Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr/12/13' ' " ......- >■■ . , ■■: s; , ' 1; ' : ■ , , Menge der Teilnehmer, wohl aber durch die Natur und den Ernst der Probleme, denen sie gewidmet waren, Beachtung , und g e. m e i n s a m e Betrachtung verdienen. Beide waren der Erziehung der jüdischen Mädch en gewidmet — derjenigen in London selber und ihrer (in dieser Hinsicht jetzt glücklicheren). Schwestern in Osteuro p a. Die Vernachlässigung der religiösen Unterweisung der Jugend (keineswegs bloß der weiblichen) in England, insbesondere innerhalb der Viertelmilliori Juden Londons, wird von dem verantwortungsbewußten Teil der jüdischen Führer als drückende Schuld empfunden,., hat .aber, irgendwie durchschlagende Aktionen zur Besserung der Verhältnisse bisher nicht gezeitigt. Nun ist vor einigen Monaten auf Initiative des Chief-Rabbi eine größere Versammlung von Gemeinden und Organisationen einberufen worden, um zu prüfen, was zur Gewinnung der vielen Tausenden von Mädchen, die überhaupt keinen Religionsunterricht empfangen, geschehen könne. Es wurde beschlossen, eine „Mädchen - E r z i e h u n g s - W o c h ef< zwecks Propaganda sowohl für die Einschulung dieser wild aufwachsenden jüdischen Töchter als auch zur Gewinnung der nötigen Geldmittel zu veranstalten, die nun in der Zeit. vom 18. bis . 25. .April stattfinden soll. Die Vorbereitungsarbeiten schreiten etwas schwerfällig fort: In* der Komitee-r-Sitzung dieser Woche wurde> jedoch mitgeteilt, daß nunmehr — offenbar nach einiger Mühe — die Mitwirkung . der „Federation of Sgnagogues" -r-,des Verbandes der orthodoxen Eastend-Sgnagogen — erlangt wurde, was in doppelter Hinsicht wichtig ist. Einmal sieht es gerade unter den Töchtern der östlichen Eingewanderten, die ja natürlich, ^öffentliche englische Volksschulen besuchen und oft genug die Orthodoxie ihrer jiddisch sprechenden Väter und Mütter als inferior betrachten, in religiöser Hinsicht überaus traurig aus. Andererseits gehört die „Federation" — hauptsächlich infolge ihres rentablen Friedhofsbetriebs — zu den finanzkräftigsten Körperschaften Englands und wäre, wenn sie wollte, durchaus in der Lage, ein vorbildliches Talmud- Thora- und Madchen-Schülwerk im East-End aufzubauen. Einstweilen muß man zufrieden sein, daß die bevorstehende Propagandä-Woche das öffentliche Gewissen jedenfalls aufrütteln . und-dem Erziehungswerk auch größere Mittel zuführen wird. Ueber die andere, der Mädchen-Erziehung gewidmete Sitzung, die im Hause von Mr. David Sasson stattfand, ist wohl, schon, von anderer Seite berichtet worden. Sie war veranlaßt durch die Tatsache, daß es der Bes-Jakauw-Bewegung seit dem Ableben Dr. Deutschländers.!?"Xf und der Auflösung der. Wiener Zentrale, an einer verantwortlichen zentralen Verwaltung bisher, gefehlt hat. Der Nachfolger Dr. Deutschländers V'XT' der rührige und verdienstvolle Rabbiner Jäcobson in Kopenhagen, ist zwar, seinen.f.Ämtspflichten als Direktor von Res Jakauw mit. vorbildlicher Opferfreudigkeit nachgekommen, konnteaber den Mangel einer geordneten Administration, natürlich nicht ausgleichen. Der neu gebildeten Zentralverwaltung in London gehören 'Rabbinen; Pädagogen, Vertreter des Londoner Bes-Jaköb-Komitees und eine Reihe bewährter Persönlichkeiten des . praktischen Lebens an. Die Sitzung, an der auch,, die;. „Hausmutter'' des Krakauer Seminars, die eigentliche. Nochfolgerin Sara Schenirers!T3?' Frau Bettg Wreschner aus; Kraka u teilnahm, entrollte ein imposantes' •Bild von der Entwicklung; des Bo5,, jaköb-Schulweserts, zeigte die Mängel, die es-:zu beheben gilt, ., und die neue n Aufgabe ri V denen; sich Bes . Jakobj will es nicht efstärreri, ke^ darf. Dazu gehören, die, Anstellung":,e.ines: die Schulen ständig kontrollierenden -In-Sipek to r s , die Regelung" der Be^ieHurigetiiy<tex{' üllgemeinen Bes Jakob^Schulorganisätiön; zu: den/'Bes' jäkob-Schu- : len 'Und -Kindergärten Et e z. Is r;ae 1 s Cund der 'Ausbau des Bes Jakob^Werkes nach der sozial-. \ß ä d'a g d g i s eh eri Seite, :wfie -ihn-'die; verstorbene Frau Bertha Pappenheim noch angeregt hat: In letzterer Hinsicht denkt , man an einen Ausbau de;r Lodzer Anstalt. „ 0 h e 1 Sara", die schon heute D:c, r. vhsx1, j.t . ,__ gute Jlnsätze . zur; Vorbildung religiöser; jüdisdfter' Mädchen für das Erwerbsleben getätigt hat. ',: ■• '; '■]' *;.'; . - ■ -'. ■• '-. Die' unvorhergesehene •Abreise .Sir . Arthur Wauchopes mittenaus seinem englischen Urlaub heraus häch Jerusalem zeigt, daß das Colonial Office den Ernst der Lage, wie sie sich in den letzten Wochen im heiligen Lande herausgebildet hat, nicht verkennt. Ormsby-Go re hat mit einer sicherlich te-hr, auf richtigen, wenn auch strategisch nicht gerade geschickten Unbefangenheit im Parlament erklärt, es sei auch durch die Verkündungj des Kriegsrechtes mit den terroristischen Ein - ' zel-Ueberfällen nicht fertig zu werden* Die öffentliche Meinung, .auch innerhalb einer starken Gruppe im Parlament. glaubt allerdings, daß in einem orientalischen Lande nur durch ein paar ab s ch r ek - ke nde Strafen die unfaßbaren Banditen zur Vorsicht erzogen werden können, und daß die Ruhe längst hergestellt wäre, hätte man dieses System zur Unterstützung der allgemeinen Politik - der; Pa- - zitfizierung der Araber' mindestens hilfsweise mit herangezogen. . Ueber die Tendenz des Berichtes der Royal- C o m m i s s i o n hört man neuerdings von' angeblich unterrichteten Seiten . hoffnungsvollere Aeußerüngen, Neue konstruktive Ideen von politischer Kühnheit dürften fjedoch unter, dem; heutigen Regime kaum zu .erwarten, sein, eher eine theoretische Bekräftigung der Balfour-Erklärung mit praktischer Begrenzung der Einwanderung unter Berufung auf wirtschaftliche Momente. Man kann nur hoffen und wünschen, daß der jüdische Jischuw in Erez Israel, der durch die Serie der Mordtaten und Ueberfälle auf eine harte Probe gestellt wird, die Nerven nicht verliert und sich auch nicht durch r e v i si o ni s tis c'he radikale Taktik in eine Haltung hineintreiben läßt, für die . die öffentliche Meinung Englands letzten Endes, kein Verständnis haben würde.. Man soll es ruhig den Arabern überlassen, sichdurch Anwendung von Gewaltdie Sympathien des Auslandes zu verscherzen: Das, Recht der Notwehr wird man den Juden selbstverständlich nicht bestreiten können. * * -'■ t * In B.elf ast fand diese Woche eine große Abschiedsfeier für Rabbi-Dr. Herzog statt, der zum Peßachfest sein neues Amt als aschkenasischer Qberrabbiner der „Knesses Israel" in Palästina antritt. Dr. Herzog kommt, wie der Korrespondent von unterrichteter Seite erfährt, mit dem aufrichtigen Wunsche nach" Erez Israel, dort friedliche' Beziehungen zur agudistischen Orthodoxie, der , er hier in England allezeit Sympathie und Unterstützung zuwandte, zu unterhalten. Dr. Herzog,> der seiner Natur nach mehr Gelehrter als Politiker ist, weiß sehr wohl, daß die „Knesses: Israal" schon im Hinblick auf ihr unreligiöses Schulwerk nicht als orthodoxe jüdische Kehilla anerkannt werden kann und es ist sein heißer Wunsch, diese Verhältnisse allmählich zu ändern. Man sollte von orthodoxer Seite eine solche Situation würdigen. , und jedenfalls nicht durch unbedachte und' übertriebene^ Kampfmethodeh eine Persönlichkeit . von reinstem Wollen , gewaltsam ins* gegnerische Lager treiben. •* * -; J i- . ... .* * Die Niederlage der Blackshirts bei den Stadtratswählen hat auf die führenden Kreise der englischen Judenheit beruhigend gewirkt. Trotzdem dürfen die 15 000 Stimmen, die fürdie Judenfeinde' abgegeben würden, nicht übersehen werden, denn die Mosley-Partei hat diese Stimmen, wie auf allen Seiten zugegeben wird, lediglich ihrem -; judengegherischen Programm zu danken.; * - # ' *; Die Fleischbeschaffungs-Aktion für die deutschenrituell lebenden Juden entwickelt sich recht gut. Außerdem, wird i die englisch-jüdische.; Oeff entlieh- ' keit jetzt; zu Peßach mit Aufrufen.: und ..SammeK, aktionen für den iOstengeradezu "überschwemmt.• , ' Es regt s'!ch' iMdaueYlidierweise,-- namentlich!, -in'-den.-. yS/ , '_;_ 25;:Mägz;:;^937 j Proviihzstädten; 'schon eine gewisse Reaktion ge-1 gen diese Inanspruchnahme /und_ man verweist aufl 'das; ]"»a*71j? ^"VST "W* Dabei wird übersehen, daß! noch, sehr wgite' ^Kreise englischer Juden für j ü.; dische Zwecke überhaupt nithts;geben:.1[Hw?der| für lokale, n o Ch -für ausländische), sÖdaB derf Propaganda noch ein weites . Feldöffenstände.:! . -Allerdings wäre eine Konz e n t r a t i o h der drin-! gend notwendigen Sammlungen iür, Polen sehr zu| .. wünschen, wobei aber . d e m o k r a t i s c he r e Methoden eingeschlagen werden müßten als -bei derl! ■ Gründung des „Council for German . Dewish"v Da-,j, rüber ein anderes Mal. : ,; Palästina High Commissioner begnadigt zum > Tode verurteilte Araber. / . _ Jerusalem, 22. März. Wie; amtlich bekannt gegeben wird, -hat High; Commissioner Sir Arthur Wauchope die über sechs, Araber wegen Beteiligung an den letzten - Unruhen verhängte Todesstrafe, hx Zuchthausst;rkfen umgewandelt. Man nimmt an, daß ^der. unmittelbare Anlaß für: diesen Begnadigungsakt die Veröffentlichung des Friedensaufrufes durch das ■> Arabische Oberste Komitee gewesen ist: . Auf das Jüdische Viertel von Safed sind fünfzehn Schüsse abgegeben worden. Verletzt wurde niemand. Die Beschießung würde durch die Polizei1, und die jüdische Hilfspolizei nicht, erwidert. Auch in. Jerusalem sind im. Laufe der Nacht. mehrere . Schüsse abgegeben worden, phne. jemanden zu verwunden.. In der Mamilastraße in Jerusalem ist auf einen jugendlichen jüdischen Radfahrer ein Schuß abgegeben worden. Das ^Fahrrad wurde von der Kugel beschädigt, (Weitere Berichte. aus Erez Israel siehe auf Seite 21 und 22.) '. Amerika. 100,030 jüdische Landwirte in den ^Vereinigten Staaten. , . N e w y o r k , 22. März. Die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung der Vereinigten Staaten umfaßt zurzeit etwa 100 000 Menschen und . die jüdische Bewegung „Zurück zum Boden" hat, wie der Leiter der jüdischen - Landwirtschaftsgesellschaft, Gabriel Davidson, in einem Bericht feststellen konnte, im abgelaufenen Jahre bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Auch jüdische Einwanderer aus Deutschland wurden von der Bewegung erfaßt, wodurch sich die Gesellschaft vor neue Probleme gestellt sah. Ihre Niederlassung stößt allerdings infolge der beschränkten Möglichkeiten des Kapitaltransfers auf Schwierigkeiten. Die jüdische Landwirtschaftsgesellschaft war aber bemüht, hier durch Tausch von Grundstücken in Deutschland gegen solche in Amerika Abhilfe zu schaffen. Von den bereits gewonnenen Erfahrungen ist zu erwarten, daß sie die. Durchführung der Arbeit in der Zukunft wesentlich erleichtern werden. Die allgemeine Besserung der Verhältnisse in der Landwirtschaft ist im vergangenen Jahre, auch den judischen Landwirten zugute gekommen.. Die Gesellschaft-hat im abgelaufenen Jahre 11 997 Darlehen im Gesamtbetrage von 7 392 000 Dollar jüdischen Landwirten in, vierzig Staaten zur Verfügung gestellt und sie durch "fachmännischen Rat unterstützt. 756 Personen haben sich für .<ihre geplante Ansiedlung beraten lassen und 41 Familien. wurden mit einem Durchschnittskapital von 2700 Dollar auf Farmen angesiedelt, die im Durchschnitt 5200 Dollar kosten-. Fast, die Hälfte der Investitionskosten wurde somit vorgestreckt. Die; Gesellschaft hat sich ferner auf den Gebieten des Hypothekarkredits und . d,es landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens betätigt. Alle, 1936. neu Angesiedel-; ten sind in; der .Landwirtschaft geblieben. Für} den Zeitr-aüm; ...der'.-, letzten, .fünf Jahre •ergibt sich eine zwö:fp'rozentige Rückwanderung,, die auf Krankheit, lTodesläIle, i unrichtige Disposition, Kapitalmangel und Uneinigkeit unter Teilhabern zurückzuführen ist.., Die . Abteilung, für "ArbeitsVermittlung hat 185 .,jünge/.Männer:;'und-- 2 Mädchen -untergebrachf.. Die Zahl der landwir^chäft.U'r4ien rHrbeitnehmer: ist. damit auf .18 089.;gestiegeri.' Auch für einige Einwanderer . aus Deutschland: v würden : SJellen jbeschaff£.