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Der Israelit · 1937-03-04 · Heft 9 (4.3.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 9 (4.3.1937)
Date
1937-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a, M. 4, März 1937 21. Adar 5697 Nummer 9 Die jüdische Situation im Die Neuorganisation, in Polen. V. War'sc ha u , 3. März. Die von Oberst Koc angekündigte neue Organisation des Regierungslagers ist auf einer Versammlung von 400 Delegierten aus 150 Städten Polens im Warschauer Rathaus formell begründet worden. Bei dieser Gelegenheit hielt Oberst Koc eine, kurze Rede, in der er den Namen des neuen Verbandesbekanntgab, der gleichzeitig seihe Hauptrichtlinie seih soll. Die neue Bewegung soll den Namen '„Lager der naT tionalen Einigung'' führen. Sie habe, wie Oberst Kop sagte, das Ziel, das polnische Volk zu konsolidieren. Weder Oberst Koc noch Stadtpräsident Star z y n s k i sprachen im Rahmen ihrer Darlegungen über die Judenf rage. Von' jüdischer Seite wird aber erklärt, daß 4ie' Juden niemals ihre Rechte als nationale Minderheit aufgeben werden» hWir erkennen die Rechte der Polen an, das Volk zu sein, das-die erste Stelle im Staate einnimmt, aber die erste Stelle unter gleichen nationalen Gruppen. Wir erklären feierlich, daß keine Deklaration und kejn,e irgendwie geartete Politik uns in unserem Verantwortungsgefühl für den polnischen Staat und seine Zukunft wankend machen kann. Wir werden, für uns die gleichen Rechte fordern, wie sie die anderen Bürger Polens besitzen." Die Lage in Oesterreich. " . , .Wien, 2. März. Der Bund der jüdischen Front-1 k ämpf e r 0 esterreich s wurde am 2. März korporativ in die Staatsmiliz der Vaterländischen Front eingegliedert. Bundeskanzler S c h u s c h n i g g und 'andere ■ Mitgliederder österreichischen Regierung nahmenan '.einer in Wien' veranstalteten Kundgebung für Ausgleich 'der Rassengegensätze und kulturellen. Minderheitenschutz teil- . . Der ^Hauptredner ch>s Abendssprach über die -Menschheitsideale der christlichen, jüdischen und hellenischen Kultur, wobei er den Ewigkeitswert rf'-r ethischen Lehren des Judentums betonte. Line, weitere Ansprache hielt ein Mitglied des," deutsch-österreichischen Kulturausschusses. Der Redner wies auf die Notwendigkeit hin',: den. in Oesterreich lebenden Minderheiten in Uebereinstimmung mit den österreichischen Lfeberlieferungeri' ..volle Freiheit und Rechtsgleichheit zu gewähren. - -~ ■ Judenieindliche Unruhen in Ungarn, , r . B,u d a. p es t,- 2. ,;März., Die Unruhen, die vor kurzem an den. drei ungarischen Staatsuriiyersitä.ten ausgebrochen sind, . halben jetzt auchauf die S t r a ß © übergegriffen, i In mehreren Städten ist es zu judenfeindlichen Kundgebungen und Ausschreitungen gekommen, die sich immer wieder erneuerten. „Nyolcorai Ujsag" teilt mit, daß ,in der vorwiegend kalvinistischen Stadt Detrecen in .vielen von Juden bewohnten- Häusern die Fenster zertrümmert wurden. Nacheinander wurden an vier jüdischen Synagogen die Fenster zertriimmer t.. Das, fünfte G'tteshaus der Jüdischen Kultusgemeinde konnte von einer noch rechtzeitig eingetroffenen. Radfahr erpätrouille der Polizei vor Verwüstung geschützt werden. , In 0 e d e n b u r g (Sopron) veranstalteten die Studenten der dortigen Bergbau-, und Forsthochschule anläßlich der Aufführung eines Films, in dem jüdische Darsteller mitwirken, eine Straßenkundgeburig, an der sich auch nichtstudentische judenfeindliche {Elemente beteiligten. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Zum Altersjubiläum von Rabbiner Dr. Pinchas Kohn...... Seite 1, 3, 4, 5, 6 Wochenrundschau . . . . . Seite 6 Kunst und Künstler. Von A. Mannheimer Seite 4 Eine neue Bewegung für den Sabbath in Erez JisroeK ......... Seite 7 Aus den Gemeinden........Seite 8 Studentenunruhen in Ungarn und Polen Seite 10 Nachrichten aus Polen.........Seite 10 Erez Israel . . . . ... . Seite 13 u. 14 Bücherbesprechungen . . . . . . . . Sedtel9 Rabbiner Dr. Pinchas Kohn. (Ein Gruß zu seinem 70. Geburtstag - ■■■■ ■ l. Dem großen jüdischen Führer klingt der Gruß der Huldigung entgegen, welcher Israels Bräute inihrer festlichsten Stunde umtönte: > ]n rVjsm oidtb xVi xVi Vrp 16 „Nicht Schminke fürs Auge, nicht Schminke fürs Angesicht, nicht Frisur des Haar e s und dennoch voller Anmut!" Das Lied zu Ehren der Braut will ihr Aeußeres, ihr Aussehen loben, das Lied zum Preise des Führers gilt seinem Innern, seinem Ansehen! Und wir verstehen gut, daß das Brautlied" zum Ruhmeslied unserer Großen .wird, wenn wir uns erinnern, daß der Midrasch an verschiedenen Stellen (Schmaus Rabo-41, 5, Schir Haschirim iRabo 4, 11) den wahrhaften Talmid Chochom mit der Braut vergleicht, wir verstehen es dopp'elt gut,: wenn wir das Lied als ein Gleichnis nehmen! Das Auge ist ein Sinnbild für das Gemüt des Menschen: „Wer guten Auges ist, wird gesegnet, denn er gibt von seinem Brot dem Armen". „Iß nicht das Brot dessen, der. mißgünstigen Auges ist" heißt, es in Mischle (Kap. 22 und?3){ v Das "G e s i cht ist der Spiegel des G e i s - tes!" Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht" lehrt uns Kohelet (Kap. 8)! Das H aar weist hin auf die P e r s ö n I i c hk e i t des Menschen, wie S. R. Hirsch (zu Wajikro-14, 8 und Bamiäbor 8, 7 u. a. St.) überzeugend darlegt! Dort, wo die Tiefe und Reinam 22. Adar 5697.) heit des Gemütes naturhaft ist, aus dem Innersten strömt, nichts Gemachtes ist, dort, wo die Kraft und Fülle des Geistes nicht durch künstliche Quellen gespeist wird, dort, wo die Pe r s ö n 1 i c h ik e i t sich in reicher Mannigfaltigkeit und doch wie aus einem Guß darbietet, als eine gewachsene und nicht als „zurechtfrisierte",— dort ist Größe, Größe, die zum Führertum berechtigt , und beruft! Unsere Alten fanden sie bei Rabbi Sero, wir finden sie bei unserem verehrten Jubilar: Rabbiner Dr. Pinchas Kohn! ' ' " ' ' 2. ■; Von Rabbiner Dr. Pinchas.. Kohn, dem großen politischen Rätgeber der zeitgenössischen Orthodoxie, von ihm als dem großen Talmid Ghöchom und Künstler der Rede zu sprechen, kommt mir nicht zu; seinen entscheidenden Anteil an der Verselbständigung der polnischen Orthodoxie darzustellen, das bleibe das Recht und die Pflicht der Berufenen, hier sei von dem Mann und Meister gesprochen, wie er sich dem Jüngeren darbot, in oftmaligem, vierwöchigem Beisammensein, Solches Beisammensein bestätigte von Mal zu Mal: Dies ist der Mann; dessen Auge nicht geschminkt, dessen Angesicht nicht: geputzt, dessen Haar nicht irisiert ist! Aeußerlich will er von diesen Dingen nichts wissen, und innerlich braucht er sie nicht! (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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