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Der Israelit · 1937-03-18 · Heft 11 (18.3.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 11 I s r a c I i,t 18/März 1937 sen. Ein solches Gesetz würde sich insbesondere gegen die Juden richten, die überwiegend Städtebewohner sind und denen die militärische und Beamten laufbahn praktisch völlig verschlossen ist. Der Ge setzentwurf ist von dem Handelsminister Valer Pöp, einem früheren Mitglied der antisemitischen Cuzisten liga, mit Unterstützung eines Angehörigen der gleichfalls judenfeindlichen Nationalen Front, Motteanu, ausgearbeitet worden. Nach mehrstündiger Aussprache hat der Zentral* rat der rumänischen Juden beschlossen, an König Carol II., den Ministerpräsidenten Gheorghe Tatarescu und den Handelsminister Pop eine Kundgebung zu richten, in der der König und seine Minister der tiefen Ergebenheit der jüdischen Bevölkerung gegen* über dem Thron und ihrer unwandelbaren Treue zum Vaterland versichert werden. Im Anschluß daran wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß keine Maßnahme getroffen werden wird, durch die Rechte geschmälert Werden würden, die durch die Verfassung gewährleistet sind. Es wird darauf hingewiesen, daß nach den Bestimmungen der Verfassung kein Unterschied zwischen rumänischen Bürgern nach Bekenntnis oder Glauben gemacht wenden darf. Polen. 50% des Fleischhandels m Polen aus jüdischen in nichtjüdische Hände übergegangen. Im Senat wird vollständiges Verbot des Schächtens gefordert, Warschau, 9. März. In der Sitzung des polnischen Senats vom 9. März wurde von mehreren Rednern ein vollständiges Schächtverbot anstelle der bisherigen Kontingentierung des zur rituellen Schlachtung zugelassenen Schlachtviehs gefordert. Der Senator Wierzynski erklärte, die Bestimmungen des neuen Tierschlachtungsgesetzes würden von den Juden dazu mißbraucht, die Landesgesetze zu sabotieren, um ihr früheres Monopol im Fleischergewerbe zurückzuerlan* gen. Der Landwirtschaftsminister möge daher das Gesetz in der Weise abändern, daß die rituelle Schlachtung vollständig verboten wird. Landwirtschaftsminister Poniatowski erwiderte, man müsse Geduld haben und die Auswirkungen des neuen Gesetzes abwarten. Da das Gesetz erst seit zwei Monaten in Kraft ist, könnten sich die gewünschten Ergebnisse noch nicht restlos zeigen. Der Minister versicherte, daß aber schon jetzt 50 Proz. des Fleischhandels aus jüdischen in nicht jüdiche Hände übergegangen seien. Er sei davon überzeugt, daß in kürzester Zeit das Fleischergewerbe und der .Fleischhandel zum größten Teil in nichtjüdischen Händen sein würden. Die volle Auswirkung des Gesetzes müsse noch abgewartet werden. Schwere judenfeindliche Ausschreitungen an den Warschauer Hochschulen, — Zwanzig Verletzte. W a.r s c h a u , 15. März. Anläßlich der am Montag durchgeführten Wahlen zu den Leitungen der polnischen Studentenverbände ist es an der Warschauer Universität und an der Technischen Hochschule zu schweren judenfeindlichen' Ausschreitungen gekommen, bei denen zwanzig jüdische Studenten verletzt wurden, sechs von ihnen schwer. Die Unruhen begannen damit, daß die Nationaldemokraten durch beleidigende Zurufe gegen den freis heitlich gesinnten Professor Kotarbinski demonstrierten, der wiederholt seinen Abscheu über die barbarischen Ueberfälle auf Juden Ausdrück gegeben hatte. Die Nationaldemokraten stürmten den Hörsaal des Professors und mißhandelten die dort anwesenden jüdischen Höfer. Vier jüdische Studenten wurden dabei schwer verwundet. Aehnliche Vorfälle ereigneten sich dann auch an der Technischen Hochschule. Die sechs schwerverletzten Juden wurden ins Krankenhaus gebracht. Universität und Technikum sind behördlich geschlossen worden. England. Neue Vernehmungen durch die Kgl. Kommission. London, 14. März. Die zur Untersuchung der Palästinaunruhen eingesetzte Königliche Kommission hat, wie amtlich bekannt gegeben wird, neuerlich eine Reihe von Vernehmungen in geschlossener Sitzung durchgeführt. Aussagen machten der Earl of Winterton, der sich im Oberhaus wiederholt für die Forderungen der Araber eingesetzt hat, der erste High Commissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel, der frühere Kolonienminister Winston Churchill, unter dem im Jahre, 1922 das Weißbuch zur Interpretierung des Palästinamandats veröffentlicht wurde, und Sir Francis Humphrys, der seit Oktober 1929 High Commissioner für den Irak war. Die Möglichkeit kultureller Beziehungen zwischen den Juden in Indien und in Palästina,. London, 11. März. Im Anglo Palestinian Club hielt Dr. Immanuel Olsvanger einen Vortrag über „Die Juden in Indien", in dem er auf Grund der Beobachtungen, die er vor kurzem während seines dreimonatigen Aufenthalts in diesem Lande machte, eine eingehende Schilderung der Zusammensetzung und der kulturellen Verhältnisse der indischen Juden gab. Insbesondere befaßte er sich mit den Bne Israel und regte an, daß junge Palästinenser inach Indien entsandt werden, um den Bne Israel die hebräische Sprache und die moderne hebräische Kultur Palästinas zu vermitteln. Unter den Bne Israel sei die Zionsliebe sehr stärk und die palästinensischen Lehrer würden großem Lerneifer begegnen. Andererseits wäre zu wünschen, daß Juden aus Indien nach Palästina kommen und die wertvollsten Elemente der Wischen Kultur in dassich entwickelnde geistige Leben des Landes verpflanzen. Anfragen im Unterhaus über Gesundheits-Schutz und Arbeiter-Fürsorge in Palästina, London, 10. März. Auf eine Anfrage des Abgeordneten McGovern über die Möglichkeit der Einführung einer Arbeitslosen: und Krankenversicherung durch die Palästinäregierung sowie die Errichtung von Kinderkliniken und anderen Institutionen zur Förderung der Volksgesundheit antwortete Kolonienminister Ormsby- Gore in der Unterhaüssitzung vom 10. März, daß nach Ansicht der vom High Commissioner 1932 eingesetzten Kommission für Arbeitsgesetzgebung die Einführung der obligatorischen Krankenversicherung verfrüht wäre, da große Teile der arabischen arbeitenden Bevölkerung unorganisiert sind und eine derartige Gesetzgebung bei ihnen unwirksam wäre. Die Palästinaregierung sei noch immer der Ansicht, daß derartige Maßnahmen zurückzustellen sind, bis ihr Erfolg mit größerer Sicherheit gewährleistet erscheint. Dasselbe gelte von einer obligatorischen Arbeitslosenversicherung. Die Palästinaregierung sei bemüht, ihr Programm für die Durchführung öffentlicher Arbeiten so zu gestalten, daß es etwaige Notstände sämtlicher Bevölkerungsteile durch Arbeitslosigkeit beseitigen kann. Was die Volksgesundheit betrifft, so würden von dem Gesundheitsdepartment der Palästinaregierung die Einrichtungen für Mutterschutz und Jugend* fürsorge, für den Unterricht in Hygiene, für die Bekämpfung der Augenkrankheiten usw. ausgebaut. Die Malaria-Bekämpfung stehe auf hohem Niveau und neben dem vollständigen jüdischen Jugendfürsorgedienst, dem die Regierung eine jährliche Beihilfe gewährt, gebe es zwanzig von der Regierung erhaltene und sämtlichen Bevölkerungsteilen offen stehende Kinderfürsorge=Zentren und zehn Kinderkliniken 'der Regierung in rein arabischen ^Dörfern. Der Abgeordnete McGovern wies darauf hin, daß die Kosten der Arbeitslosenversicherung zum großen Teil von den jüdischen Lohnempfängern getragen; werden. Es schädige den Ruf der Regierung, wenn Pflichten, die die Regierung zu erfüllen hätte, der karg entlohnten arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet werden. Der Minister möge darauf hinwirken, daß., die von den Arabern benötigten sozialen Reformen durchgeführt werden. Minister Ormsby-Gore stimmte der Ansicht'zu, daß solche . sozialen Reformen notwendig sind. Fraglich sei nur, ob die Regierung eine Zwangsversicherung, für die Araber einführen soll. Es würde besser sein, wenn der Abgeordnete statt im Parlament Fragen ZU stellen, ihm, dem Minister, Vorschläge machen würde, die geprüft werden könnten. Auf eine weitere Frage desAbgeordneten McGovern gab der Kolonienminister die Ausgaben der Pa-' lästinaregierung für; Straßenu nd Brückenbau seit 1924 bekannt. Sie betrugen 1935/36: 201,010 und 126.338 Pfund;; für 1937/38 könnten Angaben erst nach Genehmigung des Voranschlags gemacht werden. In schriftlicher Beantwortung von Fragen desr Abgeordneten Major Procter gab der Kolonienminister bekannt, daß vom Beginn der Zitrussaifion bis zum 9. März rund 200.000 Kisten Orangen über den Hafen Tel*Awiw versandt worden sind; Die Frage der Hafenanlagen von Tel Awiw und Jaffa werde jetzt geprüft und eine fachmännische Untersuchung zu diesem Zweck " durchgeprüft. Die Einwohnerzahl der vier größten Städte Palästinas gab der Minister auf Grund der letzten Schätzungen aus dem Jahre 1935 für Jerusalem und Tel Awiw mit je 110.000, .für Haifa mit 85.000 und für Jaffa mit 74.000 an. Die entspre* chenden Zahlen nach der Volkszählung von 1922 seien für Jerusalem rund 63.000, für Tel Awiw 15,000, für Haifa' 25.000 und für Jaffa 23.000. Vergleichende Zahlen über die städtischen Einkünfte werde er von dem Leiter der Palästinaregierung anfordern. Italien. Brief aus Italien. LombroSo und Sacerdoti. — Jüdische Kunst u/nd Künstler, Rom, 11. März. Die Stadtverwaltung von Rom hat beschlossen, eine Straße nach dem Anthropologen und Psychiater Cesare Lomhroso zu benennen, dessen 100. Geburtstag im November v. J. gefeiert wurde. Lombroso entstammte einer hervorragenden jüdischen Gelehrtenfamilie, die ihre Herkunft aus Spanien ableitet. Er starb 1909 in Turin. Neben seiner wissen» schaftlichen Arbeit fand er noch Zeit, sich tatkräftig für den Rechtsschutz notleidender Teile der ' Judenheit in den verschiedenen Ländern einzusetzen. 189-4 veröffentlichte er eine Schrift „Der Antisemitismus und die Juden", in der er, gestützt auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung, sich mit den gegen die Juden gerichteten Vorwürfen auseinandersetzte. Die Jüdische Gemeinde in Rom hat ein Sammeibuch zum Andenken an ihren verstorbenen Oberrab* biner Prof. Angelo S a c e r d o t i herausgegeben. Das von dem Professor für hebräische Literatur an der Universität Rom, Umberto C a S S U t 0 ( redigierte Gedenkbuch enthält eine Biographie Sacerdotis und eine Auswähl seiher Schriften und Predigten, In Rom fand eine Ausstellung der Werke des italienisch-jüdischen Malers Ulvi L i e g i statt, eines der hervorragendsten Vertreter des italienischen Impressionismus. Die Ausstellung wurde von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten der italienischen Gesellschaft besucht. Ein Gemälde wurde von der National* galerie für moderne Kunt in Rom erworben. Amerika. Die Mutter und die Gattin des amerikanischen Staatspräsidenten übennehmen das Protektorat über eine jüdische Wohltätigkeitsvorstellung. .< New York, 12, März. Frau James R o o & e v e 11, die Mutter des Präsidenten der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt, und. seine Gattin. E11 i n o r haben neben afl* deren hervorragenden Persönlichkeiten das -Protektorat über eine Festvorstellung übernommen, die atfl 20. März im Maddison Square Garden zugunsten des Jüdischen Waisenhauses in New York stattfindet. -

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