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Der Israelit · 1937-03-18 · Heft 11 (18.3.1937) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 11 (18.3.1937)
Date
1937-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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^tv.iuK'Tjrs' WWWf^W^M^^W^^^^^^^^^^W^^^^^^^^^^^^^^^: ,k\ Seite 2 Nr. 11 Israelit 18, März 1937 Judenin Tripolis auf die Ausübung ihrer Religion beziehen dürfen. In Tripolis besteht aber seit einiger Zeit für die jüdischen Geschäftsleute in der Europäerstadt das Verbot, am Sabbat zu schließ e n , und bei Uebertretung des Verbotes werden unglaubliche Strafen angedroht und angewandt. Es wäre unverzeihlich, wenn die zuständigen jüdischen Instanzen in Rom und in Tripolis — Tripolis hat dieser Tage einen neuen Oberrabbiner bekommen — nicht unter dem Eindruck der Erklärung Mussolinis gleich alle Wege beschreiten und alle Mittel anwenden, um bei den unteren Behörden, ganz im Sinne des Toleranzedikts des italienischen Regierungschefs, eine Aufhebung des Sabbatruheverbots in Tripolis zu bewirken. Die Konferenz der Agudaexekutive in Antwerpen. Antwerpen, 12. März. In dem großen Sitzungssaale der hiesigen orthodoxen Gemeinde fand, wie bereits kurz berichtet, am Sonntag und (Montag eine geschlossene Sitzung der obersten Leitung der Agudas Jisroel-Weltorganisation geminsam mit dem Keren Hajischuw-Direktorium statt. Die Londoner Exekutive berichtete, über ihre Tätigkeit auf den verschiedenen Gebieten der Aguda-Arbeit seit der Marienbader Kenessio Mechino. Sie beantragte die Einberufung der Kenessio Gedaulo auf den Ellul dieses Jahres nach einem zentraleuropäischen Orte, da leider keine Aussicht bestehe, eine Kenessio Gedaulo im Laufe dieses Jahres im Heiligen Lande abhalten zu können. Die Mehrheit der Versammelten sprach sich für diesen Antrag aus, der jedoch erst Rechtskraft erhalten soll, wenn die Mehrheit der Mitglieder des Geschäftsausschusses und das Zentralratspräsidium zugestimmt haben. Voraussichtlich wird Marienbad oder Karlsbad als Ort der Tagung gewählt werden. Aus Anlaß des 25jährigen Gedenktages der Gründung der Agudas Jisroel in Kattowitz sollen die Landesorganisationen am 15. Siwan ds. Js. Landestagungen in größerem Stile veranstalten, in denen insbesondere die Ideologie der Agudas Jisroel weiteren Kreisen ans Herz gelegt werden soll. Die Landestagungen werden im übrigen der Vorbereitung der Kenessio Gedaulo dienen. Im Mittelpunkt der Erörterung des Keren Hajischuw-Direktoriums standen die Lage der Kibbuzim derPoale Agudas Jisroel und des Schulwerkes im Heiligen Lande und die jetzt in Kraft tretende Neuorganisation des Zentraldirektoriums des Keren Hajischuw, das bekanntlich von London nach Jerusalem verlegt worden ist. Die Herren Rabbi iMosche Blau, Dr. ^Isaac Breuer und Dr. Salomon E h r m a n ir erstatteten eingehend Bericht über die Ergebnisse ihrer mehrwöchentlichen Reisen durch Polen, Litauen, Lettland, Slovakei, Jugoslawien und Rumänien, in denen überall eine Fundierung und teilweise Neuorganisation der Landesdirektorien des Keren Hajischuw vorgenommen wurde. Außer der Zertifikatsfrage, die die Agudas Jisroel keineswegs ais in ihrem Sinne befriedigend betrachtet, waren eingehende Beratungen der Beobachtung des bevorstehenden Schmittojahres in den Kibbuzim der Agudas Jisroel und von seilen der landwirtschaftlich beschäftigten Poäle Agudas Jisroel gewidmet. Die anwesenden Vertreter der Kibbuzim erklärten unter dem stürmischen Beifall der Versammelten, daß es ihr heißester Wunsch sei, nicht durch Hetterim irgendweclher Art von der Verwirklichung des Schmittogedankens auf dem Heiligen Boden entbunden zu werden. Eine positive Realisierung der Thora auf breitester Basis auf dem Heiligen Boden sei vielmehr das Ziel ihres ganzen 'Strebens. Es wird nötig sein, zu diesem Zwecke in den Kibbuzim handwerkliche Betriebe einzurichten, ferner aber eine Anzahl ausgewählter Chaluzim in einem der Kibbuzim zu einem einjährigen Jeschiwohkursus während der Dauer dieses Jahres zu vereinigen. Auf diese Weise soll das Sabbatjahr in gleicher Weise in den Dienst der geistigen Erhebung und der inneren Vertiefung gestellt werden, wie der Sabbat-Tag nach beendeter Arbeitswoche. Der' Anfiwerpener Sitzung, die am Dienstag noch fortgesetzt wurde, folgten Mittwoch und Donnerstag in London Beratungen der Beth Jakob- und Keren Hathora-Verwaltungen. Mitteilung an Lord Peel. L o n d o n , 17. März. Der Präsident der Agudas Jisroel- We lt Organisation, Jacob R osenhei m, ließ dem Vorsitzenden der Königlichen Kommission, Lord P e e 1, eine Mitteilung zugehen, in der die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation sich mit den von ihren Vertretern gemachten Aussagen, insbesondere .ihren Forderungen bezüglich der freien Einwanderung und der Gleichberechtigung der orthodoxen Kehilla, solidarisch erklärt. Lord Peel dankte in einem Antwortschreiben und erklärte, daß man nötigenfalls noch einmal Vertreter der Aguda zur Abgabe von ergänzenden Erklärungen einladen werde. (J. P. B.) Mazzothaktion in London. London, 17. März. Auf einer Sitzung des Keren Hathora- Hilfsfonds in London, die von Rabbi Jwerski geleitet war, wurde von Herrn Goodman ein Brief von Rabbi Chaim Oser Grodzenski verlesen, in dem dringend Hilfe für die notleidenden Rabbinen in Rußland mit Rücksicht auf die bevorstehenden Pessachtage gefordert wird. Ferner lag ein ergreifender Brief der jüdischen Gemeinde in Barcelona vor, in dem ebenfalls dringend um Zusendung von Mazzoth gebeten wird. Es wurde beschlossen, zunächst fünfzig Lebensmittelpakete an die Rabbinen in Rußland zu schicken und Geld zur Mazzothbeschaffung für die jüdische Gemeinde in Barcelona bereitzustellen. (J#P. B.) Zahlen über die jüdische Auswanderung aus Deutschland. Berlin, 15. März. Im Verlaufe eines Vortrages über „Jüdische Emigration als Weltproblem" gab Dr. Michael T r a u b eine eingehende Schilderung der jüdischen Wanderungsbewegung in der Welt und eine zahlenmäßige Darstellung ihres Verlaufes vor und nach dem Kriege. Er stellte fest, daß vom 1. Februar 1933 bis zum 31. Dezember 1936 etwa 110.000 Juden Deutschland verlassen haben. Davon wanderten 38.000 nach Palästina, 29,000 nach Uebersee, 23.000 nach verschiedenen west-i süd- und nordeuropäischen Ländern und etwa .20*000 Juden kehrten als Rückwanderer nach; Osteuropa zurück. Die jüdische Bevölkerung Deutschlands kat sieh unter Berücksichtigung der natürlichen Abnahme während dieser vier Jahre um über 24 Proz. oder um 126.000 Seelen vermindert. Sie ist von 517.000 Seelen Anfang 1933 auf etwa 390.000 Anfang 1937 zurückgegangen. 23,13 Proz. der jüdischen Gesamteinwandefüng nach vPalästina entfielen von. 1933 bis 1936 auf Juden aus Deutschland. Trotz des allgemeinen Rückganges der Einwanderung nach Palästina stammten 30 Proz. der im Jahre 1936 eingewanderten Juden aus Deutschland. Obwohl die Kapitalistenkategorie im Laufe der letzten vier Jahre atark zurückgegangen ist» war sie noch doppelt so hoch wie die Kapitalistenkategorie innerhalb der palästinensischen^ Gesarhtalija. Zu den Aussichten der weiteren jüdischen Auswanderung aus Deutschland und den Wirkungen, die sie auf den Bevölkerungsaufbau der Judenheit in Deutschland haben wird, führte Dr. Traub folgendes aus: Würde es im Laufe der nächsten fünf Jahre gelingen, eine jüdische Gßsamtauswanderung aus Deutschland von 100.000 Seelen zu ermöglichen, so würde sie wahrscheinlich zu 20 Proz. ai$s Altersgruppen unter 18- Jahren, zu 60 Proz. aus 18—40jährigen und zu 20 Proz. aus 'Menschen über 40 Jahren bestehen. Die jüdische Bevölkerung Deutschlands würde sich bei dieser Auswanderung und bei fortdauernder natürlicher Abnahme bis Mitte 1941 auf ca. 280.000 Seelen vermindern und fast zu zwei Dritteln aus Menschen über 45 Jahren bestehen. w Von den jährlich 20.000 auswandernden. Juden werden im Durchschnitt der nächsten fünf Jahre wahrscheinlich etwa 10.000 nach Palästina und etwa die gleiche Zahl nach arideren Ländern gehen. Sir Austen Chamberlain und der Palästinaaufbau. London, 16. März. Der verstorbene frühere Außenminister Sir Austen Chamberlain hat als Mitglied des: Kriegskabinetts und auch in seiner späteren politischen Tätigkeit wiederholt zu jüdischen Problemen Stellung genommen. Sein Vater, Joseph Chamberlain, hatte seinerzeit der Zionistischen Organisation das Angebot gemacht', Uganda zur Errichtung einer autonomen jüdischen Heimstätte zur Verfügung zu stellen. Dieses" Angebot führte zu der bekannten Spaltung auf dem 6. Zionistenkongreß und zur Gründung der jüdischen territorialistischen Organisation ITO unter der Führung von Israel ZangwilL , In den letzten Jahren ist Sir Austen Chamberlain einige Male bei offiziellen Anlässen für die Erleichterung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina eingetreten, Auf einem Bankett, das der Anglo Palestine Club in London unter dem Vorsitz von Baron James de Rothschild veranstaltete, sprach sich Chamberlain dafür aus, daß England seine Tore jüdischer Einwanderung öffne. Die Bereitschaft Englands, Einwanderer 'aufzunehmen, habe schon in der Vergangenheit zur Vertiefung des englischen Nationalgefühls beigetragen. Die freundliche Aufnahme, die Crom well -den aus Spanien- und Portugal vertriebenen Juden'gewährte, habe tiefe Spuren hinterlassen. Hilfsbereitschaft für Bedrängte liege den meisten Engländern im Blut. Zur Frage der Errichtung des Jüdischen Nationalheims erklärte Chamberlain u. a., er sei dessen sicher, daß die Liebe zur geistigen Stammesheimat die Liebe zum Geburtslande nicht vermindere,,, Jetzt eine Fülle modischer Neuheiten

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