Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 12 Nr. 12/13 Der Israelit?25./März 1937 wenn auch allgemein angenommene — Identifizierung des A—ha—ab—bu mät Sir—'—la—ai mit Ahab, dem König Israels, nicht richtig sein kann? (Von uns gesperrt.) Und was -den A—ha—<ab—bu mät Sir—'—la—ai betrifft, so ist dies nicht der König Ahab, Sohn und Nachfolger O m r i s, -da er sonst gewiß als „habal Hu—um—ri—i" und nicht als „mät Sir—'— la—ai" bezeichnet worden wäre. „Ahab, der Sir'- lit", war — so dürfen und müssen wir also folgern — nicht der König Ahab, sondern irgend ein Feldherr, der im Jahre 854 v. Chr. in der Schlacht bei Karkar im Bund© mit Dadidri von Damaskus gegen Salmanassar gekämpft hat, und der seinen Beinamen wahrscheinlich nach dem Orte Jesreel führte." Die Darlegung Mahlers ist absolut überzeugend. Aber nicht darauf kommt es an. Sondern nur auf die freche Behauptung, daß die Angaben der Bibel nicht richtig sein können, Wir sehen, daß die biblischen Zeitbestimmungen über Achabs Tod durchaus mit dem Inschriftenmaterial übereinstimmen können, und daß hier nicht eine klägliche Lückenhaftigkeit der biblischen Quellen vorliegt, sondern nur eine klägliche Voreiligkeit des Kritikers. Nicht die Zahlenangaben der Bibel „können unmöglich richtig sein", sondern die B i b e 1 k r i t i k«e r können unmöglich gewissenhaft und ehrlich sein. 2. Auerbach behandelt die geschichtliche Erscheinung der Prophetie. Er fragt: Sind die israelitischen Propheten Zukunftskünder gewesen? und bemerkt sehr verständig: Diese Frage sei für das Verständnis des Wesens der Prophetie von grundlegender Bedeutung; „ihre Bejahung stellt das Phänomen der Prophetie außerhalb jeder geschichtlichen Begreiflichk e i t." Auerbach, für den die Lehre Israels und ihre Propheten nicht in ihrer Singularität, in ihrer G'ttlichkeit und Uebernatürlichkeit dastehen dürfen, sieht sich also zu dem Nachweis gezwungen, daß die Propheten die Zukunft nicht vorauswußten, sondern „falsche Vorhersagungen" gegeben hätten. Dafür bringt er nun seine Belege. „Arnos verkündet (7, 11): Durchs Schwert wird Jerobeam sterben- Aber Jerobeam IL ist nach glanzvoller Regierung in Frieden gestorben." Wie ist es wirklich? In Arnos 7, 9 wird verkündet: „Zur Wüste werden die Höhen Isaaks und die Heiligtümer Israels zerstört, und Ich stehe auf wider das Haus Jerobeams mit dem Schwert." Auf Grund dieser Prophetie macht der Oberpriester von fBet'el bei Jerobeam eine Denunziation gegen den Propheten: „Wider dich macht Arnos eine Verschwörung, denn also hat Arnos gesprochen: Durch das Schwert wird Jerobeam sterben und Israel verbannt werden von seinem Boden!" Also nicht Arnos hatte gesagt: Jerobeam wird sterben, sondern Amazia, der Baalspriester, legte es ihm fälschlich in den Mund. Zur Strafe weissagt Arnos dem Lügendenunzianten den Untergang und wiederholt als seine Prophetie nur (Vers -7): „Israel wird verbannt werden von seinem Boden." Schon ibn Esra und Redak machen darauf aufmerksam, daß nur der Betel-Priester Arnos' Worte verfälscht habe. Seine eigentliche Prophetie ist schauerlich in Erfüllung gegangen, Jerobeams Söhn, hat nur sechs Monate lang regiert, dann fällt er durch Mörderhand. Auerbach aber, statt die wortwörtliche, einfach erschütternde Bewahrheitung der Prophetie des Arnos anzuerkennen, der in der Glanzzeit Israels bereits seinen Untergang und seine Verbannung kündet, der das Schicksal des mächtigen Königshauses in einzigartiger Klarheit vorhersieht, stellt sich dumm, nimmt die auf der Hand liegende Fälschung des Oberpriesters ernst, kümmert sich nicht um maßgebliche jüdische Erklärer, um Arnos als falschen Propheten hinstellen zu können. So will er un s, die wir doch eine Bibel in der Hand haben, beweisen, daß Propheten falsche Vorhersagungen gegeben hätten. Den zweiten Beleg soll jesajas liefern, der 734 von einem Knaben weissagt: Bevor der Knabe Vater und Mutter zu sagen weiß, wird man forttragen das Gut Damesseks und die Beute Schomrons vor dem König von Aschur. „Das ging für Damaskus in Erfüllung, die Stadt wurde 732 von Tiglet Pileser erobert. Aber bei der Eroberung Samarias 721 war der Knabe 11 Jahre alt und wußte gewiß schon Vater und Mutter zu sagen." Auch hier liegt nur ein Sophismus des Kritikers vor, Denn in des Jesajas Wort ist durchaus nicht von einer. Stadtzerstörung die Rede, weder von der Damaskus' noch von der Schomrons, sondern nur von einer Plünderung. Schon Karo und Raschi bemerken zur Stelle: ,,Im vierten Regierungsjahr des Achas, nach der Ermordung des Pekach, hatte Hosea sich zum König aufgeworfen. Da zog Salmanassar hinauf, und Hosea unterwarf sich und gab ihm Geschenk und Bestechung." Im übrigen ist ja aus dem Wort des Jesajas gar nicht zu erweisen, in welchem Jahre der Sohn Eiie-Beute-Raube Schnell dem Jesaja geboren werden wird; nach ibn Esra ist er zwei Jahre vor dem Untergang Schomrons zur Welt gekommen. Wiederum zerfällt der Beleg, den Auerbach anführt, in nichts. 3. Ferner behauptet Auerbach: „Jirmija irrt, wie alle Propheten, oft in seinen Vorhersagungen. Er sah das Ende seines Volkes im Jahre 626 unmittelbar bevorstehen. (4, 7; 9, 9; 9, 21). Aber es dauerte noch 40 Jahre, bis es kam." In keinem dieser Verse steht irgend etwas von dem Zeitpunkt des Untergangs. Weder ist es festzustellen, wann die Reden gehalten sind, noch wird über den Zeitpunkt des verkündeten Ereignisses etwas gesagt. So z. B. 4, 7: „Der Löwe ist aufgebrochen aus seinem Dickicht, der Völkervernichter zog aus von seinem Ort, um dein Land zur Wüste zu machev " Wo steht da auch nur eine leiseste Andeutung, wann Jerusalem zugrundegehen wird? Der Historiker Auerbach fährt fort: „Dem König Jojakim prophezeite er (Jirmija) ein schmähliches Eselsbegräbnis, während er in Wirklichkeit mit königlichen Ehren im Grabe seiner Väter beigesetzt wurde (II. Könige 24, 6)." In Wirklichkeit steht dort kein Wort von .einer ehrenvollen Beisetzung, sondern nur, daß, nachdem- Jojakim sich zu seinen Vätern gebettet hatte, sein Sohn ihm in der Regierung folgte. Daß der Ausdruck „Jojakim bettete sich zu seinen Vätern" nicht heißen kann: „Er ist mit -königlichen Ehren bestattet worden", beweist die Stelle aus IL Chron, 28, 27; „Achas entschlief mit seinen- Vätern, man begrub ihn in Jerusalem, brachte ihn aber nicht in die Grabstätte der Könige Israels, (Vergl.'Pesachim 56a). Jojakims Schicksal folgt aus II. Chron. 36, 6, wo es heißt: „Nebukadnezar fesselte ihn, führte ihn weg nach Babel." Nach der Ueberlieferung ist er auf dem Weg gestorben, unbestattet, wie Jirmija vorausgesagt hatte. Genau dasselbe gilt für den nach Auerbach „krassesten Widerspruch zwischen der Vorhersage über das Ende Zidkias und dem wirklichen geschichtlichen Hergang". Dem Zidkia hatte wohl der Prophet Jirmija zuerst das furchtbarste Los beim Untergang Jerusalems vorausgesagt, fügt aber hinzu: „Du aber wirst nicht durch das Schwert sterben, sondern in Frieden wirst du sterben. Und wie man bei deinen königlichen Vätern, die vor dir waren, Ehrenbrände gemacht hat, wird man auch dir einen Ehrenbrand machen." Durch nichts ist erwiesen, daß Zidkia diese Ehrung in Babylon nach dem Tode des Nebukadnezar, wo alle die Gefangenen begnadigt wurden und Jechonja täglicher Gast des königlichen Mahls wurde, nicht zuteil geworden sei. Also nicht ein einziger Beleg kann von Aue rb ach erbracht werden, daß eine Vorhersage der Propheten nicht in Erfüllüttggegan gen s e i. Er fügt zwar seinen Scheinbelegen den Satz hinzu: „Diese Beispiele irriger Prophezeiungen lassen sich beliebig vermehren." Das glauben wir ihm gern; es .würden lauter gleich fälsche Beispiele sein, alle nur auf Nicht&eriner der Bibel berechnet, denen man billig Sand in die Augen streuen kann. - Wir meinen freilich auch nicht, daß alle Prophetieh notwendig in Erfüllung geben müssen. Die Propheten sind keine Wahrsager. Wenn sie Unglück ankündigen, so immer nur für den. Fall, daß der Mensch sich nicht bessert. Jona sagt: „Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört." Aber nach vierzig Tagen, war Ninive nicht zerstört, weil es rechtzeitig umkehrte, Wie Jona selber sagte (4, 2): „Ich kenne Dich, G'tt„ der Du gütig bist und beschlossenes Unheil wieder zurücknimmst." Aber gerade darum, weil Unglücksprophetien nicht notwendig in Erfüllung gehen müssen, gerade darum ist es ein um so gewaltigeres Faktum, daß die Propheten bis aufs, einzelne und kleine genau den zukünftigen Ablauf voraus verkündet haben und der geschichtliche .Befund alles bestätigt. Selbstverständlich, ist dadurch die Prophetie „ein Phänomen außerhalb geschichtli c h er B egreiflichkeit." Aber statt dies Phänomea ehrlich und demütig anzuerkennen, kommt Auerbach mit solchen Scheinbeweisen, um den Propheten die Gabe der Vorhersage abzusprechen* Nicht Arnos, Jesaja und Jirmija haben geirrt, sondern Auerbach mit seinen lendenlahmen und falschen Argumenten gegen die Geistesmacht der g'tterfüllten Künder Israels. 3. In seiner Charakteristik Jirmijas wiederholt Auerbach die tausendmal widerlegte Behauptung, Jirmija lehne die Opfer ab, er, der (33, 18) über die Priester und Leviten prophezeit hat: „Nie wird aufhören vor Meinem Angesicht einer, der Opfer darbringt und die Mincha verbrennt und das Schlacbtopfer vollführt alte Tage." Jirmija habe aber nach Auerbach den. g'ttlichen Ursprung der Opfer geleugnet, indem er (8, 8) sagte: „Wie sagt ihr, wir sind Weise? G'ttes Thora ist bei uns? Fürwahr, zum Luge schaffte der LuggrMfel der Schreiber." „Hier legte Jirmija die Axt an die Wurzel," so läßt sich Auerbach vernehmen; „An diesem Wort ist nicht zu deuteln; er erklärte das Buch der Thora (das Opfer befiehlt) für ein Machwerk der Schreiber. Dem geschriebenen Wort stellt er die Stimme des Propheten als das' wahre Wort G'ttes scharf gegenüber." (S. 204—5). Solch waghalsige, herausfordernde Behauptung wird an Worte geknüpft, deren Sinn unmöglich der ihnen von Auerbach unterlegte sein kann. In 2, 8 sagt Jirmija: „Die, welche die Thora handhaben, kennen Mich nicht, und die Propheten prophezeien beim Baal." Also ist die Thora für Jirmija ein Gegebenes; nur daß die Handhaber der Thora sie mißbrauchen, genau so wie das Prop'hetentum durch Baalspropheten entweiht und in sein Gegenteil verkehrt ist. Nur deshalb habe Israel nicht das Recht zu sagen: G'ttes Thora ist bei uns, weil sie sie mißverstehen und mißdeuten. So wenig wie Jirmija irt den Baalspropheten etwa die Prophetie als solche ablehnt, so wenig hat er in der Thoralehre falscher Schriftgelehrter etwa die Thora G'ttes bestritten und geleugnet. Aber Auerbach als gewandter Stilist will uns suggestiv zum Schweigen bringen: „an diesem Wort ist nicht zu deuteln." Unsere jüdischen Erklärer, die uns Juden die Bibel zu deuten und zu verstehen gelehrt haben, sind leider andrer Meinung wie Auerbach, für den nur antisemitische Kommentare Wert haben. Raschi „deutelt" den Luggriffel der Schreiber auf die Baalspropheten, Redak und Karo wirklich auf die Thora: „Wenn G'ttes Thora wirklich bei euch ist, was nützt es, wenn ihr sie nicht erfüllt? Sie wird zur Lüge; die Feder, die sie schrieb, hat sie umsonst geschrieben." Daß umsonst, zur Enttäuschung bedeutet, beweist 1. Sam. 25, 21: wo David sich über die Undankbarkeit des Nabal beklagt.' ach lascheker umsonst habe ich all sein Eigentum geschützt. Was aber meint nach Auerbach der Luggriffel der. Schreiber: Jenen" Griffel, der das Deuteronomium in Josijas' und Jirmijas jugendtagen geschrieben und dem' Mosche unterschoben