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Der Israelit · 1937-03-25 · Heft 12-13 (25.3.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 12-13 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 12/13 D e r v l 8 r a e 1 i-1 25. März^to sog. Refugies in Frankreich vorübergehend gewährleistet. Ein Anrecht auf Arbeit gibt leider dieser Ausweis nicht, lediglich ein Aufenthaltsrecht und die Möglichkeit, Auslandsreisen zu un-: ternehmen. 800 Personen bekamen in Frankreich ausnahmsweise auch eine 'Arbeitsbewilligung, einheitlich, konnte aber die Frage nicht geregelt werden. Das genannte Genfer Abkommen ist bisher von Frankreich, Belgien, Englan'd, Schweden und Dänemark anerkannt worden. In Belgien erhalten diejenigen Einwanderer, die vor dem 5. November 1936 im Lande weilten, sogar Arbeitsrecht. Weiter erfährt man aus dem Bericht, daß von den 220 jüdischen Auswanderern, die sich in Spanien niedergelassen hatten, 200 nach verschiedenen europäischen Ländern zurückgekehrt sind, so daß die Zahl der sich noch in Spanien aufhaltenden Auswanderer aus Deutschland kaum noch in Betracht kommt. Die Hochschulunruhen in Ungarn haben zwar nicht aufgehört, aber die,Behörden haben jüdischen*-Studenten Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Promo.tion der drei jüdischen Mediziner, die seinerzeit gewaltsam verhindert wurde, wurde nachträglich durchgeführt. Leider hat sich der Universitätssenat dazu bewegen lassen, mit dieser Wiedergutmachung an Einzelnen eine Ungerechtigkeit gegen die jüdische Gesamtheit zu verbinden. Die Forderungen der Studenten, die Zahl der jüdischen Studierenden auf 5 Proz. der Gesamtzahl der Hörer zu beschränken und im Auslände erworbene Diplome nicht anzuerkennen, hat. sich der Universitätssenat zu eigen gemacht." Man versteht es in Ungarn, mit der einen, und zwar mit der linken Hand zu geben und mit der rechten zu nehmen. * * Dem 80jährigen Oberrabbiner der Wiener Ad aß Jisroel und Mitglied des Rabbinischen Rates, Rabbi Jesaja Fürst, wurde /vom Bundespräsidenten' das Goldene V e v d i-e nstabzeichen, eine der höchsten Auszeichnungen in Oesterreich, erteilt. Ueber die Bedeutung dös greisen und doch jugendlich tätigen Oberrabbiner Fürst haben wir aus Anlaß seines Altersjubiläums eingehend berichtet. Indem wir Oberrabbiner Fürst zu dieser Anerkennung im außerjüdischeh Kreise beglückwünschen, freuen wir uns, festzustellen, daß damit' der gesamten jüdischen Orthodoxie in Oesterreich eine Ehrung und Anerkennung zuteil geworden ist, die sie zu schätzen weiß. Zum..300, Todestage des „Jossef Orn^z". Am 9. Nissan 1637 wurde auf dem alten Friedhof zu Frankfurt a. iM. Rabbi Jus p ho Hahn N ö r'l i n g e n zu Grabe geträgen. Im Gemeinde- Pinkas ist zu lesen: tPTonn p im 'W 'm rni löw^wt ronn }mn •pun ja Ton Tax n'nnn mn Vsa ^pn p'jinteih. Aehnlich wird er auf dem Grabstein in der „Rabbinerreihe" in heute noch deutlich leserlicher Schrift als C h a s s i d und als TIE?» EPH *pV als. „geistiger Spender"~gerühmt. Rabbi Jusphö: Hahn war ein Fr-a;nkrfurt er i und diese spezifisch Frankfurter Note haftet ihm an, ist ihm der schone Rahmen zu einem reichen Lebensinhalt. . t ';. Das Gesicht des Frankfurter Ghetto vor dreihundert Jahren kennen wir ganz genau aus den Auf Zeichnungen.von jüdischer und nichtjüdischer Seite, aus den Büchern von Sch U d t und Lersn e r , noch besser vielleicht' aus den Biographien' der „Frankfurter Rabbiner" von Marcus H o r owitz, am deutlichsten aber spiegeln die aphoristischen Sätze im: „Jossef Omez" die Frankfurter Gasse ' wider, am meisten da, wo diese Sätze gär nicht darauf «itis sind, Kulturgeschichte zu bringen. Sie behandeln halachische Fragen in kurzen Thesen, Minhagim, klingen mit einen-, Mussarwort aus. Aber zwischendurch zittern die Aengste der schweren Tage, klingen die kleinen Leiden Und Nöte der damaligen Ghettomenschen mit, die abgespannt von „ J e r i d " (Messe) am Festabend „nicht so früh zur Schul kommen" und am Sederabend nicht zu lange aufbleiben können, die dem wachthabenden Soldaten am Wollgraben eine kleine Abfindung geben müssen, um am Rosch Häschana ungestört zu Taschlich gehen zu können . . . Einige kleine Abschnitte, die den Gerusch (Austreibung im Elul 1614), zwei F r a n.k für ter. Fasttag e am 27. Elul und am 19. Adar und den Frank-, furter Pur im am 20. Adar behandeln, sind menschliche und geschichtliche Dokumente von um so höherem historischem Werte, als sie nicht bloß geschichtliche Tatsachen registrieren, sondern das Vibrieren dery. jüdischen Herzen, den hochgehenden Pulsschlag der 2000 Seelen zählenden Judenstadt von damals, wie auf Wachsplatten für alle Zeiten festhalten, Juspho Hahn, Sohn eines Mannes, der als Thoralehrer und Prediger {der Frankfurter Gasse schon eine gewisse Nöte gab,; und, Schwiegersohn des verdienten Parnes Abraham B r e.i t i ngen, konnte sich in jungen Jahren im Hause seines Schwiegervaters in aller Ruhe, Muße und Behaglichkeit für seinen späteren .Beruf vorbereiten. Führer wollte er eigentlich nie sein, . er -wurde nur immer und immer wieder infolge seiner hervorragenden Eigenschaften an die Führung gedrängt. Der Vinze n z F e t t m i 1 c h - Aufstand, der die Jud.engasse zur Zielscheibe hätte, trifft' ihn im Alter von 44 Jahren. Er steht auf der .Höhe seines Lebens und seine Autorität ist zu dieser Zeit schon so groß, daß erzführendes Mitglied des Rabbinats und Führer und Tröster, seine/ Gemeinschaft par excellenze wird, obwohl das eigentliche Oberrabbinat zur Zeit nicht von ihm, sondern von einem viel größeren, Rabbi J e s a ia H urw it z gen. .'Schelöh, verwaltet wird. Rab^i Hurwitz gehörte zu sehr dem gesamten Israel, um sich in Frankfurt, wo er übrigens nur wenige Jahre wirkte, , ganz zu akklimatisieren. Er kam nach der Austreibung nicht zurück, sondern ging nach Prag, um von dort den Leidensweg nach dem Heiligen Lande zu nehmen. Rabbi Hahn, dessen glühende Liebe zu seiner Vaterstadt durch die Umstände keine Einbuße erfahren . konnte, gehörte aber zu den zehn Ersten, die nach einem Jahre Ver'- bannung, schon lange vor der offiziellen Rehabilitierung, wieder durch Frankfurts Toreeinzogen. Eswar ihm gegönnt, noch zwanzig Jahre, .die, trotz dreißigjährigem Kriege, relativ als Jahre der Ruhe und des; Friedens für das Frankfurter Ghetto angesprochen werden können, zu. wirken, und er wurde wieder durch die Verhältnisse in den Vordergrund geschoben. Das Vermächtnis, (das er uns hinterließ, ist das „J ossei 0 m e z\ das Lehr- und Lieblingsbuch aller alten guten Frankfurter. Es fällt schwer, dieses. Buch in eine bestimmte Kategorie einzureihen.. Als: h a 1 ach is c h es Werk kann es sich gewiß mit den großen Dezisoren vom Range des Remo oder,Bach usw. nicht messen. Als M i n h a g buch sind ihm 'die. Auf Zeichnungen des, M a ha r i 1 gewiß überlegen. Als Mussair buch fehlt ihm die Geschlossenheit der älteren vund , jüngeren Mussarliteratur, vom „Chowoth, Halwawoth" bis zu „Messiias Jescharim'V und die eingestreuten historisch e'a Und k'u 11 u r g e s c hi c ht Ii c h e n Notizen machen es noch nicht zu einem Buche der G e - schic h t e. '.Er, der Autor selbst, nennt ja. sein haßerfüllt;zu (Mosche und Aharon gesprochen; „Möge G'tt auf euch herabschauen und richten, da ihr unseren Ruf verleumdet habt in den Äugen Pharaos und in den Äugen seiner Diener, und also ihnen ein, Schwert in die Hand gegeben, um uns umzubringen." (5, 21.) -: Nun aber war Mosche angesehen in den Augen des Volkes Jisrael. , ., - Kap. 11. V. 5'. aw»n nsis ""voan a'isn psa iiaa b*> nai •nana naa 5>ai ö'mn ms ipr Tmsvn naa ijr isoa bv „Und es stirbt jeder Erstgeboren« im Lande ,Äegyp=< ten,. von dem Erstgeborenen Pharaos,, der. aufi seinem Throne sitzt, bis zu dem Erstgeborenen,der Sklavin' hinter der Mühle, und jedes Erstgeborene de's Viey hes." Dieser Satz scheint Kap. 12, V. 29 zu widersprechen. Dort heißt es: „Da schlug G'tt jeden Erstgeborenen im Lande Aegypten, von den Erstgeborenen Pharaos, der auf seinem Throne sitzt, bis zu dem Erstgeborenen des Gefangenen im Ker k er V Deutung: Der Häftling mußt die Mühle drehen. So wird ..uns ■ von Schimschon berichtet: '»„sie fesselten ihn, mit eisernen Ketten und -eri-.trieb; die' Mühle im Gefängnisse" (Schoftim 16, 21), In. diesem Sinne ist auch Echa 5, 13 zü verstehen; „Jünglinge mußten die Mühle tragen.'' Mithin ist der Erstgeborene des Gefangenen im Kerker identisch mit dem' Erstgeborenen der Sklavin hinter der Mühle;. Ein Wort zu aSfltM-.nö' . Als ■,der populärste 'Teil Unserer iPessäch-fläggada darf wohl die iUnwno betrachtet werden. Ist sie ja mit das 'erste, was das Kind aUjS unserm, Schrifttum: kennen lernt, Ihr..Vortrag findet die regste Aufmerksamkeit der Tischgenössen, in denen sie liebe Kindheitseriimerungen wächrüft. Eine Redewendung aus.;ihr hat sogar sprichwörtliche Verbreitung gefunden: mp"»» ikb?. Und doch ist der Sinn der-Frage, der diese Wendung^ entstammt, nur den Wenigsten klar: Warum essen wir heute wa'# während/ wir sorist verschiedene (oder allerlei);: -Kräuter ressWn?; Eine kurze Ueberjlegung;Jteigt uns. schon,, daß die;;Frage;'in.dieser Form .gar keine f^rage ist^ Die. einander geg^nübergestellf.. ten „Bitterkräut'' und „verschiedene'' oder „allerlei Kräuter" schließet sich 'niiht aus. Bitterkräut ist eben afrefc emes derverschiedenen Krautetu Sollte der Sinn , der Frage; aber^ sein: . Während wir sonst. allerlei Kräuter essen, genießen wir heute n u r Bitterkraut, so stände dem entgegen, daß doch eben ein anderes Kraut als osia gegessen wurde und daß hier das iVa fehlt, das bei nsn mit Recht steht. (So schon Tausof. Fes. 116a). Auch rein sprachlich läßt diese Uebersetzung sich nicht haltet i»w ist, kein seltenes Wort. -Aber, es / hat, seiner. Ableitung entsprechend, sonstuimmer..die . Bedeutung: übrige, andere. 'So mann ,v .BHin'n "iKt? Esth! 9,-12; 16. ' ■' ■.. . Ein iedeirr; der ßfichi in;?die; Sprächet unserer Literat * tur eingelebt - hat,;. wird -Gjhne weheres übe.r;all ':,■}; in diesem Sinne auffassen, außer — in nip*Y>. nsw« Diese MonopölstellÜng Hat unser5^Ausdruck aber'zu Uhrecht erworben. Legenj.Wir die wahrejßedeutung zu Grundej so ergibt «ich unp uitgezw-tmgen der ,Sinn der, Frage:; Warum/essen .wir. sonst andere Kräuter -- und nicht yrto —/und heute * iTWäi' den ,w,ir fsonst nicht essen? Nun wird' man. dieser Auffassung entgegen- " halten: Wir. essen ja auch/das: Jahr' übör Meerrettigi' bezww Kopfsalat; , und dergi '.ja,.;aber. dann/ werden , sie zubereitet ' und Verlieren den Charakter des^vw («s^i 11*1» d»o i^ya). Von Interesse wäre'es;-, zu erfahren, wie anders» sprachliche Uebertragungen unsern Ausdruck wiedergeben/ J ' . - wy&: Briefkasten. /" .. -' 'Lehassir Meschauel. Wir dürfen anonyme Zuschriften auch im Sprech'saal'mcht1 bringen. / jFr. M. Fr. in iBj N.. Ein Manuskript in solchem Umfange eignet sich;kaum für ein Wochenblatt. Besten Dank. ' ~ ' ." _ '."-i.'r..V - 'i-r- Ä. C. Sie müssen Ihre Fragen an einen, Rabbiner richten, aber'' nicht; anonym^ - ' y N. 1) Der Geburtstag ist :am 18. Januar; die msa -ü 22. Jan.-IW. 2) Geburtstag, 1. Aprif, n^tt r^a 2, April yiTD. VVochenkalender. Vöm 27. März'bis 3. -ApriP 19^7^' Vom 15.^22: Nissan 5697^ Sanistag' Sonntag'jr Moütag " pienstag; MittWocft' Donnerstag Freitag Samstag 30 M l 2 3 "•ÖT JJT Jiim?5 ■>? , ■BL HOST 'K' l nosn 'k. .'- ' J' _ nyuan Vitt, :X>X?^2D aiisr" y .^'.noarfr,,, ü^vk'vr.' t\üs% 'H^' ' : ..LI ' lü'

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