Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1937)
- Date
- 1937-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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;-f-.=->^-.«^<:f^^ Seit© 6 Nr. 11 De r I s r t e I i t 1& März;v1937 „Nacht" nicht die "wenigen Stunden der Finsternis oder des ruhigen Mondenscheins, die .bald dem Anbruch des neuen Tages in vorher zu berechnenden Abständen weichen, gemeint, sondern ihm war, wie uns allen oft, das Wort „Nacht" gleichbedeutend mit Zeiten des Niedergangs, wo die Sonne des Glücks dem Dasein nicht scheint, keine wärmende Strahlen in es sendet, um es zu befruchten. R. Eleasar b.iAsarja lebte in einer solchen Zeit, da den Juden unter dem Druck der Hadrianischen Verfolgungen . ihr religiöses Sein fast unmöglich gemacht wurde, da sie es nur in verborgenen Stellen ewiger Nacht, fern der Tagessonne leben konnten. Nichts erinnerte in jenen Zeiten mehr an die Hochstimmung unserer Ahnen, als sie aus Aegypten hinauszogen.- Düster wiar es in. jden Juden und um sie herum geworden. Undubei einem Seder solcher Zeit stellt,^ R. Eleasar b.: Asarja seine Frage, warum man noch immer vom Aus-- zug aus Aegypten erzähle und nicht — wenn man schon mit. Hinblick auf, die^.Vergangenheit dem Volke Trost und Mut zusprechen wolle — auf zeitlich näher fügendeT Ereignisse hinweise, in denen G'tt Huld'und Beistand gewährt hat. -••Deich mit1 einem Zitat aus'1 der Schrift ' widersprach ihm Ben Sorna. ' i ^' ' "' ■■■■■> ■■ *]"n •'»•» b6 c-tta p«a *]nss dt»'hk .iiDin jsnafr „ Alle Tage deines Lebeiis sollst du ' des Auszuges aus Aegypten gedenken,*'-wobei das Wort-: chen „alle" auch die Zeiten der Niederung einschließt, mögen dieser jeweils noch so viele Beweise g'ttlicher Hilfe zeitlich näher stehen. Denn die 'Befreiung unserer Vorfahren aus Aegypten' ist ein grundlegendes und einzigartiges Ereignis in unserer Geschichte. Weder wurde das in Sklaverei befindliche jüdische Volk durch seine Herren emanzipiert, noch erlangte es durch einen Sklavenaufstand seine Freiheit, wie das eine oder andere in der Völkergeschichte schon vorgekommen ist. Sondern, wie die Thora uns, erzählt, G'tt selbst ließ sich hernieder, um Israel zu befreien und das so erlöste Volk sich zum Volke zu nehmen. Befreiung und' Auszug der Juden liegen so über jeder geschichtlich-politischen Sphäre, und werden zu einem geschichtlich-religiösen Ereignis, dessen wir gerade in der „Nacht" gedenken sollen, um durch dies Vertiefen in die Erinnerung den Weg aus der Nacht zum Morgen zu" finden. Denn um der Aufgabe willen, G'ttes Volk" zu sein, wurde Israel erlöst, und die Stunde seiner Befreiung. weihte es zum Träger dieser Aufgabe, Hätte. Israel diese Aufgabe nicht übernommen, hätte, "es sie dem y^n der Haggada gleich als nTOS?' als schwere Fron empfunden'; nur graduell von der ägyptischen unterschieden, "TJ KV es wäre nicht erlöst worden, denn es hätte nicht verdient, erlöst zu werden. So begreifen wir, warum wir des Auszuges' aus Aegypten auch in den Nächten Erwähnung tun müssen,-;in den Nächten unseres Seins, die über uns kommen, weil wir--religiös-geschichtlich gesehen — unsere jüdische Aufgabe als ntOS' als Frön betrachtet haben. In diesen Nächten sollen wir des Auszuges aus Aegypten gedenken, weil wir. erwarten, daß in der Erinnerung des geschichtlichen Ereignisses uns auch sein religiöser Sinn aufgeht,, und wir begreifen lernen, . daß Nacht im Völkerleben nur überwunden weri ctpn kann, wenn man sich auf seine Bestimmung . besinnt und ihr gerecht wird, sie strahlen läßt als das . Licht in der Finsternis. *nSöb MTian- ^31 riaiPÖ HT Tin und je. mehr einer vom Auszug jaus Aegypten erzählt, desto lobenswerter ist er, denn je mehr er sich in dieses Ereignis nach allen Richtungen vertieft, desto stärker wird er ..den religiösen Sinn verstehen und ihn in seinem Ewigkeitswert begreifen. So wird denn die Haggada, die Erzählung vom Auszug aus-Aegypten, zu einer echten Erinnerung, zu einer Erinnerung, die nicht nur Vergangenes, Einmaliges ^füj kurze Zeit wieder -vor uns treten läßt, sondern die Vergangenheit für Gegenwarf und Zukunft nutzbar macht,, sie in unser Inneres unausrottbar einsät, .dlimit wir ihre allzeitliche Bedeutung Tiicht vergessen. - All das kann uns keine ändere Befreiung wie die, aus Aegypten lehren; denn jede anders Befreiung folgte auf Nächte, durch eigene Schuld "entstanden und-geschwunden durch däS Wiederbesinnen? auf unsere Aufgäbe. Diß Erinnerung ari den Auszug aus Aegypten aber führt uns an die Quelle .unserer Aufgabe nnd Bestimmung, läßt sie,, die nur-verschüttet lag, wieder kräftig in" uns sprudeln. Niemand vermag, dieser Quelle zu entraten,. Wer sie zuschüttet, , schüttet' sein jüdisches Sein zu, macht sich für eine wahre jüdische Gemeinschaft unfruchtbar. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Semesterschluß an d«r Tho«uLehranstalt Jeschiwa. Frankfurt a. M., 15. März. Wie alljährlich bildete das große Verhör in dem schönen Hörsaal in der Friedberger Anlage den Ab= Schluß des diesjährigen Semesters. Es war ein Genuß, zu hören, mit welcher Präzision und welchem Eifer, Bachürim aus allen Gegenden Deutschlands, die teil-, weise vor noch nicht-allzu langer Zeit dem Talmudstudium ferne standen, den an sie gestellten Anforderungen gerecht wurden. Ganz besonders zeichneten sich die oberen Gruppen aus, welche bereits selbständig lernen und der Hoffnung Raum ..geben, daß, bei weiterem Lernen sie zu tüchtigen Bene Thora heranreifen. - Das Verhör erstreckte, sich von Donnerstag bis" auf Sonntag in die siebente Abendstunde, bei welcher dann unter Anwesenheit des Kuratoriums und zahlreicher Gemeindemitglieder Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer die Schlußansprache hielt und seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß es trotz der Unr gunst der Zeit möglich war, die Jeschiwa mit ihren ca. 150 Schülern in ihrem Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten. Er sprach den Dozenten auch der JCindergruppeD. der Verwaltung der Israelitischen ReIigionsgeselischaft, dem Kuratorium und dem großen Kreise der Gönner der Jeschiwa namens der Leitung tiefemp* fundenen Dank aus. Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer entwickelte des weiteren in .packender Weise vor allem an Hand der tiefgründigen Deutung des Midrasch zum Psalm 121 die innige Verbundenheit, welche "die Jeschiwa mit jedem einzelnen ihrer Hörer -verknüpft. In ergreifenden Worten legte er den scheidenden Hörern die Verantwortung dafür auf, daß sie auch in ihrem späteren Leben' ihre Zugehörigkeit zur Jeschiwa in jeder Lebenslage bewahren. Die mahnenden und aufrüttelnden Worte klangen in dem Wunsche aus, daß vor allem'diejenigen der Hörer, welche nach Erez Jisroel übersiedeln,' ihren Stolz darein'setzen, sich als Jünger und Zöglinge der Jeschiwa zu betätigen. Forderung nach einer konservativen Schule in Berlin, Berlin, 12, März. Auf einer Versammlung, die von der Berliner Misj-achirGruppe gemeinsam' mit dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums und dem Verein | gesetzestreuer Lehrer'tind Lehrerinnen-, im Brüdervereinshaus Berlin veranstaltet wurde^ erheben die religiös-konservativen Kreise der-Berliner JüdTsehen Gemeinde vor der Oeffehtlichkeit die'Forderung nach der thoratreuen' jüdischen . Schule im allgemeinen und im -besonderen nach der . Errichtung einer solchen Schule durch die Jüdische Gemeinde Berlin. "Die Kundgebung war sehr stark besucht'. Der Schüldezernent im Vorstand der Berliner ^Gemeinde,'1 R.-A. Dr. Alfred Klee wohnte, der Veranstaltung: bei. r . Man sah äußerdenv zahlreiche Repräsentänteh. und Rabbiner der . Gemeinde, Das Mitglied des - Vorstaindes der Berliner Jüdischen Gemeinde, Adolf Schoyer, der den.Vorsitz führte, erläuterte einleitend die Forderung nach einer thoratreuen Schule und begründete; die Notwendigkeit einer solchen gesetzestreuen Schule mit' den Verhältnissen,. die auf den Einheitsschulen herrschen. Oberrabbiner Dr. Carle b a c h , Hamburg, gab-'. in hinreißenden Worten eine Schilderung des Generationenproblems nach der Auffassung des Juden* tume . und seiner Lösung,- Ohne die Kultur der Ewigkeit habe das Leben keinen Sinn. Die Anerkennung der , hebräischen Sprache in einer jüdischen Schule sei heute selbstverständlich; aber eine (jüdische Schule ohne die Ewigkeitswerte der Jahrtausende sei wie. ein Kelch ohne Weift. Eine: jüdische Schule" könne nur eine gariZejüdische' SchuleMsein*. (Man könne der Jugend nicht!G'tt; nehmen; Rabbienr'N o b e 1, der Vorsitzende des Vereint gesetzestreüef^ Lehrer ünd Lehrerinnen, ging auf das Verhältnis Zwischen "Lehrer und' 'Schüler ein. Die"' gesetzestreuen' Lehrer könnten beurteilen, wie notwendig eine gesetzestreue. Schule in Berlin sei. Rabbiner Dr. A11 in ahn warnte vor der Anbetung einer Gefühlsreligioh und dem Schwelgen in einem „Erhobensein". Für die Erziehung 'entscheidend sei auch das, was im Elternhaus geschieht.* Dadurch, daß in einer Schule .Lehrer verschiedener Richtungen unterrichten, sei; überhaupt , keine Sehule vorhanden. Es müsse , eine planvolle, religiöse Erziehung gewährleistet sein. Zum Schluß erhob. Rabbiner Dr. Harry Levy nochmals mit allem-Nachdruck die Forderürig, daß die Berliner, Gemeinde eine thora? treue Schule errichte. Die konservativen Kreise würden' von dieser Forderung nicht abgehen. So solle auch diese Kundgebung nur ' der Auftakt für eine großzügige Propaganda für die konservative Schule ■ sein, die iceine1 reaktionäre Schule sein würde., Jüdische Aerzter und die Kranken-Versorgung von Reichsbahn~Beamten. * . ... Berlin, J.5. März.- Im „Aerzteblatt für Berlin" . wird eine Bekannt* machung des Vorstandes der' Reichsbahnbeamten- Krankenversorgung wiedergegeben, wonach mit Wirkung vom 15, März 1937 die Erstattung der Rechnungen ,> und Verordnungen aller jüdischen Aerzte, Zahnärzte., und, .Dentisten von der;,Krankenversorgung" abgelehnt wird. Dieser Ausschluß der Erstattung wird auch auf diejenigen jüdischen Aerzte, Zahnärzte und Dentisten ausgedehnt; die zur Tätigkeit bei den gesetzlichen Krankenkassen oder den Ersatzkassen im ßinne der Reichsversicherungsordnung zugelassen sind, oder die im Obersphlesischen Abstimmungsgebiet ansässig sind. Rasse und Recht. ' Berlin, [Ü. März. In der „Juristischen Wochenschrift" wird der Inhalt einer Rundfunkrede wiedergegeben, die Reichsminister Dr, Frank zum Thema „Rasse und Recht" am 16. Februar über den Deutschlandse'nder gehalten hat. Nach dem Bericht hat er u. ä, erklärt, „daß der., Jude als Angehöriger eines von der deutschen russischen. Substanz völlig fremden; Volkes wohl'Träger oder .Mitge«talter eines jüdischen, niemals aber des .deutschen Schicksals' sein könne. Die Eman-': zipation. des Judentums habe nicht dazu,geführt, daß die Juden oder deren Abkömmlinge allmählich in das deutsche Volk hinübergeglitten wären; die Möglich* keit dazu müsse geleugnet werden. Die schrecklichen ■Erfahrungen >. dieser Vermischung seien uns eine furchtbare Warnung." v uv. Zur Einwanderung nach Palästina <;;; , . aui P-ZCrtifikat. .1 _; ' Berlin, 12. März. : ( Das Palästina=Amt. Berlin xteüt mit, daß sich in■'; dejr letzten Zeit die .Fälle gemehrt .haben, ■ in denen Eltern, die iür die Transferierüng des Vorzeigegeldes vorgemerkt sind, v von ihren in Palästina lebenden;, Kindern angefordert werden,^ obwohl diese nicht irr der Lage sind, für ihren Unterhalt aufzukommen. Die Eltern stellen dann auf Grund der vorhandenen \