Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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11. Mära 1937 Der 1 * r a e Ii t Nr. 10 Seite 9 sischeii oder "bulgarischen Minderheitenangehören, die die rumänische Staatsangehörigkeit ■ nach dem Kriege erworben haben. Ob diejenigen Juden, die als Einwohner der altrumänischen Gebiete schon vor dem Kriege rumäriische Untertanen -— nicht aber gleichberechtigterimiänische Staatsbürger — waren, den Angehörigen des Mehrheitsvolkes gleichgestellt werden sollen, geht aus dem Entwurf nicht klar her* vor, ist aber nach seiner ganzen' Tendenz und der bisherigen Haltung der Behörden in dieser; Frage zu bezweifeln. Ausländer sollen nach dem neuen Gesetz nur dann'beschäftigt werden dürfen, wenn es sich um Spezialisten handelt, für die es im Inland keinen Ersatz gibt. Die Regierung hofft, durch diese Maßnahme zu einem Kömpromiß mit der Rechtsopposition zu gelangen, die über da® Einschreiten gegen die „Eiserne Garde" aufgebracht ist. j ' 1 —- Bulgarien. -Abwehraktion in Bulgarien. Sofia, 28. Febr. Das Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens hat auf einer außerordentlichen Tagung die Einsetzung eines Komitees beschlossen, dem -die 'Leitung der Abwehraktion gegen - die judenfeindliche Bewegung in Bulgarien übertragen wird. "Ferner wurde beschlossen, ein hebräisches Lehrerseminar zu gründen und einen Kulturfonds zur Finanzierung des jüdischen Schulwesens zu schaffen. Polen. Koscherfleisch-Kontingent in Polen wird weiter verringert. Warschau, 7. März. Einer Abordnung der jüdischen Fleischefinnung, die sich im Handelsministerium darüber beschwerte, daß die Kontingente für Koscherfleisch im März herabgesetzt "wurden, obwohl die Pessachfeiertage in diesen Monat fällen, wurde erklärt, daß von einer Erhöhung des Kontingents keine iRede sein könne. Dieses werde vielmehr noch weiter herabgesetzt werden, bis auch die hinteren Teile der rituell geschlachtetn Tiere in den Läden-für Koscherfleisch verkauft werdend würden. Auch die Strafen für Uebertretung der Vorschriften des Gesetzes würden nach einem gemeinsamen Beschluß des Handels*, Innen- und Land'wirtschaftsministeriums verschärft werden, bis Gewähr dafür geboten sei, daß Fleisch von rituell geschlachteten Tieren nicht mehr an nichtjüdische Fleischer verkauft wird. Teilnehmer an dem Rypperschen „Erlösungs- Marsch" in Palästina eingetroffen? Warschau, 7. März. In der Warschauer jüdischen (Presse ist eine Meldung erschienen, derzufolge eine kleine Gruppe von Teilnehmern an dem von dem Warschauer Rechtsanwalt R y p p e 1 organisierten „E r 1 ö s u n g smarsch der Zehntausend" in Palästina eingetroffen sein soll. Die Gruppe hat nach diesem Bericht den größten Teil des Weges nach Palästina zu Fuß zurückgelegt.. Deraufsehenerregende Marsch der Anp. hänger Ryppels ist seinerzeit, wie bekannt, schon kurz hinter Warschau von': der Polizei gewaltsam aufgelöst worden. Im Senat werden die Ueberlälle auf jüdische Studenten als Feigheit und Sadismus bezeichnet. Wargehau, 7. März. In der Budget-Debatte des polnischen Senats wandte sich der f t üh e*.e R ek t o r der Wartha u e.r U n i v .e r s i t ä t, Prof. M i c h a 1 o wii c z, i; schaff gegen die ,judenfemdlichen ^Ausschreitungen; *a den* Hochschulen. Er wies darauf hin, daß die-A Studenten durch diese Taten bewiesen, daß ihnen ( die Wichtigste Voraussetzung' für ihren künftigen Be« i ruf! als Reserveoffiziere, die Disziplin, fehle. Der Redner," zitierte Aufrufe der national-radikalen Stuj denten '^als , Beweis dafür, daß dieser Jugend' jedes | Gefühl für 'Gerechtigkeit und oft' auch da® Gefühl | für Würde, fehlt. 'Wenn er die Rässearitisemiten als-/ Biologe auch verstehen^köhoe, so' finde er es doch als Mensch unverständlich, daß sich zwanzig auf einen stürzen, ja sogar auf . eine einzelne Frau: Das sei ein Ausdruck von Feigheit und Sadismus. Es bedeute keinen Trost, daßs diese Elemente nur gering, an Zahl sind, wenn die übrige Studentenschaft solche Exzesse ruhig duldet, Im weiteren Verlauf der Debatte wandte sich der jüdische Senator XrOckenheim gegen die Behauptung,' die Juden hätten sich des Handels bes machtigt. Er wies nach, daß die Zahl der Juden im Handel um 10 Proz. abnehmen -würde, wenn man sie in entsprechendem Maße zum öffentlichen Dienst und zur Schwerindustrie zuließe. Der Redner zog einen Vergleich zwischen der jüngsten Erklärung des Obersten Koc und der Erklärung des früheren Ministerpräsidenten Bartel, in der politischer und wirtsßchaftlicher Antisemitismus ausdrücklich verurteilt worden war. Senator Prof. Schorr erklärte, die drei. Millionen Juden in Polen hätten das Gefühl, außer* halb des Gesetzes gestellt worden zu sein. Es widerspreche der Verfassung, daß man den Juden die Rolle von Auswander ungsanwärtera zuteilt. Zum Protest gegen die antijüdische Regierungspolitik stimme er gegen das Budget. England. Jabotinsky fordert gerichtliches Verfahren gegen den Mufti und das oberste arabische Komitee, London, 3. März. In Ergänzung seiner mündlichen Darlegungen vor der Kgl. Kommission hat der Präsident der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky, der Kommission eine Denkschrift überreicht, in der die Durchführung ener gerichtlichen Untersuchung zwecks Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Mufti von Jerusalem, die Mitglieder des Ote r s ten'Arabischen Komitees und die Mitglieder des arabischen Boykott-Komitees auf Grund des palästinensischen Aufruhrgeset2 zes gefordert wird. In der Denkschrift wird die Aufmerksamkeit'der Kgl. Kommission ferner auf Abschnitt 13 der Criminal Law Amendment Ordinance (Nr. 2) Nr. 50 vom •Jahre 1927 gelenkt und gebeten, im Rahmen ihres Berichtes vorzuschlagen,. daß gegen alle, deren Verhalten unter die Bestimmungen des Abschnitts 13 der genannten Verordnung oder irgendwelcher anderer geltender Gesetze oder Verordnungen fällt, eine Untersuchung mit dem Ziel der Eröffnung eines angemessenen gerichtlichen Verfahrens eingeleitet werde. Juden und Araber werden in Palästina vor dem Gesetz gleich behandelt London, 3. März. In der Unterhaussitzung vom 3. März veränlaßte der Abgeordnete Wedgewood durch eine Anfrage über die Verhaftung von zwei Juden anläßlich. von Waffenfunden in Kfar Saba den Kolonienminister Ormsby-Gore zu der Feststellung, daß Juden und Araber'in Palästina vor dem Gesetze gleich behandelt werden. Der Kolonienminister teilte auf die Anfrage mit,, daß nach der Beschießung eines Lastkraftwagens, der von sechs Arabern besetzt war, bei Kfar Saba und der darauffolgenden Entdeckung von Waffen in der benachbarten jüdischen Siedlung, sechs Juden festgenommen -wurden, von denen zwei noch in Haft sind,; Als der Abgeordnete den Minister darauf auf* merksam machte, daß das palästinensische Berufungsgericht die Enthärtung von Arabern angeordnet und ihre Verhaftung wegen Waffenbesitzes als ungesetzlich erklärt, hat, weil sie nach dem Außerkrafttreten der. Notverordnungen erfolgt war, erklärte der Minister, -diese Maßnahme des Berufungsgerichtes sei ihm nicht bekannt. (Erforderte den Abgeordneten auf, diesen Teil seiner Anfrage schriftlich anzumelden. Die Freilassung -der unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Feuerüberfall verhafteten Juden anzuordnen, lehnte der Minister ab. -\ ..Auf eine weitere Anfrage Colonel Wedgewoods erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore, er habe der palästinensischen Presse am 20. Februar übergebe* ..nen.^Mitteilung ^über ..die .Ausschreitungen in, Tiberias •keinen. weiteren Kommentar hinzuzufügen. Als der Abgeordnete' fragte, wer an diesen Vorfällen Schuld trage, sägte der Minister, aus den Erhebungen scheine hervorzugehen, daß die Unruhen durch eine kleine Gruppe uniformiert marschierender Neuzionisten hervorgerufen wurden. Auf eine Anfrage von Colonel Sandeman=Allen teilte der Minister schriftlich mit, er besitze keine genauen Informationen darüber, zu welchem Zeitpunkt die Kgl. Kommission ihren Bericht vorlegen werde. „Great Britain and the East" empfiehlt jüdische Auswanderung nach Ländern außerhalb Palästinas. London, 5. März. Die Zeitschrift „Great Britain and the East" weist darauf hin, daß der Welt die Not tausender Juden in den osteuropäischen Ländern immer mehr bewußt wird. Das britische Volk habe volle Sympathie mit diesen notleidenden Juden. Die Pläne . für jüdische Kolonisation in Ländern außerhalb Palästinas würden bei ihm voraussichtlich Interesse finden. In derselben Ausgabe der Zeitschrift wird auf den ungünstigen Eindruck hingewiesen, die die arabischen Mordtaten in Palästina auf die englische Oeffentlichkeit machen. Die zahlreichen Freunde der Araber außerhalb Palästinas, so wird in einer redaktionellen Bemerkung ausgeführt, lesen mit Bestürzung von den krampfhaften Morden, die in dem Heiligen Land vorkommen. Sogar wenn es erwiesen wäre, was möglicher* weise richtig ist, daß diese Gewalttaten nicht das Werk einer politischen Organisation sind, — die arabischen Führer haben öffentlich erklärt, daß sie Gewalttätigkeit verabscheuen — ist der geschaffene Eindruck höchst unglücklich. Zweifellos t gehen die Wogen der Leidenschaften noch hoch und ein Gefühl der Unruhe wird bleiben, bis die Empfehlungen der Kgl. Kommission und die Entscheidungen der Mandatarmacht bekannt sind. Aber es gibt keine Entschuldigung für einen Mord wie den, der an dem vergangene Woche getöteten jüdischen Arzt in Beisan verübt wurde. iEr bringt nicht die Verzweiflung der Araber zum Ausdruck, darüber ist bereits genügend bekannt. Er fördert nicht die Sache der Araber, diese wurde bereits gehört und überdacht. Er kann unter denjenigen, die mit den Arabern sympathisieren, nichts als kränkelndes Gefühl des Bedauerns her* vorrufen, Die Araber mögen, wie man so sagt, für ihre künftige Existenz kämpfen; man kann nicht sagen, daß sie um ihr Leben kämpfen, wenn das Leben eines einsamen jüdischen Arztes tückisch vernichtet wird. Kanada. Jüdische Einwanderung nach Kanada gesunken. O t a w a , 22. Febr. Nach der soeben veröffentlichten amtlichen Statistik sind im Jahre 1936 11.643 Personen nach Kanada eingewandert, unter ihnen 449 Juden. Während die Gesamt einwander ung um über 3 Proz. gestiegen ist, ist die Zahl der jüdischen 'Einwanderer im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren gesunken. Amerika. Auswanderung im Jahre 1936. New York, 5, März. Wie der Exekutive-Direktor des American Jewish Joint Distribution Committee, Joseph C. Hyman, bekannt gibt, haben in den ersten zehn Monaten des Jahres 1936 8831 aus Deutschland stammende Juden Auswanderungshilfe von Körperschaften und Stellen erhalten, deren Arbeit vom Joint Distribution Committee mitfinanziert wird. Die Auswanderung erfolgte zum Teil unmittelbar aus Deutschland, zum Teil aus den Ländern, in denen sich' die "Auswanderer vorläufig niedergelassen hatten. Nicht inbegriffen in dieser Zahl sind 6990 Juden, die teils als Binnenwanderer innerhalb Deutschlands, teils als Rückwanderer in ihre Herkunftsländer unterstützt wurden, sowie diejenigen Auswanderer, die die Hilfe1 öff entlicher'Einrichtungen nicht in Anspruch nahmen.