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Der Israelit · 1937-03-04 · Heft 9 (4.3.1937) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 9 (4.3.1937)
Date
1937-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4. März 1937 " V e r 1 sr^a eilt Rabbiner Dr. Pinchas Kohn. (Fortsetzung vonT Seite 1.) Sein G e m ii t : an unzähligen Geschehnissen, deren ich Zeuge warf könnte ich belegen, wie in diesem .Mann die Güte und Hilfsbereitschaft für alles, das in seinen Kreis kommt, lebendig ist. Der untrüglichste Maßstab ist in der Regel das Verhältnis des Menschen zu seiner täglichen Umgebung, zu seinen Untergebenen zumal: Ich konnte Dr. Kohn aus nächster Nähe in dieser Hinsicht Jahre hindurch beobachten: seine Rücksichtnahme war ohne Grenzen, seine Opferfr'eudigkeit ohne Maß, den Satz -j^y T>xm ">biD vm hat keiner, der eine Attacke auf Dr. Kohns Geldbeutel unternehmen wollte, vergeblich geltend gemacht! Und diese Güte ist keine Güte der Lässigkeit, der Gleichgültigkeit, wie man manchmal glauben möchte; sie ist eine Güte, die auch die großen und entscheidenden Momente seines Lebens geformt und bestimmt hat. Sein Geist: fehlen mir auch die Voraussetzungen, um den Geist dieses Mannes in seiner Gänze zu fassen, so weiß ick dennoch, daß man mit Worten wie „geistreich" — obgleich; Pinchas Kohn es immer ist — .- mit bewundernder Anerkennung seiner immer tiefen; immer bis zum Letzten vordringenden Aufsätze nur die Hülle, nicht den Kern berührt! Wer aber weiß, daß Dr. Kohn, einfach unter dem Zwang seines Geistes, sieh mitten in. wichtigen Sitzungen mit schweren mathematischen Problemen schlagen, in -nächtlichen Stunden in die Tiefen der Kaibbala hinabsteigen muß, der ahnt schon eher die Größe und den Umfang seines Geistes! Und dennoch: ein edles Gemüt und ein gewaltiger Geist, sie sind die Geschenke eines gütigen Geschickes, sind mehr oder minder G'ttesgaben, die Pers ö n 1 i c h k e i t, der C h a r a k t e r , sie sind nicht Gnade, sondern. Verdienst! Und bildet sich der jüdische .Charakter auch weniger am Strom der Welt als am Wort der Thora — wir wissen es von Pinchas Kohn und seiner Lebensleistung: seine Persönlichkeit wuchs allein aus1 der Thora, CPÖDri war ihr Zaun und der Strom der Welt diente nur dazu, ihre originelle Kraft zu bewähren' undzu beweisen. Oft, sehr oft,, indem sie sich gegen diesen Strom stemmte, oft, sehr oft, indem er allein blieb und — bleibt! Und dennoch, vielleicht gar deshalb: r*1^3Pl )ri! Was gibt der Braut ihr edles Gepräge, was wirbt ihr am Hochzeitstag die Liebe und Verehrung der Menge? Die oben zitierten Midraschstellen sagen .es uns:/ Vor allem ihr nWJXJ Und so ist auch der echte Talmid Chochom, und so ist auch Dr. Pinchas Kohn ein snjxl Er ist es im Sinne des Mischlewortes (11, 2): .b'jiaS J18T flQDri« Seine Weisheit ist die Frucht seines verschwiegenen und innigen Wandeins vor G'tt, sie fließt nicht aus der selbstgefälligen Gewißheit des klugen Mannes, sondern aus der zurückhaltend und vorsichtig wägenden Ueberlegung des frommen Mannes. Wie wir es mal so ergreifend von ihm hörten: -Vpn Saf*;n» 3?»ttW „O, möchte ich doch würdig sein, die g'ttliche Stimme zu vernehmen, wenn es um den Frieden seines Volkes, um die Sicherung' seiner Frommen geht, daß daraus kein Irrtum entstehe"! (Psalm 85, 9). „Lieblich, wie die Braut in den Augen ihres Gatten, müssen die Worte des Talmid Chochom den Hörern klingen!" Bei den Männern, die an der Spitze unseres. Volkes stehen, kommt es nicht allein auf das W a s , sondern oft eben so sehr auf dsis; Wi e: ihrer Rede "an. Dr. Kohn vertritt in' unseren Reihen ' den Standpunkt der »äußersten Rechten" — um dies verständliche Schlagwort zu gebrauchen —, aber dennoch hat Dr. Kohn „politische" Gegner zwar, aber keine Feinde! Denn in allen Auseinandersetzungen, mündlichen wie;sGk^iftHc^en,.V.w.elht' äüs; seinem Wort, wie scharf.' es auch in oler Sache sein magr die Bruderliebe, schwingtdas 'Mitleid, oft direktes Mitleiden mit! V - ' Und schließlich: „Wie die Braut mit 24fache.m Schmuck geziert ist, so muß der Talmid Chochom alle 24 Bücher der heiligen Schrift kennen, und durch sich bewähren!" Aus dem Tnach klingt uns das Judentum in seiner ganzen Vielfalt entgegen, in seiner wunderbaren Fülle — und dennoch wird alles durch das Wissen: „Dies ist die Heilige Schrift" zu einer gewaltigen Einheit verbunden. So auch muß aus dem Talmid Chochom auf uns strömen der ganze Reichtum des Judentums, die ganze Kraft und Schönheit der Lehre! Und dennoch entscheidend ist, daß wir im Angesicht des Talmid Chochom das Bewußtsein haben: 'DDri 'Vftbfl *?V XVI *p sein L eben ist Zeugnis dieser Lehre! Und in diesem Zusammenhang findet das Wort eine neue Bestätigung, das zu Ehren von R. Ami und R. Asi erklang: „Solche, wie diese macht uns zu Führern." Das bedeutet nach einer Erklärung des Oruch: „Wir können keine Führer gebrauchen, die uns die Lehre stückweise , ' rix, v »»«sm.« servieren — nur einen Perek aus einer Massechtoh, etwa nur ein Fünftel daraus oder zwei Halochaus"! Und Mharscho (Ksuwaus 17a) vermerkt dazu, daß viele1 unserer Führer daran straucheln und daß die Berufenen diesen Uebelstand beheben sollten! Verstehen wir die Deutung des Oruch und die Mahnung des Mharscho recht, so wird hier auf ein Uebel hingewiesen, das auch noch in unserer Zeit wuchert: daß man statt des ganzen Judentums einen Bruchteil, je nach Geschmack und Neigung, seinen Gläubigen zum Bewußtsein bringen will — und auf diese Weise Judentum und Judenheit in die Brüche schlägt! Da steht Dr. Pinchas Kohn vor uns, als der ganze Mann, als der Mann der ganzen Thora, er gibt nichts, preis und er legt nichts aus, er „lernt" und lehrt und lebt das ganze Judentum! Und zwingt so auf sich herab den Huldigungsgruß: •sa1? "Diao p p tai yn ja -Vs V 3. Die orthodoxe Judenheit schuldet dem Jubilar vielen Dank, ja, sie ist ihm vielen Dank schuldig* geblieben! Mit diesem Festgruß soll nur zum Ausdruck gebracht werden, daß wir von diesem Dank wissen, daß wir in Liebe und Verehrung vor ihm. stehen, der, uneigennützig bis zur Selbstentäußerung, immer zum Dienst an der Gesamtheit bereit steht, Anerkennung -und Verkennung gegenüber im gleichen Maß gleichgültig! Er steht heute vor uns, geschmückt mit der Prachtkrone der fja?©. und tritt ein in das Jahrzehnt der M^IÜX Möge sein weiteres Leben in ihtem Zeichen stehen: daß er in Kraft den Seinen, und uns allen zu gesegnetem Wirken erhalten bleibe, daß er alle äußeren Mißhelligkeiten des Lebens wie ein echter 11331 überwinde, und im Sinne der Deutung 0'3tf«3 trHOrr 'VölA O^örH uns allen ein edles Vorbild bleibe in hingebungsvoller Menschenliebe, in der Demut, die das Zeichen wahrer Größe ist, in der Hilfs-* bereitschaft, die jedem und allem bereit steht! In diesem Gebet stehen wir vor G'tt, in dieser Hoffnung tönt üim entgegen unser innigstes, herzlichstes und aufrichtiges 3H3 blö! ' Wolf S, Jacobson. Dr. Pinchas Kohn in Polen« Ein Grüß zum siebzigsten Geburtstag. und Vorausverkündens oft schmerzlich genug mit Die Vollendung des siebzigsten Lebensjahres, deren sich Dr. Pinchas Kohn in Ansbach am 22/Ädar erfreuen darf, wird überall in der agudistischen Welt als Festtag begangen und mit dem innigen Wunsche begrüßt werden, daß es dem Jubilar noch ungezählte Jahre vergönnt sei, als vorausschauender, mahnender Wegweiser der organisierten thoratreuen Judenheit zu wirken. Voraüssch au und kritischer Tiefblick; — das sind die beiden besonderen Fähigkeiten, mit denen eine gütige Vorsehung den Jubilar ausgestattet, und die er seit mehr als zwanzig Jähren in den Dienst des großen, schweren Werkes der agudistischen Neugeburt des jüdischen Volkes gestellt hat. : Vi brr a u s s c h a u und kritischer T i e fblic-k — wenn diese Fähigkeiten zu Funktionen werden und-aus der Sülle der Beratungszimmer hinaus in die Oeffentlichkeit und in die jüdische Gasse dringen, sind sie nicht gerade geeignet, ihren Urheber beliebt und besonders glücklich zu machen. Seit den Tagen Jeschajohüs und Jirmejohus bietet die Schau in die Zukunft nicht immer freundliche Bilder dar, und nicht nur von G'tt gesandte Propheten, sondern auch gewöhnliche Sterbliche:, wenn ihr. durchdringender Verstand und die Intuition einerhellseherischen Seele vor ihren Augen den Schleier zerreißt, der den Zusammenhang der vorwärts schreitenden historischen; Entwicklung wohltätig zu verhüllen pflegt, haben die Konsequenz dieses Vörausschatiens ihrer Seelenruhe und ihrer Popularität zu bezahlen. Heute, an Dr. Kohns Ehrentag, möchte ich neben all den anderen Freunden und Mitarbeitern, die sicherlich das Wort ergreifen werden, um diese oder jene Seite des vielseitigen Wesens und Wirkens des Jubilars zu würdigen, n u r dies e e b e n d a r gestellte E i g e n t ü m- 1 i c h k e 11 s e i n e s W e 's e n s durch den Hinweis auf drei denkwürdige Jahre seines reichen. Lebens illustrieren. 1 Ich meine jene stürmischen Kriegsjahre,;die Dr. Kohn v/j tynrf? biy> — gemeinsam mit ipr. Emanuel Carlebach ^"ST von Ende 1915 bis zum Herbst 1918 in dem von deutschen Truppen besetzten Polen zubrachte, und die wie in einem B r e n n s-p i e g e 1 ■jene Grundeigenschaften seines intellektuelle n C h a ra k t e r s k o n z e -n t r iert .zur Geltung brachten. Unmittelbar vor dem Kriege war die Gründung der „Agudas. Jisroel" erfolgt, und unter der entschlossenen Führung des Gerer Kreises, der sich — allerdings nur mit teilweisem Erfolge — Um die Zusammenfassung aller chassidischen Gruppen in Polen mühte, die engste Zusammenarbeit der orthodoxen Juden in Ost und West zur Verteidigung ihrer religiösen Interessen in die Wege geleitet worden. , Aus diesem agudistischen Kreise erging kurz nach der Besetzung Warschaus der Ruf an die Frankfurter Agudo-Leitung, der polnischen Or-

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