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Der Israelit · 1937-03-04 · Heft 9 (4.3.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 9 (4.3.1937)
Date
1937-03-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ipppipilp •■r ,/#•*•,».- Seite 10 Nr. 9 D e Israel i t 4 März 1937 Die Eigenschaft als Jude in einem Vertrage. Köln, 1. März Im ,,Westdeutschen Beobachter" -wird ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln wiedergegeben, bei dem die Frage eine Rolle spielt, in welcher Weise die Eigen schaft eines Vertragspartners als Juden für den Be stand des Vertrages wesentlich ist. Ein Jude, der früher unter dem Namen seiner Frau, einer Arierin eine Agentur für Transporte geführt hatte, hatte das . | Geschäft einem Arier übereignet und sich von ihm fest für drei Jahre als Werbevertreter mit bestimm ten Bezügen anstellen lassen. Ende Dezember wurde er entlassen. Auf die Klage des jüdischen Vertreters wandte der Beklagte ein, er habe bei Abschluß des Verträges im Oktober 1936 nicht gewußt, daß der Kläger Jude sei. Als er es im Dezember erfahren habe habe er ihn entlassen. Das Arbeitsgericht gab der Klage statt. In der Urteilsbegründung heißt es, daß unstreitig ein wichtiger Grund zur vorzeitigen Lösung des An gestelltenvertrages vorliegt, -wenn der Kläger ver schwiegen haben würde, daß er der judischen Rasse angehört. Die Beweisaufnahme habe aber ergeben, daß der Beklagte gewußt hat, der Kläger ist Jude, als er den Vertrag abschloß. Daher könne er sich nicht einfach vom Vertrage\ lossagen^ Oesterreich. General-Vcrsamntlung der „Union österreichischer Juden". . , Wien, 21. Febr. Unter dem Vorsitz des Regierungsrates Dr. Her mann Oppenheim fand in Wien die 52. Jahres Versammlung der „Union österreichischer Juden" statt. Dr. Oppenheim behandelte in seiner Einleitung in ausführlicher Weise .die aktuellen Probleme des österreichischen Judentums, insbesondere nahm er Stellung gegen die von Jüdisch=Nationalen verfochtenen Minderheitsrechte. „Die „Union", sagte Regierungsrat Oppenheim, „beansprucht für die österreichische Judenheit keine anderen Rechte, als sie die übrige Bevölkerung Oesterreichs genießtj sie will die gleichen Pflichten zum Wohle des österreichischen Staates freudig auf sich nehmen wie die ' andersgläubige Bevölkerung Oesterreichs. Für uns gibt es kein Mehrheitsvolk, wir bilden mit den anderen Bürgern dieses Staates ein österreichisches Einheitsvolk, nur unterschieden durch die Religion," Den Tätigkeitsbericht erstattete der Sekretär der „Union österreichischer Juden", Redakteur Oskar H i r s c h f e 1 d. Die „Union"/ sagte er, fordere den korporativen Anschluß ihrer Mitglieder an die Vaterländische Front und begrüße die Einführung dar allgemeinen Dienstpflicht in Oesterreich als kraftvolle Aeußerung des staatlichen Daseinswillens. Ungarn. Rückgang der jüdischen Bevölkerung von Budapest, . Budapest, 18. Febr. f /; Im Rahmen des sozialen Lehrktirses der Pester Israelitischen Kultusgemeinde und .des Israelitichen Landespatronagevereins hielt der Gemeinde-Generalsekretär Alexander Eppler einen Vortrag über die jüdische Füreörgetätigkeit, Er wies' darauf hin, daß der prozentuelle Anteil der Juden Budapests an der ^esamtbenvölkerung in der Zeit von 1900 bis 1930 .ivpn 23,6 auf 20,3 Proz. zurückgegangen ist. Während die Geburtenzahl bei den, übrigen Glaubensgemein= Schäften seit 1900 nur um 27'Proz. gesunken ist, beträgt die Verringerung bei den Juden 65 Proz. Bei den Nichtjuden hat der Zuzug in die Hauptstadt um 27 Proz. zu genommen, bei den Juden um 9 Proz; , abgenommen, weil aus der Provinz, immer weniger, aus dem Auslande überhaupt keine :Juden mehr .nach Budapest übersiedeln. . > Der Vortragende schilderte sodann die Krank en* fursorge der Pester Gemeinde, in deren Krankenhäusern täglich 14.000 Patienten gepflegt; werden. /Unter den Pfleglingen gibt es im jüdischen Spital 33,4 Proz., iin Brody-Spital 47 Proz., in der Kaszab sehen Poliklinik 64 Proz, Nichtjuden. Weiter wurden in dem Vortrag die Arbeit der WohKahrtssektion, die Schuld kinderfürsorge, die Arbeit des; Knabenwaisenhäuses, der Taubstummen- und Blindenanstalt und' die- Hilfsaktion für die wegen des Numerus clausus im Auslande Studierenden behandelt. Den. Abschluß bildete eine Darstellung der Gemeindetätigkeit auf dem Gebiet geistig-seelischer Betreuung. Judenfeindliche Studenten-Unruhen in Ungarn. Budapest, 24. Febr. Nachdem vor einigen Tagen die Studenten der Universität Fünfkirchen anläßlich einer Tänzveranstaltung der jüdischen Studentenschaft judenfeindliche Kundgebungen veranstaltet hatten, ist es nunmehr auch in Budapest zu Ausschreitungen gegen jüdische Hörer der dortigen Universität gekommen. Etwa 200 antisemitische Studenten, die der akademischen Vereinigung Turul angehören, zogen nach einer Besprechung, die der „Regelung der Judenfrage" galt, vor ein Lichtspieltheater, in dem ein ungarischer Tonfilm, bei dem auch jüdische Schauspieler beschäftigt sind, aufgeführt wird, und forderten die sofortige Absetzung des Filins. Polizei zer streute die Demonstranten, nachdem sie darauf auf merksam gemacht worden waren, daß der Film von der Zensur genehmigt ist, Auch vor dem Physiologischen' Institut der Universität kam es zu Ruhestörun gen. An der philosophischen Fakultät und im Chemischen Institut wurden jüdische Hörer angegriffen. Das Dekanat ordnete daraufhin Legitimationszwang an. In der inneren Stadt wurden zwei jüdische Pas santen von einer Studentengruppe umzingelt und schwer mißhandelt. Polen. Hilfe für die polnischen Juden aus Nordamerika und Kanada. Warschau, 24. Febr. Das polnische Komitee der Vereinigung ausländischer polnischer Juden erhielt 70.000 Zloty überwiesen, die je zur Hälfte von dem V e r b and polni» scher Jud«n in Kanada und dem V e r.b and polnischer Juden in den Vereinigten Staaten gesammelt worden sind, um die Not unter den polnischen Juden zu lindern. Brief aus Warschau. „Ghettobänke", _ Jüdische Jugendbühne. _ Das jüdische Buch, — Rypel läßt nicht locker. Warschau, 28. Febr. An verschiedenen Hochschulen Polens haben einzelne Professoren und Fakultäten. ohne allgemeine Regelung durch das Rektorat für ihre Vorlesungen Sitzordnungen eingeführt, durch die die. jüdischen Studenten von den übrigen abgesondert werden. Die jüdischen Studenten müssen diese Art der Einführung, von „Ghettobänken" vor* läufig hinnehmen, da Widersetzlichkeit gegen die Anordnung der Professoren für sie die schwersten disziplinarischen Folgen, sogar die dauernde Relegierung nach sich ziehen würde. Derartige besondere' Sitzordnungen sind insbesondere an der Universität Wilna und an der Gärtnerei-Fakultät der Landwirtschaftlichen Hochschule in W a rs ch a u ^eingeführt worden. 's Eine Abordnung jüdischer Studenten, die den Rektor der Universität Wilna ersuchte, gegen die Ein* führung der Sitzordnung einzuschreiten, wurdejdarauf verwiesen, daß die betreffenden Professoren hierfür selbst zuständig seien. - Vor einiger Zeit wurde ein aus jüdischen Schulmännern und Pädagogen bestehendes Komitee zur. Schaffung eines jüdischen J u jf e n d t h e a t e r s m Warschau gegründet. Auf einer Pressekonferenz konnte dieses Komitee nunmehr mitteilen, daß die Vorbereitung zur Durchführung des Planes so weit gediehen sind, daß am 27. Februar .die erste Aufführung der neuen Jugendbühne, deren Ensemble durchweg aus Berufsschauspielern besteht, im Theater Nowoszczy stattfinden kann. Unter dem Protektorat des Jüdischen Pen-Klubs und unter Beteiligung verwandter Stellen wird in Polen" in der Zeit vom 1. März bis zum 15. , April 1937. eine Prc-p a g.a n d ä -'A k t i ö n f ü-r d a s j ü - dische Buch durchgeführt. (Hoffentlich auch für das wahre und älteste jüdische Buch.) Der junge jüdische Advokat Wilhelm R y p e 1, der durch einen von ihm organisierten und später von der Polizei verhinderten „Verzweiflungsinarsch" nach Palästina bekannt geworden ist, plant für die Tage nach dem Pessachfest einen neuen Fußmarsch von 10.000 (jüdischen jungen Leuten aus Polen nach. Palästina. Er hat bei der Regierung um die Erlaubnis zur legalen Organisierung des Marsches angesucht. Die jüdische Oeffentlichkeit ist bekanntlich gegen solche Verzweiflungsmärsche, die zum Mißlingen verurteilt sind und einzig und allein die große jüdische Not und Ohnmacht illustrieren. Die Studenten-Unruhen in Polen. Wärschau, 26. Febr. An der Warschauer Technischen Hochschule, wo bisher im Gegensatz zu den übrigen Hochschulen Ruhe herrschte, ist es nunmehr ebenfalls >zu judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Ein jüdischer Student ist blutig mißhandelt worden. Oer Professor, in dessen Vorlesung der Vorfall sich zutrug, schritt nicht ein. An der medizinischen Fakultät der Universität Lemberg haben nationaldemokratische Studenten die jüdischen Hörer gewaltsam aus den Hörsälen entfernt und sie. mißhandelt. Die Erklärung des Jüdischen Parlamentsklubs im polnischen Sejm. Warschau, 26.. Febr. Die Erklärung, die im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs, dessen Vorsitzender Dn Emil Sommer-;.stein anläßlich der Abstimmung-über den Staatshau§= •halt im polnischen Sejm verlas, hatte« folgenden Wortlaut:. i.Wir stehen fest auf dem Boden der Verfassung, die alle Bürger in gleicher Weise behandelt und;.n ihrem Artikel 7 kategorisch bestimmt, daß Abstammung, Bekenntnis oder Nationalität eines Bürgers kein Grund, sein kann, um -sein Rechtauf Beeinflussung des Staatslebens einzuschränken. Die Bestrebungen, die Bürger nach - Religion oder Nationalität zu teilen, ihr Bürgerrecht auf Arbeit und wirtschaftliche Existenz auf dieser Grundlage zu differentzie5 ren, stehen im, Widerspruch zu. der Verfassung des polnischen Staates und können in keiner Weise dazu beitragen, alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenzufassen und um die allgemeinen Staatsaufgaben zu konzentrieren. Die 3x/2 Millionen jüdischen Bürger des polnischen Staates besitzen ein volles und tiefes staatsbürgerliches Bewußtsein, fühlen sich mit diesem Staat, der nach der Verfassung gemeinsames Gut aller Bürger ist, verbunden und sind bereit, für den Staat, für die Entwicklung seiner Macht und Wehrkraft, für die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Staates jedes Opfer zu bringen. Wir fordern das Recht auf ein gemeinsames Leben als nationale und religiöse Minderheit, da« Recht auf Beteiligung am öffentlichen Leben, das Recht auf Arbeit und wirtschaftliche Existenz, auf Schutz von Leben, Vermögen und Gesundheit des Einzelnen. - Wir fordern volle und tatsächliche Gleichberechtigung." . "* Revisionistische Störungsversuche bei der Eröffnung der 12. Landeskonferenz der Zionismen Kongreßpolens. Warschau, 28. Febr. In Anwesenheit von über 400 Delegierten wurde am Sonntag Vormittag die_ 12. Landeskonferenz der Zionistischen Organisation Kongreßpolens in Warschau . eröffnet . Als G r ü n b a u m . sein Referat über die politische Lage im Zionismus und in Palästina begann, wurde er durch lärmende. Zwischenrufe der auf der Galerie anwesenden Revisionisten *■ 'unterbrochen. Sie ließen Tauben aufflattern, warfen Flug-' Schriften und Stinkbomben in den Saal und riefen: „Gebt uns Zertifikate!" Nachdem die Ruhestörer entfernt/worden waren, konnte Grunbaum seine Ausführungen fortsetzen. Er erklärtet, der Jischiiw habe sich In .den TJnruhen - als "fest; wie "Eisen erwiesen, und i \

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