Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit 11. kärz 1937 -■■' uns sonst an''anderer -Stelle zu befassen pflegten, der Sache einen Leitartikel und meint, nunmehr 'hätten die R a-h b i n e r r und zwar die konservativen und v liberalen, das Wort. Als ob die i i b e r a 1 © n -Rabbiner zu dem Thema, nicht schon längst> gesprochen1 hätten; als ob Dienemann und Genossennicht mit ihrem „rabbinischen Gutachten" der Frage der 'Breslauer jungen jüdischen Theologen nicht schon längst zuvorg e k o mmen -wären! Was aber die k o n s e r - vative n und orthodoxen Rabbiner betrifft, so bleiben sich diese ihrer schweren Verantwortung bewußt und werden sich durch die ungeduldigen Treiber kaum von ihrem Wege der ernsten Prüfung abdrängen lassen. Wir sagten es schon in der jüngsten Nummer und behalten uns vor. auf Grund uns vorliegenden M aterdals zu der Angelegenheit noch einmal Stellung zu nehmen.» * . * * Wenn sich eine Meldung der Gesellschaft „Hias" bestätigt," wird sich demnächst eine M i 1d e * u,n g der Einwanderungsvorschriften, in'Argen t i n i e n als eine Na-* turnotwendigkeit und ein Lebensbedürfnis des argentinischen Volkes erweisen. Die letzte V o 1 k s z ä^i 1 ü n g in Argentinien hat eine weit geringere 'Bevölkerungszunahme als in den Vorjähren sowohl in der Hauptstadt als in der Provinz festgestellt. Von bestimmten Kreisen werden auf Grund dieser Feststellungen jetzt schon Anträge für Milderung der Einwand er u n g s b e s t i m m u n g e n eingebracht, denen wir von uns aus guten .Erfolg wünschen. Zu bemerken sei nur, daß gute Kenner der Verhältnisse ähnliche Feststellungen auch in anderen tLänderni besonders in 'S ü d a f r i k a, jetzt machen, Es bestätigt sich in diesen Ländern die auch in Palästina gemachte Beobachtung, -daß die Aufnahmefähigkeit eines Landes durch neuen Kräftezuwachs nie gemindert; sondern im Gegenteil g e h o b e n wird. Es wäre aus dieser Erkenntnis viel für die jüdischen Wandermassen herauszuholen, wenn in den überseeischen Ländern bei der Einwanderungspolitik lediglich die Interessen des Landes mitsprächen. * * ' .. * Das seit Januar in Polen zu Recht bestehende Schächtverbot hat infolge der Tatsache, daß bis dahin das Fleischergewerbe in Polen in jüdischen Händen lag, zur Proletarisierung und P a u p e r i s i e r u n g der jüdischen Vol k s m a s s en erheblich beigetragen. Die Bestimmungen sind schärfer in Schriftdeutungen zu tinnH '5* Mitgeteilt von S. Speier. ~ Kap. 12. V. 12. w3m'nm'nW3.o»i3ta-p»a wasi •yn '3R o'üsb? nvvs ans» ti^k Vaai nana nyi ins» tr-is» psa -liaa „Ich ziehe durch das Land Aegypten in dieser Nacht Und erschiene jeden Erstgeborenen im Lande Aegypten, von Mensch bis Vieh, und an alle«. Göttern Aegyptens übe ich Gerichte, Ich, G'tt." Nach der üblichen Auffassung werden die Worte ansD vto* Vaav mit „und anderen Göttern Aegyptens"- wiedergege=;' ben. Wir finden jedoch oviVk zuweilen in der Bedeutung von Fürst, Herr. So bedeutet £ nn'sv' D'niisV „und du wirst ihm zum Herrn sein" (Schemot 4,. 16). TOIDV DVrt'R "\TiT\i riKi heißt: „Siehe, ich habe dich als Herr über Pharao gesetzt" (Schemot 7, 1). In Schemot, Kap. 22, . V. 8 dient nv»i>K als Bezeichnung für Richter: . ,mjnS> abvr> dviVk jy»en* ~>m onw nan Ra» a->rb*r\ iy „an die Richter komme die Angelegenheit der zwei, wen die Richter verurteilen, bezahle zweifach seinen Nächsten." ans» >n>«!«av dürfte danach wiederge-; geben werden mit „und an allen Fürsten Aegyp* tens werde ich Gerichte üben." Dementsprechend ''st ajuch Bemidbar 33, 4 aufzufassen: ojissw 'n npjron'nVtian nian Va pna 'n nan isn* m D'iapn n'isav „Und die Aegypter begruben, was G'tt unter ihnen., erschlagen hatte, alle Erstgeborenen; und auch an ihren Fürsten hatte G'tt Gerichte geübt.1) Weitere Vielleicht nimmt nach dieser Auffassung das; im Vordersatz erwähnte tnnapn auch* auf on'n>K3T Bezug. ■ ": X >. •' ' ' ' . ' Kraft getreten, als man geglaubt hatte und vielleicht auch beabsichtigt war. So wurde das von : vornherein in' den Großstädten vorgesehene K o n t I n g e n t von rituell geschlachtetem Ko- .scherfleisch jetzt w es e n t lieh vermin'- .d er t. Dieses verminderte Kontingent würde schließlich zur 'Fleischbeschaffung für die relativ wenigen Familien, die sich den Luxus der Fleischkost noch leisten können, ausreichen, reicht aber leider nicht zur Brotbeschaffung für das große Heer von jüdischen Fleischhändlern und; Arbeitern im Fleischgewerbe, die nun existenzlos sind. Daß mit dem neuen K o c - P1 a n darin eine Aenderung eintritt, ist leider nicht zu erwarten. 1 Wenn nun nach der längst" eingetretenen Resignation noch einmal das Problem aufgeworfen wird, so darum, weil in den letzien Tagen die christlichen Fleischer in L o d z in einer großen Versammlung die Feststellung gemacht;und die Erklärung abgegeben haben, daß die ..Minderung des Koscherfleischkontingents auch sie schwer in Mitleidenschaft gezogen hätte. Mindestens fordern sie die Wiederherstellung der erst vorgesehenen Koscherfleischnorm. Es waren auch Vertreter der Behörden in der Versammlung anwesend, aber nur um zu erklären, •daß an eine Neuaufrollung dieser Frage zur Zeit n i c h t gedacht we r d e n k onn e. * . . * ■ .; - ' \ ' " ' ' Jizchak Grünbaum, der in Palästina das wenig dankbare Amt der Zertifikatenvert eilung in Händen hat, kam nach Polen, um dort an Sitzungen teilzunehmen und Vorträge zu halten, und wurde in Warschau mit schlagenden Beweisen belehrt, daß seine ''Zertifikatenpölitik sich nicht gerade größter Popularität erfreue. Seine Reden wurden durch lärmende Demonstrationen gestört und er selber wurde von jungen Revisionisten" auf der Straße wiederholt tätlich angegriffen, so daß sich zum Gaudium der nichtjüdischen Passanten regelrechte Keilereien entwickelten. Eine Erklärung des Büros der Betarim in Polen, daß es die Revisionisten-Ueberfälle auf Einzelpersonen und die Anwendung physischer Gewalt verurteile, ändert nichts an der Tatsache^ daß es aufgehetzte junge Stürmer aus diesem Kreise waren, die nach bekannten .Mustern glaubten, ihr Recht mit der Faust sich verschaffen zu können. Die Leitung verspricht sogar eine strenge Untersuchung und den eventuellen Ausschluß derer, die als Schuldige festgestellt werden sollten. Eine Untersuchung könnte auf keinen Fall schaden, und eine besser Erziehung der jungen Mitglieder auch nicht. , Deutung; Gemäß der Interpretation des Wortes O'ii^K als Bezeichnung, für Herr kann man unter D'lSö VlbR . den „Größten" in jedem ägyptischen Haus verstehen. Gibt es in einem Haus keinen erstgeborenen Sohn, so wird der Aelteste bezw. der Angesehenste des Hauses von der Strafe betroffen.2) So heißt es weiterhin in V. 30: „denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter war."3) * * * Kap. 12. V. 24. dVi? iy yMb^^b pr6 nta iann ns omaen „Und beobachtet dies als Gesetz für .dich ttnd für* deine Söhne auf ewig." Unter nrn ist das in Vers 21 erwähnte Schächten des Pessachlammes zu verstehen. Die in Vers 22 erwähnten Bestimmungen hingegen mußten mir in Aegypten beobachtet werden. (S. Maszechet Pessachim Perek 9, Mischna 3.) * * * 2) Vgl. Raschi zu 12, 30 und Mechdlta de Rabbi Schimeon ben Jochai, nach Handschriften herausgegeben von D. Hoffmann, Seite 23 ,zu Schemot 12, 30. Midrasch. Tehillim und Jalkut Schimeoni lesen: h» rvsaw BiBiioisin ''n "vori rvaa ">n kY uvn Siehe Midrasch Tehillim zu Tehillim 78, Abschnitt 18 (ed. Buber Seite 355) und zu Tehillim 105 Absch. 10 (ed. Buber S. 452); Jalkut Schimeoni zu« Tehillim 78, Ziffer 820 und zu Tehillim 105, Ziffer 863.; '3,) Schreibt man hingegen d'*wb ->rbx üoai die Bedeutung von 'Göttern bezw. Fürsten zu, so bedarf es der Erklärung, aus welchem Grund im Anschluß an xlie. Schilderung der . an den »Erstgeborenen. vollzöge* nen Strafgerichten (12, 29 u. 30) nicht auch die Götter bezwdie Fürsten erwähnt werden... Nr. 10 Seite 5 Daß es bei 'der Zertifikatenyerteilung stets f mit rechten Dingen zugeht, wollen wir keineswegs behaupten. Es sind, nicht die Revisionisten allein, sondern auch (Männer der H i s t a d r u t h in Palästina, also beinahe Parteigänger des AlijahamteSr ' die in , palästinensischen Zeitungen rlerrn Grühbaum in erster Reihe dafür verantwortlich machen, daß ungeeignete Elemente, sogar Halbgetaufte und in Mischehe Lebende ins Land kamen. Die Straße ist aber nicht der geeignete Platz für die Austragung dieser Fragen -r— und am wenigsten die Warschauer Straße . . \ * * . *. Trotz' stärkster Propaganda ist es bei den letzten Wahlen zum Londoner Grafschaf t ST a t Sir Oswald Mosley nicht gelungen, nur einen einzigen Kandidaten seiner Partei durchzubringen. Von den abgegebenen rund 1.717.000 Stimmen in London-Ost sind nur 15.000 Stimmen auf die Mosley-Liste entfallen. In den andern Wählbezirken kam ein verschwindend. geringer Stimmenrest den Mosley-Kandidaten zugute. Dieser Ausgang ist eine deutliche Antwort des einfachen arbeitenden Volkes auf gewisse Vorgänge, der letzteren Zeit in London- Ost, die Anlaß zur Besorgnis^aben, und sie wird alle befriedigen, die ohne sufo. für politische und Parteikämpfe zu interessieren., ruhig ihrer Arbeit und ungestört schlafen wollen. * * * Die Mitteilungen Pariser Blätter, daß von Moskau aus dieses Jahr die, Versorgung der j üdis.c hen iB evö 1 k er un g i n R u ßland mit Mazzoth ver- oder behindert werden soll, hatr wie schon mitgeteilt, einige Aufregung; in der jüdischen Welt hervorgerufen. Nunmehr erklärt der Botschafter der S o w j e t - U tt i O 11. i h London auf Anfrager daß nach seinen aus Moskau erhaltenen Informationen, diese Gerüchte aus der Luft gegriffen seien. Natürlich stamme die Meldung aus" sowjetfeindlicher Quelle, mit dem Zwecke, bei der jüdischien OeffentKchkeit Mißstimmung gegen oowjetrußland zu schaffen. Inzwischen gelangten aber auch direkte Berichte aus Moskau, natürlich ebenfalls .Dem e n t. i s , die aber das Londoner, Dementi wie-. derum wertlos machen. Man dürfe nach wie vor Mazzoth baokenv" aber nicht u n t e r Verwendung von Lohnarbeitern. Die Mazzoth konnten in den staatlichen Bäckereien hergestellt werden, aber nur unter Aufsicht der j Behörden (?). Eine Uebersyachung Kap. 12. V. St^inB^ »aa m 'n 8'sm nrn ovn nsya 'rm .oniax >y onsa p«a „Und an .eben, .diesem. Tage führte G'tt die Sohne Jisraels aus dem Lande Aegypten nach ihren Scharen." Dieser Satz scheint überflüssig zu sein. Heißt es ja bereits in V. 41: „An eben diesem Tage zogen alle Scharen G'ttes aus dem Land Aegypten." Antwort: Aus V. 42: i,Eine Nacht der Wache war sie!für G'tt, sie aus dem Lande Aegypten zu führen" hätte'man entnehmen können, Jisrael sei in der Nacht aus Aegypten gezogen. Um einer solch irrigen" Auslegung zu begegnen, betont die Schrift nochmals: „Von eben diesem Tage führte G'tt die Sohne Jisraels aus dem Lande Aegypten." V. 42 hingegen bedeutet: Eine Nacht der Wache - war sie für G'tt zudem Zwecke, sie aus Aegypten zu führen (dioxinW, Dem in der Nacht vollbrachten Wunder verdankt diisrael seine Erlösung (12, 29). In der Nacht spricht Pharao zu Mosche und Aharon: „Auf! Zieht weg von meinem Volke" (12, 31). Jedoch mit Hinblick auf das G'tteswort „ihr aber, keiner gehe aus der Tür seines Hauses, bis zum Morgen" (12, 22) verweilt Jisrael ' die \Nacht über noch in Aegypten. . . . x'Sin ntn osm wv Mit Tagesanbruch führt G'tt Sein Volk aus dem Lande Aegypten. Nach Ansicht einiger Kommentatoren bildet V. 51 die Einleitung zu. dem darauffolgenden Abschnitt. Es war an eben diesem Tage,, als G'tt die Söhne Jisraels aus dem Lande Aegypten nach ihren Scharen führte, da redete G'tt zu Mosche, sprechend: Heilige mir' jeden Erstgeborenen. Dementsprechend heißt es in 13, 3: cpnsna ta\«v *wr nr?i Bi»n m -ii:t „Gedenket des heutigen Tage», da ihr aus A^iypl&a gezogen seid." Nach dieser Auslegung ist V. 51 ohne ..weiteres, notwendig. .