Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 12-13 (25.3.1937)
- Date
- 1937-03-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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25; März 1937 a I s rä. e 1 i t Nr. .12/13 Seite 7 bescheiden. paiK «joi" eine „kleine Kraftstärkung''. Weil aber dieses merkwürdige <und. vielfältige Werk von allem etwas, hat, sowohl Halacha wie Ägada, Mussar, Minhag und Ge^ schichte bietet es Vielen mehr als jene klassischen halachischen oder Mussarwerke. Uebrigens wird J. 0.-als halachische; Quelle so ernst genommen,, daß es gar von Rabbi Joel Sirkfif (n"n) einmal rühmend zitiert wird. Es ist heute, da soviel von Mussar, Derech Erez, Kabbala usw. gesprochen wird, interessant, festzustellen, wie dieser Frankfurter Rabbi, ohne an Bewegungen und Strömungen zu .denken, es verstand, in seinem Leben und Lehren -all diese Richtungen zu einer vollendeten Synthese zu vereinigen. Er konnte der Kultur seiner Zeit nicht so fremd und fern gestanden haben, der Rabbi, ders in seinem Werke uns so vortreffliche k a 1 e n - dar is c he Tabellen bietet,, aus 1 ä t e ini s c he n-Werken zitiert und, wie er uns Selber mitteilt, wiederholt gelehrte Disputationen mit katholischen Geistlichen führte und das Volle Rüstzeug für solche geistige Kämpfe besaß. Aber auf der änderen Seite müssen wir den Mann als M e i s t e r d e s M/u ssar, des Mussar in *Tat und Lehre, ansprechen, der es fertig bringt, in gefahrvoller Zeit die Herzen aufzurichten und die von Angst •geschüttelteil 'Menschen um sich ZU scharen. In 'einem'als Reaktion auf die gefährliche Lage gegründeten Mussar-Vereihe wird an der Läuterung der Herzen das Möglichste getan; es darf und muß von Zeit zu Zeit jeder jedem unverblümt alles sagen," was verderblich und verwerflich' an ihm sei, und der andere darf sich nicht eher rechtf ertigen, als' bis er zwei Nächte darüber hat verstreichen Und Rechnung mit sich selbst abgehalten' hatte. Er scheint nach seiner Einleitung auch der eigentliche Begründer „der H e, i 1 i g e n B rüderschaft für T ö t e ii b e s t ä 11 u n'g; zu sein, wenn auch die Initiative auf den Scheloh zu-/ rückgeführt wird] In' M'u s s a r sind' auch alle seine Lehren, Thesen und Sätze weich gebettet, ob sie D^m,;'Braii6ne;>'^'ügen-.-Ra:t; 'gute'' -Lebens- _ art oder einiges' aus' .der' reichen Erfahrung der Geschichte'bieten/ ,f i: '-• ' "; Seine Einstellung zür K a b b ala war erst unsicher, fast negativ. "Als .aber die' Sendboten aus Säfed mit den4 Leeren der kabbalistischen Schule des Rabbi Lüria und den eigenen- 'Gebeten dieser Schule hierher kommen, weist. er sie nicht ab, "sondern sucht sich -mählich und vor^ sichtig in die neue Lehre, die er bald genug als uralte erkennt, hineinzutasten. Das „Lecho Daudi" am Freitagabend, damals von den Parteien als kabbalistische' Hymne stärk^umstritten, findet im Jossef ömfez,_ schließjioh .Reihen warmen Annehmer. Er schlägt einige Variationen vor, die sich aber nicht durchsetzen;?• Mehr 'als -Mussär ist seine Hingäbe, das 2>sn . rni^?.D^ das er an verschiedenen Stellen, besonders im zweiten . Teile >. bekundet, - diese ständige Bereitschaft, Qut unjdr Leben; £ür die Heiligung des... g'ttlichen,: Namens « ,hinzugeben;. Auch: M ä r t y«r.e r g e b e t e. ■ führt eran, die zeigen, wie aktuell damalsdiese rlet^teh S'efkenhinisse für ihn und seine Zeitgenossen waren, und' das Kapitel Heis jlflöä' des G'ttvertrauens ist wie für unsre , Ta^e>; geschrieben!'? Als Leitf^ileril für di'e Spezifisch . Fr ank-, f u r t e r Mi n h a g i m kann heute J. O. nicht angesehen .w.er4en. bala, richtiger gegen ,,Kabbala als Lektüre des Volkes", führte; erst 30, Jahr~'e\ ^ach meinem Tode, unter.^dem Än^ die Sabbatai Zwi-yerir-rxing unter fälschlicher Berufung auf die Ka)bbala-;, ungerichtet hatte, suju Ausschaltung aller jkabbalistischen;VEinleituiigsgebete aus dem Frankfurter Gebetbuche. iDer "c* - - ■ - ■ \-; i i *: ' . J *■ ■ frankfurter Minh^g iand? ..einen Annehmer. in einem späteren Nachkommen des «Rabbi1 Juspho TT 1 1 . ' ' ~1 * i~ i'-'-tj \ ■ - r ■■ iTZfX^'.;-- .-, nahn,?R, Jos,ef JC u's m a n n?, dessen 1«^^ ÄjTl3 löl' .1718 in Hanau! erschienen ist, 5 " Da5 lalte^Q/^wurde^-abet, dadurch nicht, entwertet,.. Das Manuskript ..das 1631 zu Ende geschrieben wurde, ging hundert Jahre lang von, Hand zu Hand und wairdehvon Unzähligen abgeschrieben 'UndÄ 'mit'-': Glossen versehen*. Ein Schwiegersohn seines Enkels* Rabbi Mosche Darum in Frankfurt, brachte im Jahre 1723 bei Johann Kellner die" erste Ausgabe im Drucke .heraus. Das J. O. wurde trotz der kleinen Schrift iund des' fehlerhaften Textes bald der Freund aller 'Frankfurter und ihr Begleiter durch -das religiöse Leben des Tages. 1928 erhielten wir aber -(durch die Stiftung der Familie Michael zum An7 denken'an ihren Vater Eli Michael V"XT) die neue schone, geläuterte und moderne J. O.-Ausgabe des Hermon-Verlages, mit hebräischem Vorworte von S. Schachnowitz und einem »Register (hergestellt von den Herren Salomon Speier und. Dr. Fritz: Michael), mit welcher das reiche Erbe Juspho Hahns auch der jüngeren Generationen in schönster Form zugeführt wurde. Und nicht zuletzt dieser Neuausgabe danken wir es, daß heute, an seinem 'dreihundertsten - Todestage, Jossei Omez auch weit über Frankfurts Mauern hinaus kein Fremder ist. Korrespondenzen. i Deutsches Reich. j Die Judenfrage in den Bädern. \ ... Berti n, 20. März. . Der „Fremdenverkehr" teilt mit, daß, , der . Reichs-r Innenminister nach einer Anregung des Reichsausschusses für Fremdenverkehr., beabsichtige, in kur-> ze^ter. Frist eine ■■reichseinheitliphe Regelung dar mit der Judenfrage in deutschen Bädern und Kurorten zusammenhängenden Angelegenheiten. der tFremden- und Gewerbepolizei zu treffen. Bis zum Erlaß dieser Änordrmng ...liat der Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr ersucht, im Interesse, der einheitlichen Förderung des Frerar denverkehrs Sonderregelungen ,für einzelne Gebiete und Orte nicht zu treffen. Wo derartige Anordnungen., ohne das ^Einverständnis der , zuständigen Reichsmini^terien; und - des Präsidenten des,. Reichsausschusses erfolgt sind,' soll. vonu ihrer Durchführung abgesehen werden. Die Zugehörigkeit zum- Jüdischen Kulturbund. -, Berlin , 21: März.' Das „Berliner' Tageblatt" meldet, daß Reichskulturwalter 'Hinkel in seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter des Reichsministeriunis für Volksaufklärung und Propaganda zur Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden und "Nichtarier im deutschen Reichsgebiet1 mit Zustimmung des' Reichsministeriühis dös Innern und des Geheimen Staatspolizeiamtes mit" Wirkung vom 15. März alle christlich getauften Voll-' und" sogenannten Dreivierteljüden, die bisläng dem „Paulus-Bund" (Vereinigung nichtarischer Christen) angehört' haben, aus, -dieser Organisation ausgegliedert und ihneiä änheim gestellt habe, die Mitgliedschaft des - Jüdischen Kulturbundes zu erwerben. Bekanntlich halben bisher dem Jüdischen Kulturbund nur Vollluden, die zugleich auch Mitglieder der jüdischen, Religionsgemeins,chaft warben, angehört,^ -wirrend irn „Paulus-fBund4'; dia,- -christlich getauften Juden und'. Mischlinge erfaßt^ wufderiv - Diesem-„Paulüs-Bünd'/ dü>*ktt'^iinin^ht<!' hur hpcWrr^ristlich:'ge1k^ lflr^e,'angehören. Die/ fre^ilige; Zugehörigkeit azm den:Vb^d«ji.t-Organis9i4<)^^-:-^st also jetzt mehr als Öisher, nach 'rassischen Gesichtspunkten gegliedert. .::.'- '• . : -;i ■■ •."isitsiitc.c ü- -K.-j -•«ttt,/t .-. Äenderung des Reichsarbeitsdienst-Ges^tzes.? Berli n, 22. März! Durch ein Gesetz vom 19. März ist Paragraph 7 des- ReichsarbeitsdienstJgesetzes vom * 26. rjuni <• 1935 geändert Wörden. Paragraph' u7 läutet -nunmehr: , t ::c.-'; - -.• •) , r. :, <o . -v - .•;;.. jur .c. , „Juden werden zum Reichsarbeitsdienst nicht Zuge Fasson. Jüdische;: Mischlinge-; können/, nichtr Vorgesetzte; im'-'Reföftäöfbeitsäifitts^'-^cMön/*/:.-*'- -; '{*.: VT - C •.. " Ii. Bisher bestimmte Par^raph^?, daß-zum Reichsr a^rheitsdierist nicht;^zugelassen .werden^kann/ wer nichtarischer Äbstammung; ist;öder mit einer -'Person nichtarischer Äbstammdng"' vörheiratiet Ist4 und daß' Mchfarier, die nach .Paragraph-. Absatz 2 djeSj/Mehrgesetzes für wehrwurdig erklärt werden/ auch» ' zum, Reichsarbeitsdiehst - zugelassen werden," jedoch nicht Vorgesetzte im Reichsarbeitsdienst werden können. Weiter ist Paragraph 11 Absatz 2 des Reichsarbeitsdienstsgesetzes geändert worden. Bisher hieß es* in dieser Bestimmung u. a., daß der Führeranwärter zum Reichsarbeifedienst den Nachweis arischer Abstammung führen müsse. Dieser Passus ist durch die Worte ersetzt worden, daß der Führeranwärter den Nachweis zu führen hat, daß er nicht n jüdischer Mischling ist. Der Kaul bei Juden. — Eine Gerichts- Entscheidung. Berlin, 15. März. Nach Paragraph 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist die Frau berechtigt, innerhalb des häuslichen Wirkungskreises den Mann zu vertreten; die Rechtsgeschäfte, die sie in diesem Rahmen tätigt, gelten als im Namen des Mannes vorgenommen, falls sich aus den Umständen nicht etwas anderes ergibt In einer Entscheidung des Amtsgerichts in Remscheid, die in der „Deutschen Justiz" wiedergegeben wird, wird festgestellt, daß solche besonderen Umstände dann gegeben sind, wenn die Ehefrau eines Nationalsozialisten bei Juden Einkäufe vornimmt. In dem zur Entscheidung stehenden Fall hatte die Ehefrau des beklagten Nationalsozialisten Ende 1934 und 1935 Waren gekauft. Zu dieser, Zeit, so sagt das Gericht, hatte sich allgemein bereits die Erkenntnis durchgesetzt, daß es sich für einen deutschen Volksgenossen nicht geziemt, bei Juden zu kaufen. Derartige Käufe waren damals schon durchaus Ausnahme geworden. Eine Bindung des deutschen Ehemannes an einen, solchen Vertrag müsse auch regelmäßig für. ihn als unzumutbar angesehen werden. Diese Umstände ergeben, daß die von der. Ehefrau mit einem Juden getätigten Kaufverträge gegenüber dem deutschfolütxgen Ehemann'keine Rechtswirkung im Rahmen des Paragraph 1357 BGB,, haben sollen. Vielmehr, schließe die Person des( Vertragsgegners hier, ihr .Regelfall diese weitgehende Bindung aus. Umstände, die.. ausnahmsweise eine andere Beurteilung rechter fertigen könnten, seien nicht dargetan worden. Zur .Darlegung solcher Umstände sei die judische Klägerin lim so weniger in. der Lage, als der Beklagte am 29/ Oktober. 1931 bereits der NSDAP, beigetreten und. Mitglied war. Die Klage sei daher abzuweisen gewesen., - '■ * * Die jüdische Auswanderung aus Deutschland. ,' ' / * , Berlin, 19. März. . .Im -iSchild", dem Organ des Reichsbundes Jü- .discMer ■ Frontsoldaten, wird ''mitgeteilt, daß in ^der lO^tsgruppe; Breslatil,,; die ,1250 Mitglieder zählC 46 iMitglieder zum überwiegenden Teil mit ihren Familien im Jahre 1936 ausgewandert sind. Davon gingen 10 nach europäischen Ländern, 4. nach Palästina, 6 nach Südafrika, 9 nach USA., 12 nach Südamerika und .5 nach Uebersee;mit, .unbekanntem .,Ziel. {Wseitere.« 11 Kameraden, die ihren Austritt erklärt1 haben, sind zum'"großen Teil mit unbekanntem Ziel ausgewandert.''' '\' In /der Sportgruppe Breslau im Schild, Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, sind 81 Sportmitglieder im Jahre 1936 ausgewandert. Davon gingen 24 nach europäischen Ländern, 22 nach Südamerika, 16 nach USil., , 5 «nach Südafrika, 2 r nach Australien, ^' nach Palästina und' 8 nach Uebersee mit,., unbekanntem- Ziel.' Äußer. diesen '81 Mitgliedern sind, auch zahlreiche; Sportmitglieder, die ausgetreten 'sind, ausgewandert. Die Sport-