Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1937)
- Date
- 1937-03-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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-c Seite 8 Nr. 9_• _ Mühe und Liebe und Vermögen versenkt sind und an denen die heiligen Gefühle und Hoff nungen des Volkes in all seinen Teilen hän gen, sind gefährdet. Seit Jahr und Tag, seitdem die Abtrünni gen ihre Axt gegen die Seele des Volkes, den heiligen Sabbat, erhoben, stehen die treuen Wächter als Abgesandte von Millionen von Juden im Lande und in der Gola und flehen sie tränenden Auges und zerbrochenen Herzens an, zuweilen auch in heftig mahnenden Worten, ihre Hände vom Heiligtum zu lassen Allein die Ohren bleiben verstopft, die Härte des Herzens ungemildert und die grausame Hand wird nicht zurückgezogen. Im Gegenteil mit doppelter Energie setzen die Gesetzes Übertreter ihren * Weg fort und verwunden mit Vorbedacht oder ungewollt andauernd das Herz der Nation und die Seele des heiligen Landes durch die öffentlichen Sabbatentwei hungen im eigenen Leben wie in dem der Gesamtheit. Erschreckende Nachrichten über öffentliche Sabbatverletzungen in Weinbergen und Pardessim, die die Grundpfeiler des Aufbaus erschüttern, dringen zu uns. Sorge schleicht sich in das Herz eines jeden thoratreuen Juden an gesichts dieser Sachlage, und die bange Frage entsteht: „Werden wir auf solche Art in das heilige Land zurückkehren, das uns wegen unserer Sünden genommen wurde? Wie sollten wir unseren Schöpfer um Schutz vor den Feinden allenthalben anflehen, wenn wir seine Gebote in seinem eigenen Hause solcherart übertreten? Ich kann nicht mehr schweigen. Ich höre den schweren Herzschlag der Millionen Juden Die heilige Erde ächzt unter dem Pflugeisen, das sie so tief verletzt an Sabbat und Feiertagen. Die Schechina gleichsam jammert laut: „Wehe den Menschen, die die Thora verschmähen!" Der Sabbat selbst fleht uns um Erbarmen an, denn eine Schmähung des Sabbat ist zugleich eine Schmähung der Thora, des Volkes und des Landes. Und schweigen kann ich auch nicht über diejenigen, die angeblich die Ehre des Sabbat verteidigen, selber aber ganz weit davon entfernt sind, die Seele des Sabbat zu verstehen, des Sahbat, wie er uns gegeben und geboten wurde durch Thora und Tradition; die den Sabbat seiner Heiligkeit entkleiden, ihn mit nationalem oder politischem Mäntel-, chen «umhängen und dadurch den ewigen Wert des Sabbat in Israel schwächen, des Sabbat, für den Tausende und Zehntausende ihr Leben hingegeben haben. Darum entschloß ich mich, mit diesem Aufruf zu kommen, zu wehren. Und zu warnen, zu bitten und zu fordern, um "unserer Seele wegen und unserer Existenz im heiligen Lande willen. Ich will die Not meines Herzens hinausschreien, vielleicht wird sie doch gehört, so daß uns Ernüchterung geschaffen wird. Zu allererst wende ich mich an die j ü - disehen Arbeiter: Ihr wollt die Pioniere des Volkes sein, ein Heim dem heimatlosen Volke errichten im Lande seiner Väter! So vergesset doch nicht, von welcher Art dieses Volk ist, welche die Grundlagen seines Lebens sind und von welcher Art seine Strebungen und seine Hoffnungen im Lande sind. Denket daran, daß es heiliger Boden ist, den Ihr betreut, welcher all diejenigen, die ihn verunreinigen, von sich ausstößt. Denket an den Schöpfer der Welt, unseren Vater im Himmel, der uns und das Land erwählt hat als Volk und Land seines Eigentums. Ihr seht Euch als die Sendboten des jüdischen Volkes an, um dessen Aufgabe zu lösen. So vergreift Euch nicht an diesem Euch anvertrauten heiligen Gute und enttäuscht nicht unsere letzte Hoffnung. Nicht auf dieses brüchige Heim hat das Volk in den Jahrtausenden des Galuth gewartet. Nicht um Israels Heiligtümer zu entweihen, seid Ihr herge- D e r 1 s r & e 1 i t schickt worden. Nicht für solche unerhörte Akte der öffentlichen G'ttesverleugnung geben die Massen des Volkes aus ihrer tiefsten Sehnsucht heraus ihre Beiträge für das heilige Land. Beflecket nicht durch Eure Taten den reinen Boden; mit reinem Herzen geht an Eure Aufgaben heran, damit das heilige Land Euch die Quelle seines Segens öffnet. Hütet den Sabbat nach Vorschrift, seid verbunden mit G'tt und seiner heiligen Thora, dann schützt er Euch und segnet Euch wie Eurer Hände Werk. Und an Euch, Landwirte und Arbeitgeber, wende ich mich aus wunder Seele heraus; Wir hörten es mit tiefster Erschütterung, daß, während es Eure Aufgabe gewesen wäre, mit aller Kraft jede Arbeit in Feld und Weinberg, mit Ochs und Esel nach der glatten Vorschrift der Thora zu verhindern, doch welche unter Euch es fertigbringen, die armen ijüdischen Tagelöhner vom G'ttes- ^esetze abzubringen und unter Ausnutzung ihrer Lage zu zwingen, auch am Sabbat zu arbeiten. Soll auch das das Volk mit Schweigen hinnehmen? Und Ihr, Kaufleute und Industrielle, die Ihr mit soviel Energie und Beharrlichkeit daraufaus seid, Eure Geschäfte auszubauen, Euer Werk auszugestalten und Euer Vermögen zu mehren, glaubt Ihr etwa, daß Ihr durch die Sabbatentweihung, durch die Verleugnung der jüdischen Tradition Segen ins Haus bringen könntet? Müßt Ihr nicht jetzt schon ernstlich damit rechnen, daß Ihr vielleicht bald schon Eure Taten schwer bereuen werdet? Wer weise ist, sieht voraus und geht mit sich zu Gericht, um zu G'tt und seinen Gesetzen zurückzukehren, _ solange es noch Zeit ist. ___ ^März 1937 Und auch Ihr, iR a b b i n en u n d Führer in Erez Israel, warum schweigt Ihr? Ihr seid mitverantwortlich, wenn Ihr nicht Eure warnende Stimme erhebt. Wir müssen uns zusammentun und ohne Zagen unsere Stimme wie eine Posaune erheben, dem Volke zu Her- . zen reden, daß es den bösen Wandel lasse. Treten wir in die Bresche für Zion und unseren G'tt, so daßsich G'tt unserer erbarmt und das Herz der Söhne den Vätern nahe bringt. Und an die gesamte Gola, ihre Rabbiner und Führer und an alle, die ihr Herz und Auga sehnsuchtsvoll nach dem Lande der Väter richten, wende ich mich im Namen des thoratreuen Volkes in Zion, um ihre Herzen aufzuwühlen, daß auch sie siel/ wie ein Mann erheben und dem Treiben in Erez Israel Einhalt gebieten. Erhebt Eure Stimme und laßt die abgeirrten Söhne Euren Protest hören, damit sie wissen, daß hier ein Verbrechen gegen das ganze Volk begangen wird. Und so schließe ich mit einem Gebete zu Ihm, der in Zion thront und Jerusalem erwählt hat, daß Er sich erbarme des letzten Restes, und uns anrege zur vollen Buße, daß einkehre in das Herz der Irrenden Einsicht,, so daß sie Wege zu G'tt suchen. Mögen wir bald eine Wiederaufrichtung des Glanzes der. .heiligen Thora und den Aufbau unseres Heiligtums erleben und mögen für Israel Heil und Hilfe und Erlösung durch die Ankunft des Erlösers kommen. Amen." Ueber die weiteren Kundgebungen, Aufrufe, Beschlüsse und Maßnahmen zum Schutze des Sahbat in Erez Israel werden wir fortlaufend berichten. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Aus den Gemeinden, Frankfurt a. M„ 26. Febr. Im „Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M." wird die statistische Uebersicht über die Bevölkerungsbewegung im Monat Januar veröffentlicht. In dem Berichtsmonat sind 76 Personen nach dem Ausland ausgewandert, 58 mit unbekanntem Ziele und nach Orten innerhalb Deutsch* lands 15 Personen verzogen. Gegenüber dem Monit Dezember 1936 hat sich die Zahl der Personen, die aus Frankfurt a. M. fortzogen, erheblich vermindert. Damals gingen 206 Personen nach dem Ausland und 110 zogen mit unbekanntem Ziele und 111 nach Orten innerhalb Deutschlands fort. Auch die Zahl der Zuzüge nach Frankfurt a. M. ist erheblich zurückgegangen. Zogen im Monat Dezember aus Orten innerhalb Deutschland® 338 ■ Personen izu, aus dem Ausland 14 und aus nicht näher bekannten Orten 50, so kamen im Monat Januar 1937 aus Orten innerhalb Deutschlands 27 Personen, aus dem Ausland 4 und aus nicht näher bekannten Orten 30, Insgesamt sind 149 Personen aus der Gemeinde fortgezogen und 61 zugezogen. Im, Januar 1936 betrugen die entsprechenden Zahlen 112 bezw. 107. Die in der ITA-iNr. 97 vom 9. Januar 193tt veröffentlichte Uebersicht über die Bevölkerungsbewegung in der Gemeinde Frankfurt stammt nicht, wie irrtümlich angegeben, aus dem November 1936, sondern, wie nunmehr im Gemeindeblatt bekannt gegeben wird, aus dem Dezember 1936. * * * Berlin, 2. März, Im „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden Preußens" werden die Namen der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bezirksweise eingesetzten Beauftragten für die Vermögensverwaltung der Gemeinden veröffentlicht. Den Beauftragten obliegt insbesondere die Beratung und Unterstützung der Kleingemeinden bei der, Vorbereitung und Durchführung von Liquidationsmaßnahmen. Zugleich wird eine Aufstellung der vom Landesverband eingerichtet ten Sammelstellen für Thorarollen und sonstige Kultusgegenstände bekanntgegeben. Es sind 32 Beauftragte für Vermögensverwaltungen eingesetzt worden. Bisher bestehen 10 Sammelstellen. Köln, 25. Febr. In einer .Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde Köln wurde der Voranschlag für 1937 angenommen. Er schließt mit 698.193 RM. Die Gesamtausgaben für 1937 betrugen ohne einen noch zu bewilligenden Nachtrag von über 100.000 RM. fast 618.000 RM. Die Gesamtziffer für 1935 lautete über 653.000 RM. Die Wohlfahrtslasten sind beträchtlich gestiegen. Während das gesamte Wohlfahrtswesen im Jahre 1936, einen Betrag von etwa 165.000 RM. erforderte, sind für 1937 223.350 RM. dafür vorgesehen. Die Gemeinde wird auch für das Jahr 1937 außer einem Gemeindegeld 30 Pro'z. von der Einkonurien-, Lohn- oder Vermögenssteuer erheben. Der Vorsit* zende der Gemeinde, Albert Bendix, bezeichnete die Finanzlage der Gemeinde als geordnet, wenn auch über den Steuereinganig in der Zukunft kein Optimismus herrschen dürfe. Dem Vorsitzenden der Gemeinde wurde der besondere Dank der Repräsentanten=Versammlung für die Führung und Betreuung der Gemeinde ausgesprochen. , Die Versammlung nahm schließlich einen Antrag des Vorstandes an, wonach auswandernde Mitglieder der Gemeinde bis zum Ende des laufenden Steuerjahres zur Entrichtung der Gemeindesteuern verpflichtet sind.