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Der Israelit · 1937-11-25 · Heft 47 (25.11.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 47 (25.11.1937)
Date
1937-11-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 47 Der Israelit 25. November 1937 war "es als letzte Instanz zuständig zur Entscheidung aller bei unteren Gerichten auftauchender Zweifelsfragen. (Rambam Hilch. Mamrim L, 2.) Als oberste Verwaltungsbehörde war das Synhedrion zuständig für, die Einsetzung des Königs, der Landes- und Ortsbehörden, für die Entscheidung über Krieg und Frieden, soweit es sich nicht um Verteidigungs- oder gesetzliche gebotene Kriege handelte, für die Entscheidung über räumliche Aenderung der heiligen Stadt und der Tempelhallen. (Rambam Hilch. Sanhedrin V., 1.) Es hatte sodann über die Reinheit der Abstammung der Priester zu wachen (Midoth V., 4). Hierfür war die Anlegung besonderer Archive erforderlich, in welche sich die Priester auch aus der ganzen Diaspora eintragen ließen. (Josephus gegen Apion. I, 6.) Dem Synhedrion unterstand ferner die Aufsicht über die im Tempel, dem Sitze des Synhedrions, befindliche Schatzkammer, in welcher die Gelder ^der Witwen und Waisen, sowie sonstige Hinterlassenschaften verwahrt wurden. (Vgl. Makkabäer III,, 2.) Das Synhedrion hatte die Obervormundschaft, über die Waisen. (Gittin 37a.) Auch sonstige Hinterlegungen konnten in dieser Schatzkammer vorgenommn werden. (Arachin IX, 4). Eine besondere Abteilung diente der Unterhaltung. Verschämter Bedürftiger^ (Schekalim V, 6.) Der dritte Teil des Zehnten wurde ursprünglich in dieser Schatzkammer zentralisiert. (Jeruschalmi Maaser Scheni V, 15.) Parteien, welche zur Austragung eines Rechtsstreites nach Jerusalem kamen, wurden zum Teil aus den Mitteln dieser Schatzkammer erhalten (a. a. O.). In ähnlicher Weise wurden die Zeugen, welche zur Bekundung des Sichtbarwerdens des Neumondes nach Jerusalem kamen, in festlicher Weise aus' diesen öffentlichen Mitteln bewirtet. (Rosch Haschana II, 5.) Die Festsetzung der Monate und die Einfügung eines Schaltmonats mit Wirkung für das Land und die Diaspora erfolgte gleichfalls durch das Synhedrion. Sie erforderte naturgemäß eine umfassende Organisation. In früherer Zeit wurden die erforderlichen Nachrichten durch Feuersignale bis nach Nehardäa in Babylonien verbreitet. Später wurden wegen der wichtigsten Monate Boten ausgesandt. (Rosch Haschana II, 2 I, 3.) Ferner, oblag dem Synhedrion die Verwal , tung der Schekalim, welche aus der ganzen Welt nach Jerusalem zusammenströmten. Allein über Nehardäa berichtet Josephus (Altert. 18, 9, Ii daß die dort angesammelten Schekalim zu be stimmten Zeiten unter Bedeckung von mehreren Tausend Mann nach Jerusalem gebracht wur den. Der Verwaltung des Synhedrions unterstand schließlich auch die Ueberwachung der Felde hinsichtlich etwaiger Mischsaaten, sowie die Fürsorge für die öffentlichen Wege, Plätze und Einrichtungen. (Schekalim L, 1.) Ein anschauliches Bild dieser weit über die Landesgrenzen hinausreichenden allgemeinen Verwaltungstätigkeit des Synhedrions vermittelt ein Bericht aus der Zeit Rabbon Gamliels I, welcher bis kurz vor der zweiten Zerstörung gewirkt hat. (Sanhedrin IIb): ,«Einst saß Rabbon Gamliel auf einer Stufe des Tempelberges Der Schreiber Jochanän stand vor ihm, und drei zurechtgeschnittene Briefe lagen vor ihm. Da sagte er zu ihm: „Nimm einen Brief und schreibe; An unsere Brüder in Obergaliläa und an unsere Bruder in Untergaliläa, Euer Friede sei groß! Wir tun Euch kund, daß die Zeit der Fortschaffung (der Abgaben im dritten oder sechsten* Jahr der Schmitto-Periode) herangekommen ist, um den Zehnten von den Olivenbehältern zu entrichten. Ferner nimm einen Brief und schreibe: An. unsere Brüder im Süden. Euer Friede sei groß/ Wir tun Euch kund, daß die Zeit der Fortschaffung herangekommen ist, um den Zehnten von den Aehrengarben zu entrichten, Und nimm einen Brief und schreibe*. An unsere Brüder der Gola. in Babylonien und an unsere Brüder in Medien und an die ganze übrige Diaspora; Euer Friede sei groß für immer! Wir tun Euch kund, daß die jungen Tauben noch zart und die Lämmer noch jung sind und die Kornreife noch nicht eingetreten ist und . deshalb ich und meine Genossen es für richtig befunden haben, diesem Jahr noch 30 Tage hinzuzufügen." (Vgl. hierzu Doroth Horischonim L c. Seite 60 ff.) (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Preisausschreiben Blaue Beitragskarte 1938/39, Berlin, 19. Nov^ Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Zentralwohlfahrtsstelle, macht nocheinmal auf das vor einiger Zeit in diesem Blatt veröffentlichte Preisausschreiben für die Wohlfahrtsmarken der „Blauen Beitragskarte" aufmerksam. Der'letzte Te r m i n für die Einsendung der Entwürfe ist der 10. Dezember ds. Js, ■ . Lehrpläne für die jüdischen Volksschulen. B erlin, 18. Nov. Die Schulabteilung der Reichsvertretung hat dem Reichserziehungsministerium vor einiger Zeit „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen" vorgelegt. Nunmehr hat der Herr Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit Erlaß vom. 29. Oktober 1937 — E Ile Nr. 2107 M—sowohl den nachgeordneten preußischen Stellen als auch den Unterrichtsverwaltungen der anderen deutschen Länder die Richtlinien 'abschriftlich zugesandt und erklärt, er habe keine Bedenken dagegen, daß bis auf weiteres an den privaten jüdischen Volksschulen nach diesen Richtlinien verfahren werde, und sei damit einverstanden, daß der Einheitlichkeit halber die Richtlinien versuchsweise auch den Lehrplänen für die öffentlichen jüdischen Volksschulen zu Grunde gelegt werden. Es handelt sich hierbei um eine neue Fassung der im Dezember 1933 vom- Präsidial-Ausschuß der Reichsvertretung beschlossenen Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen. Die Richtlinien bringen, wie es in der „Vorbemerkung" zu ihnen heißt, erstens eine Klarstellung der allgemeinen Ziele der jüdischen Schule, zweitens Hinweise für die Behandlung derjenigen Lehrstoffe, deren unterrichtliche Auswertung für die Bewältigung der besonderen erzieherischen Aufgabe der jüdischen Schule bedeutsam ist. Die Schulabteilung der Reichsvertretung versendet in diesen Tagen den Text der Richtlinien an alle jüdischen Schulen. ' Berlin, 19. Nov. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Vor kurzem ist eine weitere, von der Reichsvertretung unterhaltene, jüdische Berufsausbildungsstätte eröffnet worden. Es handelt sich um das mit Genehmigung der staatlichen Behörden, gepachtete jüdische Lehrgut Ellguth-Steinau (Kr;; Falkenberg O.-S.). Die dort geschaffene, neue landwirtschaftliche Ausbildungsstelle soll der Erstausbildung von Menschen im Alter /Von 15—18 Jahren dienen. Das Gut wird etwa 80—100 Jugendliche aufnehmen und ausbilden können. Oesterreich. Jüdische Emigrationskonferenz in Wien. ., Wien, 15. Nov. Hier fand eine von der Wiener Jüdischen .Gemeinde veranlaßte E m i gir ationskonferenz statt, an der Repräsentanten ,der Hias, der. AlHance Israelite und mehrerer Kleinerer Emigrationskörperschaften': 'in Polen, Tschech'oslovakei, Schweiz, ■ Ungarn und" Oesterreich ■ teilnahmen, . .. Die Konferenz beschloß, ein Exekutiv-Komitee einzusetzen und beim Völkerbund und dem Hochkommissar für Flüchtlinge die Beseitigung der schweren Rechtsnachteile!: zu fordern, '. denen die Staatenlosen heute unterliegen. Die Konferenz, -.schloß, mit einer Kundgebung zum Gedächtnis7 Felix Warburgs. arn- Antisemitische Unruhen in Ungarn. Budapest, 18. Nov. Antisemitreche Unruhen fanden in Erlau statt, wobei dem 88jährigen Ortsrabbiner die Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Die Polizei hat eine . Untersuchung eingeleitet. Ebensolche Unruhen ereigneten sich im Physiologischen Institut der Budapester Universität, wobei es jedoch gelang, durch rechtzeitiges Zwischengreifen ernstere Zwischenfälle zu vermeiden. In der philosophischen Fakultät wurden 19 Studenten, die Angriffe gegen ihre jüdischen Kollegen unternommen hatten, verhaftet. Frankreich. Freilandkonferenz in Paris. Paris, 19. Nov. Hier fand eine Konferenz der Freiland-Bewegung statt, in der Vertreter, aus Großbritannien, Frankreich, Polen,' Holland, .'Belgien, Oesterreich und der Schweiz teilnahmen. Die Verhandlungen waren der Frage der Organisation gewidmet und wandten sich dann den Kolonisationsmöglichkeiten in den verschiedenen Ländern und der Berufs Vorbildung der; Auswanderer zu. , Voran ging eine öffentliche Vorlesung von Dr. J. Steinberg, ' worin er über die dem Zionismus gesteckten natürlichen Grenzen und über die Notwendigkeit einer ergänzenden Lösung des Auswanderungs- Problems sprach. Die neue Leitung besteht aus 30 Mitgliedern, von denen fünf in England wohnen. — Repräsentanten der Agudas Jisroel World Organisation wohnten der Konferenz als Beobachter bei. Italien. Uebertritt zum Judentum in Italien. .Rom, 23. Nov. Die vor kurzem verbreitete. Nachricht, daß sich 40 Familien in Italien entschlossen hätten, zum Judentum überzugehen, erweist sich als richtig. Die Ausführung ihres Planes hängt noch von Formalitäten ab, nicht zuletzt von einem Beschlüsse der italienischen Rabbinen, die über die Motive 'des Uebertrittes sich erst Klarheit verschaffen wollen. (JPB.) Polen. Die Abstimmung über die Ghettobänke; v Warschau, 18. Nov. Die Mehrheit der Studenten der Lemberger Universität hat bei dem von dem Rektor angeordneten Plebiszite gegen die Einführung von Ghetto-Bänken gestimmt. Im Anschluß daran erließ der Rektor eine Anord« nung, wonach er es für unmöglich halte, absolute Freiheit in der Wahl der Sitze für die Hörer zu lassen. Er appellierte daher an die Endeks, die Sitze auf der rechten Seite der Räume einzunehmen und an die Juden, auf der linken Seite zu sitzen. Die übrigen Studenten können sieh ihre Sitze nach Wunsch wählen. Er sähe darin die einzige Möglichkeit, die Ordnung an der Universität aufrecht zu erhalten. Werde dieses Ziel nicht erreicht, so werde er die Universität schließen. Originell ist, daß der Rektor der Wawelberg'schen Technischen Hochschule in Warschau, die von den zwei jüdischen Fabrikanten Wawelberg und Rotwand gegründet wurde, Ghettobänke einführte und 13 Studenten, die sich weigerten, sie einzunehmen, von der Schule verwiesen hat. Die jüdischen Studenten appellierten an den Kurator der Schule, Herrn Michael Wawelberg, einen Sohn des Gründers und forderten ihn auf, von seinen Rechten als Kurator im Interesse der jüdischen Studenten Gebrauch zu machen. Brief aus Polen. P. A. J. in Polen. — Chinnuchkonierenz, — Ghettobänke an der Wawelberg'schen Hochschule. — Kaschruih in Warschau. — Krisenstimmung in Lodz. — Revisionistische Proteste. Warschau, 23. Nov. Auf der letzten Sitzung der Exekutive der polnischen Poale Agudas Jisroel wurde über die Stellung der P. A. J. zu dem demnächst zusammentretenden Kongreß des polnischen Judentums beraten. Grundsätzlich wurde als wünschenswert befunden, daß sich das orthodoxe Judentum am Kongreß beteilige. Dieser Wunsch der Exekutive der P. A. J. wurde dem Rabbinischen Räte der A. J. übermittelt, mit der Bitte, seine Zustimmung zu . der Beteiligung zu geben. j Wie weiter berichtet wird, hat sich die Lande s - Or g a ni s at i on der Agudas J i s r o e I, in Polen früher schon mit einem ähnlichen Ersuchen an djen' Rabbinischeh; Rat der; A, J. gewandt ' Eine .'allgemeine C h i n n u c h k o n f e r-e h z wird am 3. Schwat d. J. in W'i'lna zusammentreten, um' wichtige Chinnüchfragen in Polen zu besprechen. Eine große Anzahl von Rabbinen haben ihre Betei-

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