Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1937)
- Date
- 1937-11-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2451006--83379-2540887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 Nr. 47 D I s r a e 1 i t 25. November 1937 ERE Z ISRAEL Eine Jeschiwa - Gründung in Jerusalem Vor wenigen Wochen ist in Jeruscholajim eine Jeschiwagründung erfolgt, die das lebhafteste In teresse unserer thoratreuen Kreise für sich in An spruch nehmen darf. Die „Chinuchfrage" ist im Hei ligen Lande eine brennende. Daß den zahlreichen eingewanderten thoratreuen Familien, vor allem aus Deutschland und darüber hinaus, denen die Erziehungsgrundsätze von Rabbiner Hirsch richtunggebend sind, die Möglichkeit geschaffen wird, ihre Kinder auch in Erez Jisroel in diesem Geiste zu erziehen, unterliegt keiner Frage. Diesem Bedürfnis weiß in Jerusalem die Chorew-Schule Rechnung zu tragen,. deren segensreiche Wirksamkeit der weiten Oeffentlichkeit aufs beste bekannt ist. Eine schwere Sorge jedoch bildet die Frage der schulentlassenen Jugend. Sollen die Früchte der Ju genderziehung zur Reife gelangen, so muß die For derung, daß die schulentlassene Jugend den Weg zur Jeschiwa finde, Wirklichkeit werden. Wenn auch Erez Jisroel nicht arm ist an Jeschiwoth östlicher Prägung, so kennzeichnet es dochdie dortigen Ver hältnisse, daß der schwere Wirtschaftskampf, von dem das Leben beherrscht wird, sich der Verwirklichung der erwähnten Forderung bisher hemmend in den Weg stellte. Nach schwieriger Vorarbeit ist nunmehr eine Jeschiwagründung erfolgt, die dem berechtigten Bedürfnisse der Kreise, für die sie in erster Reihe bestimmt ist, in jeder Weise« Rechnung trägt. Ihr Programm erstrebt die Erziehung der schulentlassenen Jugend zu tüchtigen B'ne Thora und gesinnungsstarken Jehudim, die aber auch für die geistigen und wirtschaftlichen Kämpfe, in die ihr Leben hineingestellt ist, die erforderliche Vorbereitung empfangen. Stehen daher auch, wie selbstredend, die Disziplinen unserer heiligen Wissenschaft im Mittelpunkt des Lehrprogramms, so ist jedoch auch den für die künftige Berufsertüchtigung,notwendigen profanen Wissensgebieten der entsprechende Platz im Stundenplan eingeräumt. Die Verwaltung untersteht einem Kuratorium. Die geistige Leitung wurde dem früheren Dozenten der Frankfurter Jeschiwa, Herrn Rabbiner Jakobow i c z , übertragen. Die Leitung liegt somit in bewährten Händen, der tüchtige Lehrkräfte zur Seite stehen. Die Frankfurter Jeschiwa hat allen Anlaß, die Gründung dieser Schwesteranstalt auf heiligem Boden mit Genugtuung zu begrüßen. Diese Gründung, für deren Zustandekommen die interessierten Jerusalemer Kreise trotz Ungunst der Zeiten zu wirtschaftlichen Opfern sich bereit fanden, erfuhr, und das sei mit besonderem Dank verzeichnet, die verständnisvolle und freudige Förderung einiger tatkräftiger Männer im Ausland, die sich bewußt waren, welch bedeutsamem Werk sie dadurch zum Leben verhalfen. Wir hegen die feste Ueberzeugung, daß immer weitere Kreise in Erez Jisroel ihre Kinder, die sie im Geiste Rabbiner Hirschs erziehen möchten, dieser Thorastätte zuführen und ihr damit zu wachsender Blüte verhelfen werden. Möge diesem Werke, das sich in den Dienst des thoratreuen Aufbaus von Erez Jisroel stellt, reichster Segen beschieden sein. Briei aus** Jerusalem. Fünf Opfer werden zur letzten Ruhe gebracht. — Wer hatte bei den letzten Terrorakten seine Hand mit im Spiele? — Der Teilungsplan wird Tatsache,- — Wie bereiten wir uns auf die neuen Dinge vor? Jerusalem, 19. Nov. Die Beisetzung der fünf Opfer am letzten Donnerstag gestaltete sich wieder zu einer Volkstrauer erschütterndster Art. (Inzwischen kamen am Sonntag, wie aus der jüngsten Nummer unseres Blattes ersichtlich, noch neue Opfer hinzu. D. Red.). Man schätzt die Zahl der Teilnehmer auf mindestens 50.000. Unter lautem Schluchzen bewegte sich die Gemeinde zum Stadttore hinaus, von wo die Märtyrer nach ihrer Kolonie „Kirjath Anawim" verbracht wurden. Viele Hunderte fuhren bis zur Kolonie, wo die Beisetzung noch am gleichen Abend stattgefunden hat. Eine Erschütterung ging durch die Menge, als im letzten Augenblick die alten Eltern des einen Ermordeten, Mosche Bargijura, die in En Charod bei ihrer Tochter wohnen, anlangten. Es war der einzige Sohn der alten Eltern und zum Teil auch ihr Ernährer. Der alte Vater des getöteten Mosche Baumgarten sprach einige Worte des Abschiedes von seinem Sohne, der, wie Jizchak, willig und freudig zur Akedo gegangen sei. Es folgten Reden von Vertretern einzelner Organisationen und Institutionen, unter denen eine Ansprache von Rabbi Mosche Blau im Namen der Aguda, die Ströme von Tränen auslöste. Das große Fragezeichen schwebt über uns: Wird es nun genug des Blutvergießens sein? Noch platzen täglich die Bomben und herrscht in der heiligen Stadt der verkleinerte Ausnahmezustand. In den Abendstunden, da man nicht das Haus verlassen darf, fühlt man sich wie eingekerkert. Man spricht davon, daß bei vielen Attentaten Kommunisten die Hand im Spiele hätten, vielleicht auch einige jüdische, von denen aber die gesamte Judenheit mit Abscheu abrückt, vor denen die berufenen Führer des Jischuw, aller Richtungen auch dringend warnen. Am wenigsten Grund, sich darüber zu entsetzen, hätten aber die Araber, wenn ihre Schandtaten, die seit Jahren ohne Unterbrechung dauern, auch einmal anderswo ein wenig Schule gemacht hätten und sich unüberlegte jugendliche Elemente dazu hinreißen ließen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wir aber unsererseits können unsere Heißsporne gar nicht genug vor solcher Taktik warnen. Es scheint, daß die letzten Vorgänge die Regierung nur ermuntern, die Ausführung des Teilungsplanes zu beschleunigen. Man spricht schon davon, wie von einer fertigen Tatsache. Die Einreisebeschränkungen, (denen noch die neue Schedule die Krone aufsetzt) haben nach mancher Ansicht den Zweck, den Juden die definitive Teilung und den Judenstaat als sehnlichen Wunsch erscheinen zu las sen. Mosche S m i 1 a n s k i tritt mit einer neuen Ar tikelreihe hervor, um den Teilungsplan schmackhaft zu machen. Einige seiner Argumente haben manches für sich. Im mKoI Israel" werden die Gesetzestreuen und die Agudas Jisroel aufgefordert, mit der Lage der Dinge zu rechnen, um nicht von der neuen Re gelung überrascht zu werden. M. G. P. Der Keren Hajischuw in Erez Israel. Der neu organisierte Keren Hajischuw mit dem Sitze in Jerusalem gibt regelmäßige Bulletins heraus, die Auskunft über alle Dinge und Vorgänge in Erez Israel, vornehmlich über solche aus dem Agudaleben geben. Die erste Nummer bringt reichhaltiges Material. Breiten Raum nehmen die Meitteilungen über die Lage der Poale Agudas Jisroel ein Siebzig Radio-Stationen für die Polizei. Jerusalem, 8. Nov. Die Ausstattung der Polizei mit Radiostationen, die auf Autos fahrbar montiert werden, schreitet fort. Der Sender der Haifaer Polizeistation ist auf ein Kilowatt verstärkt worden. Die Einrichtung eines neuen Polizeisenders in Jaffa steht unmittelbar bevor. Gegenwärtig gibt es in Palästina 30 Polizei- Funkstationen; es werden Vorbereitungen getroffen, um weitere Stationen zu schaffen. Man rechnet damit, daß in nächster Zeit bereits 70 Funkstationen zur Verfügung stehen werden. Ein verhängnisvoller Erbschafts-Prozeß, Jerusalem, 18, Nov. Die Erben des Sultans Abdul Hamid II. gewannen heute einen wichtigen Probeprozeß, den sie gegen die Palästina-Regierung wegen des Besitzes von 4580 Dunam Land in der Nähe von Gaza angestrengt haften. Dieses Grundstück war einst das Eigentum des Sultan. " * Der Prozeß schwebt seit einer Anzahl von Jahren, und man glaubt, daß die heutige Entscheidung einen wichtigen Präzedenzfall darstellt, der die Erben des Sultans in den Stand setzen wird, große Strecken .Landes in Palästina zurückzuerlangen. Diese Landstriche, die als persönliches Eigentum des Sultans eingetragen. waren, galten bisher als Besitz der Palästina-Regierung auf Grund der Tatsache, daß sie der türkischen Regierung überschrieben und daher später in den Friedensverträgen England überantwortet worden sei. An das heutige Urteil schlössen sich weitere Auseinandersetzungen über die Prozedur, die weiter zu verfolgen sei, an. Neue Straßenbauten. Jerusalem, 11. Nov. . Der Rat der Landwirte von Petach Tikwa beabsichtigt, : zwölf Kilometer Zweigstraßen zu bauen, die die Orangenpflanzungen mit der Bahnstation verbinden sollen. Gegenwärtig wird über die Aufnahme einer in zehn Jahren rückzahlbaren Anleihe für diesen Zweck verhandelt. Die Straßen sollen in drei Monaten fertiggestellt sein. * Die Carmel Investment Truft Ltd., die das 6000 Dunam umfassende Gebiet der Carmel-Wälder zwischen Atlit und Nesher besitzt, hat mit dem Bau einer Straße von Jaarot Hacarmel zur Chaussee Haifa—Tel Awiw bei Atlit begonnen. Nach längeren Verhandlungen zwischen Jewish Agency und Palästinaregierung ist der -Bau einer Zyt km langen Chaussee von Kfar Sirkin über En Ganim nach Petach Tikwa bewilligt worden. Die Gesellschaft „Bizzur" hat ein Darlehen für den Straßenbau gewährt. Agudistiscb.es in Erez Israel. Jerusalem, 20. Nov. Ungeachtet der schweren Krisis im Lande ist es einer Gruppe von Agudisten gelungen, eine kooperative Bank unter dem Titel „Kupath Aschrai schel Charede Polen" ins Leben zu rufen, Direktor der Bank ist der frühere Sejmdeputierte in Polen, Herr Elieser Sirkin. £ Die A. J. in Tel Awiw, die hier den Namen „Agudath Hacharedim" trägt, entfaltet in letzter Zeit eine verstärkte Tätigkeit auf allen Gebieten des religiösen Lebens, insbesondere auf dem der Säbbatheiligung. Eine neue Beth Jakob-Schule in Tel Awiw beherbergt 50 Kinder. Die Zentrale des Keren Hajischuw in Erez Isra?l arbeitet mit aller Kraft dahin, die Kolonie M achane Jisroel wieder. aufzubauen. Der neue Kolonisierungsplan umfaßt 30 Familien und stellt ein Budget von etwa 12.000 Pfund auf, in das schon die bisherigen Investierungen einbezogen sind. Von der Leitung des sog. Samuel-Fonds in London wurden dem Komitee 4000 Pfund in Aussicht gestellt, unter der Voraussetzung, daß der gleiche Betrag durch den Keren Hajischuw aufgebracht wird. Nach einer Unterbrechung von zwei Jahren tritt am 18. Kislew die zweite Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw zusammen. 70 Delegierte haben ihre Beteiligung zugesagt. Die Beratungen werden unter dem Vorsitz des Präsidenten der P. A. J„ Herrn Dr.' Is. Breuer, vor sich gehen. Es sollen auf der Konferenz alle Probleme der gesetzestreuen Erez Israel-Arbeiter behandelt werden. (JPB.) Personalien. Aurich, 12. Nov. Am nVin 's p»v konnte in seltener Frische Frau Amalie W o 1 f f geb. Fromm, ihreji 75, Geburtstag begehen. Tochter von Rabbiner Seligmann Fromm ^"Xl, war sie würdige und gleichstrebende Gattin unseres unvergeßlichen Lehrers Benjamin Wolff b'm. und ist selbst ein Muster von G'ttesfurcht und Opferbereitschaft. Diese Eigenschaften brachte Herr Lehrer. Mo s e s beim Morgengebete in einer kurzen Ansprache zum Ausdruck. Am Nachmittag verlegte die Agudas Jisro el- Ortsgruppe die „Stunde der Tauroh" in die Wohnräume der Jubilarin. In beredten Worten führte Herr Simon Samson aus, daß absichtlich diese Stunde hierher gehöre, da doch aus diesem Hause jahrzehntelang Tauroh, Awaudo und n"»a ausgegangen ist Ebenso fand der erste Vorsitzende, Herr Karl v. Dyk, ehrende Worte für die Jubilarin vom Talmud Thora- Verein aus, dessen geistiger Urheber Ruhelehrer Wolff rry war. In kurzen Worten dankte der Sohn, Wilh. Wolff, zur Zeit Kantor und^ Baal-Koreh der Gemeinde, im Namen der Mutter für die ehrenden Worte und guten Wünsche. Treuchtlingen, 15. Nov, Durch den plötzlichen Heimgang von Siegfried Mayer, des zweiten Vorsitzenden der Kultusgemeinde Treuchtlingen, ist ihr eine unersetzliche Lücke entstanden. In jungen Jahren hatte der Verblichene dieses Amt von seinem Vater, Simon Mayer Vsa, übernommen und sich 22 Jahre lang mit seiner ganzen- Kraft für das Wohl der Gemeinde eingesetzt. Erfüllt von unerschütterlichem Tinea, war Siegfried Mayer in jeder Form der vorbildliche avia» der rbap. Der pünktliche Besuch der noch täglich zweimal stattfindenden G'ttesdienste war ihm Selbstverständlichkeit. Mit dem „Fürther-Minhag"-Buch beschäftigte sich Siegfried Mayer gerne, um in allen Belangen der Gemeinde dem Din und der altüberlieferten Tradition zu entsprechen. Was der allzufrüh Heimgegangene seiner Famihe und den Vielen war, die Rat und Hilfe bei ihm fanden, läßt sich in Worten nicht sagen. Seine überragende Kentnis der Verhältnisse in mittleren und kleinen Gemeinden wußte auch der Verband Bayrischer Israelitischer Gemeinden zu schätzen, dem er jahrelang als beratendes Mitglied angehörte. ( Die Beisetzung unter voller Beteiligung der Gemeinde, der Nachbargem'einden und sehr vieler Angehöriger und Freunde gestaltete sich zu einem würdigen Abschied für den Verblichenen. Nach dem letzten Willen des Heimgegangenen mußten Klage reden am Grabe unterbleiben. Nach der miaj? richtete Herr Rabbiner Dr. Klein im Träuerhause einig*-' innige Trostesworte an die Hinterbliebenen. n'asv