Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1937)
- Date
- 1937-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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4. März 1937 Der Israelit Nr. 9 Seite 7 der agudistische ^Abgeordnete Mi n z b e r g . im Sejm noch eine abwartende Stellung einnehmen, da sie bereit und gewillt ^wären, so die Tatsachen dafür sprächen, die Erklärung [- -über s das .neue Regierungsprograrnm anders zu deuten, als es die antisemitische Presse auf der einen -und die jüdischen Zeitungen auf der anderen Seite; tun, vielleicht auch im Sinne unserer an der Spitze der jüngsten Nummer ausgedrückten Hoffnung. In dieser abwartenden Stellung hat «ich der Abgeordnete Minzberg bei der Abstimmung .über das Budget seinen jüdischen Kollegen rnicht angeschlossen, "sondern sich der Stirn m e e n th a 11 e n. Die jüngsten blutigen Ereignisse in T i b e ria s und anderen Teilen des Galil wirkten wie; ein Blitz, zwar nicht aus heiterem ^Himmel, - denn die ^leinen Zi^uij^^^toß.e.Nörten ja seit] Abbruch des Streikes; ni^tf j auf, — aber irnmerhin; wie ein unerwä^tey'sc und Vüttel-' ten auch; diejenigeh aus der' Ruhe, die nicht geneigt waren, den einzelnen Zwischenfälljenin Palästina allzu ^grpßei Bedeutung' beizumessen, "Man ■ wird wieder von, Provokationen der, jfeevisipnisten sprechen,'': aber WfT' ,',Sund"enpboken'', wird den verantwortlichea Stellen ^Jkeiiie ifintfe'tunfc erteilt werden, auch der einmal unternommen^ F?Har Steine zuviel geworfehf haben Und welche PrÖyokatiön hat den Töd des jungen Lehrers aus Deutschland verschuldet,, dessen. Blut aus der Erde, zwischen .zwei Kolonien des Eniek zum; Himmel schreit? Eine Mitteilung des amtlichen Commumque fällt ins Äuge und auch ^schwer.. aufs jüdische Herz: „Auch am S o n n a b e n d wurde \ ein mit Juden besetzter Autobus in Tiberiasmit Steinen beworfen, wobei drei. Juden leicht verletzt wurden." Vielleicht ist es ein Schreiböder Druckfehler der amtlichen Meldung, vielleicht war es auch nach Sabbatausgang. Sonst, müßte sich zu allem Schmerz über das wieder aufflammende arabische Banditentum noch ein anderer nicht minder brennender gesellen ...;%. . Der 'jüdische Jischuw wird die neuen Flammenzeichen im Norden Palästinas nicht schwelgend und wehrlos hinnehmen. Vertreter des Waad Leumi waren beim Stellvertreter des High Commissioner,. John Hathprn Hall (der High Commissipnerj selbst weilt;zur Zeit in London), und schilderten ihm die tiefe Erregung und Empörung, die besonders die Ermordung des jungen jüdischen Lehrers und auch. die Abwälzung der Verantwortung auf die Juden im amtlichen Commünique ausgelöst haben. Was Hall dazu gesagt hat, wird im Berichte nicht bekanntgegeben. Man darf aber zuversichtlich hoffen, daß allßa geschieht, um die neuen Flammen im Keime zu ersticken. General Dill weilt ja noch im Lande und er erklärte sich für unabkömmlich. Er wird es - am Falle Tiberias zu beweisen haben. ' * *' ' " * ■ . Seit einiger Zeit kann man Woche für Woche an der Spitze des Jerusalemer „Kol Israel" folgenden Aufruf lesen: ,)Aüf zur Einbürgerung! - Die- Einbürgerung ist der zweite Schritt nach der' Alijah. Hast Du den ersten Schritt 'mit der Einwanderung getan, so laß sofort den zweiten Schritt folgen und werde Bürger des Landes [ Damit Du am Gesamtleben des Landes, am wirtschaftlichen wie Apolitischen teilnehmen und in den Genuß aller Rechte des Bürgers kommen kannst. Auf und tue es< in Deinem Interesse, m " Interesse Deines Volkes und Deines »Lahes!" ■ .;:;; ■ ' •'*• '' ' 'Dieser lapidare Weckruf entspringt einem Gebote der Zeit. Wir wissen, welche Schäden .für Erez Israel und nicht zuletzt für, uns e r Erez Israel ,4er Thöra. daraus entständen sind/.' daß unsere Menschen, Fremde im, eigenen Lande, nichts zu sagen und an den Geschicken der Heimat nicht mitzubestimmen^ hatten. Daß Jerusaj lern, die Stadt mit einer jüdischen Bevölkerung von über'70 Proz.j heute noch von einer Stadt- Verwaltung, geleitet wird, in der die Juden nicht die Majorität haben und die unter der Führung eines arabischen1 ersten Bürgermeisters steht, resultiert aus der Tatsache, daß die Juden der heiligen Stadt in ihrer Mehrheit als Angehörige fremder Staaten, aus, den Wahlen ausgeschlossen sind; Auch für den' Aufbau und die Ausgestaltung" der selbständigen Charedimgemeinde ist die palästinensische Staatsangehörigkeit ' ihrer Mitglieder von,weittragender Bedeutung. Das alles nur zur Erklärung des Aufrufes, einer weiteren Empfehlung und Bekräftigung bedarf er nicht. Mit'.- iMan s^hreifotvuns.; ■ VUnsre 'thorätreuen Brüder /in jden Niederlanden bemühen si&% \ unablässig^ e&,&i[gfq^en. Teil vder, aus, Deutschland . eingewanderten, /Juden in dier Gemeinschaft ^einzugliedern/ . .Was. tundiese aber? . Nicht allein,- daß sie 4jär (3femeinde nicht ' angehören' ,und "sich mithin djsn l 'l'elbstver'stän^- .liehen Pflichten entziehen; sie haben eine „freisinnige" Gemeinde ■ gegründet und, sind dabei, eine Bresche in die gefestigten, auf 'gesetzestreuem Boden stehenden Gemeinden der Niej •f;*j>. ft::'« -• . rji;i ., i'r . . x derlande zu legen. . Gemeindeführuttg -' und Rabbinat [ in A m s * terda m wollen mit Recht d i e Einheit der Gemeinde gewahrt wissen, und zwar auf dem Böden des gesetzestreuen Judentums. Einem < Bericht der G: V.-Zeitun'g (Nr. 5, 19S7) zufolge, hätte: die' ((liberale" Gemeinde einen großen Aufschwung genommen. Es wird in dem Berichtdieser Zeitschrift aus Amsterdamerwähnt, daß die Einwanderer vielfäch unbewußt und-unabsichtlich : Träger -e^ner Strömung werden,, die sie letzten JEndes nicht; bejaher/, k,önnen. » Annähernd" 120 ., Jahre- ' Entjudung r in Deutschland mit den;? sichtbaren Folgen lehren doch, däß man in einem-ändern- I^and nicht aufs neue, das vernichtend geschlagene: und ad absurdum geführte System aufrichten kann. Hat nicht die Entwicklung .der1 Verhältnisse hier eine deutlichere. Sprache gesprochen als .jje Aufklärung und Abwehr vonseiten der Orthodoxie:.vermocht haben? -; Wir -haben' dieser v Zuschrift nichts hinzuzufügen.- '' ■■><-■ ■ ' ■ : ■' .,: . * . *;! - - '' -;U ' "! ■ * . : ■ _ _ . ,! Nach Polen U n g a r n. In F ü h f ki r c h e n haben die antisemitischen Studenten , die Promotion der jüdischen ^Kandidaten verhindert. Tn D e b r e c e n fanden wilde. Demonstrationen vor Kinos statt, als Fortsetzung der Kundgebungen vor der Universität. In S z e g e d liefen die Demonstrationen etwas ruhiger ab. Im ungarischen Abgeordnetenhaus kamen bereits die Äuschreitungen zur Sprache und ein Abgeordneter fragte, warum der Ministerpräsident Polizei und Staatsanwalt nicht gegen die studentischen Demonstranten einsetzt. Zunächst aber begnügte sich ■der Ministerpräsident, Dr. Kaiman Daranyi, mit einem Versprechen an die Vertreter der Presse, daß er zum energischen Einschreiten entschlossen sei. Dagegen schlug der Rektor der Universität Fünfkirchen einen anderen Weg zur Beruhigung der Gemüter ein. In einer Versammlung der christlichen Hörer versprach er, daß an den verschiedenen Fakultäten keine jüdischen Hörer mehr aufgenommen werden sollen, bis die Zahl der jüdischen Studenten auf die Prozentnorm (5 Proz.) gesunken sei. Daß eine solche Prämie auf Ausschreitungen und Ruhestörungen mit Recht und Gerechtigkeit zu tun hätte, wird keiner behaupten wollen. Aber die antisemitischen Studenten an den ungarischen Universitäten wollen wie die polnischen kein Recht und keine Gerechtigkeit, sie wollen nür. die Pr o.- z en'tn o r m, J und die, haben sie, ..in Fünfkirchen wenigstens, erzwungen.;. * . * * : jm-'..j,Nachrichtenblatt", der Synagogengemeinde des Sa arland es wird... der Wortlaut eines •Memorandums izur S;c h e c.h j t a f r a.g e wiedergegeben, das die Hörerschaft am Jüdisch- Th^edlc^iscKenf^^n^äf in "Breslau * der 'Schriftleitung, wie diese meint, zur „erstmaligen Veröffentlichung'V überließ. Im "M^mofaÄdum wiüd auf de*n Ernsl der -Angelegenheit^vtoit Hinblick auf die anwachsende Zahl derer,. die erst das Koscherfleisch und dann, überhaupt, das Speisegesetz aufgeben zu müssen glaubten, hingewiesen. Es sei äußerst notwendig, daß die Schechitafra^e eine baldig^ Lösung erfährt, wohl auf der Grundlage: efer' überlieferten und fixierten Halacha, aber bald und endgültig, damit die Judenheit vor , eine klare eindeutige Situation gestellt w^fde und' man nicht allenthalben das schmerzliche Bild ungenügender Halbheiten zu 'beachten habe. * '; .' D.ajZU i ist :izu bemerken, "daß dieser Wunsch dey.rtjörer am \Breslauer JüdischrXheologischen Seminar nicht zum ersten Male zur Veröffentlichung kömmt, . sondern . daß. wir uns ^chon vor einem halben Jahre etwa räiit..ihm zü beschäftigen hatten. Wir können heute nur noch einmal bestätigen, Was wir damals schon sagten: Wenn man der richtigen Meinung ist,, däß diese Frage: n .ur ä u f der Gr un dl a g e d e r üb.erlißfe.rten>i unid . fixierten Ha- 1 a .c h a g e las t; w e r d e n; k a n n , man andererseits - weiß, daß die . Rabbiner keine „Theologen", im Sinne; der Kirche sind, die die Autorität hätten, zu binden und zu lösen und ' man außerdem auch mit Recht keine Halbheiten wülf SO kann die Antreibung zur Beschleunigung doch keinen anderen'Sinn ' haben, als die Meinung entstehenl;zu lassen, daß von rabbinischer Seite nicht genügend getan wird, und diesen Vorwurf verdienen die Rabbinen wirklich nicht. v Eine neue Bewegung für den Sabbat Jisroel. „So geht das nicht weiter!" Dieser Ausruf, Stoßseufzer und Gelöbnis zugleich, aus der verwendeten ijüdischen Volksseele heraus,' ist nun auch \ Parole für alle Treugebliebenen im Jischuwit..die sich wie e in Mahn gegen die Sabbatverletzung im «öffentlichen Leben Wie in den privaten Unternehmungen U in Stadt und Land erheben. Die Rabbinen aller' Gemeinden Palästihä^s. beraten überx Maßnahmen und erlassen Proklamationen. Auch Mlsrachi tritt nun energischer wie .bisher auif den Plan. Den Auftakt, zu dieser Erhebung des sabbattreuen Volkes in :I£rez Israel gab .ein Aufruf von Oberräbbiner D U;s c h i n s k i im Jerusalemer Agudäorgane ,vKofHsrael"v der mit,Hinblick auf seine Bedeutung hier im Wortlautewiedergegeben sei: „Es spricht G'tt zu Mosche: Ein kostbares Kleinod habe ich in meiner Schatzkammer, Sabbat ist sein Name, Ich will es Israel schenken, so gehe hin und tue es ihnen kund. Meine Seele ist betrübt und mein Herz voller Weh ob der schweren Bresche, die in die - Mauer der Sabbatheiligung geschlagen wird/ welche nun infolge unserer Sünden im heiligen Lände immer mehr abbröckelt. Wie eine schleichende Krankheit verbreitet sich das Uebel unaufhaltsam in Stadt und Dorf, im 'Hause und auf der Straße, in Feld und Weinberg, um das Beste in Israel . zu vernichten, den Glanz und die iReinheit im Lahde zu tHU ben, die heilige Luft zu vergifteri. Die Grundlagen des Aufbaus in- Erez Israel, in die soviel