Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 10 (11.3.1937)
- Date
- 1937-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11. März 1937 Der Israelit Von Don Jizchak Abarbanels Leben und ■ : ::'..'.■.•(• ■ .■•.>-. . ■■: i- ■ ' v' ' Lebenswerk- (Fortsetzung von. Seit© 1.) v , - - . .v. .. . ■ v"i.v \ -,:'." ■ gangen wäre, wäre es nicht als Puffer in die Mitte hineingeschoben worden, um jden endlichen Siegvdes Abendlandes nach der Einnahme Granadas mit seinem Gut und;Blüt, mit Heimat und Leben zu bezahlen. .. ' Das äußere Lebensbild des M^nscben und Staatsmannes, Die Familie stammte aus Sevilla, führte aber ihren Stammbaum nach Jerusalem bis zum König David zurück, dessen Harfe auf dem Wappen der Abarbanels zu sehen war. Schon, der Vater, Juda, war am Hofe von Portugal angesehen und beamtet. Jizchak erhält eine seiner hohen Begabung angepaßte gediegene Ausbildung. Er ist ein ausgesprochener iMaimunschüler, der den „iMroe" kennt, vorträgt, erklärt, glossiert und, wo er es für gilt findet, auch b e - i kam p f t. Schon in ganz jungen Jahren wird er in den . Höf und den Dienst des Königs Alfons V.; gezogen. Glück und Glanz' begleiten ihn bis zur Lebensmitte, 1483 muß er aber nach dem Töde; seines ^königlichen Gönners im Alterit von 46 Jahren die Heimat verlassen. Ein Emir grant in., Toledo,;: verlassen und ^lbar aller Mittel, gedenkt er nun seine in Lissabon begonnenen Kommentare zur heiligen Schrift fortzusetzen.-und zu vollenden. Wie'gut muß die vorbereitende Arbelt'in den in Lissabon seinem Amts-» geschäften abgerungenen Nachtstunden *• vor sich gegangen sein, 'wenn, er in einem Zeiträume vonvier Monaten (10. Cheschwan — 13. Adar) die Kommentare zu den Büchern ,,Josüa", „Richr ter:' und „Samuel" vollständig fertigstellen kann. Den Kommentar zu den „Königen" hat er zunächst zu' e riebe n. K ö n i g F erdinando von Spanien läßt ihn kommen und legt ihm die spani s e hcn' Fin a n z g eschäfte in die Hand. ' - V . -:. ' \ Schon in seiner Lissaboner Zeit bewahrte sich Jizchak Abarbanel als Staatsmann von großem Ausmaße, als Staatsmann aber von der Größe eines Joseph, dessen Herz seinen notleidenden Brüdern gehört. Er weiß, wie später Rabbi Jo-- selmahn und andere: G'tf verleiht einem Juden' Größe und Einfluß nur, um ihn zum Beschützer seiner Nation zu machen. Von Nordafrika bringt der König von Portugal ein paar hundert jüdische Sklaven als Kriegsbeute ,mit.j Jüdische Sklaven darf es aber nicht geben. „Denn mir sind Israels Söhne Untertan und nicht" Sklaven bei Sklaven", lautet ein Satz der Schrift, den Abarbanel klar genug gedeutet hatte. Also folge der lebendige Kommentar. Ni,cht allein daß alle samt und sonders ausgelöst werden, ist das; Große an der Sache, die Einrichtung des [ ta^atP stand t i in früheren Jährhunderten im jü-'i dischen, Kreise immer urid überall in hoher . Blüte. t Aber die O r g a* n i s a t i 0 n , die der jü-:i dische Staatsinann Abarbanel dafür; schafft,; könnte hejite in ihrem Grundgedanken und ihrer! > Grundformien vielen auch unter veränderten Umständen vorbildlich sein. Zwölf Obmänner,; Ü^cn genannt,, sorgen' für die Aufbringung der; Gelder. Nach der Befreiung dürfen die Fremden, die Brüder sind, nicht ihrem Schicksal überlassen, werden. Sie werden, in Schulen und Werkstätten, (man würde heute Hachscharoth sagen), in der portügiesisbhen Sprache und; jrn Handwerk ausgebildet, so daß sie in wenigeii Jähren dem Leben und dem - Arbeitspröz'eß: im neuen LI . ■;[. : - / * ' M <' . atde eingereiht,'sind. Die zweite Generationji ist schon j£anz.'rjni! portugiesischen Judentum aufgegahgen.;^1 '!•• ': "■ ■ "■ :. : i''; -.' 'r:'^ . ' ' Vi:. . ., ';' f .-■■>■> Das; ^r;.d,a.m a 1 s ..unter, der*portugiesischen, Sonne;;j .J^tzti -a ^er Staatsmann Don Jizchak : Abarbanel auf höchster Höhe des sozialen Le^ bens1 angelangt istf;wird er vor eine andere Riesenaufgabe gestellt, die zu lösen, Menschenkraft nicht ausreicht, auch die von Don Jizchak Abar-; banel nicht: das Unheil Von März 149 2. Mit 55 Jahren erlebt der jüdische Fürst den größten Schmerz , und die größte Enttäuschung,; die .ein Mensch, der in Aemtem und Würden nur die : goldene Brücke zwischen dem Königshause, und: seinem Volke gesehen hatte, erleben kann. Die Katastrophe. Der heutige Mensch kann sich eine Vorstellung von dem jähen Zusammenbruch des spani^ sehen Judentums nicht machen. Als am .2. Jar nuar 1492 Granada als letztes Bollwerk des Is- , liam gefallen war und man bereits1 davon munkelte, (Laß ein A tis tr ei b ung s e di k t gegen die Juden im königlichen Archive als Dankopier der Kirche schon bereit liege, um zur gegebenen Stunde verkündet zu werden, glaubten es die Juden einfach nicht. Es war schlechthin undenkbar, so undenkbar, wie etwa daß mit einem Feuerstrich die j. Schöpfung und die Weltordnung aufgelöst werden und das schöne Spanien aufhören . konnte. Feinde und Widersacher waren da, gewiß, das wußte man. Aber Spanien ohne Juden? Nein, das war so wenig, vorstellbar, wie Juden ohne Spanien. Und als am 31. März das Edikt mit Pauken und Trompeten dennoch in dem Straßen der spanischen Städte verkündet wurde, 'da war 'eben jener Weltunt er - gang, den man sich nicht vorstellen konnte, wirklich da. Abarbanel hatte aber in der Zeit, zwischen dem 2. Januar und dem 31. März nicht geruht. Hielt sich sein Volk im Lande unentbehrlich, so wurde ihm seine Unentbehrlichkeit bei Hof oft genug bezeugt. Von drei Abwehrmitteln für das jüdische Volk spricht die. alte Schrift und auch Abarbanel in seinen Erklärungen zu jenen Schriftstellen: Gebet, Kanipf und Geld! Der Kampf konnte hier nur im geistigen Sinne gemeint sein und geführt werden. Man schlug eine etwas naive und riieht ungefährliche Strategie ein'. Man suchte wissenschaftlich — und darin war Abarbanel Meister — nachzuweisen, daß die Juden schon vor Zerstörung des zweiten Tempels in Spanien ansässig waren, ergo vorn Hauptvorwurf gegen die Juden freigesprochen werden müßten ... Die Waffen des Geldes hatte man in guten Golddukaten bald;zur Hand, an der dritten Rüstung fehlte! es, besonders nach der Verkündung des Ediktes, gewiß nicht: die unzähligen Synagogen in den Städten waren bis in die. tiefe Nacht hinein angefüllt und die umliegenden Straßen widerhallten von heißen Gebeten. . . Der Mission eines Abarbanels, dem die Mittel der Wissenschaft, des Einflusses und des . Geldes in reichem Maße zur Seite tanden, wäre jÜer Erfolg sicher gewesen, hätte nicht sein Partner, Torkemadö, die größere Macht auf seiner ,Sjeite. gehabt: die Kirche, die Königin und die o 1 k ss t im m u n g, iMit den Mauren mußte <;man' sich, nach zehnjährigem Kampfe um Gran'adi. erschöpft,' aussöhnen, ein. Opfer könnte d^s!Volk verlangen. Hier mußte die Mission und die IStaatskühst Don Jizchak Abarbanels schei- > tern. Ob er die Möglichkeit gehabt hätte, als einziger1 Jude in Spanien und am Hofe zu bleiben, ist. eine Annahme, die mehr legendär als historiseljii;,anmutet. Er ist kein Jeremias, der nach Jji ■ j; TT! . , ,; . . '! der forsten' Zerstörung im Lande bleibt und in i j^irwj^r^ung 'der zweiten, nacji;; der Ermordung ''Gedjaljas, mit deS Ausgetriebenen in die Ver-;jbä^nung geht; AlIs" am 7. Aw, denl letzten Terlirämv isichii'die;spanischen Juden;; etwa 300.000 Seelen, in Bewegung setzten, .war Abarbanel ij^phtjmehr dabei, in die Echa-Weheklagen, die __Nr> 10 Seite 3 sie am-9> -Aw über -die^ <Meere hinaussandten, Stimmte er; nicht ein. Er hatte, als er seine Misf sion. gesfche^te^ und foctendet^f ahjrvieüeiQht upa Versuchungen' zu entgehen, vielleicht auch um jejne- ».neue jHe^mat» für, jsein ^Vojk zu »adlie|i, schon vorher Spanien verlassen und war nach Neapel gegangen. '' ' Hier kanp er, wie immer in derVerbannung, zunächst für .sein Volk nichts anderes tun, als seinen Geistesschatz zu vermehren; Er 'setzt seine literarische Arbeit fort. Bis er wiederum in die königlichen Dienste gezogen wird und dann mit dem' König von Neapel vor den Franzosen nach Sizilien flüchtet. Auf Korfu begegneten wir* ihm später, in <M o n o p o 1 i e -und in A p ü 1 i e-n.,' und immer am Schreibtisch^ vor den heiligen ,Büchern, so er nicht in die königlichen Geschäfte und.. Welthändel hineingezogen wird. In V e n e d i g schreibt er, seinen letzten Kommentar zur P e s.s ,a th-Hagada, in den er die ganze Se.hnsucht, alles Glück und; alles Weh seines :wechse;lyollen Lebens hineinversenkt, und stirbt dann;151j8. Die Ruhe findet , der Wanderer auch1 im Tode nicht, -denn Ki;iegsscharen ziehen über das ^Grab in Padua undj zerstören es bis. zur Unauffindbarkeit. Lehrer und Denker. .? ,. -? i- -j ^;i'.;'. /,. < \,':'rf 't Wenn wir_'-heute vq^. Abarbanel sprechen, meinen wir nicht;: "den; Menscheni . den Staatsmann, den Finanzmimstefv nicht einmal den größen Führer, „Stadlan" seiner;--Zeit-;) A b a r b a ri' e 1 ^ist heute furo uös BezetchriÜHg für ewige Werke, in denen jüdisches. Gedankengut', für alle Zeiten niedergelegt isti ..• :; m"; . . j' Man kann die'JCömnientäre Abarbanels r;;^u Thora und Bibel niöht einfach lesen, män mußrsie ' .. -r . ■ ' .■ * 1 e r n e nf studieren, gesammelt' genießen, in iferer breiten Anlage nbcli;,einmal in1 sich verarbeiten und auf kürzere Denkformelh 'bringen.' Die^ hundert Fragen, er 'jedem Wetke!:' voranistetlt, soll man nich't erst1 'nacheinandef bis zur Erniudung lesen, sönderri; äuf jede. Fräge die Antwort im Texte und^^nachsinnehd ih sich seilbst suchen und gewinnen.f Es sind Steine Werke, aus deixen man Proben ^n Klemmünze Wiedergeben käiin; keine Schmuctkas^öheri Mus ' Filigran; sondern Bauten für di^ Ewigkeit niit starker Brandmauer und breiter Fassade. Vielleicht wollte sibh Äb.Wrbanel auf diesen Jbehajglitihbreiten'Gedänkiengeleisen von den härten Staatsgeschäften' ausruhen. Es lie(gt Abarbanel weniger daran, (,eine Worterklärung,, einen Widerspruch im B u c h eauszugleichen," er möchfe den Text mehf "mit historischem und' denkerischem Leben durchdringen. Urkasdim war für eine abtahamifische Mission nach Kliniä, Menschengattung, wie nach geographischer Läge nicht geeignet, ' darum muß Abraham nach Kanaan gehen. Und so werden im Kommentar Kllima, Menschen, geographische Und geschichtliche'^jEigenheiten ♦ der beiden Länder gescluldert. Es genügt nicht Abarbanel, einige Sätze oder;Kapitel , in J e s a j a s sprachlidh zü erklären, es muß in einer Einleitung zu diesem fj ' la .; v "J-^a^., ,.;-*fiuie>. $.«. ••^j.r :.Ü ■ rfrt |S V I r^M>T"^^^' mt-^-^^mm' - tmT ■£**u Rabbiner Dri Pinchas K o h ,n leitet m. Heidelberg einen Jugendschiur Mazzohkörbe usw. A nf eri!gu.ng. sämtlicher Kuliusstickerelen Eckenheimerläridstr.3/SMeleck, Telefon 52626