Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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/ Seite 8 Nr. 8 D raelit 25. Februar; 1937 jüdischen. Kindern in der Umgebung von Schneide* mühl besucht werden. Der Syndikus des Preußischen Landesverbandes ■jüdischer Gemeinden, Dr. Hermann S c h i 1 d 'b e r g e r , Berlin, gab ein Bild von der Arbeit des Preußischen Landesverbandes. Der Tagung war eine Konferenz der Darlehnskasse vorangegan geh. Gleichzeitig fand eine Sitzung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen statt. Berlin, 15, Febr. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin bat im Monat Januar 1937 29.348 Lebens mittelgutscheine, 11649 Zentner Kohlen, 16.236 Pfundpakete, für 14781 Parteien mit etwa 30.000 Personen zur Verteilung gebracht. Ferner wurden 14.674 Zent ner Kartoffeln ausgegeben. Der Gesamtwert dieser im Januar 1937 verabfolgten Leistungen beträgt Mk. 166.622.75. * * * L ei.pzig, 17. Febr. Verwaltungsdirektor Katzenstein' von der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig, der seit 1913 das Gemeindeamt leitet, ist aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde der bereits seit längerer Zeit :m Gemeindedienst tätige iDr. jur, Fritz Grub e 1 gewählt, der sein neue® Amt als Verwaltungsdirektor am 1. Juli 1937 übernehmen wird. * * * Köln, 18. Febr. Die Jüdische Winterhilfe in Köln hat in den vergangenen Monaten 13 Waggons Kohlen oder 4663 Zentner verteilt. In der nächsten Woche werden nochmals fünf Waggons oder 2004 Zentner verausgabt werden; 2l/2 Waggons werden dm März ausgegeben werden. Zusammen mit der Februar-Ausgabe erhalten die Unterstützungsempfänger insgesamt 2500 Zentner Speisekartoffeln; weiter werden Mehl, Eier, Seefische, Brot, Kakao, Zucker und andere Lebensmittel, wie Grieß, Linsen Erbsen verteilt. Im Monat März sollen u. a. 14.000 Pakete Mazzöt an die mehr als 2500 Hilfebedürftigen verabfolgt werden. Eine Arisches Personal in jüdischem Hotel. Verwaltungsgerichtsentscheidung. Frankfurt a. M., 16. Febr. Den Inhabern eines Hotels in Wiesbaden, das fast ausschließlich von Niohtariern besucht wird, wurde auf Grund des Runderlasses des Chefs der deutschen Polizei vom 11. Juli 1936 die Verpflichtung auferlegt, die bei ihnen beschäftigten vier arischen Angestellten unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei, Monaten zu entlassen. Es handelte sich um eine Büroangestellte, eine Wäschebeschließerin und zwei Küohenmädchen. Gegen diese polizeiliche Auflage, mit der gleichzeitig bei Nichtbefolgung die Entziehung der Konzession angeordnet wurde, erhoben die Inhaber laut „Höchster Kreisblatt" beim Stadtver* v waltungsgericht Einspruch. Sie machten geltend, daß ihr .Betrieb nicht ausschließlich von Juden besucht werde, und daß der Runderlaß keine Anwendung auf bereits bestehende Konzessionen finde. Auch andere Unternehmen, z. B. Warenhäuser, dürften ihr deutsches weibliches Personal beibehalten. Das Stadtverwaltungsgericht wie© die Klage ab, wobei besonders hervorgehoben wurde, daß zwischen einem Hotel und einem Warenhaus ein großer Unterschied zu machen sei. Auf die ßerufungsklage entschied das Bezirksverwaltungsgericht, daß die Inhaber alles deutschblütige Personal unter 45 Jahren, soweit es sich nicht um Küchenpersonal handelt, entlassen müssen und kein arisches Personal wiedereinstellen dürfen. Durch den angeführten Runderlaß des Chefs der deutschen Polizei wurde den die Genehmigung zum Betriebe einer Gastwirtschaft oder Schankwirtschaft erteilenden Behörden empfohlen, in den Fällen, wo eine jüdische Gaststätte neu errichtet wird, als besondere Auflage vorzuschreiben, daß in dem Betriebe kein deutschblütiges weibliches Personal beschäftigt werden darf. Bei bereits erteilten Erlaubnissen sollen entsprechende Auflagen alsbald nachgeholt werden. Holland. Briei aus Holland,. Sanierung des Amsterdamer Ghetto. — Neue Syna goge. — Auszeichnung eines Juden.' Amsterdam, 19. Febr. Die um die Sanierung des Amsterdamer Ghettos sehr verdiente jüdische Wohnbaugenossenschaft „Handwerkers Vriendenkring" . (Freundschaftskreis der Handwerker), die mit Unterstützung der Regierung an Stelle der niedergerissenen Häuser im Ghetto, sowie in' modernen Stadtrandsiedlungen neue Wohnbauten für die Bevölkerung de© früheren Ghetto errichtet, feierte ihr 25jähriges Jubiläum. Vertreter der Regierung, der Stadtgemeinde und hervorragende judische Persönlichkeiten nahmen an der Feier' teil Oberrabbiner L, H. Sarlouis hielt eine Ansprache und der Wohnbaureferent des Amsterdamer Stadt rats, S. Rodrigueis de Miranda, gab bekannt, daß die Regierung die Genehmigung zur Errichtung von weiteren 100 Häusern durch den „Handwerkers Vriendenkring" erteilt habe,. In einem westlichen Vorort von Amsterdam wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Die Weihepredigt hielt Rabbi G, d e L a n g e. Zum Generalschatzmeister der Niederlande ist der frühere Direktor der Steuerverwaltung von Holländisch-Indient B. J.'de L e e u w , ernannt worden. Der neu-e Generalschatzmeister ist, wie sein Vorgänger, Dr. L. Ries, Jude, Litauen. Wiedersehensfei€r ehemaliger Hörer der Slobodkaer jeschiwa« Kowno, 16. Febr. In der berühmten Slobodkaer Jeschiwa fand eine Wi ed er seh ens-f eie r ehemaliger Hörer der Anstalt statt, an der sich ein« Reibe von ^■JT^iiVBRirii£w»cSJ Rabbinern aus Litauen und 30 Rabbiner aus dem Ausland beteiligten. Ansprachen hielten der Rosch Jeschiwa von Slobodka, Rabbi Jizchak Eisik Scher, der Gaon in Wilna, Rabbi Chajim Oser , G r o d z i © rns k i und Rabbi Salman Assowski. ' a Schwierigkeiten bei der Neuordnung des jüdischen Kultuswesens in Litauen.' Kowno, 16. Febr. Bei -der Neuregelung des jüdischen Kultuswesens in Litauen, die durch das> Gesetz über die Organisation von Religionsgemeinschaften notwendig geworden ist, haben sich mehrfach Schwierigkeiten ergeben. So konnte bisher keine Lösung für die Frage gefunden werden, wem in Zukunft die Bethäuser auf den jüdischen Friedhöfen unterstellt sein sollen. Da vorläufig auch keinerlei Lösungsmöglichkeit in Aussicht ist, besteht die Gefahr, daß diese Bethäuser nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 1. Mai herrenlos werden. Bisher befanden .sieh die Bethäuser auf den Fried* höfen im Besitz der Gesellschaft Adaß Jisroel, die zwar statutengemäß eine Vereinigung für soziale Hilfe ist, tatsächlich aber Funktionen einer jüdischen Gemeinde erfüllte. Gesellschaften von der Art der Adaß Jisroel sind nach dem neuen Gesetz verpflichtet, ihr Statut nochmal® eintragen zu lassen. Hierbei ergibt sich für Adaß Jisroel die Schwierigkeit, daß Vereinigungen, deren Zweck soziale Wohlfahrtspflege ist, keine Einrichtungen besitzen dürfen, die der Befriedigung von Ku^tusb^edürfnissen dienen. Es müßte bis zu dem Termin der neuen Registrierung am 1. Mai gelingen, eine legale jüdische Gemeinde zu schaffen, die diese Kultuseinrichtungen übernehmen könnte. Polen. Ausbildung jüdischer Seeleute und Fischer. Warschau, 16. Febr. In Gdingen wurde die Jahresversammlung der dortigen Ortsgruppe des Verbandes „Sebulun" zur Ausbildung jüdischer' Seeleute und Fischer, äbgchalten. Es wurde festgestellt, daß in der letzten Berichtsperiode eigene Fischereikiurse eingerichtet wurden. Die Versammlung beschloß, die Errichtung eines Internats für die Kursteilnehmer und die Gründung einer Fischereigesellschaft. Die bisherige Leitung wurde in gleicher Zusammensetzung, wiedergewählt. Auch in Warschau fand eine Versammlung des Verbandes „Sebulun" statt, bei der organisatorische und finanzielle Fragen erörtert wurden. Dr. Kalane berichtete über die bisherige Arbeit zur Propaganda des „Kibusch Hajam" (Eroberung des Meeres), Es wurde beschlossen, in Warschau eine große Werbeaktion und eine Sammlung für die Zweck© des „Sebulun" durchzuführen, um die Einrichtung einer neuen Seehachscharastelle und den Ankauf eines Motorkutters zu ermöglichen, Italien. Feierlich« Amtseinführung des neu^n Oberrabbiners von Rom. Rom, 17. Febr. In der Großen Synagoge von Rom fand die feierliche Amtseinführung de® neuen Obeirabbdners', Prof, David Prato, statt. Prof. Prato, der bisher Oberrabbiner von Alexandrien war, ist auf den Posten eines Oberrabbiners von Rom berufen worden, naehdem dieser nach dem Tode Prof. Angelo Sacerdoti längere Zeit unbesetzt geblieben war. In der Synagoge sah man in den ersten Sitzreihen neben den hervorragendsten Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Rom und den Vertretern der größeren jüdisehen Gemeinden Italiens, auch die Repräsentanten der Behörden, unter ihnen den Kommandanten des Armeekorps von Rom, und die Vertreter der Faschistischen Partei, In seiner Antrittspredigt überbrachte Prof, Prato seiner neuen Gemeinde die brüderlichen Grüße der Jüdischen Gemeinde von Alexandrie'h, deren geistliches Oberhaupt er zehn Jahre lang gewesen ist. Er wies .darauf hin, daß sowohl in Rom wie in Alexan* drien die Juden vielleicht die ältesten Bewohner sind, .deren Vorfahren seit zahllosen Generationen dort gelebt haben. Deshalb könnten sich die Juden im eigentlichsten Sinne des Wortes als die Bürger 'dieser Städte bezeichnen. In Aegypten und in anderen M.ittelmeerländern sei hei den aus- Italien stammenden Juden, die sich bereits vor einigen Generationen dort niedergelassen haben, noch immer die alte Verbundenheit mit ihrem früheren Vaterland lebendig; sie bewahren dem Lande, in dem sie freundschaftlich und menschlich behandelt wurden, und für das sie in gleicher Weise wie die übrigen Bürger wirken, durften, Treue und anerkennendes Gedenken. Im Anschluß daran ermahnte der Oberrabbiner die Juden Italiens, durch ihre Leistungen, für den Palästinaaufbau, dessen Bedeutung er aus nächster Nähe habe verfolgen können, daran mitzuwirken, daß Rieses große jüdische Werkmit Erfolg gekrönt werda. Oberrabbiner Prato schloß seine Ansprache mit einem Hinweis auf die Verdienste seiner Vorgänger und mit der Versicherung, daß er alle seine Kräfte einsetzen werde, um die alte Jüdische Gemeinde Roms durch Zuführung moralischer -und materieller. Kräfte zur Blüte zu bringen. Nach der Predigt wurde dem Thoraschrein feierlich eine seit vielen Geschlechtern im Besitz der Jüdischen Gemeinde Rom befindliche alte T h or arolle entnommen, die a 1 s Geschenk der Jliden Roms an die neuge g*r ünd et e Jüdl* sehe Gemeinde in Addis Abeba gesandt werden soll. Der Amtseinführung in der Synagoge folgte ein Empfang zu Ehren Prof. Pratos in der Jüdischen Gemeinde,