Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Von Oberrabbmer- Dr. Carlebach in Hamburg, In Studentenkreisen erzählte man sich aus den Tagen, wo die iBibelkritik in ihrer Sünden Maienblüte stand, daß ein Rabbinatskandidat an der liberalen Hochschule eine Uebungspredigt hielt, ^aufgebaut auf die neuesten Hypothesen der Wellhausen'sehen Schule. Als bei der nachherigen Besprechung ein Kollege dem Redner einwandte, von seinen Worten stehe doch nichts im biblischen Text, gab ihm dieser erregt, die Antwort:' „Aber Wellhausen sagt dasdoch ausdrücklich!" Der Dozent Dr. Baneth habe beruhigend mit lächelnder Miene darauf bemerkt: „Nun, es ist auch night alles, was Wellhausen sagt, tauras mansche emes."! .. Wenn wir das neueste Opus des Mediziners Dr. Elias Aue r b ach: „ W ü s t e u n d g e - lobte's Land'', Teil II, einer Besprechung^ unterziehen wollen, ein Buch, in dem mit der gläubigen Sicherheit der Ungläubigen die Anatomie der Bibel ä la Wellhausen von dem messerkundigen Adepten durchgeführt und die sezierten Gliedmaßen kindlich zu einem monströsen, unförmigen Zerrorganismus wieder zusammengenäht werden, so genügte es ebenso dem naiven Verfasser zuzurufen: Nun, was dein Meister Wellhaüsen sagt, auf dessen Worte du schwörst, ist auch nicht alles tauras mausche emes. Jedes weitere Wott ist zu viel der Ehre diesem Werk erwiesen. Wer heute, nach dem Zusammenbruch der ganzen naturalistischen Einleitungswissenschaf t, nach David Hoff manns: die wichtigsten Instanzen gegen die Graff-Wellhausen'scbj: Hypothese, nachiB.,J a.c o b s, eines liberalen, an sich,.voraussetzungslosen Forschers, grundlegenden Arbeiten, speziell nach seinem Genesiskommentar, nach W. Möllers — eines „Ariers" — „die Einheit und Echtheit' der fünf Bücher Mösis", noch unentwegt an ihr festhält, wer vor allem nach der Entlarvung der Bibelkritik als einer rein christologisoh-aritisemitischenyÄ%gelegjenbeit: nüt jderX ^em destillierten modernen Evangelium als dem Höchstprodukt der! religiösen Entwicklungen die Krone darzureichen, als Jude auch heute noch <fen Wust von' Konstruktionen und Künsteleien der liberalistischen Theologie wie ewige Wahrheiten hinnimmt, ist gerichtet, ist jüdisch-wissenschaftlich nichts als ein Assimilänt, der vor der ^eisteswelt der mächtigen Töchterreligion seilen Kotau macht. Er mag in der Gemeinschaft der Edüard Meyer, Gunkel und Greßmann sich /Wohlbehagen, seine Befriedigung , darin finden, daß die Zeitung der deutsch-morgenländischen Gesellschaft und andere Organe der fremden Theologie ihn -des hohen Ranges würdigen, in ihren'Spalten als ,einer der ihren aufgeführt zu werden. Dort wird es ihm gewiß zum Ruhm gereichen, daß er getreu dem Vorbild der liberalen Theologen alle jüdischen Autoren ignoriert u n d'totschweigt, die ganze Ueberlieferung des Talmud und der Midraschim nicht kennt oder nicht kennen will, daß für ihn die Erforschung der Bibel mit de Wette beginnt und in P. J; E. ü. D. ihr sakrosanktes Alphabet "besitzt. Wir aber sagen mit Jecheskel auf solche Autoren, die wie Füchse wühlen in den geweihten Ruinen unseres Tempels, die nicht in die, Bresche treten, einen Zaun nicht ziehen für unser Volk, daß es im Kampfe für G'tt bestehe: (13, 9). ■ ■ Uta'1 m*? ^vr* fr2 3DD31 vn* W? ■'OST 1103 i n d i e G e i s i e s g ein ei nschaf t Meines Volkes gehör e n s i e n i c h t u n d i n das S c h r i f t w e r k d es ' Ha u s es Israels soll e'n sie nicht eingeschrieben werden. Wenn wir dennoch auf, dieses vom Schocken- Verläg vornehm ausgestattete, in flüssiger Diktion geschriebene Werk näher eingehen, so geschieht es, um unserer jüdischen Jugend willen, die rder äußere Schein eines so gewinnend auf tretenden'Buches blendet, der die Selbstsicherheit und kühne Rücksichtslosigkeit des Verfassers imponiert. Ihr widmen wir diese Zeilen, daß sie die Zerstörer des Judentums richtig einschätzen lerne. Ihr zuliebe wollen, wir zunächst an Einzelbeispielen die Methodik Auerbachs darlegen, damit die Fadenscheinigkeit' und' Unzuyerlässigkeit seiner Beweise ans Licht trete, und alsdann, wenn die Fundamente' des 'Baues als„hohl erwiesen sind, die Gest m t k 6 n s t r u k, t i ö n seiner Geschichte in ihrer tendenziösen Willkür und Einseitigkeit entlarven. •■' Vi, ' ■■:..■'■■ "'• : ■ . 1. Auerbach beschäftigt sich in der Einleitung seines Werkes 'mit ' der biblischen Ch r o - n o 1 o g i e. Diese bietet wohl mancherlei Probleme, was auf; der! Unyollständigkeit unserer geschichtlichen Kennte be'ruht. Aber seit den Zeiten "des^ Talnlüd' und unserer großen r^ibelerklarer 'sind die auftauchenden Schwierigkeiten hunderte Male beleuqbjfet und behoben worden. Aueribach dagegen g^aübti' erst die Frage untersuchen zu müssen;: ob; die im Buch der Könige gegebenen Regieyuö^'sfähre „überhaupt geschichtlichen* Qüellenwört; haben, oder ob sie künstlich hergerichtet sind.-.' >ilUnd er behauptet mit . apodiktischer Sicliefhettir> „Bei einigen der Zahlen ist schnell klärzHistbllön, daß sie u n m ö g l i c h richtig sein könne n." 4) So sei einer der wesentlichen Fehler der Berichte das Todesjahr des Königs Achab. Denn dieser habe 853 bei Parkar gegen die Assyrer gekämpft, es könne also sein Tod frühestens 852 angesetzt werden. Von dieser Schlacht in der Zeit Achabs berichtet die Bibel nicht. Auerbach meint: „Die klägliche Lückenhaftigkeit der biblischen Berichte für diese Zeit beleuchtet nichts deutlicher als die Tatsache, daß das wichtigste Ereignis der Achabzeit, die Schlacht von Karkar,., mit keinem Wort erwähnt wird." . Woher nimmt Auerbach das Faktum, daß Achab diese Schlacht mitgemacht habe? Weil wir eine Inschrift Salmanassars II besitzen, in der unter den Besiegten jener großen Schlacht auch Ahaabu Mat Zirlaai-Achab von Israel aufgeführt wird. Ueber diese Inschrift spricht sich Prof. Eduard Mahler in. seinem Handbuch der Jüdischen Chronologie, (Leipzig 1906, S. 284 ff)f einem Werk aus dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, folgendermaßen aus: „Allgemein wird der. A—ha—ab—bu mät Sir-—' la—ai in der Inschrift Salmanassars als A h ab von I s r a e l gedeutet. Und doch, finden wir sonst nirgends in den assyrischrbabylonischen Inschriften -das, „Land Israel" durch . „mät Sir—'—la—ai"2) bezeichnet; überall, wo auf assyrischen Denkmälern von Is-, rael die Rede ist,, wird dieses „mät Hu—um—ri—i" (das Land Omris) genannt. So wird J e h u nicht nur in der oben zitierten Inschrift,, sondern auch auf dem. Obelisk vom Nimrud als „Ja—u—a habal Hu—um— ri—i" bezeichnet. Und Während das. Reich Juda mit „mät Ja—u—da—ai" benannt ward, wird Israel als „mät Hu—um—ri-—i" oder „Mät Bit Hu—um—ri—i" hervorgehoben. Eine Inschrift aus dem X. Jahre Ramman-^Niraris III. nennt mehrere. Völker, welche diesem5 Könige (reg. 811—783) Tribut überreichten; unter diesen finden wir- „mät—Sidunu, mät Lu— um—ri—i usw. In einem Bruchstücke der Ännalen Tiglat-Pilesers III. (III. R, 10, No. 2) aus dem Jahre 12 seiner Regierung d. i. 734 v. Chr. finden wir: „Da« Land Bit-Omri (mät Bit Hu—um—ri—i"), die Gesamtheit seiner Bewohner samt ihrer Habe führte ich nach Assyrien fort., Pa—ka—ha (Pekach), ihren Kgnig (tötete^. ich." j' Alsoist wieder Israel als „mät Hu—um—ri—i" —• „Land Omris genannt. Aber keineswegs kommt .dag Land Israel irgend jemals unter dem Namen: :,,mät Sir—^'—la—ai" vor. Und da müssen wir e& doch für höchst merkwürdig bezeichnen, daß derselbe König, der in seiner die Ereignisse vom 18. Regierungsjahre (=' 842 v. d. übl. Ztr.) aufzählenden inschrift den König Je*hu, der, Jin; Grunde* genommen, ein Usurpator war, als „habal Hu-—um—ri—-i" ~ Nachkomme (wörtlich; Sohn) des Omrt' bezeichnet,; den Ahab aber, der ein Sohn und 1 e g i t i ra e r iN a c h f o 1 g e r Omris war, „Ahab den Sir'liten". nennt. Muß dies nicht vielmehr ein deutlicher Fingerzeig für uns sein, daß die — ^. Sperrungen hier und im Folgenden von uns. s) mät offenbar das talmudische; — f>tfin Stadt, verwandt mit Tin. 'das abgemessene. Bit tr\v