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Der Israelit · 1937-11-25 · Heft 47 (25.11.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 47 (25.11.1937)
Date
1937-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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25,: November. 1937 Der Israelit Nr. 47 Seite 3 Um das „Problem" der Makkabäer. (Fortsetzung von Seite 1.) MiscKna Joma, Abschnitt 1) **) Aber es kommt uns hier nicht auf die Auseinandersetzung im Einzelnen an, sondern darauf, den problematischen Wert von „Problemen" aufzuzeigen, wenn sie auf Grund geschichtlicher Tatsachen, die mit uns leben, künstlich konstruiert werden. s ' In seinem ersten Buche, das eine Darstellung der Geschichte der Makkabäer bietet, kommt der Verfasser zum Schlüsse, daß die Makkabäer in Judäa den Hellenismus niederkämpften, zugleich aber eine „innerjüdische Anpassung und Aneignung das Hellenismus" bewerkstelligten, Ideen und Begriffe der neuen Zeit und der neuen Kultur übernahmen, ohne freilich damit die eigene geistige Welt preiszugeben. Beweis: Johannes Hyrkanos, der die seleuzidische Besatzung in Jerusalem ablehnte, aber selber ein Heer aus fremden Söldnern aufstellte; die Wettspiele in Alexandrien zü Philos Zeiten, obwohl zu Zeiten des Epiphanes das ,,Gymnasion" in Jerusalem verpönt war; die Amphitheater und Hippodrome des Herodes, die selbst von den orthodoxen Juden besucht worden seien. (?) Und um all dem die Krone aufzusetzen, deklariert Bickermann am Ende noch die P a r t e i der E s s ä e r als „hellenistisches Gewächs auf palästinensischem Boden." So viele Worte, so viele, sagen wir gelinde, Mißverständnisse! Wenn die Makkabäer etwas von der fremden Kultur noch gelten und bestehen ließen, so waren es' sicherlich keine Erscheinungen einer spezifisch hellenistischen Kultur, sondern die letzten guten und reinen Elemente in der hellenistischen Kunst und Kultur, die man früher schon, -vor Makkabäern und Hellenisten, als schönen Rahmen oder Verputz, des religiösen Lebens im Sinne des nS'' nEP^ D^Xgekannt und gern anerkannt hat. Wie kämen wir aber dazu, Johannes Hirkanos und gar Herodes als die Adepten des Makkabäer •- geistes hinzustellen? Diese Namen bedeuten ja, was jeder, der einmal Geschichte gelernt hat, weiß, die Abkehr von den ersten M a kkabäern. Daß die Epigonen der großen G'ttesstreiter im Kampf um „die Krone ohne Verdienst" das reiche Erbe Mathisjahus und seiner Söhne schnöde vertaten, ist allbekannt. Diese Rückentwicklung bis zu Herodes öffnete allen Auswüchsen einer Pseudokultur Tür und Tor — nicht im Geiste der Makkabäer, sondern trotz der Makkabäer. In Alexandrien huldigten die Juden zu Philos Zeiten den Wettspielen. Daraus Schlüsse auf die jüdische Einstellung in Palästina zu ziehen, kann man nur dann, wenn man vor de'm gewaltigen Unterschied hinsichtlich der politischen und geistigen Situation in Alexandrien und Jerusalem die Augen schließt. Niemals konnte in Alexandrien der Hellenismus so' verheerend wirken wie in Jerusalem — weil es in der Diaspora eine Sehnsucht nach Zion und Jerusalem gab, die im Mittelpunkt blieb und alle Kulturverbrämung an die Peripherie verwies. In Jerusalem aber — und darin liegen auch die Gefahren des neuen Jischuw — hatte man Zion und Jerusalem und glaubte, die Kluft zwischen Olympus und Zionsberg überbrückt zu haben. So entstand jenes geistige Chaos, das den Makkabäern, die sonst im Tempel ihr Friedensheim sahen, . das Schwert in die Hand drückte und sie zum Verzweiflungskampfe trieb. Als aber später der Verfall, besonders unter Herodes, bis zur Unerträglichkeit gedieh, bildete sich die Partei der W e 11 f lsü c h t i g e n , der Essäe'r, als Reaktion auf eine Giftpflanze aus hellenistischer Wurzel. Aus dem Essäertüm eine neue hellenistische Form zu ma- .'**) Die Septuaginta/die 60 Jahre vor dem Auftreten der Makkabäer entstand, kennt das Buch Daniel und reiht es iri die Bücher der „Propheten" ein. chen, dazu gehört mehr Phantasie, als sich ein Dichter leisten darf, geschweige denn ein Historiker... Nun zum zweiten Buch, das sich „Der G'tt der Makkabäer" betitelt. Der Titel, der für j'üdische Ohren schlecht klingt, (da für uns* der „G'tt der Makkabäer" G'tt Israels ist], stammt vom Kirchenvater August in. Nicht von den Kirchenvätern, sondern von der Bibelkritik seichtester Ordnung kommt aber der dritte Abschnitt dea ersten Kapitels, in dem der Verfasser die „jüdische Deutung" der Makkabäergeschichte aus dem Buche Daniel zu gewinnen sucht. Und noch etwas; Bickermann, ein Freund überraschender Theorien, hat sich eine „Sinndeutung" ausgedacht, die wirklich überraschend, aber nicht in gutem Sinne, wirkt. Hie Esra- Artaxerxes, dort -A ntiochus-Mene- 1 a o s! Esra hat Artaxerxes und später Darius II. dafür gewonnen, mit Feuer und Schwert den nach Palästina rückkehrenden Juden die alte Religion aufzuzwingen. Antiochus ließ sich von Menelaos bewegen, diese selbige Religion mit Feuer und Schwert aufzuheben. Wenn Esra in Verbindung mit den Königen Persiens die Juden zur Väterreligion zwingen kann, so kann später Menelaos mit Hilfe des seleuzidischen Herrschers, ebenfalls unter Androhung von Tod und Folter, die Religion der Väter a bschaffen. War das religiöse Fundament des zweiten Judenstaates der Wille des persischeu Fremdherrschers, so kann dieses Fundament von dem Willen des syrischen Fremdherrschers später abgetragen werden. Könnte Dariüs IL den Juden durch Vermittlung seines Satrapen vorschreiben, daß sie am Nissanfeste kein Gesäuertes essen, so konnte Antiochus IV. mit gleichem Rechte den Juden gebieten, daß sie Schweinefleisch genießen. Das Bündnis von Esra-Artaxerxes wird durch das Bündnis von Antiochus-Menelaos aufgelöst und abgelöst. Menelaos ist ein Esra mit umgekehrtem Ziele. So ungefähr argumentiert und „sinndeutet" Bikkermann. Nein, so glatt geht das Rechenexempel nun doch nicht auf, schon deswegen nicht, weil die Prämisse falsch ist, die Grundzahl nicht stimmt. Wo in aller Welt hat Artaxerxes oder Darius den Juden deren eigene Religion aufgezwungen? Im Buche „Esra" ist nicht der geringste Anhaltspunkt, für diese Auffassung Bickermanns zu finden. Erzählt wird in diesem Buche, wie Cyrus die Deklaration zum Wiederaufbau Palästinas und des jüdischen Staates erlassen hat; wie er die alten Tempelgeräte und auch eigene Geschenke den Olim, die nach Geschlechtern genannt werden, mitgab; von den -ersten heiligen Festen im neubesiedelten Jerusalem; von den Wochenrundschau, Ernste Mahnung — Eine Enttäuschung in Zahlen — Noch einmal „Das jüdische Buch". Nach den letzten uns gewordenen Mitteilungen und den jüngsten (auch bei uns veröffentlichten) Warnungen der führenden Instanzen in Palästina, hält . man es leider für möglich und denkbar, daß " sich ein . paar junge Juden aus dem Kreise der Revisionisten zu Vergeltungstaten hinreißen ließen, die wir auch dann nicht billigen könnten, wenn sie die wahrhaft Schuldigen träfen, um wieviel weniger, wenn sie gar kollektiv gedacht und ausgeführt werden.. Man war allezeit seit Ausbruch der Unruhen im Früh|^ngr 1936 mit Recht stolz auf die Besonnenheit und' Zurückhaltung des jüdischen JischUw, für die man auch ein schönes hebräisches Quertreibereien der Samaritaner, die zu einer längeren Unterbrechung der Restauration führten. Wohl liest man im Kapitel 7, Satz 26 in dem Mandat an Esra: „Und all diejenigen, die das Gesetz Deines G'ttes und die Gesetze des Königs nicht erfüllen, seien dem Gerichte zu übergeben, das über Tod und Leben befindet, zur Einziehung der Güter und zur Verhaftung befugt ist." Wer aber diese Stelle im Zusammenhange und als Fortsetzung des vorangegangenen Satzes liest, weiß, um was es sich handelt. Nicht dem königlichen Gerichte verfällt der Uebertreter, sondern der Gerichtsbarkeit, die Esra, „nach der Weisheit seines G'ttes, die ihm gegeben ist", im Lande einsetzt und die autonom nach jüdischem Gesetz und Brauch Recht spricht. Ausdrücklich heißt es da, Esra und die Gelehrten hätten, das Amt, das Volk zu belehren und denen die Gesetze zu vermitteln, die sie nicht kennen. Wer aber diese Gesetze böswillig verletzt, sei als Schädling seines wiederauferstandenen Volkes zu betrachten und von den legitimen Gerichtsbehörden dieses Volkes als solcher zu behandeln. Hierin wird den Führern des autonomen Staates eine Befugnis eingeräumt, die zur Konsolidierung dieses Staates unentbehrlich ist. Von einem Zwang zur Religion seitens der persischen Fremdherrschaft, analog dem Zwange der syrischen Herrscher zur Abkehr von der Religion, ist nicht die Spur einer Andeutung zu finden. In der Diskussion übergeschichtliche Zusammenhänge konnte eine These dann noch geistreich bleiben, auch wenn sie falsch' ist. Wir halten aber diese Gegenüberstellung angesichts der derzeitigen Situation in Palästina für nicht ganz ungefährlich. Angenommen, es gelänge den Gesetzestreuen aller Schattierungen, mit geeinter Kraft den geplanten Judenstaat, wenn schon, so wenigstens als wahrhaft jüdischen Staat zu erhalten, als einen Staat mit eigenjüdischer Kultur und einer Verfassung, die die Thora in weitestem Sinne 2ur Unterlage hat: müßte dann diese Grundhaltung den jüdischen Staat zum Zusammenbruche führen, allein deswegen, weil die Esras der Zeit zur Durchset- 2ung ihres jüdischen Willens die. H i 1 f e der Initiatoren dieses Staates in Anspruch genommen haben, ohne aber das innerjüdische und religiöse Leben einer anderen Macht zu unterstellen, als der Autorität der eigenen berufenen geistigen Führer? Gäbe G'tt, wir bekämen den Esra-Staat! . . . Nach Lektüre des Bickermann'schen Buches zünden wir das Lichtlein an, wie wir es seit Urväterzeiten getan haben und sprechen vom Wunder des wachsenden Lichte's ohne ,,P r o blerne". Eine falsche Problemstellung muß naturgemäß zu falschen Lösungen führen( die in Zeiten einer Schicksalswende gefährlich werden können. 5 Wort erfand, nj^an ist' so viel wie Selbstüberwindung, Selbsterziehung, die Kraft, auch bei schlimmster Herausforderung erhobenen Hauptes und mit klarem Auge die Dinge zu sehen und vor allem nicht ungerecht zu werden. Es wäre auch unklug, unnütz und Unjüdisch, in den Fehler zu verfallen, unter dem wir in der Geschichte so schwer litten und leiden, nämlich in den der Generalisierung. In keinem einzigen Falle konnte seit 1936 ein arabischer Mörder gefaßt werden. Es ist eine Tatsache, daß Hunderte von arabischen Mordbrennern frei herumlaufen, die dank der Unzulänglichkeit der Polizei zu immer neuen Taten ermutigt werden. Aber wer kennt sie, wer weiß, von welchen Schlupfwinkeln her sie ihre vergifteten Pfeile abschießen? Darf man darum in jedem Menschen, der die gleiche Sprache spricht und vielleicht auch ähnlichen Namen hat, einen Kumpan jener Mordbande sehen? Es wäre dies eine Ungerechtigkeit, deren sich ein Angehöriger des Volkes, das die Lehre von C3*33 btf ni3N. in»!' ab erhalten hat, nicht zuschulden kommen lassen darf. Abgesehen von der Unvernunft und den Gefahren für den Jischuw, die in solchen wahllosen Racheakten, vorausgesetzt, daß solche überhaupt je geübt wurden, liegen. .; Jewish Agency und W a a d Leumi, auch die .Oberrabbinate in Jerusalem, haben eine Prokla-

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