Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 31 2. Auf einem nahen Baum saß eine graue Katze, die ..machte einen Buckel und ein gar grimmiges Gesicht. Sie ärgerte sich, weil die Kinder so gut zu dein'Lämmchen waren. Sonst spielten die Kinder mit ihr und brachten ihr Milch und Brot. Und als die Kinder sich entfernt hatten, sprang die falsche Katze vom Baum' herunter, biß das Lämmchen und fraß es auf. Das Lämmchen könnte sich nicht wehren, es hat ja keine Hörner und nicht scharfe Zähne. 3. In einem kleinen Häuschen lag der Hofhund und schlief. Plötzlich wachte er auf. Und als er sah, wie die Katze das Lämmchen zerrissen und gefressen hatte, und nur noch Beine und Kopf umher lagen, sprang er auf die Katze zu, biß sie mit seinen scharfen Zähnen,- schüttelte und rüttelte sie hin und her. Di© Katze biß und kratzte, aber das half ihr nichts. Sie blutete am ganzen Körper. Es wäre um sie geschehen gewesen, wenn nicht plötzlich Hilfe gekommen wäre. 4. In einer Ecke des Hofes stand so ein recht dicker, knorriger Stock. Der hatte die ganze Geschichte mit angesehen. Die Katze tat ihm leid, sie waren immer gute Freunde miteinander gewesen. Er humpelte heran und verprügelte den Hund, wie es nur einem Knüppel möglich ist. Der Hund biß in den Stock hinein, doch der Knüppel machte sich nichts daraus.-Der Hund heulte und bellte, er blutete aus 'Maul und Nase; . 5. Eine brennende Kphle im Herd hörte den Lärm. Sie war neugierig, wollte wissen, was. los. sei, Sie sprang aus dem Herd und hüpfte auf den Hof. Kurz entschlossen warf sie sich auf den wütenden Stock, und der/brannte bald an allen Enden und Ecken. Der Stock schrie vor Schmerz und wälzte sich auf der Erde herum. Aber die Kohle ließ nicht nach. Und bald war von dem Stock nichts mehr zu sehen als ein Häufchen Asche. 6. Die Kohle wollte nun wieder zurück in den .Herd, um das Essen zum Kochen zu bringen. Sie mußte an einer Wasserlache vorüber. Wie Hund und Katze, so sind auch Feuer und Wasser zwei Todfeinde zu einander. Das Wasser hatte es der Kohle zugeschworen, daß es sich einmal rächen werde. Immer 100°, sonst war die Kohle nicht zufrieden. Wie nun jetzt die Kohle an dem Wasser vorüber wollte, da stürzte es sich auf die Kohle. Die Kohle zischte und zischte, aber das Wasser ließ nicht nach. Bald war die Kohle kohlschwarz; sie war tot. 7. Zufällig kam ein Ochse von der Weide, der hatte großen Durst. „Du sollst auch deine Strafe haben," sagte; er und trank das Wasser bis auf den letzten Tropfen. Dann ging er in den Stall. Hier fraß er ein ganzes Bündel Heu und war so dick wie eine Kanone. Da kam der Metzger, und weil er meinte, der Ochse wäre sehr fett, kaufte er ihn und brachte ihn in das Schlachthaus. Der Schochet kam mit seinem Chalif und schlachtete den Ochsen, wie es vorgeschrieben steht im Schechitabuch. Der Ochse war koscher, 9. Nachts hatte der Schochet einen schrecklichen Traum. Er wachte auf, vor seinem Bett stand eine' Gestalt mit grimmigem Aussehen. „Wer bist du?", fragte der Schochet; „Ich bin der Malach Hamowes." „Was willst du von mir?" „Du sollst sterben," „Was hab' ich Böses getan?" „Du hast den Ochsen geschachtet." „Die-Leute mußten doch für den Sedertisch einen Knochen und für Peßach Fleisch haben." „Es gibt doch so viele Ochsen auf der Welt, mußte es gerade dieser sein. Stirb." — Der Schochet war tot. 10. Der Malach Hamowes ging wieder hinauf in den Himmel. Dort oben war schon die reine jötfi des Schochet. „Warum hast du den Schochet sterben lassen?" fragte ihn G'tt. „Er hat den Ochsen geschachtet," gab der Malach Hamowes zur Antwort. „Dazu hatte er ein Recht; und mußte das gerade am ö"tf sein? Vor dir ist keiner seines Lebens sicher. Es ist