Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 10 De I s r* c Iii 11. März 1*$/ Die Zahl der Auswanderer nach Palästina und die der Rückwanderer hat abgenommen, dagegen ist die Auswanderung in andere; .Länder gestiegen Von dem Hilfsverein der Juden in Deutschland wurde .: ' ■ . ■■-? *'; 4182 Personen Auswandenirigshilf e geleistet, von dem Palästinaamt 2763 Personen, während di^ Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge 6990 Personen bei der Binnenwanderun_g oder Rückwanderung unterstützt hat. Die Hias-Ica=Immigration Association hat in diesen zehn Monaten 1886 Personen in den Ländern vorübergehenden Aufenthalts Hilfe bei der Auswanderung nach Palästina und überseeischen Ländern sowie nach europäischen Ländern, wo sie dauernde Niederlassung erlangen konnten, geleistet. Der Londoner „Jewish Temporary Shelter" feiert in diesen Tagen das 50jährige Bestehen unter Leitutig seines Präsidenten, des Herrn' Otto Schiff. Anläßlich der großen Verdienste dieser Institution hat die Jewish Colonisation Association (ICA) beschlossen, dem Shelter eine größere Subvention zu'gewähren. Im Laufe der fünfzig Jahre seiner "Tätigkeit hat ■die Institution mehr als 1,180.000 Auswanderern Hille geleistet. Das Asyl, das Tag und Nacht geöffnet ist, hat über 125.000 Personen beherbergt, "die sich zum größten Teil in Länder jenseits des Ozeans begeben haben. Der Shelter , versieht die Auswanderer mit Wohnung und Nahrütog und stellt auch in gewissen Fällen einen Teil der Passagekosten zur Verfügung. Im übrigen gewährt er diejenige Hilfe, die in rechtlicher Beziehung erforderlich. . ist. i Durchschnittlich werden etwa 200 Personen in jeder Woche in Aus= Wanderungsfragen unterstützt und beraten. Personalien. Rabbiner Rabinow-Hamburg nach Antwerpen berufen. Hamburg, 4. März. Rabbiner Rabino^r, Hamburg, ist einem ehrenvollen Rufe folgend nach Antwerpen überge5 siedelt. Emden, 8. März. In der Weihe der herannahenden Sabbats halben wir die so plötzlich und uner* wartet im Alter von 74 Jahren aus 'unserer Mitte dahingeschiedene Frau Karoline van der W aide zu Grabe getragen. Mit ihr ist eine Frau dahingegangen, die zu den Seltenheiten in Israel gehörte. In glücklicher Ehe konnte sie vor zwei Jahren in seltener Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Ihrem Gatten, der selbst ein aufrichtiger g'tt-: getreuer Jude, war sie eine Stütze bis in die letzten Tage ihres Lebens. Bei ihr fand er jede Unterstützung für g'ttgefällige Werke, sei es die Aufrechtem haltung des Sabbats oder der Speisegesetze. Für ihr Leben war das G'ttesgebot höchster; Befehl und in unbedingtem Gehorsam „tat sie alles, was G'tt befohlen hatte". Als treusorgende Mutter hat sie die zwölf Kinder, die sie ihrem Gatten schenkte, in vollster G'ttestreue erzogen, und es war ihr vergönnt, die Früchte ihrer Erziehung auch in ihren Enkelkindern zu sehen. Aber auch für die Gemeinschaft war sie jederzeit zur Stelle. Mehr als 25 Jahre hat sie als Mitglied des Vorstandes des Frauenvereins zu jeder Tagesstunde ihre Kräfte in den Dienst der Gemeinde gestellt, wofür Herr Landrabbiner Dr. B l u m an der Bahre der Verstorbenen den Dank der ganzen Gemeinde aussprach. Die allgemeine Verehrung, die Frau van der Walde genoß, kam am besten in der übergroßen Beteiligung'Jan der Bestattung-zum Ausdruck.' . .,' rrnsan Vermischtes. Feier der Chewra Kädischa Groß-Berlin. Berlin, 22. Febr. Wie im vergangenen' Jähre hielt "auch in -diesem Jahre die Chewra Kadischa Groß-Berlin den 7. Adar als Gedenktag von Moscäie Rabbenu in würdiger Weise ab. Iii den ersten Morgenstunden machten die aktiv tätigen Mitglieder der Chewra unter Führung ihres; Obmannes, .Herrn Hermann S c b. w a r z und d;2r Herren Rechtsanwalt Dr. Richard T r'e i t e 1 und Max Rabau, den traditionellen Rundgang auf dem Friedhof 'in Weißensee... .An verschiedenen Gräberfeldern wurden Gebete gesprochen, worauf Rabbiner Dr. L i nlt die auf den Tag bezüghaberi'de Gedenkrede hielt! Sie klang in der dringlichen 'Forderungaus, grade in unseren schweren,.-von.-Leid -und Weh erfüllten Tagen(> .die Thoratreue streng^ und unentwegt zu wahren. Beim Mihchag'ttesdienst; der in der Alten Synagoge Heidereutergasse .stattfand, wurde eine Seelenged a.'6'h. t n'i s f ei er 'für- 4Üe verstorbenen Mitglieder der Chewra abgehalten. Von der, üblichen Chewra-Sude wurde im Hinblick auf den Ernst, der Zeit in diesem Jahre abgesehen: Der hierfür entfal lende ^Geldbetrag wurde am Piirim,, an würdige i und rverschämte' Arme 'zur Verteilung gebracht. :R. G. Berlin, 24. Febr. Am 10. und 11. Januar fand einie -. Ärlbeitsbesprechung der Leiter; und Leiterinnen . der jüdischen Erziehungsheime in Deutschland in ' Form einer Freizeit im Jüdischen;' (Erholungsheim jLehnitz. statt, zu der gemeinsam, die 'Reichsvertretung der Juden dn Deutschland, Abt! Zentralwohlfahrts'stelle und die Vertretung der Anstaltsleiter und Leiterinnen 7 eingeladen hatten. Anlaß zu der Tagung gab das dringende Bedürfnis einer Aussprache über die verschiedensten pädagogischen und wirtschaftlichen' Fragen der Erziehungsheime. Es wurden mehrere Referate von Fachleuten gehalten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die' Bedeutung eines gesohlösse-- nen Systems pädagogischer Einrichtungen, um dem Normalkinde und dem schwierigen Kinde in der pädagogischen Arbeit gerecht zu werden. So wurde besonders über die Notwendigkeit der Spezialisierung von Heimen, 'Einrichtung von pädagogischen Beratungsstellen, Bedbachtungsstationen, Sbttdefhorten und Sonderklassen gesprochen. Die. Möglichkeit ten der Unterbringung schwieriger Kinder in Normalheimen und in Familienpiflege wurden eingehend erörtert. In 'diesem Zusammenhang wurde auf die Notwendigkeit der Schulung heilpädagpgischer Kräfte ganz besonders hingewiesen und zur Prüfung und Durchsetzung der für erforderlich gehaltenen ' pädai-' gogischen Einrichtungen eine Kommission aus pädagogischen Sachverständigen, der auch ein : Psychiater angehört, gewählt; In einem Zusammensein der Anstaltsleiter und fleiterinnen, das den-Abschluß der Tagung bildete, wurden, organisatorische Fragen, besonders die Zusammenarbeit zwischen Anstaltsleitung und Kuratorium, sowie die Frage des Nachwuchses' und der iPralktikantenausbildung und die Fortbildung zum Gegenstand einer' Aussprache gemacht, - Wiesbaden, 24. Febr. Eine sinngemäße Feier des" 7. Adar beging ein Kreis älterer und jüngerer Baale Batim im Hotel Kronprinz durch einen Sijüm; auf' l'Vin "lir die von mehreren Lehrern und Privatpersonen im Laufe von sieben Jahren unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Ansbach er ausgelernt .wurde. 'Nach Vortrag der letzten Mischnah hielt unser Raw einen inhaltsreichen Hadron in klassischem" w*tpn 'b und wies u. a. darauf hin, daß .gerade heute, da der Hauptinhalt der Masechtoh nicht in ider Praxis ausgeführt werden kann, desto mehr, dafür Sorge zu tragen sei, - daß die einschlägigen Halochaus nicht in Vergessenheit geraten. Zur Hebung der festlichen Stimmung trugen eine Ansprache des als Gast hier weilenden Herrn Rabb. Dr. Rosenthal,' Köln, bei. Herr Reicher sprach im Namen des Vereins Talmud Thora passende min »im- Ferner sprach noch launige Worte der um die Veranstaltung besonders verdiente Herr Lehrer Grünbäum. Herr Berth. Goldschmidt beschloß dje; Reihe der Reden mit ebenfalls sehr passenden ThoT raworten. — Dem Sijum schloß sich eine im Geist des Adarmonats sinngemäß angeordnete Feststunde an. Rabb. Dr. Ansbacher begrüßte die Erschienenen und führte mit packenden Worten aus, wie es gerade heute nötig sei, durch Vertiefen in unsere ewig junge Tauroh sich über den rauhen Alltag zu erheben. Weitere Ansprachen hielten die Herren Lehrer Scher, Siebrich, und für die Jugendlichen Joseph A n s b a c h e r. Musikalische Darbietungen gaben Herr Lehrer G r ü n b ä u m und dessen Toch5 ter, die Gäste Schlumper. aus Köln und Chordirigent Reichenberger aus Ichenhausen, sowie Regina Rottenberg. Zum Schluß dankte Dr. Karl K ahn namens des Vorstandes den Veranstaltern, vorab dem Herrn Rabbiner und Herrn Lehrer Grünbaum. Das schöne Fest wird uns allen in bester Erinnerung bleiben, Friedberg (Hessen), 8. März. Die dm* Besitze der Gemeinde befindliche Gründungsurkunde der Chewra G e m i 1 u s Chaso.dim besagt, daß die.' Vereinigung im Adar 5447 gegründet wurde. Sie kann auf eine ununterbrochene Tätigkeit bis auf den heu1; tigen Tag zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand ara>: Sonntag, den 28, Februar, "in der Synagoge ein Festg'ttesdienst statt, an dem die ganze Gemeinde teilgenommen hat. Im Auftrag der Kippe begrüßte das Mitglied, Herr Adolf Kann, die ganze Gemeinde; während der erste Vorsitzende der Gemeinde, (Herr Siegfr. R o t h s c h i 1 d , die. Glückwünsche der Gememde überbrachte. Im Mittelpunkt de«, von Chorgesängen umrahmten ^feierlichen G'ttesdienstes stand die Festpredigt des Lehrers S e e 1 i g , der seiner Ansprache die auf der Urkunde enthaltenen Worte: „Aulom Chesed jiboneh" zu Grunde legte. An diese Feier schloß sich, eine einfache Sudoh an, an der 1 die Mitglieder der Vereinigung teilnahmen. Die erhebende Feier wird innerhalb der Gemeinde unvergessen bleiben. -Anläßlich des 50jährigen Bestehens des Israelitin sehen Frauenwohltätigkeitsvereins fand in den Räur men des Gemeindehauses eine gemütliche Zusammen-' kunft der Mitglieder sattt, bei der das Vorstandsmit-; gliedrFrau Metä Ehr mann, in einer Ansprache auf die •Geschichte und auf die , se/gensp endende^ ,Tä- , . tigkeit des Vereins hinwies, „ ,\<R . u '"!jd ,5{'* London, 24. Febr. Man schreibt uns: Die^G^a t-t t e s h e ä d e r J e ® c h i w a hat wieder einige Ereir' platze zu vergeben. Zeugnis de» Ortsrabbiners erwünscht. Die; Jeschiwa, in der bereits eine größere Anzahl deutscher omna weilen, versorgt, ihre-nvpaVji vollständig; Gesuche um Aufnahme sind an den Sekretäri Mr. Suffrin 15- Crom well arme e Gatesheadon=Tyne zu* richten. - ' Aus der'. Agudas Jisroel-Bewegung. Dr. Isaac Breuer in Wien. Die österreichische Landesorganisation der Agudas Jisroel veranstaltete in Wien eine große Pa-1 lästimakundgebung, bei der Dr. Is^aac Breuer, Jerusalem, den Rechtsanspruch der Juden auf ihr Land aus der Thora ableitete und die Probleme des Aufbau® unter dem Gesichtspunkt der religiösen" Satzungen behandelte. Der Kundgebung, - bei 'der der Präsident der .österreichischen Laindesorganisatibn, Bondi, den Vorsitz führte, wohnten u. viele, orthodoxe Rabbiner, der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, . Staatsrat Dr. Friedmann, und der Vizepräsident Dr. Ticho, der Ehrenpräsident der Union österreichischer Juden, Der. Ornstein, Universitätsprofessor Max Eisler und andere führende Persönlichkeiten bei. Das Palästina-Mandat, so führte Dr. Breuer aus, bedeute nach -2000 Jähren, der Rechtlosigkeit die W^ederhetrstellung des Rechtee der Juden auf Palästina; in das - sie als Ureinwohner zurückkehren. Wenn auch noch nicht feststehe, zu welchen Folgerungen die Royal Commission kommen Wierde, so müsse auch von ihr diese® "Recht unier' allen Umständen respektiert werden. Während alle Staaten sich selbst als Quelle des Rechtes auffassen und so ihre Macht geltend machen, sei den Juden seit Urzeiten die Thora Quelle des Rechtes, Der Gewalt aller Völker der Welt hätten die Juden nur ihr aus reiner Ethik herrührende® Recht entgegenzustellen. Zu den Problemen;«des Palästina-Aufbaus übergehend, bedauerte Dr. Breuer die mangelnde Verknüpfung des Jischuw und insbesondere der Arbeiterschaft mit der Thora, die allein die Judenüber die Leiden von 2000 Jahren hinübergerettet: habe. Der Aguda erwachse die große Aufgabe, 4n Palästina •dahin zu wirken, daß die Thora das gesamte Leben beherrsche und beseele. Wir wollen Arbeiter nach Palästina bringen, sagte der Redner, die das Ideal der, sozialen Gerechtigkeit nicht im Westen entstandenen Formen entlehnen,, sondern das soziale Ideal aus unseren Büchern .schöpfen und in Palästina eine Mustergemeinschaft sozialen Friedens schaffen. Zum Schlüß erklärte Dr. Breuer, daß 'die Zusammenarbeit der Agudä mit den übrigen am Palästina-Aufbau beteiligten Instanzen sich immer verheißungsvoller gestalte. (ITA.) Kundgebung in Barchfeld. Am Sonntag, den 24. Januar, fand in der Synagoge. B a r c h f e 1 d (Werra) . eine Kundgebung in Form eines Vortrages von Herrn Rabb. Dr. Leo Cahn, Fulda, statt. Anwesend waren Vertreter der Gemeinden Tiefenört, Bad Salzüngen, Bad Liebenstein, und Stadtlengsfeld. In kurzen prägnanten Sätzen wies Redner an. Hamd des Gedanken® von .D'?i fl-w nach, daß fUWK- und - »Twin nhm. die Grundlagen des Lebens in der Diaspora, als auch in ,^8")S?' fiR sind. Lehrer Okoliea, Tann (Rhön), dankte Herrn Rabb. Dr. Leo;Cahn für die wertvollen Ausführungen und forderte die Anwesenden auf, das große Werk von Agudas Jisroel, das im Keren Hajischuw sein Finanz1 Instrument besitzt, zu: unterstützen. Durch ^finanzielle Beihilfe kann-jeder mithelfen, das'religiöse. Leben i Palästinas auszubauen. Spenden . und ^Beitritte;, zu A^udas; Jisroel bewiesen den nachhaltigen 'Eindruck •der Kundgebung. 'Es war klar zu ersehen;: daß viele Kräfte vorhanden sind, die für die agudistische .Bewegung« nützbar gemacht werden können; . Eine' 'zielsichere Ausnutzung des beschrittenen Weges wird Agudas Jisroel Erfolge bringen. Wochenkalender. ♦ Vom 13.-3,0. März 1937 / Vom 1.—8. Nissan 5697 ■ ''. ■ w Samstag . flinaa ■ wnn v&i . ' :' 13 1 8?3 ' pnnn nens Sonntag 14 2 . . an' ■ •: . Montag März 15 3!'abV," 1 'J '1 Dienstag 16 ■p'j 4 Mittwoch 17 5 na > Donnerstag 18 6 MS' ' Freitag , 19 7 TB ■ - 1: i .■ ■ Samstag 20 8 ha , .^itth natt> i»