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Der Israelit · 1937-03-25 · Heft 12-13 (25.3.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 12-13 (25.3.1937)
Date
1937-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^p»^^l'^9f}\fi)0^m^^*-^"^rs(H> "yx. 25J|März 1937 ^^l^^ps^^^^^^^^^^^^s^^^^^^ D; e r I s eHt' Nr. 12/13 Seite 3 Natur und Geschichte im Lichte der jüdischen Überlieferung. {Fortsetzung von Seite 1.) . i •r Etwas besser steht es gewiß schon mit der Gedanken zeugenden "~Kraft des wöchentlichen Sabbats, dort'wenigstens, wo er nicht nur als Tag der physischen Ruhe begangen, sondern mehr oder/ minder bewußt in Gebet und Thorastudium als, 'Höhenweg zur g'ttlichen Wahrheit erfaßt wird. Wenn aber im Kreislauf des, dereinst in der ägyptischen Knechtschaft begonnenen jüdischen National-Jahres (der Mond sehie Bahn' um die Erde zwölf mal vollendet hat, und dann jedesmal die bange Frage sich erhebt, ob das j ü d i s c h e National jähr seinen Zusammenhang mit dem Sonnen ja h r nicht gänzlich verloren hat; ob nicht die .Frühlingsklänge unsrer Peßach- Litlirjgie in den Ländern der Gola von dem Sturm und dem iRegen, von Eis und Schnee der Winterlandschaft draußen Lügen gestraft und zu unwirklichen Träumen gestempelt werden — dann erwacht auch das stumpfste Gemüt zu jenem ersten Fragen und Sehnen nach Klarheit, das, die Voraussetzung für: wahre Erkenntnis ist. Die überlieferte jüdische Kafenderordriung, das *myn IIb» knüpft in der Deutung des Satzes 'ära sn i^/T n a nns ovn den Termin des. Peßachfestes an die-Bedingung daß der 1 4; N i S s ä n bereits in die Frühlings-Tektifä fallen muß, Heißt ja tinifli*» enger e n Sinne nur die e r s t e , die" „ n e u e " Hälf te des Mondmonats und der w ö r 11 i c h e Sinn des oben zitierten Satzes wird nur mit Hilfe dieser Voraussetzung verständlich. Wie könnte man sonst einen ganzen Monat, 29 Tage, in den Ausdruck "cirfi" „heute'' zusammenfassen: „Heu t e; zieht Ihr hinaus, -im Halm - M o n a t "? Ein Monat besteht ja aus vielen „Heute". Ist aber, der - Satz (wie Rabbi Jecheskel Landau V'XT -im n"^X aus anderen Gründen[ unwiderleglich nachgewiesen hat) a m 1 4,. N i s s a n nachmittags gesprochen, so besagt er eben nichts Anderes, als daß a n j e n e m Tage bereits, aber grade ferst; an diesem Tage, die F r ü h l i n g s - Tek u f a eingetretenund der geschichtliche Früh- 1 i n g der jüdischen Nation in absoluter Kongruenz mit dem F r ü h l i n g d e r N a t u r die durch' "den G'ttes-Einheits-Gedanken gewährleistete E i n h e i t von Natur und G e - schichte laut, verkündete. , Jenes einmalige geschichtliche Zusammentreffen wurde" aber x zur .ewig gültigen. Kalenderregel, so daß, wenn der 14. Nissan noch in die Wmter-Tekufa fiele, ein Schaltmonat die Kongruenz zwischen Natur und Geschichte wieder herstellen müßte. So ward das jüdsiche Volk, vom Tage seiner geschichtlichen Geburt an zum Träg e r. d i e s e s E i n h e i t s g e d a n k e n s geweiht und sein Geschick, mag es sich über Zeiträume von Jahrtausenden in tausend unübersehbaren Verwicklungen bis zur Unentwirrbarkeit zusammenballen, ist — aus der Tiefe metaphysischer Planung — nur mit Hilfe jenes über ihm schwebenden Losungswortes der (W e 11 - e i n h e i t aus der G ' 11 es e i n h e i t zu verstehen. .... , II. Wenn. wir den'Weg der neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnis überblicken, den die menschliche Forschung in den letzten 150 Jahren durchschritten hat, so ergeben sich drei große Entdeckungen, oder besser und1 vorsichtiger gesAgt^T e n d e n z e n , die durch eine Fülle bewiesener Tatsachen wahrscheinlich. ger macht und über den 'bloßen Hypothesencharakvter hinaus als E rken n t ntsse gewartet wer* den können. , f Es ist einmal die Auflösung der; s t a r r e n Materiein wirkende Kräf t!e, so daß der Dualismus von Substanz und Kraft ■prinzipiell mehr und mehr verschwindet und Stoff und Kraft zusammen in Wirklichkeit nichts . anderes werden, als Bewegung in millionenfacher Abstufung und Variierung, vomlangsamsten, absolute Trägheit vortäuschenden Atom'des festen Korpers bis zu dem. in unvorstellbarem Tempo schwingenden RadiümstrahlönrAtom. Das zweite große Geheimnis aber, das die moderne Forschung zur maßlösen Ueberraschung einer in den Umklammerungen des mechanistischen und materialistischen^ Weltbildes groß gewordenen! Forschergeneration — noch y 0 r dem zuerst genannten — enthüllt hat, ist die grandiose E i n h e i t s t e n d enz , die.;? das ganze Weltall durchwältet. . ■ '"'.'i ' / Nachdem -man unter der Herrschaft der am Einzelnen ■' haftenden, mateHalistischeh :Chemie, etwa aA Millionen. 'zusammenhangsloser Stoff-Individuen .entdeckt hätte,: wurde, diese Anarchie des Stoffes zunächst auf nur 9 2 Atomarten — geordnet in einem, nicht abzuleugnenden ^System — zurückgeführt.« Je mehr aber das Wesen dieser A t o m e, dieser untersten Bausteine der Wirklichkeit, der Forschung sich entschleiert, desto klarer, stellt sich das Atom — jedes Atom — wieder als die einheit- 1 i c h e Anordnung eines um einen K e r n k r e isenden Systems von Grundbestandteilen (Protonen und Elektronen) dar/ Mit dieser Struktur aber ist das unendlich Kleinste im Weltall dem Umfassendsten, das der Beobachtung zugänglich ist,: dem Sonnensystem völlig gleichgeordnet, und das Auge des „voraussetzungslosen" Forschers, das JaRrhunderte hindurch geblendet gewesen war von der systemzerstörenden, verwirrenden Fülle der Einzelgrößen im Weltall, sieht plötzlich einen grandiosen, wohlgegliederten Einheitsbau der N a t u r vor sich, der ■ seine Herkunft aus dem T»»Jin rinn»' aus der Einheit des Schöpferwillens nimmermehr verleugnen kann. Ja, die oben erwähnte Umwandlung der starren Materie in verschleierte. Kraft legt auch dem ungläubigen Denker den Gedanken nahe, daß die gesamte materielle Welt nur eine formale Verfassung, ein Ausdruck des überzeitlich P S y C h i s C h - G e i s t ig e n , im Grunde also nichts anderes sei als das Gewand des Licht schaffenden schöpferischen G'ttesgeistes: ^•Frrapn «pjrrüff 7öVa naV^ra 11« ntsiy Trägt uns Juden so die neue Wissenschaft der Natur aus ihrerA Werkstatt schwer erarbeitetes Geistesgut entgegen* das uns als Widerstrahl überlieferter, lange verj kannter und verlachter, Wahrheit erscheint', so können wir uns heute kaum mehr dem5 Versuch entziehen; diese Konsequenzen der Natur er-- k e n n t h i s auch auf die ja nicht minder rätselvolle G e s c h i c h i e anzuwenden. III. Zwischen ' die: abgeschlossene Natursvc h ö^pvf ii n g aus dem Licht des Geistes und die beginnende W e 11 g e s c h i cht e als $chauplatz freier Menschentat stellt die Thora-Offenbärun^ den Sabbat. Er ist :das tßand, das N at ür und G e schichte verknüpft und1 die Erreir chung des mens c h eng e s c h ich tli c h en: Zieles des scheinbar blinden Naturprozesses gewährleistet. ' Nicht umsonst führt jeder Kiddusch den Sabbat zugleich als; rV>B>K12i TW^Vh *1ST und als *DT D'ISÜD nS'S'V bei uns ein. Rückwärts gewandt drückt er der geschaffenen Natur das dreifache Signum ihres Geworden sei n s aus dem G ' 11 e s - geiste, ihrer e w i g e n existenzi eilen Abhängig k e i t v o ndem wirkenden Kraftzentrum des Schöpferwillens und der grandiosen Herrlichkeit ihrer auf Einheit in der Mannig fal-, tigkeit beruhenden Schönheit auf.*) Vor w a r t sgewandt,, trägt der Sabbat in die Wirrnis der menschlichen Freiheit und den aus ihr erwachsenden G e scliichtsproz c ß die große Leitlinie der Hinsteuerung dieses Prozesses zum D'üJ l? IHa VU' zum Kiön i g tu m G ' 11 e s üb e r di e N a ti.o.nen un d Individuen hinein;. .■/'■• Der Sabbat, zwischen' der zur Natur erstarrte n — und erst von modernster wissenschaftlicher Erkenntnis wieder; „aufgelösten" — Schöpfung, und der, ebenso scheinbar, völliger W i 11 k ü t preisgegebenen , G e?s.c h ich £ e stehend, ist der an den; Zeitverlauf gebundene Ausdruck der Identität der.. -rb eiden; G'ttesnamen: tZPpbx und :',> Jener trägt die Schöpfungsgeschichte, dieser erscheint als K o n se q u e n z des Sabbats, erst nach seiner Einsetzung. Auf diese Identität;aber —'• .■ . nrrna pKk>yi -.to;Dwa ö?pto.:Hin'n ^. gründet sich daslapidare 3 bat" — das „ d e s w e g e h-y,..des Olenu-Gebetes, mit dem so viele Märtyrer des Sabbat-Volkes die Scheiterhaufen bestiegen haben! ] D b "3> d e s w e g e n —r w e i l, Natur und Geschichte die^ Schöpfung . des einen, einzigen G'ttes sind, w e i I die Geschichte nur. die geradlinige, ob auch^tausendfach sublimierte Fortsetzung des d a u e r n d von G'ttes Kraft, getragenen Naturprozesses darstellt, |D V V d esw e g e n d ü r f e n wir unter allen Martern und Katastrophen geschichtlichen Erlebens die hoffende Erwartung hegen, insr nissna mna mK'tf?' eine neue Art v o n ts *1« 9 fle in g neue A r t „iS c h ö n h e i t " eine neue Art von „ E i n h ei t i n der M annig f a 11 i g k e i t nämlich T Vtf rVlKSfl' nämlich die Schönheit der Geschichte, die Schönheit der G' t - tesherrschaf t (tw ist identisch mit ftlD^ö) zu erblicken, HtZ? mD^nn D^ltf TpnVdie Welt endlich ihrem ]ij?rt' ihrer Vollendung zuzuführen durch die... Königsherrschaf t des Allgenuaonaen. IV. Sind aber Natur und Geschichte ein gradlmiiger Prozeß, warum sollen, sub specie aeterni, nicht die in der Erforschung der Naturerscheinungen erworbenen grundlegenden Erkenntnisse — nachdem sie von uralter offenbarter Ueberlieferung gestützt und legitimiert werden — nicht zur ahnenden Varausschau der Entwicklung des Geschichtsverlaufes dienen dürfen? Die Analogie der Struktur des Sonnensystems und des Atoms, so wie sie Zeugnis ablegt von der großen E i n h e i t der Welt, sie darf vielleicht auch als Vorbild dienen für den geschichtlichen Organisati o n sprozeß der Völkerwelt. Aus den atomisierten Individuen bauen sich zunächst Rassen, Völker, Staaten auf; ungeheure Verwicklungen, von der gknzen Leidenschaft menschlichen Ringens um Macht und Geltung *) Die Analogie zu van P'na »n"An ebenso ungezwungen: wie überraschend. ergibt sich Garantie für prima Qualitäten u. la Sitz fertige Leinen-Anzüge „ Garbadine«Mäntel „ KnlckerbOCker UPD Verarbeitung „ SftraßenanZÜge Prima Referenzen Ä'uch für Auswanderer ^omme nacb auswärts Bekannt für gute Maß-Arbeit A. J. NEUGEBAUER D lp lo m - Sc hneidermeister UHLANDSTR. 57 Tel. 44028 Ecke Hanauerldstr., Haltestelle 14 u.18

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