zwischen die beiden Gruppen der Gäste stellte. Als Abuja diese wunderbare Erscheinung sah, begriff er, wie hochgeachtet cpnan ■'-pnVn in den Augen G'ttes sind. So rief er aus: „Wenn Thorakundigen soviel Ehre zuteil wird, so gelobe ich, daß ich ihnen meinen Sohn Elischa in die Lehre geben werde." Dies ist aber die eigentliche Ursache der späteren unbegreiflichen Verirrung; Der Vater hatte nicht die Thora um ihrer selbstwillen im Sinn, sondern — Ehre! Beide Erzählungen beweisen aber deutlich genug, wie stark das Streben der Eltern sein muß, rein zu sein, nicht nur nsrvna im Handeln, sondern auch nawnM im Denken. Ist dem nicht so, dann haben wir Elischa ben Abuja's zu erwarten. Betrachten wir im Gegensatz zu den zitierten Berichten das, was uns über die Mutter von R. Jehoschua ben Chananja berichtet wird, der doch des Prädikats gewürdigt wurde: Wt^y» ""iz1« heil der, die ihn gebar! Diese Mutter pflegte Jehoschua noch als Säugling ins Beth-Hamidrasch zu bringen. Uns erscheint solch' Handlungsweise wunderlich. Was bezweckte sie damit? Begriff doch der Kleine gar nichts von dem, was die Thorakundigen dort besprachen! Und dennoch! Ebenso wie im Falle von Elischas Mutter der Hauch vom fremden Geiste auf die spätere Entwicklung von Elischa eine schlechte Wirkung ausübte, ebenso hat die Atmosphäre, in der cler kleine Jehoschua aufwuchs, seine geistige Entwicklung bestimmend gestaltet. ' Jehoschua verstand nichts? Aber den Thorahauch, den die caan'vn^/i der Luft überantworteten, als sie lernten und diskutierten, ihn hat der kleine Jehoschua eingeatmet, unbewußt aufgefangen und so auch sich einverleibt ein Etwas vom Thorageist. Und unvermutet ward gewoben das Gewebe seines Jude-Seins. (Siehe auch „Licht aus dem Westen" von S. Schachnowitz: Mutter Sofer mit dem kleinen Mosche im Lehrhause R. Nathan Adlers. D. Red.) Zwei Mütter — zwei Kinder! Elischa ben Abuja — R. Jehoschua ben Chananja! Zwei Typen jüdischer Erziehung, zwei Symbole verschiedener Geistigkeit! Eine hat fremdem Geiste die Gefolgschaft nicht versagt und ihn dem Kinde übermittelt. Die andere hat sich am Thorageiste genährt und diesen dem Kinde in die Wiege gelegt. Das Ergebnis? Ein Elischa ben Abuia — ein R. Jehoschua ben Chananja. i (Schluß folgt,) Wochenkalender. Vom 27. November — 4. Dezember 1937 / Vom 23. —"30. Kislew 5698 I | V3V Ip \n 1 nnn3 Samstag Nov. 27 3 Sonntag 28 24 83 Montag 29 25 *M 26 | 33 Dienstag 30 5 -t Mittwoch. Dez. 1 ]21 \ . Ii Donnerstag 2 28 ni Freitag 3 29 13 Samstag 4 30 '5 snnn pman ain naun ms? f pn snn trtm 's

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