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Der Israelit · 1937-03-11 · Heft 10 (11.3.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 10 (11.3.1937)
Date
1937-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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i Seite 4 Nr. 10 De r I a r a c 1 l t 11.: März 1937 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die "'Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATÖRAH! Keren Hatorah, Hamburg/HeinrichBarthstraße2 1, Post Scheck ko n tot Hamburg 24753 Prophetenbuch das ganze Problem der Auferstehung mit vierzehn Argumenten O'EHtf aufgerollt werden, und Daniel gibt ihm Gelegenheit, die Messiasfrage in all ihren Ausstrahlungen zu behandeln. (Mögen andere Erklärer sich mit einigen Ausdrücken und sprachlichen Sonderheiten im Kapitel der 'Schwagerehe in der Thora abgeben, er, Abarbanel, nimmt das Kapitel zum Anlaß, seine tiefsten Gedanken über die Seelenwa n d erung zu entwickeln. Schon von Haus aus kein Freund von Wort- und iBüchstabenklauberei, geht er scharf zu Gericht mit denen, zumeist Konvertiten, die einzelne Worte der ßibel im Sinne ihrer Religion mißdeuten. (Ein glühender Anhänger von Maimonides, dessen Schriften er im damals noch anhaltenden Kampfe leidenschaftlich verteidigt, mag er in manchem nicht mit ihm einiggehen, er rückt zuweilen auch da von Aristoteles ab, wo sein Meister ihn akzeptierte. Er mag nicht, wie Maimonides, in der Proph etie die letzte Vollkommenheit der höchst entwickelten Vernunft sehen, sondern nur Erwählung und Berufung, (was im Effekte vielleicht das gleiche ist). Er mag nicht wie Maimonides von dreizehn Glaubensartikeln und auch nicht von Rabbi Josef Albo von drei Grundlehren sprechen. Nicht drei- oder dreizehnmal „Ich glaube!" sondern 6.13mal „Ich tue und lasse es!" Jedes der 613 Ge- und Verbote ist zugleich eine Grundlehre und ein Glaubensartikel. Dogmen und zusammenfassende prundlehren kennt er nicht. In allem anderen ist er aber treuer Schüler und .Mitgänger von Maimonides, so auch in seiner milden Einstellung gegen die Marranen, Freilich waren es zur Zeit des Rambam Scheinmohammedaner und jetzt Schein Christen. Das macht einen wesentlichen Unterschied. Er hatte aber gar zu oft die Leiden der (Marranen mit eigenen Augen angesehen, um an ihrer inneren Läuterung zu zweifeln. Uebertreter waren sie «aber keine Ueberläufer. ö^yeriö, aber V 1 # * *5WIS' solange sie den Willen zur Rückkehr hätten, und die Hoffnung auf d i e iR ü c k k e h r. Wie ein letztes Vermächtnis liest sich sein Kommentar zur P es sach -Hagada. Aus Leid und Enttäuschung, aus Heimweh und Todesahnung geboren, bietet uns dieses Werk nicht allein in der Vorrede seine Lebensgeschichte, sondern spiegelt auch in den Einzelstücken des Textes seine Lebensschicksale wider. Man soll sie heute lesen, d. h.. wiederum 1 e rn e n und studieren, und viele verwandte Töne werden in unserer Brust erklingen. Eine Abarbanel-Legende erzählt, daß jener kostbare Sederbecher, das Familienerbstück der Abarbanels seit König David, einem Nachkommen Don Jizchaks verlustig gegangen sei, und damit begann eine neue Aera der Not und Gefahr für diesen wie für sein Volk. Ein trüber Sederabend dunkelte heran. Ein später Gas? trat aus der Nacht ins Haus -und verschwand wieder. Als die Familie wieder an den Tisch kam, stand der Becher in alter Pracht und Herrlichkeit auf dem Sedertisch. Elijahu, der Prophet, in der Gestalt des Wandergastes, hatte das kostbare Familienstück wieder herbeigebracht. Die Sage erhält Leben. Manch einer wird dieses Jahr den ß e c Ii e r -des Heiles der Abarbanels auf seinem Sedertisch wiederfinden. Freilich habe man ihn erst zu suchen, in den Schriften,- in den Gedankenschätzen, im Lebensgut Don Jizchak Abarbanels. Wochenrundschau. Seelische Betreuung der Auswanderer — Religiöse Gesetze lassen sich nicht erstürmen — Einwanderung hebt die Aufnahmefähigkeit — Fleisch und Brot in Polen — Zertifikatenkämpfe in Warschau — Mazzot unter Polizeiaufsicht in Sowjetrußland. Aus- und iE i nwänderungsfragen nehmen heute den größten Teil der jüdischen Zeitungen in Anspruch. Das Verdienst der großen Organisationen, die den Heimsuchenden mit Rat und Tat beistehen, soll wahrlich nicht geschmälert werden, nur möchten wir, wie wir es schon wiederholt getan haben, immer und immer wieder den Wunsch aussprechen, daß man mehr Rücksicht auf die Psyche und auf das religiöse Empfinden der Emigranten bei ihrer Beratung, Versorgung und Betreuung nimmt, um nicht die geistige Not der aus dem Gleichgewichte gebrachten Menschen noch zu vermehren. Es ist freilich auch Sache der Auswanderer selbst, Mahnungen zur Vorsicht zu beherzigen. Es ist wiederholt vorgekommen, daß religiöse Menschen am Sa bb a t in den Häfen ankamen, wo von ihnen schriftliche Erklärungen bei der Landung verlangt wurden. Man kann aber durch Wähl des. Schiffes dieser Kalamität entgehen. Es ist vorgekommen, daß Neulinge in Städten Südafrikas und Amerikas ihnen von den Beratungsstellen als rituell empfohlene Restaurationen aufsuchten und schlimme Ueberraschungen inbezug auf Kaschruth erlebten. Wer eine Emigfantenhilf e nach dieser Richtung Mr kleinlich findet, kennt die geistige Situation und das natürliche Recht des religiösen Auswanderers nicht. Es ist •daher mit Dank zu verzeichnen, daß, wie.an anderer Stelle berichtet wird, die zuständigen Instanzen der A gu d a s Ji s r o e 1 ihre Wanderfürsorge durch eingehende Beratung auch nach dieser Richtung ausdehnen. Das angeblich „zum ersten Male" in einem jüdischen Blatte des Saarlandes abgedruckte Memorandum der Hörerschaft des J ü d i s c h - T h e o 1 o g i s c h e ri Seminars in Breslau zur S c h ä c h t f r a g e , mit dem wir uns schon in jüngster Nummer an dieser Stelle kurz beschäftigten, hat, wie zu erwarten: war, ein lebhaftes Echo in den Kreisen gefunden, die alle Zeit bereit sind, den Rabbinern die Autorität zu erteilen, „religiöse Fesseln" (wie sie die religiösen .Bindungen empfinden) zu lockern und sich über Tat- und Mutlosigkeit zu beklagen, wenn die Hüter des Gesetzes ihnen, infolge eigener Gebundenheit an dieses Gesetz, nicht gleich zu Willen sein können. In einem jüdischen Blatte. Norddeutschlands widmet ein Mann, mit dessen religiösen Bekenntnissen wir v ♦anp Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Das dritte Buch der heiligen Schrift, an dessen Pforte wir nun stehen, enthält, wie sein Name besagt, die na'jna mw die Lebensanweisung für die Priester in allen ihren Beziehungen zum Heiligtum wie auch die Lebensordnung für das Volk, das zum Priester der Menschheit bestimmt, ist. Das tstp1! "iso ist also die Wegweisung und Zielrichtung unseres Judentums. Dieser seiner großen Bedeutung entspricht auch ganz und gar sein erstes Wort: *vst6 un» Vhkjd vb» 'n -iaT>rn^n b* mp->i „Es rief Mosche zu und redete der Herr zu ihm, aus dem Zelt der Gegenwart sprechend." Die Offenbarungsstätte des Herrn für Mosche ist .jetzt nicht mehr der Hareb, nicht mehr der Sinai, wo G'ttes Stimme ihn rief, ehe sie sich ihm mitteilte, um sie weiter forttönen zu lassen in Israel und durch Israel für alle Zeiten und. alle Geschlechter, die dem heiligen Thora wort Ohr und Herz zu öffnen willens sind. Das wn bn* das Stiftszelt, das pwn die Wohnstätte der ns»s» wird hinfort da» 'Heiligtum der GHtesoffenbarung, zu deren "Werkzeug nun von neuem Mosche bestimmt wird, indem wo bx jnp'T Mosche von G'tt gerufen wird zur Entgegennahme seines Willens. Deutlicher, anschaulicher kann uns nicht gezeigt werden, daß „von Angesicht zu Angesicht G'tt geredet" zu seinem treuen Diener, der der Lehrer und Führer seines Volkes ward. Unsere Weisen merken hier an: mon 'sn n'3p njn ,iy>jp •>«» mon nsn -w xbna „Ein Sprichwort lehrt: „Du besitzest alles, wenn dich Wissen krönt." T\mi bx inp'n insm rrapn nopi? iv r\bv mb nwn rjK Einsicht und Kenntnis in ihrer höchsten Vollkommen* heit waren gewiß Mosche eigen, und doch zu der ihm von G'tt zugewiesenen Höhe, sein, Sendbote an Israel zu sein, stieg er erst immer dann empor, wenn der Herr ihn rief und seine Stimme zu ihm gelangte. Diese 'Erkenntnis, der wir uns voll hingeben sollen, ist uns die Bürgschaft für die Heiligkeit und Ewigkeit unserer Lehre und für die volle Verpflichtungs-. kraft jedes ihrer Worte. Nicht Zeit und nicht Umstände können wandeln und wechseln am erhabenen G'tteswort, das der^ Herr an Mosche zuerst heran- > gebracht, damit es in Israel verankert werde und ein jeder in unserem Volke engelgleich sich in der Erfüllung der heiligen Lehre dem Dienste des Erhabenen verhaftet fühle. Der Midrasch leitet seine1 Erklärungen des dritten Buchet mit den Worten ein;'1 tot ^ipa ynvb mi ->m9 m nas vsxbn "i -rna rrpr „Preiset den Ewigen, ihr seine Engel, tatkräftige, Vollführer seines Wortes, beflissen zu gehorchen der' Stimme seines Wortes" so singt der königliche SäriJ ger. Das ist der Aufruf, der an Israel ergeht, um" es mit dem Diadem treuester Hingabe und weitester; Aufgeschlossenheit für G'ttes Wort zu schmücken und es würdig zu machen dessen, der es geführt und gelehrt mit einer Selbstverleugnung und Selbstäufop?* ferung, die ihn über alles Irdische hinweghebfc und:* ihm den Stempel ' besonderer'' GHterkorenheit, aufdrückt. Und, als ein Wort zur rechten Zeit vernehmen wir, was Israels Weisen weiter anmerken. Spendet zu jeder Zeit der jüdischen Winterhilf e! n'jra» ibx -tai« nns?J pnsva*»' : R. Jizchok Napcha, meint. Ein treffend Bild für, die, die unbeirrt um Zeit und Erlebnis des Herrn Willen / erfüllen, sind diejenigen, die im siebenten Jahre den heiligen Boden brach Hegen lassen, um ihn als G'ttes Eigentum anzuerkennen. Das sind die na visx. die tatkräftigen G'ttesdiener, die ohne zu murren, ohne zu klagen, ihre Felder unibearbeitet und was an Früchten etwa der Boden öder Baum und Strauch hervorbringen allen hingegeben sehen.. ., -., ...... Es ist sicher' von allem -Schweren das Schwerste, auf Arbeitswillen und Schaffenkönnen zu verzichten und der winkenden Frucht\ zu entsagen — aber 'auch } von allem Großen das Größte sich zu überwinden Tind auf die Hilfe des su vertrauen, der ©einen Segen verheißen für iden Boden, der seinen Sabbat halten darf. Gilt da, nicht für alle in Israel, für die Weite Gola die Verpflichtung, mit zu sorgen,' daß?' wenn das siebente Jahr wieder einzieht; auch' Vertrauen' und Zuversicht allenthalben im heiligen Lande; triüm* phieren und die Herzen und Geister ruhig und zufrieden stimmen. -— G'ttes Stimme ruft auch uns aus dem heiligen Schmittohgesetz, . lassen wir sie nicht verhallen, mögen wir uns alle schon, je;tzt,,- wo das F.estjahr bei.juhs einzieht, zu segensfKotfem, Wirken und Schaffen im Dienste de* heiligen Landes spornen lassen! '

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