Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1937)
- Date
- 1937-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18. März 1937 D a e 1 i t Nr. 11 Seite 5 nehmen. Der Name der Organisation wie ihres Leiters wirkt wie ein gutes Omen für;die weitere Tätigkeit dieser b e d.e utsam-en H i 1 f s - s t e 11 e. . Die polnischen E vakuier ungspläne machen Schule. Daß viele in Rumänien für solche Zwangsabschiebungen begeistert sind, haben wir bereits berichtet. Nunmehr machen sich ähnlich« Gelüste auch im Ts C h e c h oslovak i sehen Paria m e n t e bemerkbar. Einem Abgeordneten der S 1 o y a k i seh e n V o 1 k s - p a r t e i war es vorbehalten, im A u ß e n p o 1 it i s che n A u s s c h u ß des Parlamentes in einer Rede „klarzulegen", daß "von 1922—1934 über löO.OOO Slovaken das Land verlassen hätten, während die Zahl der Juden in der Slovakei und in K a r p a t h o r u ß 1 a n d immer mehr zuoaehme. Schuld an der Ansiedlung von Juden in der heutigen '.Slovakei sei die ungarische Regierung, in der tschechischen Zeit müsse aber damit aufgeräumt werden, um so mehr, als sich .„aus den Kleinhändlern Beherrscher des gesamten Wirtschaftslebens herausgebildet" hätten. Helfen könne nur eine allmähliche z w a n g s - weise Ueberführung der jüdischen (Bevölkerung der Slovakei in das autonome jüdische Gebiet von B ir o -iB i d S C h a n , das neunmal so groß sei als die gesamte Slovakei und noch weniger Einwohner als diese habe. Daß im Lande eines Masaryk und Benesch solche „fromme Wünsche" Anklang finden könnten, ist GsD. nicht, zu befürchten. Es ist auch nicht zu erwarten, daß sein Hinweis auf Biro- Bidschan, über das ja schließlich nicht die Tschechöslovakei, sondern Sowjetrußland verfügt, von irgend jemand ernst genommen werden könnte. Als Symptom für eine Stimmung, die sich von Land zu Land schleicht, sei diese Aeußerung im tschechoslovakischen Parlamente immerhin von Interesse. ■' " Von Ecuador, das einmal wie eine Fata Morgana aus, dem Meere des jüdischen Leides aufstieg, um dann ebenso rasch wieder zu verschwinden, wird wieder gesprochen. Eine Aeußerung des Ministers für Kolonisation in Quito, der Hauptstadt von Ecuador, A. P e s ante s , "wird verbreitet, die sich auf einen bestimmten Fall bezieht, in dem ein Generalkonsul von Ecuador um Richtlinien für die Ansiedlung Staatenloser im Lande bat. Die Antwort des Ministers hat folgenden Wortlaut: bi* ein w gemacht und gesagt wird: „es war einmal und kommt nie wieder" ms K>N i3'«, kann es nur zu einer Katastrophe führen. Umgekehrt bedeutet es mnaty Freude und Glück, wenn man aus dem ">n es war, durch das angefügte Waw ein 'Mi macht, wenn man sagt, was war, wird sein! Alle Wunder •der Vorzelt, sie kommen wieder, Väter» u nd Mü 11 e r h i 1 f e. \ Wir klagen: 3K T'ni iJ"n cpm/r- „Verwaist is-t Israel, ohne Vater". Warum nicht eher das Bild der Mut - t e r losigkeit, die uns doch viel tragischer erscheint? . Die Mutter sorgt für das leibliche Wohl des Kindel, der Vater dagegen ist für die geistige Eritwicklung des Kindes ibeeörgt und die Sicherung seiner Zukunft. / Es fehlt dem derzeitigen Israel nicht an mütterlichen Versorgern, die nur seine materiellen Interessen wahrnehirien. Israel aber klagt: Wo sind unsere väterlich e n Freundej die sich unsere g e j s t i g e und seelische Hilfe angelegen sein lassen? „Waisen sind wir ohne Väter." (Rabbi Botschko in Montreux.) Wochenkalender. Vom 20.-27. März 1937 / Vom 8 —15. Nissan 5697 „ w ^yi Samstag * •nmn 20 8 ms bnan rem ix. Sonntag 21 9 Oft Montag Mär» 22 10 a ■ ' ■ . Dienstag 23 p»a 11 83 Mittwoch 24 12 23 Donnerstag 25 13; a '. Tön-ppna Freitag 26 > 14 ■ 13 noa any- Samstag 27; 15 H3 nosi 'k „Im vorliegenden Fall und in weiteren ähnlichen Fällen^ habe ich die-Pflicht, Ihnen mitzuteilen; daß unser Land seine Pf orten _ n i c h t v e r s chloss e n h ä 11 und auch gar nicht verschlossen halten kann, wenn solche „Menschen ohne- Vaterland" unter Anrufung des Gefühls menschlicher Brüderlichkeit auf der Suche nach einem Heim, nach einem Vaterland und nach Arbeit ihre Zuflucht in Ecuador nehmen wollen. Die .moralischen Qualitäten des Gesuchstellers, seine Arbeitswilligkeit und seine schöpferischen Fähigkeiten müssen den Gegenstand Ihrer Erwägungen bilden, und wenn diese Prüfung positiv ausfällt,' haben iS i e die Pflicht, den Paß a u s z u s t e 11 e n. Staatenlosigkeit allein darf n i c h t der Grund sein, die Ausstellung eines Passes zu verweigern. Mein Ministerium vertraut auf die klare Einsicht der Konsularbeamten." Schließlich wird-in dem Brief mitgeteilt, daß die darin enthaltenen Weisungen ,an sämtliche Außenvertretungen des Landes gegangen seien. Immerhin ein schönes Wort! ... Ein Appell an die Rabbinen und eine Zumutung. Zu dem Appell der Hörerschaft an der Jüdisch-Theologischen Anstalt in Breslau an die Rabbinen Deutschlands, ihre Arbeiten in Sachen der Schechitä zu beschleunigen, und zu den Glossen, die in mehreren jüdischen Zeitungen Deutschlands diesem Aufrufe gewidmet wurden (siehe „Israelit" vom 11. März Rubrik Wochenrundschau), erhalten wir folgende Ausführungen, die das Problem an der Wurzel fassen: Die Tatsache, daß die Rabbinen, deren Verantwortungsgefühl von keinem angezweifelt wird, dem Abfall nicht durch Zulassung der Betäubung Anhalt geboten haben, beweist ja, daß dieser Weg eben mit Hinblick auf das Ritualgesetz nicht gangbar ist. In Polen hat man die unabsehbaren Schwierigkeiten des SchächtgeSßtzes — 39 WO Familien sind zum Beispiel brotlos geworden — auf sich genommen. Und es ist ja auch bekannt, daß die größten lebenden rabbinischen Autoritäten bereits erklärt haben, daß die heute übliche elektrische Betäubung auch unter den herrschenden schweren Umständen nicht zulässig sei. Sie haben diese Entscheidung in klarster Eindeutigkeit damit begründet, daß das so behandelte Fleisch, wegen des iriVaavnfllü verboten ist. Welchen Sinn hat es nun, dem Publikum, das unter den Entbehrungen und Ge wissenspflichten' leidet, glauben *z.umachen, daß eine genügend aufreizende Ermahnung der Rabbinen es zustande bringen werde, daß die „Grenzen des Ritualgesetzes" entdeckt werden und das, was von den allein maßgebenden Autoritäten vals verboten bereits erklärt ist, plötzlich freigegeben wird? Die Entbehrungen werden dadurch nur stärker empfunden werden, die Gewissenskonflikte sich noch schärfer zuspitzen, und der Abfall vom Kaschruth beschleunigt werden. Denn es wird sich ja schließlich kein R a b b i n e r f i n d e n , der noch Anspruch darauf macht, als traditionstreu zu gelten, der d a s erlaubt,, was die in jeden anderen halachischen Fragen als allein maßgebend anerkannten Autoritäten in aller Klarheit - verboten haben. , Damals, als das neologe Judentum des 19. Jahrhunderts entstand, gehörte die prophteische Ansicht eines 'R. J e e h e s k e 1 Landau lind später der Weitblick eines R. Moschc.Sof er dazu, um die Vorzeichen und Anfänge dieser schließlich aus dem Judentum ganz hinausführenden Bewegung in ihrer vollen Gefährlichkeit zu erkennen. (Denn damals traten zunächst nur an sich geringere Abweichungen von den heiligen und geheiligten Formen des religiösen Lebens in Erscheinung. Wenn aber Rabbinen heute die Kühnheit hätten, sich in einer so fundamentalen Angelegenheit wie die Speisegesetze es sind, -— was ja im Leitartikel eines jüdischen F4milienblattes richtig erkannt wird -—über alle bebenden halachischen Autoritäten hinwegzusetzen — und die öffentliche Aufklärung dieses Tatbestandes wird nicht ausbleiben — dann würden diese Rabbinen gebrandmarkt sein, und wenn auch, ja gerade weil ihre „Entscheidung" von vielen befolgt werden sollte, von allen, denen die Einheit des jüdischen Volkes und seine ewige Verbundenheit mit dem durch die berufenen ^Interpreten allen Geschlechtern gelehrten G'ttesgesetze heilig ist, zu jenen Verführern, die wie einst die Hellenisten, die Sadduzäer und die Karäer und die Reformjuden unserer, Zeit Generationen aus dem Judentum hinausgeführt haben, gezählt werden. Wir brauchen nicht zu betonen, daß wir uns dessen bewußt sind, daß unsere Rabbinen himmelhoch über den Verdacht stehen, etwa durch Erwägungen, Welches Urteil ihre Maßnahmen vor der Judenheit finden würde, sich bestimmen zu lassen. Aber denen, welchen die Unabänderlichkeit des G'ttesgesetzes nicht höchste Gewissenssache ist, sei es gesagt, daß doch schon derartige Ueberlegungen, wie wir sie hier angestellt haben, sie zu der Erkenntnis führen sollten, daß ein Appell an die orthodoxen Rabbinen, wie er hier erfolgt ist, gänzlich verfehlt ist. Wir bezweifeln nicht die gute Absicht der Abfasser des Memorandums und seiner Glossatoren. Auch manchem der Initiatoren und Vorläufer der Reform wird man nicht die ehrlich gemeinte Absicht absprechen können. Vielfach wird die tiefste Ueberzeugung bei ihnen nachzuweisen sein, daß durch Reformen das Judentum vor dem Untergang in de/ Welt der Aufklärung zu retten sei. Und dennoch hat sich dapei die unverbrüchliche Einheit des G'ttesgesetzes bis zum letzten legalen Minhag, bis zum TT b& 12ttp so herrlich und furchtbar offenbart, daß jedes Abweichen von dem, was die zeitgenössischen rabbinischen Autoritäten als bindend für die Diaspora erklärten, zu einem Schisma wurde, das ganze Generationen aus den Toren des Judentums hinausgeführt hat. Die Zumutung an die orthodoxen Rabbinen, ihren orthodoxen Standpunkt aufzugeben, ist ebenso naiv wie unverantwortlich. Warum gedenken wir des Auszuges aus Aegypten in den Nächten? Von Bezirksrabbiner Dr. Auerbach in Recklingnausen. Von R. Eleasar b. Asarja, dem jugendlichen und doch schon alt ausschauenden Patriarchen, wird uns in der Haggada erzählt, daß er einst, bei der Sederfeier der Weisen in Bne Brak, die Frage aufwarf, warum man des Auszuges aus Aegypten auch inden Nächten Erwähnung tun müsse. Was wollte <R. Eleasar b. Asarja mit dieser Frage? Wollte er sich gegen die Einrichtung unseres traditionellen Sederabends wenden oder wollte er im Abendgebet den dritten Absatz des Schmäh, der auf den Auszug unserer Ahnen aus Aegypten hinweist, fortgelassen'wissen? Jtyir scheint, daß weder das eine noch das andere zutrifft. R. Eleasar b. Asarja hat unter