Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1937)
- Date
- 1937-11-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 47 Der Israelit 25. November 1937 ' ••' ' I , ■ - HM2- KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATORAH! ' K eren Hatorah, Hamburg,He inri c h B a r,t h st r a ße 21, Postscheck konto: Hamburg 24753 mation „gegen Repressalien Yon jüdischer Seite" erlassen. Wir nehmen an, daß auch diese Jnstanzen so wenig wie wir greifbare Unterlagen für ihre Warnungen in Händen haben. Schaden kann aber eine solche Warnung auf keinen Fall, und wir schließen uns ihr in allon Teilen, weniger aus Vernunfts- und politischen Gründen, als aus jüdischem und religiösem Empfinden an. Die nach der neuen Einwanderungsverordnung in Palästina der Jewish Agency zur Verteilung überreichten 1500 Arbeiterzertifikate für Oktober/April 1937/38 können zwar nicht mehr überr raschen, zeigen aber die Ungerechtigkeit und Unmöglichkeit der Einwanderungsverordnung, die den Hintergrund für diese armseligen Zahlen abgibt, in erschreckender Deutlichkeit auf. In ruhigeren Zeiten hätte eine solche „Schedule" einen Proteststurm im Lande und in allen Ländern, wo Juden an Erez Israel interessiert sind, entfacht. Bei all dem aber, was heute in und um Erez Israel vorgeht, bei den überaus schmerzvollen Wehen, ' die dort das Neüe ankündigen, kommt es schon bald auf eine Enttäuschung mehr oder weniger nicht mehr an; Man wird auch dieses hinnehmen als Einzelposten in einer Gesamtrechnung, deren Bilanz noch nicht klar zu überblicken ist. Vielleicht haben diejenigen nicht unrecht, die der Meinung sind, daß die Einwanderungssperre, die durch die paar Zahlen der letzten Schedule nur um so deutlicher veranschaulicht wird, in Verbindung mit anderen unverständlichen Maßregeln und dem neu erwachten Terror den Zweck verfolgt, die Juden das Teilungsprojekt einschließlich des Miniaturstaates als letztes Heil erwünschen zu lassen. Man wird gegen die letzte Schedule nicht mehr im gleichen Maße wie in Fällen früherer Enttäuschungen protestieren, und darin liegt vielleicht die größte Tragik. Wir sprachen in jüngster Nummer an dieser Stelle vom jüdischen Buche. Eine richtig geleitete Aktion für das jüdische Buch, die sich abeT nicht allein auf schöngeistige Literatur beschränkt, sondern auch echt jüdische Wissenschaft fördert, könnte uns wirklich unermeßlichen Segen bringen. Erst vor kurzem hatten wir Gelegenheit, auf Funde eines jungen Gelehrten in Paris hinzuweisen, deren Nutzbarmachung von halachischem . und kulturgeschichtlichem Interesse wäre. Wer einmal, wie Schreiber dieses, Gelegenheit hatte, sich in der geistigen Werkstätte des bekannten Gaonimforschers, Dr. Benjamin Lewin in Jerusalem, umzusehen, der weiß, wie viele wertvolle Schätze auch hier noch der Hebung warten. Sprechen möchten wir hier von einem Gelehrten, der auf seinem Gebiete wohl ZU den Größten unserer Zeit gehört und der nun auf seinen alten Tagen zum ersten Male in seinem Leben den heiligen Heimatboden Erez Israels verlassen und über See nach Amerika wandern muß, um die Mittel für die Herausgabe seiner Werke selber aufzubringen. Rabbi Chaim Joschua Kassovsky hat uns 1927 die Concordantiale Totius Mischnae in zwei prachtvollen Bänden geschenkt. (J. Kaufmann - Verlag, Frankfurt a. M.l. In den zehn Jahren, -die seitdem verflossen sind, hat der gleiche Gelehrte, der unter den kümmerlichsten Verhältnissen lebt, eine Konkordanz der Tossefta angefertigt. Eine Konkordanz des gesamten Talmud sieht ihrer Beendigung entgegen. Ein namhafter Gelehrter Jerusalems äußerte vor kurzem.' ,,Ein Schauer erfaßt uns bei dem Gedanken, daß dieser Kassovsky die für das jüdische Volk gehobenen Geistesschätze mit sich ins Grab nehmen müßte." Die Jerusalemer Universität, die über Stiftungen für Herausgabe literarischer Werke verfügt, hat es a b g e 1 e hn t, die Werke Kassovskys herauszugeben. Seit dem Tode Bialiks gibt es so etwas wie ein Bialik-Institut, das | über gewisse Mittel verfügt und ebenfalls den Zweck verfolgt, uns literarische Schätze von Wert zu erschließen. Bialik hatte sich wiederholt mit der ihm eigenen hinreißenden Begeisterung über dp.s Lebenswerk Kassovskys ausgesprochen und der Universität ihre gleichgültige Haltung diesem gegenüber sehr verübelt. Man glaubte sicher, daß das Bialik-Institut sich der Ehrenaufgabe unterzieht, deren sich bis jetzt keiner angenommen hat. Aber auch dieses lehnte, in Verleugnung des Mannes, dessen Namen es trägt, ab. So verläßt nun der greise Gelehrte seine kleine ärmliche Studierstube, aus der, man darf ohne Uebertreibung sagen, Strahlen in die Diaspora ausgehen, und begibt sich über das große Wasser, um einen Mäzen zu suchen. Möge es ihm gelingen. Haben w i r aber noch ein Recht, vom jüdischen Buche zu sprechen, wenn wir für die ewigen Werke Kassovskys keine. Annehmer und kein Obdach bei den großen jüdischen Verlagsunternehmen finden? ^mx Chanukka, Thora und Keren Hatorah. Kein Fest wird so allgemein im jüdischen Kreise gefeiert, wie Chanukka — oft unter Mißdeutung des eigentlichen Sinnes der Chanukkageschichte. Das Judentum der Thora feiert mit dem wachsenden Lichte den Sieg und die Rettung des Thoralichtes in einer Zeit, da die neuen Strömungen mit syrischer Hilfe dieses Licht auszulöschen versuchte. Das Fest der Thora.durch Unterstützung der Thorainstitutionen zu feiern, ruft der Keren Hatorah seine Freunde und Mitglieder auch zu Chanukka 5698 auf. Wenngleich die jüdische Oeffentlichkeit durch die Jahresberichte des Keren Hatorah über sein segensreiches Werk unterrichtet ist, so ist doch vielleicht angebracht, anläßlich der diesjährigen Chanukka-Aktion des Keren Hatorah nochmals kurz über seine Arbeit zu berichten: Keren Hatorah steht heute vollständig im Dienst unserer Jugend. Es ist sein Ziel, zu erreichen, da/3 jeder Junge, der die Schule verläßt, die Möglichkeit erhält, vor Eintritt in die Lehre oder während der Berufsausbildung sich die »jüdischen Kenntnisse anzueignen, die erforderlich sind, damiter im Leben draußen als Jude bestehen kann. Diesem Ziel dienen seine Jugendheime, die den 14—16jährigen Jungens Elternhaus und Heimat ersetzen. Diesem Ziel dient eine großzügige Stipendien-Erteilung, die den jungen Menschen die Durchführung ihrer Pläne ermöglicht. Wieviel Eltern sind denn heute noch in der Lage, für die Ausbildung ihrer Kinder genügend Mittel bereitzustellen? Und gibt es für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland heute eine schönere und wichtigere Aufgabe, als unserer Jugend den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft draußen zu ebnen? Deshalb hat Keren Hatorah das Hauptgewicht seiner Arbeit diesem Ziele gewidmet. Trotzdem vernachlässigt Keren Hatorah seine anderen Aufgaben nicht. / .HflHPVf'F ^wf^^SJm . •*$%w -' Miszellen zu den laufenden Wochenabschnitten. Mitgeteilt von S. Speien Kap. 37. V. 4. nan bedeutet, daß die Brüder weder mit ihm noch von ihm in friedlichem Sinne sprechen konnten. Kap. 37. V. 25. „Sie setzten sich, Brot zu essen. ' Der Vers kann nicht besagen, daß sich alle Brüder zum Essen niedersetzten, da sie doch die Herden nicht ohne Aufsicht lassen konnten. Vielmehr nahmen nur Jehuda und ein Teil der Brüder das Mahl ein, während Re'uwen und die übrigen Brüder die Schafe hüteten. So wird verständlich, daß Re'uwen bei dem Verkauf Joszefs nicht anwesend war. Als erdann später zur Grube zurückkehrte, fand er Joszef nicht mehr darin (V. 29). Der Midrasch erklärt die Abwesenheit Re'uwens in anderer Weise. Siehe hingegen die von Raschi zu V. 29 angeführten Auslegungen unserer Weisen. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken. daß man noch heute in dem in der Gegend "von Dschinin gelegenen Dotan die Joszefsgrube zeigt. * * « Kap. 38. V. 29. Die Hebamme befürchtet, daß durch den Riß das Leben des Bruders gefährdet sei, Sie spricht daher: Was hast du gerissen! Ueber dich der Riß! Du trägst die Schuld, wenn sich infolge des Risses ein Unfall bei der Geburt deines Bruders ereignet. (Siehe Kimchi.) Für diese Auffassung dürfte das Tipcha unter nxia sprechen. S. auch Jonatan z St. Kap- 40, V, 12, „Joszef sprach zu ihm: Dies ist seine Deutung: Die drei Ranken sind drei Tage." Joszef versteht unter den drei Ranken drei Tage, nicht aber drei Monate oder gar drei Jahre. Möglicherweise wußte Joszef, daß Pharao am dritten Tag seinen Geburtstag feiern werde. An diesem Tag hat der König die Gepflogenheit, den Urteilsspruch über seine Diener zu fällen. Kap, 40. V. 16. Raschi leitet '"in von "iirt Loch ab. on sind Körbe mit gelöchertem Flechtwerk. Saadia Gaon versteht unter '"in '^o Körbe mit Weißbrot. im heißt weiß. (Jeschajahu 29, 22; Eszter 1, 6.) Andere Erklärer identifizieren ,in mit nvm (auf glühenden Kohlen gebackener) Kuchen (S. Talmud Jeruschalmi Beza Perek 2, Halacha 6.) Nach den beiden letzten Auffassungen besagt Vers 17, daß in dem obersten Korb außer Weißbrot, bezw. Kuchen, noch anderes Backwerk war. Die betende Frau. Eine Chanukabetrachtung von B. Cohen. Wegen der hervorragenden Beteiligung weiblicher Personen an den Befreiungstaten des Makkabäer- Zeitalters halten nach altem Brauche die jüdischen Frauen Arbeitsruhe während des Brennens der Chanukalichter. Diese Arbeitsruhe mag zur Besinnlichkeit und insbesondere zur Besinnung darüber einladen, wie bedeutsam doch der Anteil gerade der weiblichen Personen am „G'ttesdienst" im engeren Sinne ist. Wohl ist eine weibliche Person von der Erfüllung der meisten zeitgebundenen Gebote befreit. Selbst das tägliche Schma zur Abend- und zur Morgenzeit ist nach einigen Ansichten nicht Pflicht der weiblichen Personen. Das Beten an sich ist jedoch nicht zeitbedingt, sondern von ihm gilt das Psalmwort: „Vertrauet auf Ihn allezeit, o Volk, schüttet vor Ihm euer Herz aus.'" Hiermit ist nicht die Verpflichtung ausgesprochen, daß eine Frau jedes der täglichen Gebete zu seiner Zeit regelmäßig mitsprechen müßte; das wäre ja ein zeitbedingtes Gebet. Wohl aber ist es im. „Volke", womit nach der Ueberlieferung an dieser Stelle die weiblichen Personen gemeint sind, — aufgrund dieser Aufforderung völlig freigestellt, zu jeder Zeit in frei gewählten Worten das Herz vor G'tt auszuschütten. Wohl verpflichten unsere Weisen die Frau nicht zu allen Gebeten. Aber damit ist kein Urteil über diejenige weibliche Person gesprochen, die zu jeder Zeit in freien oder auch in überlieferten Worten Bitten, Dank und Bekenntnisse auszusprechen sich. getrieben fühlt. Einen ganz falsch verstandenen und auch im Osten selber längst überwundenen Ost- Standpunkt nehmen seit einem halben Menschenälter