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Der Israelit · 1937-03-25 · Heft 12-13 (25.3.1937) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 12-13 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Seite $4 Peßach. Auf unsichtbaren Schwingen kam Der holde Lenz ins Land gegangen; iBald werden auf sein Zauberwort Im Blütenschmuck die Gärten prangen Befreit von Schnee und Wintergraus Hat er ringsum die weiten Fluren, Und „ was das Merischenaug' erschaut, Zeigt G'ttes, zeigt der Freiheit Spuren. So hat in altersgrauer Zeit Der Herr erlöset unsre Ahnen Aus der Aegypter Sklavenjoch Und sie geführt auf sichern Bahnen. Und.wie des Lenzes sanfter Hauch Des Winters Herrschaft macht zunichte, So führte G'tt Volk Juda auch Aus Nacht zur Freiheit und zum Lichte. Drum sei gegrüßt uns, Pessächfest, Tag, da uns Freiheit wird beschieden! O bring' den großen Frühling bald, Bring' allen /Menschen Freiheit, Frieden! Die Lichter in Erez Israel. (Fortsetzung.) Und wieder tritt der Engel an uns heran. Er führt uns mit leisem Schritt vor ein. altes, hochgiebeliges Haus. Die Pforten öffnen sich; wir treten ein. Welch hohe Weihe, welch himmlischer Hauch weben doch in diesem Raum! Es ist ein G'tteshäus — es ist die Synagoge, in der wir beten, in der wir in den Nöten des Lebens Zuflucht und Aufrichtung finden, in der wir uns auf den Flügeln der Andacht aus den grauen Gebilden des Alltags zu den sonnigen Höhen der Gnade und der Versöhnung erheben. Unsere Seele erzittert in heiligen Schauern. Da berührt uns 'der Engel und zeigt uns eine Ampel, die wie ein einsamer Stern in der weiten, dämmerigen Bialle funkelt. Es ist das Ner' tomid, das ewige Licht. Wie die Tropfen vom Eimer, fielen Jahre und Jahrzehnte hinab in den Abgrund der Vergangenheit. Geschlechter kamen und gingen; an die Stelle der alten Beter,, die das Haus verließen, um nicht mehr wiederzukehren, traten die neuen: — aber das Ner tomid hat in unvermindertem Schimmer der Glaubensgemeihde weiter geleuchtet. Bei Tag und bei Nacht, wie immer draußen das Leben auf- und niederwogen mochte, hat es seine milden Strahlen über das G'tteshäus ergossen. - - Ner tomid! Wir können unser Auge nicht von dir abwenden; immer wieder _ sucht unser Blick dich auf; denn dein Glanz geht" wie'eine belebende Lichtwelle uns durchs Herz.. Du bist das Symbol unserer Religion, die uns seit Jahrtausenden Licht und Trost gespendet. Du bist das Sinnbild der Thora, die die Seele erquicket und das Auge erleuchtet. — Möge dein heiliges Licht noch die fernsten Geschlechter beglücken! „Gras verdörrt, Blume verwelkt, aber das Wort unseres G'ttes bestehet ewiglich.";? * ' *' * ■Und wieder nahte sich mir der Engel und zeigte mir ein Oellämpchen, das im Hintergrunde eines Zimmers flimmerte und einen fahlen Lichtkreis, um sich wob. Vor dem Lämpchen stand ejn alter Mann, in sich zusammengesunken, tiefversonnenen Geistes, und hielt den tränenfeuchten Blick auf das zuckende Fläminchen .gerichtet. Es war das Licht der Pietät und~ der frommen kindlichen Erinnerung, das Jahrzeitlicht, das er am Sterbetage seines Vaters angezündet hatte. Wie war das alles so gekommen? Er fand sich als Kind in der Synagoge an der Seite seines Vaters, wie er mit aufwallendem Gemüte auf die heiligen Gebete lauschte, die "von den" Lippen des Vaters flössen. Dann kam der Tag, wo der ICnabe als Barmizwah* zum ersten Male den Segen über die Thora sprach. Mit inniger Rührung sah er damals, wie Tränen in den Augen des Vaters aufstiegen — es waren Freudentränen, daß es seinem Sohne vergönnt war, vor versammelter Gemeinde G'tt dem Herrn Lob und Preis zu geben. Später nach vollendeter/Schulzeit ging er in die Fremde. Da rief ihn plötzlich die Nachricht von der Erkrankung des Vaters nach Hause. Der Vater sprach zu ihm: „Mein Kind, ich habe dich heimrufen lassen, um Von dir' Abschied zu nehmen." „Vater," entgegnete der Sohn mit gepreßter, tonloser Stimme, „von dir AbgeHed nehmen .;. nein, nein, du wirst leben, du wirst. noch lange leben." ^j „Beruhige dich, mein Kind," begann der Vater wieder und tat einen langen, tiefen Blick auf seinen Sohn, „unser Leben stehF in G'ttes Hand. Höre mich jetzt an. Was ich dir an Hab und Gut hinterlasse, sei es viel oder wenig, ist nicht eines Wortes wert. Aber ich hinterlasse dir ein Kleinod, kostbarer als alle Schätze , der Welt: das ist mein guter jüdischer Name. Halte auch du diesen Namen immer in Ehren, zeige dich seiner bis zu deinem letzten Atemzuge würdig . . ." Jahrzehnte sind verstrichen. Der Jüngling ist zum Greis geworden. Nun hat er in der Abencldämmerstunde das Jahrzeitlicht wieder angezündet, und die Stimme des sterbenden Vaters erzittert in seiner Seele. — Der Engel aber, der

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