Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-11-25 · Heft 47 (25.11.1937) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 47 (25.11.1937)
Date
1937-11-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2451006--83378-2540886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

•J-JPWUHMrf*' *u'««\tB'JK&J^i(.'** 25; November 1937 D e'r Israelit Nr- 47 Seite 7 ligung zugesagt, Der Beschluß wurde auf einer Beratung der erweiterten Exekutive" der Schulzentrale „Chorew" für Randpolen gefaßt. Gegen die Einführung der Ghettobänke lehnen sich am meisten die jüdischen Studierenden an der T echnischenHochschuleWawe,lberg auf, wo sie sich darauf berufen, daß der Initiator und Stifter der Lehranstalt ein Jude war. Die jüdischen . Studenten haben bis jetzt die Vorlesungen s t e h e ri d angehört. Der Direktor hat ihnen aber jetzt eine kurze Bedenkzeit gegeben und ihnen unter Androhung des Ausschlusses befohlen, ihre Plätze einzunehmen. Der zentrale Waa'd Hakaschruth, von dem in Ihrer jüngsten Nummer die Rede war, wurde nun ins Leben gerufen. Man wird jetzt dazu übergehen, an Hand einer jeden größeren Betgemeinde eine eigene Kaschruthkommission zu bilden und all diese Kommissionen dem Zentralkomitee zu unterstellen. Krisenstimmung herrscht in der Gemeindestube zu L o d z. Die Treibereien von linksstehender Seite gegen den Gemeindepräsidenten M i n z b e r g haben diesen dazu veranlaßt, in einer einberufenen Sitzung der -Vorsteher und Ratmänner Klärung zu schaffen. Ein von bestimmter Seite verbreitetes Gerücht, daß Minzberg von seinem Amte zurückgetreten sei, trifft nicht zu. Beschlossen wurde nun endgültig, einen Oberrabbiner für Lodz zu berufen. Der schon lange gehegte Plan wurde immer und immer wieder von der linksoppositionellen Seite hintertrieben. Im Zusammenhang mit den Verhaftungen von revisionistischen Führern in Palästina hielt das Präsidium der polnischen Revisionistischen-vPart e i eine Sondersitzung ab, auf der eine Protesterklärung gegen die Palästina-Regierung beschlossen wurde. Mit der Verhaftung der Revisionisten, heißt es darin, wolle die Regierung, den Arabern au gefallen, alle Schuld auf die Juden abwälzen. Weitere revisionistische Protestversammlungen finden im ganzen Lande statt. Polonisierung des Handels in Polen. Warschau, 17. Nov. Der Kongreß des „Verbandes Gewerbetreibender", der hier unter großen Feierlichkeiten stattfand, befaßte sich hauptsächlich mit dem Problem der Verdrängung der Juden aus Handel und Industrie des Landes. Die Hauptresolution erklärt, daß die Uebervölkerung der ländlichen Bezirke es notwendig erscheinen läßt, daß die Bauern Unterkunft, im Handel finden und zu diesem Zwecke die Juden zurückzudrängen sind. Eine Nachricht aus Moskau. Warschau, 16. Nov. Bericht aus Moskau erstattet der bekannte Schriftsteller Benzion Katz im Warsehauer „Moment". Man schätzt die Zahl der Juden in Moskau auf 450.000 Seelen, was bedeuten würde, daß sich der größte Teil der in Sowjetrußland wohnenden Juden in der Hauptstadt aufhalte. Eine genaue Statistik ist nicht zu haben, so mag die Zahl übertrieben sein. Auf alle Fälle hat Moskau heute mehr Juden wie Warschau, die man für die größte Judengemeinde Europas hielt. Dabei wurden der \ Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Moskau große Schranken gesetzt, Wohnrecht in Moskau haben nuf Fabrikarbeiter oder Regierungsbeamte. Zu diesen dürfen auch die Eltern ziehen, so sie nicht mehr arbeitsfähig sind. Auch wirkt sich die Wohnungsmisere sehr empfindlich aus. Viele, die in der Stadt arbeiten, aber dort keine Wohnung bekommen können, ziehen in die Vorstädte, die auf einem Areal von 50—60 km Moskau umgeben. s Von den unzähligen Bethäusern sind der jüdischen Gemeinde drei große Synagogen geblieben. Unter der Verwaltung der „großen Schul" befindet sich auch der Friedhof und die einzgie M i k - w a h. Es gibt auch so etwas wie eine jüdische Gemeindepolitik, die bei Anlaß von Vorstands wählen hohe Wellen schlägt. Einen Skandal setzte voriges Jahr die Mazzothfrage ab.' Man hatte, der Gemeinde, wie es heißt auf Denunziation hin, das Recht genommen, das Mazzothbäckeri in ihrer Regie zu betreiben, weil sie angeblich zuviel dabei verdiene. So hat die Regierung eine eigene Mazzothbäckerei eingerichtet, von der aber die frommen Juden .mit Recht keinen Gebrauch machen wollten. Schließlich blieb doch leider keine andere Wahl, als die Regierungsmazzoth zu gebrauchen. Diese Einrichtung hatte auch insofern eine günstige Wirkung, als viele kleine Beamte, die in all den früheren Jahren?;.nicht gewagt hatten, Mazzoth zu kaufen, um nicht als Reaktionäre entlassen zu werden, nun, da die Regierung selbst die Mazzoth beschaffte, ungestört Mazzoth kaufe« und essen konnten.. So hatte sich voriges Jahr der Konsum der Mazzoth zu Pessach. um das Fünffache gesteigert.;,.; ■-/''* .;- Der Gewährsmann des Berichterstatters hielt'sich noqh am, letzten R.o s cht H a s c h a niav in Moskau auf^ Am ersten Rosch-Haschanatag waren die Synagogen und, auch eigens eingerichtete! Bethäuser/ gepackt voll! Da der, Tag gerade mit dem 6. im Monat zusammenfiel, der ohnehin ein Ruhetag in Sowjetrußland ist, konnte man Menschen in der Schul sehen, die seit Jahren einen G'ttesdienst nicht mehr besucht hatten. In der großen Schul befindet sich sogar noch ein Schaß- Verein, der täglich unter guter Beteiligung ein Blatt Gemoroh (zur Zeit „Eruwin") lernt. Selbstverständlich setzen sich die Lernenden zum größten Teil aus älteren Leuten zusammen, zwischendurch sieht man aber auch einige jüngere, die in Moskau auf Paß und Visum für Erez Israel warten. Auch in den jüdischen Gassen hört man zumeist nur russisch. Die jüdisch-kommunistische Zeitung „Emmes" wird von den Juden kaum in die Hand genommen. Die Alten verpönen das schäbige Organ der Gottlosenbewegung und die Jungen lesen russisch und wollen von jiddisch nichts wissen. Die ökonomische Lage in Moskau verschlimmert sich mit jedem Tage. Es herrscht Mangel an Nahrungsmitteln und an Kleidern, am schlimmsten ist der Wohnungsmangel. Darunter leiden auch die Arbeiter. Von der Not der Bürger und des' Mittelstandes gar nicht zu reden. England. Lebensmittelpakete nach Rußland, i L o n d o n , 23. Nov. Auf Aufforderung von Rabbi Chaim Oser Grod^ z e n s k i in Wilna und Rabbi Abramski in London hat der englische Keren Hatorah Pakete mit Kleidungsstücken in großer Auswahl für Rabbiner in Rußland abgeschickt. (JPB.) Ein politisches Frühstück. London, 18. Nov.; Bei Gelegenheit eines von dem hier bestehenden Foyles Book Club veranstalteten Frühstücks, das unter dem Vorsitz von Sir Ronald S t o r r s stattfand und an dem auch Chief-Rabbi, Dr. Hertz und der arabische Vertreter Ibn Sauds teilnahmen, hielt Mr. John Philby, der bekannte Arabien-Forscher und politische Berater Ibn Sauds eine bedeutungsvolle politische Rede. Philby ist der geistige Erbe des bekannten Lawrenz öf Arabia. Er spielt heute im Hedjas, und in den arabischen Ländern überhaupt eine bedeutende^ Rolle, und man behauptet, daß er auch zum, Islam übergetreten sei. Philby hat sich im Laufe des Sommers als ausgesprochener Befürworter des Teilungsplanes bekannt, dessen Vorteile für die Araber er naturgemäß^voll würdigt. Bei dem Frühstück des Clubs entwickelte zuerst Rev. P e r 1 - zweig den jüdischen Standpunkt, wobei er betonte, daß das jüdische Volk und England hinsichtlich Palästinas unwiderruflich durch gemeinsame Interessen und Ideale aneinander geknüpft seien, Die Juden wünschten aber, r auch aufrichtige Freundschaft mit den Arabern, da nur in der Zusammenarbeit mit diesen das Wohl des. Landes dauernd gefördert werden könnte. -Darauf erklärte John Philby, daß nach seiner Ansicht zwischen Großbritannien und Palästina durchaus keine untrennbare Verbindung bestehe. Großbritannien seiim Lande kraft des Rechtes der Eroberung. Eine Lösung sei von der Royal Commission vorgeschlagen worden und im Allgemeinen glaube er, es sei die einzig mögliche Lösung, vorausgesetzt, daß man annehmen müsse, Araber und Juden könnten niemals zu einer Verständigung kommen. Die Araber, fuhr Mr. Philby fort, würden niemals eine Situation anerkennen, in der die Juden auf Kosten der Araber zwangsweise in Palästina angesiedelt würden. Palästina, so meint Mr. Philby, sei nicht das Land Israels. Er wolle hier im Namen der Araber sprechen, nicht in seinem eigenen Namen, da er für sich ja die Gast geschätzt worden war. Wenn Ihr mein Anerbieten im Namen Arabiens nicht annehmt, so werdet Ihr erleben, daß aus jedem arabischen Lande, das der arabischen Welt angehört, der letzte Jude hinausgedrängt werden wird." Sir Ronald Storrs sagte, die Teilung sei keineswegs eine feststehende Tatsache und es sei auch jetzt noch nicht zu spät dafür., daß beide Völker zu einer Verständigung kämen. Griechenland. Das jüdische Schulschiff „Sara I". Thessalonica, 11. Nov. „Sara I", das Schulschiff des Tel Hai-Fonds, kam hier nach einer stürmischen Ueberfahrt von Haifa an. Die „Sara I" ist ein Segelschiff mit vier Masten, blau, weiß und grün gestrichen. Sie segelt unter Segelboot der jüdischen Marineschule einer französischen und unter einer Blau-Weiß-Flagge und hat 51 Mann an Bord. Darunter bilden 14 die Schiffsmannschaft, die anderen sind Offiziere und Kadetten. Das Schiff fährt nach Marseille und London und wird vielleicht eine Fahrt nach Südamerika, unternehmen. -;. (Der gleichen Schule gehört auch das Segelboot, das wir hier im Bilde zeigen.) Amerika. Eine Erklärung der mexikanischen Regierung. Mexico, 17. Nov. Hohe Regierungsbeamten einschließlich des Deputierten Garcia, des; Präsidenten des Verfassungskomitees, haben erklärt, daß die vorgeschlagenen antisemitischen Maßregeln nicht die leiseste Aussicht auf Annahme hätten. 'Wv*%H *°™™m™™m' Teilung akzeptiere, während die Araber sie ablehnen. Er bringe heute den Juden den- Frieden oder das Schwert. „Ich biete Euch Frieden an, abexr Ihr \ wollt ihn nicht, keiner von Euch will ihn, oder vielmehr Ihr wollt Frieden zu Euren Bedingungen. Wenn Ihr auf eine Verständigung nicht eingeht, so will ich Euch sagen, was passieren wird. Die Juden werden niemals. etwas' Gutes in Palästina; erleben und1 nicht nur das. Sie ha-* ben doch zahlreiche Beispiele dafür gehabt, was hobhzivilisierte europäische Länder' getan haben, indem sie ein Volk hinauswiesen,-; das früher als -'. •'• Jüdisch-arabische Beratung in London. Rechts Chiefrabbi Dr. Hertz, links der arabische Vertreter Ibn Sauds, in der Mute Mr. John Philby. X

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.