Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 10 Der Israelit auar 1937 war«n nur 15.400 Juden in Baden vorhanden. Der Rückgang gegenüber dem 1. Januar 1936 wo 16.800 Juden in Baden lebten, beträgt fast 10 Proz. Bemerkenswert ist ein außerordentlich hoher Ueberschuß der Todesfälle über die Geburten. Für 1936 ergab sich ein Sterbefallüberschuß von 252 Seelen oder 1,7 Proz. der jetzigen Wohnbevölkerung 1095 Juden haben im Jahre 1936 nach den Feststellungen der badischen Gemeinden Deutschland verlassen. Von ihnen gingen 305 oder etwa 28 Proz. nach Palästina, 790 nach anderen Ländern. Fast 75 Proz. aller Juden wohnten in zehn Gemeinden Ba dens, darunter fast 48 Proz. allein in Mannheim und Karlsruhe. In Baden befinden sich 1374 jüdische Kinder im schulpflichtigen Alter, zwei Drittel von ihnen besuchen die im Laufe der letzten zwei Jahre begründeten jüdischen Schulabteilungen. 1 * * * Stettin, 4. März In der Synagogengemeinde Stettin ist im Jahre 1936 der Mitgliederbestand von 2153 auf 1936 ge sunken. Dei Zahl der Zugänge beträgt 134, die der Abgänge 351. Fortgezogen sind allein 311 Personen. Die Zahl der Zuzüge betrug 120. Gegenüber dem Jahr 1935 hat sich die Zahl der Fortzüge (266) vermehrt. Eine Aufgliederung des Personenbestandes zeigt, daß bei den Männern der größte Teil (1543' der Altersklasse von 46 bis 55 Jahren angehört, 145 der Altersklasse zwischen 36 und 45; an dieser Kategorie haben auch die Frauen mit 194 den größten Anteil Insgesamt waren 6§6 Männer und 872 Frauen über 19 Jahre vorhanden. Die Zahl der Jugendlichen betrug 168 Jungens und 200 Mädels. Die Zahl der reihjüdischen Ehen betrug 352. Oesterreich. Wiener Magistrat verweigert 72 Juden dr8 Heimatberechtigung. Wien, 3. März. Seit November 1935 ist die Erwerbung der österreichischen Staatsangehörigkeit von der Bewilligung des Bundeskanzleramtes abhängig. Als dieses Gesetz erlassen wurde, waren 72 Juden, die jahrelang in Wien ansässig sind, im Besitz einer Zusicherung, daß ihnen die Heimatberechtigung in Wien gewährt werden würde. Trotz dieser Zusicherungen hat ihnen der Wiener Magistrat später die endgültige Aufnahme in den Wiener Heimat verband verweigert Der (Bundesgerichtshof hob auf die Beschwerde der Betroffenen die Verfügung des Magistrats auf und erklärte, es sei gegen Treu und Glauben, die Zusicherung der Heimatberechtigung zu geben und dann nicht zu halten. Trotz dieses Bescheides lehnte der Magistrat unter Berufung auf das neue Gesetz die Gewährung des Heimatrechtesneuerlich ab. Eine zweite Beschwerde, die unter Hinweis darauf, daß das Gesetz keine rückwirkende Kraft habe, erhoben worden war, hatte keinen Erfolg, Der Bundesgerichtshof sagte in seiner Entscheidung, diese Handlungsweise verstoße zwar gegen Treu und Glauben, aber das neue Gesetz zwinge den Magistrat nicht, Wort zu halten. Durch diese Verfügung werden 72 Juden in Oesterreich staatenlos. Es droht ihnen damit die Gefahr, von jeder Gewerbeberechtigung ausgeschlossen zu Werden, Die wachsende wirtschaftliche Not unter den Wiener Juden kommt in der aufsteigenden Linie der Selbstmordfälle zum Ausdruck. Die Statistik, der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zeigt, daß sich die Zahl der Selbstmord« von Wiener Juden im Jahre 1936 gegenüber dem Jahr 1935 mehr als verdoppelt hat. Holland. Aus der Amsterdamer Portugiesen-Gemeinde. Amsterdam, 8. März. Bei den am Sonntag stattgefundenen Wahlen von drei Mitgliedern des Synagogenrates sind von sechs aufgestellten Kandidaten zwei des sogenannten sephardischen Kreises gewählt worden, und zwar die Herren Rechtsanwalt A. Rodrigues de 'M i - r a n d a und S. E. da Souza P i m e n t e 1. Der dritte Kandidat dieses Kreises, Herr J. L. Rodrigues L o - Die Woche- Berlin. Im Jüdischen Museum der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wurde eine Ausstellung „Das jüdische Plakat " eröffnet. Die Ausstellung zeigt Entwicklungsstudien 'zur Geschichte des Plakats und dem Anteil, den jüdische Künstler daran in Deutschland und Palästina gekommen haben. Das Material für diese Aus* Stellung stammt aus den Sammlungen von Dr. Hans S a c h s, Berlin und dem Palästina-Kultur-Archiv, von Erich R o s e n b 1 ü t h. — In einem Aufsatz über die Arbeit der . Reichsstelle für Sippenforschung, der im „Iserlohner Kreisanzeiger" veröffentlicht wird, wird mitgeteilt, daß innerbalb der Reichsstelle eine Kartei einge* richtet worden ist, bei der auf die Erfas* sung sämtlicher fremdblütiger Einschläge im deutschen Volk besonderer Wert gelegt wird. In der Kartei sind bisher etwa 300.000 Juden und jüdische Mischlinge enthalten« Kassel. Nach Meldung der „Kurhessischen Landeszeitung" hat der (Polizeipräsident von Kassel im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister die Judengasse in Ahna'berger Gasse bezw. Klosterstraße umbenannt. Die. Straße Am Judenbrunnen erhält die Bezeichnung „Hinter der Waage". Amsterdam. In die Exekutive( der Internationalen Handelskammer ist von der holländischen Zweigorganisation dieser Kammer für da® Jahr 1937 der Amsterdamer jüdische Bankier und Mitglied der dortigen Kammer für Handel und Gewerbe, Dr. H. A. H a rt o g h , entsandt worden. — Im Auftrag des Präsidenten der polnischen Republik hat der polnische Gesandte im Haag den Amsterdamer jüdischen 'Bankier D. H. van Dam feierlich die Insignien eines Offiziers des Ordens Polonia Restituta überreichen. Die Auszeichnung erfolgte in Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung der holländisch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen- Prag. Der Verlag L. M a z a c bereitet für das nächste Jahr eine tschechische U.eb e r s e t z u n g des Talmud in umfangreicher Auswahl vor. Die Uebersetzung stammt von dem Rabbiner in Tarlin und Dozenten an der Karls-Universität in Prag, Dr. I. Hirsch, der bereits eine größere Reihe althebräischer und arabischer Texte ins Tschechische übertragen hat. Warschau. Die Aerzte-Vereinigung von C'zensto - chau hat den .vom Aerzteverband für Posen und Pomereilen vorgeschlagenen A' r i e r p a r a g r a p h einstimmig a b g e• * lehn t. Auch -die Aerztevereinigung von K i e 1 c e lehnte den Ausschluß der jüdischen Aerzte ab. — Am letzten Dienstag ist von Polen mit der „Polonia" eine große Gruppe agudistischer Chaluzim abgefahren. Sie führten eine Sefer-Thora mit sich. .— Das Organ der PoaleZion in Polen, „Das neue Wort" hat sein Erscheinen am Sabbat wieder eingestellt. — Der jüdische Friedhof in Ostrowiec (Kreis Warschau) ist während der Nacht durch unbekannte Täter geschändet worden. 96 Grabstein« wurden zertrümmert. Einzelne Gräber wurden aufgewühlt, so daß Gebeine bloßgelegt wurden. Das in unmittelbarer Nähe der geschändeten Gräber stehende Ohel des Ostrower Chassidim* rabbis ist unbeschädigt geblieben. Kowno. Die Reden, die die Agudaführer, Rabbi , Mosche Blau und 'Dr. Isaac Breuer in Kowno gehalten haben, wurden zum Teile durch den Litauischen Rundfunk übertragen. — Der hebräische Schriftstels ler J. D. K a m s o n aus Palästina hat einen längeren Aufenthalt in seinem Geburtslande Litauen dazu benutzt, etwa hundert der schönsten litauischen Volkslieder ins Hebräische zu übertragen. Die Liedersammlung wird demnächst herausgegeben. London. Wie das „JPB" aus London mitteilt, hatten der Präsident der Agudas Jis-* roel Weltorganisation, Jacob Rose n> heim und der neue Oberrabbiner von Jerusalem, Rabbi Herzog, bei einer Einladung im Hause von Lady Sassoon eine längere Aussprache. Rom. Der in Rom lebende Geschichtsforscher Prof. Dr. Ermanno Loevinson ist in Anerkennung; seiner Verdienste um die Staatsarchiv-Ver- .. waltung auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Mussolini vom König von Italien zum GroßoffLzier des italienischen Kronenordens ernannt worden. ' .^äo&uak 11. März 1937 p e s, der nicht die Mehrheit auf «ich vereinigen konnte, soll am 21. März mit Herrn A. J. Calaco O s o r i o in Stichwahl kommen. Tschechöslövakei. Arbeitsbericht des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinde,, Prag, 4. März. Der Oberste Rat der Jüdischen Kultus g e me ind e v e r b ähd e in den „historischen Ländern" Böhmen, Mähren und Schlesien, hat in einer im Prager ■jüdischen Rathaus abgehaltenen Vollversammlung den Tätigkeit®- und Kassenbericht über das Jahr 1936 zur Kenntnis genommen. Dr. Eugen Löwy wurde zum Mitglied und /Vizepräsidenten der Präsidialköftferenz, Dr. Karl Alter zum Ersatzmann gewählt. Es wurde beschlossen, die Präsidialkonferenz mit der Herausgabe der von dem Ehrenpräsidenten des Obersten Rates, Dr. August Stein, besorgten Ue-b ers e t z u n g des Machsors. zu betrauen und ZU diesem Zweck einen Betrag bis zu 100.000 Kc, zur Verfügung zu stellen. : Der Bericht behandelt u. a, die Tätigkeit zum Schutz der Freiheit ritueller Einrichtungen im Zusammenhang mit dem Entwurf des Tierschutzgesetzes, die Tätigkeit der Gesellschalt für die Geschichte der Juden in der Tschechoslovakei, wobei erwähnt wird, daß neben dem Jüdischen Museum in Prag nunmehr ein zweites jüdisches Museum in Nikolsburg gegründet wurde, und geht dann zur Darlegung der Arbeit auf dem Gebiet 'der sozialen Fürsorge über. Um die soziale Hilfe zu organisieren, hat der Oberste Rat eine Kommission, einge« setzt. Zu geeigneter iZeit soll eine Konferenz aller beteiligten Korporationen einberufen werden. In den Staatsvoranschlag wurden für die Jahre 1936 und 1937 je 50.000 Kc. als Beihilfe für den Obersten Rat eingesetzt. Es wird betont, 1 daß der weitaus größere Teil der verantwortlichen tschechoslovakischea Staatsmänner für die Situation der häufig gehässigen Angriffen ausgesetztenjüdischen Bevölkerung yVerständnis bewiesen hat. Jugoslavieii Rechtsgleichheit aller Bürger in Jugoslawien, Erklärung des Kultusministers in der Skuptschina, Belgrad, 7. März. Während der Budget-Debatte im jugoslavischen Parlament hielt der antisemitische" Abgeordnete Dr. Milan Banic eine Rede, in der er behauptete; der jüdische iEmfluß wirke sich schädlich auf die jugoslawische Kultur aus. Insbesondere beanstandete es der Abgeordnete, daß eine der bedeutendsten jugoslavischen Verlagsanstalten, die die Werke der fühs renden jugoslavischen Schriftsteller herausgibt, unter jüdischer Leitung steht. . Die Angriffe des Abgeordneten wurden von dem Kultusminister Svetkovic in seinem Schlußwort zurückgewiesen. Die Kgl. Regierung, erklärte der Mis nister, kann und wird es nicht zulassen, daß unser Leben von der Straße beherrscht wird. Es wird der Presse, die der Straße dient, nicht gelingen, das Hauptfundament zu erschüttern, auf dem Jugoslavien steht: volle Gleichberechtigung für alle anerkannten Religionen und Rassegruppen, die mit uns auf diesem Boden leben. ' Der Vorstoß des Abgeordneten Banic wird auch in den maßgebenden Zeitungen Jugoslaviens verur* teilt. Im übrigen wird darauf 'hingewiesen, daß die Gruppe des Abgeordneten Banic insgesamt aus drei Mitgliedern besteht, die ironisch als die „Drei Musketiere"" bezeichnet werden, ' Rumänien. Entwurf eines Gesetzes zur ^Förderung der nationalen Arbeit" in Rumänien. Bukarest, 7. März. Die rumänische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, in dem vorgesehen ist, daß 75 Proz, aller Angestellten in Handels-, Industrie* Finanz- und sonstigen Unternehmungen „ethnisch-nr manischer Abstammung" sein müssen. Auch die restlichen 25 Proz. müssen rumänische Bürger sein, können aber den jüdischen, ungarischen, deutschen, rus-