Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-03-25 · Heft 12-13 (25.3.1937) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 12-13 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450973--82886-2540847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Nr. 12/13 Oer Israelit 25; März 1937 VT^ Die KEREN HATORAH-SammeIdosö gehört ,n jedes \ad\5ch■/haü>.V Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte Dose n anfordern : Keren Hatora h, Hamb urg 13, H e i n r i c h Barths tra ß e 21 heraufbeschworen, mögen auf Jahrhunderte den logischen F o r t g a n g des Organisationsprozesses hindern, denn gewollt schwerer ist der Sieg des G'tteswillens über menschliche Freiheit, der Sieg über die g'ttgeschafcfene Sin*? NlüO, als die Herrschaft G'ttes über Sonnensysteme und Atome der Natur durch immanente Gesetze. Aber er wird sich so sicher durchsetzen, dieser geschichtliche Organisationsprozeß, wie die g'ttgeschaff ene Natur ihren Weg, den Weg von der naDfl zur J-VlNDri durchlaufen hat. In immer gewaltigerem, von Mal zu Mal sich erweiterndem Rahmen wird sich die Staaten :bildung vollziehen, bis die Fülle der Gruppen-Organismen, der Rassen, Nationen, ^Sprachen, Kulturen sich zu einem großen Organismus 'der Menschheit zusammenfügen, der in vielstimmigem, aber harmonischem Gesang den großen mtpn qv1? TP *nma des nv nwVn anzustimmen befähigt ist. Aber ein Sonnensystem ohne Zentralsonne ist kein System, mag es noch so groß, und ein Atom ohne Atomkern kein lebens-: fähiges Atom, mag es noch so geschlossen sein. Aus dem Innern der Völkergemeinschaft muß der niD^a-Gedanke hervorbrechen; er ist die wollende Seele, die den großen Organismus baut, die Zentralsonne, um die die Völkerplaneten kreisen, der Atomkern, der das Wesen bestimmt. Als Garanten, als Bewahrer dieses ni3^ö" Gedankens hat der Weltenschöpfer Israel mit dem Sabbat vermählt und beide, auf Gedeih und Verderb mit einander, verbunden, als ewige Verkünder der Einheit von Natur und Geschichte in den Geschichtsprozeß hineingesandt. Den G'ttesstaat unter Menschenstaaten sollte das jüdische Volk erbauen, den Staat ,des Sieben - Tage - Sabbats und des Sieben - Jahre - Sabbats als leuchtendes Zentrum der Königsherrschaft G'ttes auf Erden. Es hat nicht sollen sein. In den Glutofen weltumspannender Goluswanderung mußte darum dieses Volk herniedersteigen, in allen Kontinenten an dem schmerzvollen Prozeß des jahrtausendelangen geschichtlichen Ringens der Völker um die rechte Organisation ihres Nebeneinanderlebens und ihrer endlichen Sammlung um den König v^er ganzen Erde teilzunehmen. - Sie nehmen teil, die nn& 'lOIB'' die sich „heiter freuen d e s G ' 11 e s k ö n i g stums" mitten im bittersten Leid, als*F.erm ent und als — Opfer dieses notwendigen geschichtlichen Werdens. In jedem Jahre aber, wenn die Natur das Feierkleid ihres Frühlings anzieht und das Erinnerungsfest des geschichtlichen Frühlings der jüdischen Urgeschichte mit diesem ewig sich erneuernd e n Frühling koinzidiert, wird das jüdische Volk durch den Großen Sabbat für das Verständnis des innersten Sinnes seines Festes vorbereitet., * ■ ■ Es ist der wahre ,,große" Sabbat, weil er, wie keiner sonst, das JVtPiOa nW&b IDT mit dem D'^XB IWS'^ 13T in höchster Potenz vereinigt, der Sabbat der Sabbate der Nation (wie der Sabbat der Sabbate des Individuums am 10. Tischri), 4er die in der Einheit G'ttes wurzelnde Ein h e i t von N a tur u n d Geschichte kündet. An der Erkenntnis dieser Einheit aber hängt das Heil des jüdischen Vol- , kes, das Heil der armen, suchenden, verzweifelnden „Gemeinschaft" der Nationen. Wochenrundschau. Das Schwert des ^slam — Der Papst für die Unterdrückten und Leidgeprüften — Sorgen in Rumänien — Ein weiteres Tor schließt sich — Neue Verfassung in Litauen — Gerüchte über Friedensverhandlungen zwischen Juden und Arabern — Identitätsnachweise — Gutmachung und Ungerechtigkeit zugleich in Ungarn — Das orthodoxe Judentum wird in Österreich geehrt. Das Schwert des Islam wurde Mussolini in Libyen feierlich überreicht, und mit die-, sem Symbol der islamitischen Kraft in der Hand gelobte Mussolini jler mohammedanischen Welt Treue, Schütz und Freundschaft. „Italien versichert die Moslems der ganzen Welt seiner Sympathie. Was ich verspreche, das halte ich auch." Die Moslems dürfen in Mussolini nunmehr den Schutzherrn des gesamten Islam sehen. Das Schwert des Islam ruht leider in Palästina nicht in der Scheide. Es blitzte vielmehr in den letzten Tagen wieder auf und forderte neue schwere Opfer. Mussolini als Schutzherrn des gesamten Islam können', wir Juden nur mit Freude und Genugtuung begrüßen^ denn gerade unter dem weiten Horizonte seiner Politik könnte die moralische Kraft auch de^r Palästina- Araber so gestärkt werden, daß sie, befreit, von: nationalen Leidenschaften, die Befriedung anstreben, wie sie heute unter den Mohammedanern, im italienischen Imperium wirklich eingetreten ist* Daß sich mit der Uefoernahme des ^rotekto-* rats über Arabien die Einstellung Mussolinis gegenüber den Juden nicht geändert hat„ beweist die Tatsache, daß er am 17. Marz auch das Judenviertel von Tripolis besuchte, wo die jüdische Bevölkerung ihm -begeisterte Ovationen entgegenbrachte. Eine Ehrengar.de der Makkabijugend wachte über die Ordnung, und d&r neue Obejrabbiner Dr. Lattes sprach in seiner Begrüßung im Namen der jüdischen Bevölkerung die Hoffnung aus, daß in Wahrung der" italienischen Traditionen der Schutz der religiösen (jüdischen Rechte in Tripolis gesichert bleiben Wird.. Mussolini sprach seine Genugtuung über V den Empfang aus und versprach, die Rechte der. Juden zu schützen, und auch die Juden in Tripolis wissen es", daß Mussolini das hält, was er verspricht. ' V * ,* * Papst Pius XI. erließ eine neue Enzyklika, in der er dem atheistischen Komimunismus den Kampf ansagt und sich gegen dessen falsches Ideal von Gerechtigkeit und Gleichheit, mit dem er die Massen blenden wolle, linit Peßach 5697. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Es ist immer dasselbe Lied, das der junge Lenz alljährlich von G'ttes wundersamer Schöpferkraft singt und das der Menschen Herzen unendlich sangesfroh stimmt, es sind immer die nämlichen Jubelhymnen, die da am Sedertisch Israels Kinder dein Herrn als dem Erlöser Israels und dem treuen Hirten unseres Volkes weihen und die Zuversicht und neuen Lebensmut ins Herz uns gießen, es sind die gleichen Töne, 'die alljährlich ncs a)s /rsen an und 3m n 7et den Saiten unseres Innern entlockt und die für die Ewigkeitsstunde unseres Festes uns empfänglich machen. Wie weichet da der Druck von unsern Seelen und lösen sich die Fesseln unserer Sorgen, daß uns wieder die frohe Gewißheit beherrscht: qvts K-xin r\n „Auch uns hat Er von dort geführt". Auch wir sind erlöst und frei, wo wirzum Herrn uns erheben, zu Ihm als unserm Helfer aufschauen, dem wir uns hingeben mit aller Kraft und Fähigkeit und rwm m-p ris)> nnxai und .singen das ewig junge Lied: wnrfc nnas» i5«-<nn- ,,Er hat uns geführt von Knechtschaft zur Freiheit, " von Kummer zur Freude, aus Trauer zum frohen Tag." Was ficht uns Sorge heute an und was besagen Not und Kümmer? Das 'jv onb „armselige Brot" führt eine gar beredte Sprache, es deutet den jüdischen Traum, der G'ttesnähe, wo immer wir dulden und ringen, es ruft von jedem Blatte der Haggada unserer Geschichte: G'ttes Liebe strahlt und leuchtet auch in •der dunklen Nacht unseres Golus, Wo die# nsa so anschaulich klar und deutlich uns den Schlüssel reicht zum Verständnis unseres Seins, da verliert das Moraur unseres Golus seinen Stachel. Das Leid hat uns gefürstet und geadelt. Das ist der Golusweg. Aus dem Dunkel zum Licht, durch Kampf zum Siege: dürfen wir, wenn wir den Sinn unseres Festes voll verstehen und ganz in unsaufnehmen, ob der Nöte unserer Tage wohl verzweifeln oder auch nur in lähmende Resignation versinken? Gewiß, unser Sederkreis weist Lücken auf, — von Zion aber dringt trostvolle Kunde zu uns herüber. Es grüßen die Kinder ihre. Eltern vom heiligen Boden, ihrer Erfüllung, und mit freudegeächwellter Brust künden sie von dem Glücke froher Pionierarbeit. Freilich, wir werden auch an das Peßachopfer erinnert, mit dem Israels Kinder als G'tterlöste gefeiert und sich der Gnade des Herrn würdig erweisen. Das Gesetz des Opfers bleibt eine ewige Mahnung für uns, daß es die Opfer sind,- die unser Judentum von uns fordert, die uns erst. frei machen und dem jüdischen Blute die volle Weihe geben und das Nationale durch das Religöise verklären. Nicht zufällig ist es, daß wir im Heroldsruf, mit dem die Haggada eingeleitet wird, einem doppelten Sehnen und Hoffen Ausdruck geben, das unsere Seelen durchzittert: „Dieses Jahr hier, das kommende in Israels Lande, dieses Jahr noch Knecht, das kommende frei und erlöst!" Das Land unserer Väter bleibt der Traum und die Hoffnung eines jeden Juden. Winkt *aber auch die Erfüllung, dann bleibt immer noch das Leid des Golus und um so heilloser sind seine Zeichen, wenn die geweihte Erde des heiligen Landes und dessen strahlender' sonnenreicher Himmel nicht g'ttgetreue Israels Kinder schafft, -die nur in Sand und Stein bauen, und nicht für unseire heilige Lehre werben. ' I Von Mizraim zum Sinai, das soll und muß uns Beispiel und Vorbild sein, wo immer wir sind un$ unser karges Dasein führen. Dann sind wir wirklich nicht arm und verlassen. Dann gilt uns doch der Zuruf des treuen Freundes, dem. Sulamit mit pochende* Seele entgegenbebt: Wims -pn „Schön bist du) meine Traute!" Schön, wenn du den Weg gehst, auf dem du dich in deiner Treue und Hingabe bewährst und als ein Vorbild edler Selbstverleugnung und!unA entwegten G'ttvertrauens dich bewährst! Die vier „Kinder" der Haggada. Von A. Mannheimer in Dettelbach. In den schönen Tagen der Kindheit, die allere dings weit zurückliegen, betrachteten wir oft Und immer wieder von neuem die Bilder der „vier Kinder" in der Haggada. Wir-vertieften uns in sie mit der Naivität, die kindlichem Gemüte eigen ist. Die Phantasie fand, wie immer bei Kindern, reichliche Nahrung und spann ihre Fäden ganz von selbst weiter. Die drolligen Stellungen der vier, welche die- Fragen widerspiegeln sollen, die ihnen die Haggada i in den,. Mund legt. Wir suchen eine innere Harmo- | nie zwischen Wort und Bild herzustellen. Ein wenig Kritik ruht auch schon im kleinen Kinde. Es stimmt I nicht so ganz. Wie der ■»»- dargestellt ist,Wder Vielleicht etwas zu drastisch? Doch beruhigte man sich wieder, der Reiz am Bildchen überwand leicht alle inneren Kontraste lind realen Konflikte. Spät, reichlich spät, entwand man sich dem seelischen Bahne, in den uns die starke -kindliche ^mp-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.