Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1937)
- Date
- 1937-03-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 11 Der l s r a « Ii t 18. März 1937 '"• j <rn Die Thora uns und den kömmenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördereden KEREN H ATORAH! K er e n Hat o r ah, H am bürg, Heinrich Barthstraße 21,Postscheckkontos Hamburg 2 47 5 3 O»1 Sejm und Senat in Polen befassen sich mit den Hochschulunru he n , wobei deutlich wird, daß die jungen Akademiker die Kampfstimmung gegen die jüdischen Hörer schon von der Mittelschule her in die Hallen der höheren Wissenschaft mitbringen. Es fanden sich Senatoren, die „die Ideale der polnischen Freiheitshelden" in den Ausschreitungen der akademischen Jugend wiedererkennen. .Andere wiederum, so der frühere Rektor der Warschauer Universität, verabscheuen die Ausschreitungen als der Traditionen der .polnischen Freiheitsbewegung unwürdig. Jüdische Senatoren benutzten die Gelegnheit, die Situation des j ü - dischen Schulwesens in Polen zu zeichnen und O öffentlich keitsrecht für die hebräischen Gymnasien zu fordern. In solchen jüdischen Forderungen sieht ein Senator die beste Propaganda für den Antisemitismus, und der Bericht registriert dabei stürmischen Beifall. Dazu wurden dem jüdischen Redner, Senator S c h o r r , soviel gehässige Aeußerungen gegen die polnischen Studenten unterstellt, daß er noch einmal das Wort zur Richtigstellung ergreifen mußte. Auch der Senat der Wilnaer Universität berichtigte. Er schloß 5 4 jüdische Studenten aus der Universität aus, weil sie ihrem Protest gegen die eingeführten Ghetto- Bänke durch Fernbleiben von den Uebungen der Laboratorien Ausdruck gegeben haben. Was nüt2en da die Reden im Sejm und Senat? Auch die Juden Rumäniens stehen in schwerem Kampf um ihre Gleichberechtigung. Die Gefahr der Ausbürgerung in manchen Provinzen scheint beseitigt zu sein, aber durch das geplante Proporz- System in der Wirtschaft werden die Juden noch stärker zurückgesetzt werden als bei Entbehrung der Staatsbürgerrechte. Um was es sich handelt, geht deutlich aus einer P eyt i - tion des Zentralrates der Juden Rumäniens anKönig Car ol IL hervor. Nach Ausdruck der Ergebenheit wird im Memorandum nachgewiesen, daß die Arbeitslosigkeit in Rumänien die niedrigste in der Welt sei, trotzdem würden die rumänischen Juden durch ein neues Arbeitsgesetz zum Teil entrechtet und schlechter gestellt als Ausländer. Es wird in der Petition darauf hingewiesen, daß schon die früheren Könige von Rumänien rumänischen Bürgern und rumänischen Untertanen, d. h. Juden, gleiche Rechte zubilligten, und daß der jetzige König Ferdinand I. wiederholt seinen Willen dahin geäußert hat, daß es bei dieser unterschiedslosen Behandlung bleibe. Die jüdische Bevölkerung habe unter Blutopfern bei der Errichtung Groß-Rumäniens mitgeholfen und es läge gewiß nicht im Sinne des Königshauses, sie um ihren Lohn zu bringen. Man darf hoffen, daß es nur dieses Schrittes, der von allen führenden Männern und Instanzen der rumänischen Judenheit gemeinsam unternommen wurde, bedurfte, auf daß ein gegebenes Königswort eingelöst werde. Die Freilandliga ist die Sachwalterin der Territorial istischen Bewegung aus der Zeit des Uganda-Projektes-, und sie hat sich naturgemäß mit Feuereifer auf die neuen Pläne und Experimente, wie sie von Polen und Frankreich ausgehen, geworfen. Ueber das nächste Vorhaben und die Arbeitspläne der Freiland- Bewegung machte einer ihrer Führer Vertretern der ITA. interessante Mitteilungen. Es schweben zur Zeit, so berichtet er, Verhandlungen mit der australis c.h.en Regier u n g zum Zwecke der Aufnahme jüdischer Einwanderer, ebenso soll demnächst eine Expedition in die französischen Kolonien, die für jüdische Siedlungen angeboten wurden, entsendet werden. Palästina stehe die Freiland-Bewegung nicht ablehnend gegenüber, aber es sei doch so, daß Palästina nur einen Bruchteil der zur Auswanderung Gezwungenen aufnehmen könne. Man erfährt im weiteren, daß die Liga in Frankreich, England, Polen, Rumänien, der Schweiz, Belgien, den Vereinigten Staaten, Australien und anderen Ländern Büros unterhält. Mit der Parteipolitik anderer Organisationen habe die Liga nichts zu tun, und es gehörten ihr führende Männer aus allen Organisationen an, auch Parlamentarier und hohe kirchliche Würdenträger in England und Amerika. Der Vertreter der Freiland-Bewegung möchte den Plan des französischen Kplpnienministers M o u t e t zur jüdischen Ansiedlung in französischen Kolonien einzig als Erfolg der Freiland- Liga buchen. ■ ■■■ In 'Berücksichtigung der Tatsache,, daß Palästina zur Zeit Teider nicht das alleinige Einwanderungsland für die Juden sein kann, mag der Freiland-Bewegung eine ganz gesunde Idee zugrunde liegen. Daß aber dem wieder auferstandenen Jüdischen Territorialismus , heute mehr Erfolg als vor. 30 Jahren winkt, muß nach all dem ,w.as man inzwischen erlebt hat, stark bezweifelt werden. Wäre es der Fall, so könnte man die Schaffung von jüdischen Z en t r e n , die dem Einzelnen die Möglichkeit geben, sich einem jüdischen Gemeinschaftsleben anzuschließen, nur begrüßen, auf alle Fälle eher empfehlen und unterstützen, als die von vielen Auswander.ungs- Organisationen betriebene sporadische Auswanderung, wobei viel kostbare jüdische Kraft zersplittert geht und für Gemeinden, die hier dezimiert und aufgelöst werden, in anderen Weltteilen leider kein Ersatz geschaffen wird. * N * 9 * ■; ■ . . Fridtjof Nansen ist ein Name von gutem Klange in der jüngsten jüdischen Geschichte. Der Mann, der die Welt umsegelte, lernte, wie kaum ein anderer,, von höherer Warte aus die Erde als die Heimat Aller kennen. Mit den von ihm gegründeten und mit seinem Namen verbundenen Nansen-Pässen wurde den Staatenlosen immerhin einiger Halt in der Unstetigkeit ihres Daseins geboten. Mit dem Tode Nansens und nach den veränderten politischen Verhältnissen hat sich das Problem der Staatenlosen, zu denen bekanntlich die Jude n das größte K o ntingent stellen, wesentlich verschärft. Nun hat sich, wie aus Oslo berichtet wird, dort eine Organisation unter dem Namen „ N a n s e n h i 1 f e " gebildet, der der Sohn des Schöpfers der Nansen-Pässer 0 d d Nansen, an der Spitze steht. Die Organisation will den Staatenlosen helfen, deren Zahl in der Welt auf zwei Millionen geschätzt wird; um so mehr, als das bisherige Nans.en- Büro in Genf, die einzige Stelle, die* sich bis jetzt der Staaten- und Heimlosen annahm, im nächsten Jahre auf -Beschluß des Völkerbundes seine Tätigkeit endgültig einstellen wird. Die Aufgaben des Genfer Büros soll nun die Osloer „Nansenhilfe" über- Der große Sabbat. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Dank der Wegweisung durch die vier ausgezeich* neten Sabbate, die alljährlich Herolden gleich -das Nahen des Pessach, dieses Fürsten im Reiche des beginnenden Festjahres, ankündigen, sind unsere jüdischen Herzen und Seelen ganz und gar auf den Ton gestimmt, mit dem das Lied der Lieder uns dem allgütigen Vater im Himmel als dem ewigen Erlöser unseres Volkes zujubeln läßti nisttsrt bv psj?a Qvinn bv sb-tü «a m nan >Tn b^p „Horch! Mein Freund, er kommt, hüpfend über die Berge, springend über die Hügel;" Unser Pessach erweist sich uns da in seiner vollen Kraft und Weihe, daß zu einem persönlichen Erlebnis wird der Gedanke, den es verdolmetscht, daß Er in der Höhe immer bereit ist zu befreien und zu erretten, zu erheben und zu weihen, wer zu Ihm aufschaut, nach seiner Hilfe und Gnade sich sehnt und den Weg zur Höhe antritt. Wann, fragen des Midrasch Weisen, kommt der Tag des T»riy^ nos? Sie antworten mit dem Psalmenworte: iy»twi )bp2 ür avn „Heute, — nur •daß ihr seiner Stimme gehorchet!" Die Fesseln abstreifen, die wir uns selbst auflegen, von Leidenschaft und Sündentrieb frei werden, das schaffet Bahn zur Freiheit, die im Dienste des Höchsten wtirzelt und in Selbstveredlung und Läuterung mündet. ,Jm Nissan ist Israel erlöst worden," im Nissan erlöst zu werden bleibt unsere ewige Hoffnung und Verpflichtung. Daran will uns gerade der „große Sab= Hat" der bnan fia» ermahnen,' der vor dem Pessach für die Ewigkeit von i~viM-a ms», dem Weltschöpfungssabbat zeugt. Es ist etwas Großes um den Sabbat, um den jüdischen immer wieder zu begehenden Ruhetag, mit dem der Weltschöpfung G'ttes das ewige Siegel ihrer unabänderlichen G'ttgebundenheit einst aufgedrückt worden ist. Der Festtag ist uns auch Sabbat, Ruhetag, Tag der Weihe und Erhebung, Mahner an G'tt und sein Walten und Wirken in und an und durch Israel, — der Sabbat aber ist mehr, ist ijenes alles in der höchsten Potenz, ist von allem Großen und Heiligen im Judentum das Größte und Heiligste. Das Wahrzeichen, daß G'ttes die Welt ist, weil er sie geschaffen mit j all* ihrer Fülle und die Fäden ihrer Erhaltung um der ewigen Harmonie willen in seinen Händen hält, Ewiges Boll1 werk gegen die verheerenden brandenden Fluten des Materialismus und gegen die Laune und Willkür derer, die in Selbstvergessenheit leben. Läuterungsquell und Rettungsanker für die, die dem Heiligen nachstreben und den Hauch des Heiligen in ihrem Innern verspüren und die Stimme des Herrn im Her» zen vernehmen. Alles das erhebt den Tag des Sabbats zur Himmelsleiter auf die Erde gestellt, an der die Engel des Lichts und des Friedens, der Liebe und Wahrheit Sendboten auf- und niedersteigen. Und so verstehen wir es, daß eben vor> dem Beginn des Festjahres" wir uns mit dem Bewußtsein erfüllen soIlen: ftwra aha pbsu b*ivr> y>m f> 9in; Vergeßt es nimmer, Israels Erlösung liegt in der treuen Sabbathut beschlossen, wie es der Prophet verkündet: rßNtnn nnii nawa ■ „In Rückkehr, im sabbatlichen Frieden liegt eure Heilung." Werden wir es beherzigen? Werden wir unsern Erlösungswillen in die rechte Bahn nun lenken, daß allenthalben aus dem siebenten Tage der große Heilstag werde, der immer wieder die Fessel der Sorge von uns nimmt und das Irdische mit dem Seelischen verklärt, bis daß wir das verlorene Paradies zur Beseligung der Menschen und Befriedung der Erde zurückgewinnen? G'ttes Segen strömt uns in Gnade vom Himmel hernieder mit den reichen Gaben'der Hoffnung und Zuversicht, wenn wir das Reich des Sabbats neu aufrichten und wir unsere ganze vergängliche Welt ihm unterordnen als G'ttes heilige Legionen, die von ihm erlöst wurden und immer wieder erlöst werden, um schließlich am Ende der Tage das Lied von der ewigen Erlösung anstimmen zu können. Goldene Worte aus einer Mussarrede. Es war und es wird sein. >n»i leitet Unheil ein, '»ni dagegen ist Heile&botschaft. Warum? % ■ 'fpv. „Esi war!'• Unsere ganze Vergangenheit ist eine Kette von Leiden und Schickungen, unser :'»IV -(unsere Geschichte) ms xbtt nJ'K. ist nichts anderes als ein Register von Heimsuchungen. Unser Glück bleibt zunächst ein Zukunft st räum, unsere «Freude schlummert noch im ''in, im Schöße der kommenden Zeiten ... * * Andere Deutung: Das Entscheidende im! -'n-i wie im .'♦."Ii ist das „verwandelnde Waw", das. aus Vergangenheit Zukunft und umgekehrt macht.,-. Wo aus dem ''iT'» den Verheißungen für die . Zukunft urigläu-