Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 Zeit, deinem grausigen Handwerk ein Ende zu machen. Stirb." Der Malach Hamowes fiel um und war tot. So ungefähr war die Geschichte. Vielleicht ist's aoer nur so ein Gleichnis. Und was wäre der Sinn dieses Gleichnisses? Hört, was uns der Dubnoer Maggid zu sagen weiß. Seht mal: die Katze fraß das Lämmchen, das war ein großes Unrecht; und die Katze mußte bestraft werden. Da kam der Hund und biß deshalb die Katze, da hatte er doch recht. Dann aber hatte der Stock unrecht, das Feuer recht, das Wasser unrecht, und -der Ochse recht, der . Schochet unrecht und der Malach Hamowes recht und G'tt unrecht. Das aber kann nicht sein; daß G'tt unrecht hat. Geht die Reihe noch einmal durch — G'tt hat unrecht und bD3 71 prrx ■pDYT« G'tt ist doch gerecht auf allen seinen Wegen. Gewiß, die Katze mußte für ihre Roheit bestraft werden, wer aber hatte dem Hund, dem Stock, dem Feuer usw. das Recht gegeben, den Sträfrichter zu spielen? Seht Ihr, Pharao konnte doch zu Moses sagen: Was wollt ihr. Euer G'tt hat es doch nicht anders gewollt. Zu Abraham sagte er: Man wird sie knechten und peinigen 4Ö0 Jahre. Ich habe des Ewigen Wort erfüllt, wo ist das Unrechte? Nebukadnezar und Titus konnten sagen: In eurem heiligen Buche stehts geschrieben: Wenn ihr die Gebote eures G'ttes nicht beobachtet, kommt harte Strafe über euch, und ihr müßt das Land wieder verlassen, das euch G'tt gegeben. Ganz recht! Aber wer hat ejuch zu /Richtern eingesetzt? Wie würde es auf Erden sein, wenn jeder Richter sein wollte. EmKa. Schlagfertig. Ein drolliger Perser begab sich zu dem gelehrten Rab und erklärte, die heilige Sprache und das heilige Gesetz lernen zu wollen. Der gute' Rab' setzt sichf ans Werk und fängt änf" „Dieser Buchstabe heißt Aleph." „Aleph?" sagt böswillig der Perser,1 „wie beweist ihr mir, daß er Aleph heißt?" „0, mein G'tt," ruft der Lehrer, „er heißt so, und /dieser zweite Buchstabe heißt Beth." „Beth?" ruft der Perser wieder, „beweist mir doch,-daß er Beth heißt!" Da reißt dem Lehrer die Geduld, und er jagt den ungelehrigen -Schüler fort. Der Perser geht zu dem gelehrten Samuel und macht ihm dieselbe Erklärung. Sobald aber der Unterricht begonnen hat, tut er dieselben spassigen Fragen. „Beweiset mir, daß dieser Buchstabe Aleph und daß' dieser Beth heißt." ' ■ Da greift Samuel an das Ohr des Persers,'daß dieser laut aufschreitr\,;Äen, „Dein Ohr!" fragt Samuel „Beweise' mir, daß dieses Ohr heißt!" „Welch eine sonderbare Frage,''" antwortet der Perser, „alle heißen'es so." - ■■- „Sehr gut," schloß Samuel, „und in gleicher Weise nennen alle diesen Buchstäben Aleph und diesen Beth. Genügt dir das?" Der Perser war belehrt und wurde fortan ein sehr gelehriger Schüler. . Elijahu, der Prophet. In Turbin lebte einst ein Lastträger namens T e w j e , der sehr arm war. Eines. Tages stand er auf dem <Märkte, um sich Arbeit zu suchen. Es war zwei Tage vor Pessach und T e w j e hatte nicht einmal soviel Geld, um die Mazzoh zu kaufen. Es war . nirgends etwas zu . verdienen, und so betete der-Lastträger lum -lieben G'tt und flehte um Hilfe, sein Weib und seine Kinderchen am Pessach nicht hungern zu lassen. Da faßte ihn jemand am Rock, und als er sich umschaute, stand ein Mann mit langem, grauen Bart vor ihm. Freundlich blickte er Tewje an und sprach; „Höre, Tewje, dir sind sieben gute Jahre bestimmt, sieben Jahre voll Reichtum, Glück und Segen. Wenn du-willst,- können die sieben guten Jahre noch heute beginnen, und bevor noch die Sonne untergeht, wirst du ganz Turbin mit deinem Gelde kaufen können, aber nach diesen sieben Jahren wirst du wieder ein armer Mann. Die gute gesegnete Zeit kann aber — wenn du willst — auch am Ende/deines Lebens kommen und du kannst als der reichste Mann aus dem Leben scheiden." Der Fremde war der Prophet Elijahu, gab sich jedoch nicht als solcher zu erkennen. - ■ Der Lastträger wußte nicht, -wie ihm geschah, träumte oder wachte er. Wer konnte der Alte sein, der die unglaubhaften Worte zu ihm sprach? „Mein lieber Herr, wie könnt': ihr mir in meiner großen Not helfen?" sprach Tewje/ „Eure' Worte klingen wie ein Wunder, wie sollte an mir armen Lastträger, der ich noch nicht einmal die Mazzoh für Pessach kaufen kann; ein solches Wunder geschehen?" Der Fremde erwiderte; „Gehe nach Hause und erzähle deiner Frau, was ich dir gesagt habe und bringe mir bald Antwort!" Damit war Tewje sehr einverstanden und machte sich gleich auf den Weg. Der Träger "wohnte in einer Lehmhütte in der Vorstadt, wo das freie Feld begann. Als Serel, seine Frau, ihren Mann durch die offene Tür erblickte, lief sie ihm freudig entgegen, doch er rief ihr zu: >■ ■ „Ich bringe dir kein Geld, Serel, denn G'tt. Hat mir heute keinen Verdienst beschert, dafür aber hat mich ein merkwürdiger Mann aufgesucht."^ Er wiederholte "ihr die Worte des Fremden urd erbat sich einen Rat von ihr. 7 ^3