Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1937)
- Date
- 1937-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 tNr. 9 _- Der neue Kurs gegen den Radikalismus in Rumänien,, Bukarest, 3. März. 'Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Tatarescu wurde eine Konferenz der Bezirkspräf ekten und unter dem Vorsitz des Justizministers Sassu eine Konferenz der Generaistaatsanwälte abgehalten. Der Ministerpräsident forderte die Präfekten auf, jede Handgreiflichkeit, jede Beleidigung, das Tragen von Uniformen, kurz, jede Gesetzwidrigkeit streng zu ahnden und das Gesetz ohne Ansehen der Person in Anwendung zu bringen. Justizminister Sassu forderte die Generalstaatsanwälte auf, in allen Fällen von Gesetzesübertretung strengstens zu verfahren; anderenfalls, sei die Gesellschaft von Auflösung bedroht. Die Aktion zur raschesten Unterdrückung des Terrors müsse verstärkt werden. Der Ministerrat beschloß, sämtliche Studentenheime, die nicht unter der direkten Aufsicht der Universität stehen, zu schließen. In Bacau (Provinz Moldau) ist es anläßlich der Neuwahl des Stadtrats zu schweren j u de rifeind liehen Ausschreitungen gekommen. Sturmtruppen der National-Christlichen Partei terrorisierten die Bevölkerung und verhinderten Juden und freiheitlich gesinnte Nicht« juden, an der Wahl teilzunehmen. 35 jüdische Geschäfte in den Hauptstraßen der Stadt wurden verwüstet. 30 Personen, unter ihnen mehrere Frauen, wurden schwer mißhandelt. An dem Aufkommen einiger Verletzter wird gezweifelt. Es wurden zwar Militärabteilungen zur Wiederherstellung der Ordnung nach Bacau entsandt, doch wurde niemand verhaftet. 300 Juden sollen aus Bulgarien als „Türken" ausgewiesen werden, Sofia, 1. März. . Etwa 3Ü0 alteingesessene Juden in Bulgarien, die Inhaber türkischer Pässe sind, aber von der D Israelit jetzigen Türkei nicht als Bürger anerkannt wer aen, stehen vor der Ge'fahr der Ausweisung/ Die betroffenen Familien haben an den Völkerbund eine Petition gerichtet, in der sie .bitten, ihnen einen legalen Status zu verleihen. Ihre Lage ist verzweifelt. Joint-Hitte für Polen- Paris, 28. Febr. Wie der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn und Direktor David Schweitzer in Paris mitteil ten, wird Joint für Hilfe und Aufbau zugunsten der Juden in Polen 1937 das Dreifache dessen .ausgeben, was er im Jahre 1936 ausgegeben hat Allein für die nächsten drei Monate hat Joint eine Summe von 275.000 Dollar für Polen b ereU gestellt. Davon sind 5000 Dollar für Opfer des Anti-Schächtgesetzes, 10,000 Dollar für Pessach hilfe bestimmt. : « Bleiben die Juden, in Rußland zu Pessach ohne Mazzot? Paris, 28. Februar. Aus R ußland eintreffende Berichte besagen, daß 'die religiös gesinnte jüdische Bevölkerung der Sowjetunion tief darüber deprimiert ist, däß die Sowjetregierung in diesem Jahre den jüdischen Synagogengemeinden verboten hat, die traditionell vorgeschriebene Mehlärt zur Herste! lung von Mazzot zu verwenden öder solches Mehl an Gemeindernitglieder zu liefern. Durch dieses Verbot droht den gesetzestreuen Juden die Gefahr, zum kommenden Pessachfest ohne Mazzot zu bleiben. Die Behörden planen, in staatlichen Bäckereien Mazzot zu backen, diese würden aber nach dem jüdischen Religionsgesetz zum Genuß in den Pessachtagen ungeeignet sein. Die gesetzestreuen Juden hoffen auf Intervention jüdischer Kreise im Ausland zu ihren Gunsten. General Dill für eine jüdisch-arabisch-englische Truppe in Palästina? Jerusalem, 28. Februar. Die arabische Tageszeitung „Felestin" bringt die aufsehenerregende Meldung, daß die Palästinaregierung nach Beratung mit dem Oberkommandierenden der britischen Streitkräfte, Generalleutnant J. G. Dill, beschlossen habe, in Palästina aus Juden, Arabern und Engländern militärische Einheiten zu bilden, die unter dem Kommando britischer Offiziere stehen sollen. Landesverweisung von Einwanderern aus Südafrika? Johannisburg, 1, März. Die ITA. erfährt, daß diejenigen Einwanderer nach Südafrika, die nach dem 1. Februar 1937, dem Tage des Inkrafttretens des neuen südafrikanischen Einwanderungsgesetzes, ins Land gekommen sind und eine vorläufige Landungserlaubnis erhalten haben, in der Gefahr schweben, bis Ende April des Landes' Verwiesen zu werden. Jedenfalls ist über den-30. April hinaus kerne vorläufige Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden, Der vom Gesetz geschaffene (Einwanderüngs board hat von der Regierung die Anweisung er-. halten, die Bestimmungen des neuen Einwanderungsgesetzes mit äußerster Strenge durchzuführen. Der Board hat über 93 Froz. der Anträge auf dauernden Aufenthalt abgelehnt. Wie esf heißt, handelt es sich um etwa 200 bis 300 Einwanderer, die bei der Handhabungder neuen Bestimmungen das Land verlassen müßten. Der größte Teil von ihnen ist jüdisch. Gesetzes-Vorschlag zur inneren Befriedung in Amerika. Washington, 28. Febr. Der Verband d^r jüdischenKriegst eil nehm er Amerikas hat einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet, der Geldstrafen von 100 bis 5000 Dollar und Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu einem. Jahr für die Verbreitung von Verleumdungen gegen Bekenntnisse durch Versendung-von Schriftstücken und Druckwerken vorsieht. Der Gesetzesvorschlag sÖ|l j noch in der ersten Hälfte- März in den beidfen Hausern des Parlaments von nichtjüdischen S e - na.toren und Abgeordneten eingebracht werden. Furimbotschaft des Präsidenten Roosevelt an die Juden Amerikas» Washington, '26. Februar. Anläßlich des Purimfestes hat der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt,. eine Botschaft an die Juden Amerikas erlassen, die durch den amerikanischen Rundfunk bekannt gegeben wurde. Diese Feier der Erinnerung an die wunderbare Errettung des jüdischen" Volkes, so heißt'es in der Botschaft, vor der Vernichtung, mit der es einstens vor, so vielen Jahrhunderten bedroht 1 würde, 'sollte1 die Zuversicht der neuzeitlichen Juden beleben und in ihnen die Erkenntnis von dem herrlichen Erbe wecken, das sie besitzen. . ■ ■ ■ - ■ : . 4. März 1937 Genehmigungspflicht für die Errichtung von Industriebetrieben durch Ausländer in Holland, i Amsterdam, 28. Februar. Die zweite Kammer des Holländischen Patv laments hat einstimmig ein' Gesetz angenommen, das für die Zukunft die Errichtung: von Industriebetrieben durch Ausländer von einer besonderem Genehmigung abhängig macht. Handelsmmister Prof. Gelissen betonte bei dieser Gelegenheit, daß durch diese Beschränkung nur eine übertriebene Konkurrenz verhindert,, die Gastfreundschaft Hollands aber nicht beeinträchtigt werden soll. Das Gesetz richtet sich keineswegs etwa, gegen die aus Deutschland eingewanderten Juden. T)iß Errichtung neuer Betriebe wird auch in Zukunft gestattet werden, wenndie .Herstellung der betreffenden Produkte für die holländische Wirtschaft nützlich ist. Seit dem Umbruch in Deutschland sind in Holland etwa 6000 neue Betriebe errichtet worden. Judenfrage wird in Portugal nicht aufgerollt. Lissabon, 22. Februar. Vör einer Woche waren in Portugal polizei^ liehe Maßnahmen gegen Ausländer, darunter auch gegen Juden, die in den letzten Jähren eingewandert sind, getroffen worden. Im Zusammenhang damit hatten die Hicem-Komitees bereits Beratungen über die Weiterleitung dieser Auswanderer aufgenommen. Nunmehr .sind die ursprünglichen Maßnahmen wesentlich gemildert worden nnd eine Anzahl aus Deutschland stammender Juden, die Lissabon verlassen mußten, weil ihnen die Aufenthaltsbewilligung nicht weitererteilt wurde, konnten wieder zurückkehren. Von einer Reihe von Mitgliedern der portugiesischen Regierung ist den Führern der portugiesischen Juden erklärt worden, daß nach Auffassung der Regierung ein religiöses Problem in Portugal nicht bestehe und daß nicht beabsichtigt sei, die Judenfrage aufzurollen. Dr. Aldo Lattes Oberrabbiner von Tripolis. iR o m , 28. Februar . Der ehemalige Leiter der .jüdischen Schule in 'Rom, Dr. Aldo L a 11 e's , der nach dem Tode von Prof. Angelo Sacer d o t i eine Zeitlang die Geschäfte des Oberrabbinats von Rom geleitet hat, ist von dem Verband der jüdischen Gemeinden Italiens zum Oberrabbiner von Tripolis bestellt worden. Das Amt des Oberrabbiners von. Tripolis war seit zwei Jahren unbesetzt, nachdem der frühere Oberrahbiner> Dr., Castelbologriesi infolge meines Konflikts; mit dem Gouverneur Marschall Ralbo seinen Posten verlassen hatte. Dem neuen Oberrabbiner, Dr. Aldo Lattes, ist angesichts der Bedeutung der jüdischen Kolonie von Tripolitanien und der Schwierigkeiten, die sich dort infolge des Zwanges, .sämtliche^ Geschäfte ..am Samstag offen zu halten, ergeben haben, _ eine besonders;heikle, Aufgabe gestellt; , -l .} ... . .. .,'■",<■, , --' i', ■" ' Die Einbürgerung jüdischer Einwanderer in Amerika, Aktion jüdischer Frauen. r Chicago, 22. Februar. In. Chicago fand die •Konferenz des „National Council of Jewish Women" statt. Es wurde eine planmäßige Aktion beschlossen,, durch die ^eueinwanderern (die Einbürgerung in den Vereinigten Staaten, und eine schnellere Amerikanisierung erleichtert werden soll. An der Konferenz , beteiligten sich 31 Delegierte, die 50,000 .Mitglieder vertraten. Die Vor-' sitzende , des Council,, Fgnny Fligelmann-Brin, tonnte in ihrem Bericht darauf hinweisen, daß der Frauenverband im vergangenen Jahre 500Ö Mitglieder , neu gewonnen;.Jiai. , ,