Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450969--82814-2540771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Nr. 8 Der Israelit l- K E R E N H ATO'R AH steht im Dienste unserer Jugend! ■Ja Im yd Tpra-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerloseh Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Haforah-Heime - für unsere Jugend! Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! "L a n d e s.d i r e k fo rium d es K e ren H atora h ,H am bürg, Post sc heckkonto: Hamburg 24753 :* In der zweiten Fassung tritt eine neue Seite der Sabbatidee hinzu. Bisher war der Sabbat nur der Schöpfungssabbat, welcher der ganzen Welt in gleicher Weise aufgegeben war, wenn sie ihn auch — abgesehen von Israel — nicht erfüllte. Jetzt aber bekommt der Sabbat seinen nationalen Charakter. Er wird eingesetzt „zum Andenken an den Auszug aus Aegypten". Der Sabbat in seiner ewigen Wiederkehr soll das Volk für alle Zeiten daran erinnern, daß es einst in Aegypten Sklave "War und von G'tt zur Freiheit, zum Leben in Freiheit mit G'tt und für G'tt, herausgeführt worden ist. Der Jude soll am Sabbat ruhen und auch seine Knechte ruhen lassen, um stets zu wissen, daß er nicht Knecht von Knechten sein darf, sondern, daß er frei ist, einzig im Dienste G'ttes stehend und ihm zu Gehorsam verpflichtet. „Denn meine Diener sind sie!" So erhält der Sabbat am Sinai seine Doppelbedeutung als Schöpfungssabbtat — an dem G'tt selbst geruht hat, um dem Menschen das Vorbild der Sabbatruhe zu geben — und als Erinnerung an den Auszug aus Aegypten. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Einsetzung des Sabbats ein schöpferischer Akt in höchsten Potenz war. Erst durch den Sabbat bekam die Welt ihren eigentlichen Sinn, ihre Krone, ihr Ziel. Ohne die Schaffung des Sabbats wäre die Schöpfung unvollendet, Wochenrundschau. Das polnische Regierungsprogramm und die Juden — Leon Blum empfängt eine jüdische Delegation — Wieder Kantonisierung? — Erez Israel Sache Allisraels — Die „Amharazim" des Herrn Klötzel — Wie steht es in Tripolis? Das neue polnische Regierungsprogramm des Oberst K o c wird nun kräftig in Angriff genommen. Die Judenohne sinnvollen Inhalt, gewesen. G'tt hat also nicht aus Schwäche, aus Müdigkeit geruht, sondern aus höchster Aktivität. Denn 'diese Sabbatruhe gab der Welt ihren Sinn und ihr Ziel und dem Menschen für alle Zeiten das Vonbild uer Sinngebung seines Lebens durch den Sabbat. Der Sabbat als der Schöpfungssabbat wird in unserem Wochenabschnitte „das ewige Zeichen zwischen G'tt und den Kindern. Israel" genannt. Das will sagen, daß Israel ewig bestehen wird, wenn es den Sabbat beobachtet und G'tt als den Weltenschöpfer anerkennt. Diese Verheißung hat sich in der Geschichte in wundersamer Weise bewahrheitet: Der Sabbat bat uns durch die Jahrtausende in jugendlicher Frische erhalten. Völker kamen und gingen; aber das jüdische Volk, das aus dem grauen Altertum hineinragt in unsere Zeit, besteht heute noch, weil es dem Sabbat, dem Jungborn seiner Kraft, trotz aller Nöte die Treue gehalten hat. ' . Wollen wir das Judentum auch aus unserer schweren leidvollen Gegenwart hinüberretten in eine schönere Zukunft, wollen wir unserer Gemeinschaft ihren Ewigkeitscharakter erhalten, dann müssen wir aus der Geschichte lernen und uns aufs Neue in den Besitz des ganzen Sabbats setzen, denn er ist der Garant der ewigen Existenz unseres Judentums. frage innerhalb des Minderheitsrechtes soll nach einer Aeußerung des Chefredakteur Oberst Miezienski im Klub der Senatoren und Abgeordneten auf rein wirtschaftlich-soz i a 1 e r Ebene gelöst werden. „Die "Juden sind seinerzeit als Verfolgte aus anderen europäischen Ländern nach Polen gekommen, jetzt muß ein Abströmen aus Polen in die Wege geleitet werden." Oberst K o c selbst sagte im W a r - schauer Rundfunk, daß man Gewaltakte gegen Juden nicht dulden könne, jedoch sei ein kultureller und natürlicher Selbstschutz verständlich. Darin drücke sich das Streben der polnischen Volksgemeinschaft zur wirtschaftlichen Selbständigkeit aus. Das sei um so mehr verständlich in einer Zeit der wirtschaftlichen und finanziellen Erschütterungen, da allein ein tiefes staatsbürgerliches Gefühl es ermögliche, ungeschwächt aus ihnen hervorzugehen. Diese Aeußerungen beschäftigen nun die polnische Judenheit sehr lebhaft. Eigentlich ist aber damit nicht mehr gesagt worden, als was -man schon seit Wochen und Monaten in Polen über ide Judenfrage hört. Es trifft zu, daß die Juden im 14. und 15. Jahrhundert als Flüchtlinge aus Westeuropa, wo sie schweren Verfolgungen ausgesetzt waren, nach Polen gekommen sind und dort unter der Sonne humaner Königshäuser ein Heim gefunden haben. Es trifft aber auch zu, wovon man heute in Polen weniger spricht, daß Polens Juden ungeheuer, viel zur nationalen Befreiung und zum Aufstiege Polens beigetragen haben. Es würde aber dem Geiste jener alten polnischen Tradition widersprechen, wollte man „die Gäste von damals", deren Schicksal mit vier oder fünf Jahrhunderten: polnischer Geschichte eng verquickt ist, heute auf mehr oder weniger sanfte Art aus dein Lande „abströmen" lassen. Ein höfliches Wort kann an einer ungerechten Tat nichts ändern. * * * Eine Abordnung d e r j ü d i s c h e n A r~ beit erschaff in Amerika besuchte Palastina ünd weilte auf der Rückreise iri Paris, wo ihr 3000 Personen in einer Kundgebung huldigten. Daß die jüdische Arbeiterschaft in Amerika mit der Histadruth in Palästina durch alle Fäden menschlicher, lebensanschau- \ licher und parteipolitischer Sympathie verbunden ist, muß nicht erst gesagt werden, und so sind die Berichte der Abordnung über die kulturelle Seite des Palästinaaufbaues für iSiis nicht sehr von Belang. Es freut aber auch uns, daß prominente und führende Persönlichkeiten der französischen Politik ihr Interesse für die Abordnung und ihre Mission zeigten. Wie der ITA. mitgeteilt)wird, hat Ministe r präsident Leon Blum der jüdischen Arbeiterordnung sein lebhaftes Interesse für die Aufbauarbeit in Palästina wie seine Sorge, über die gegenwärtige Lage in dem Lande bekundet und die Hoffnung ausgesprochen, daß die jüdischen Bestrebungen in Palästina, mit denen die französische Regierung sympathisiere, verwirklicht werden würden. Kolonienminister Marius Moutot. äußerte sich bei dieser Gelegenheit auch über die_ neuen Zur ersten Jahrzeit für den Rogozower Gaon V'XT» Am *i*iok wivft rundet sich ein Jahr, seitdem der Gaon unserer Zeit, der „Rogozower", die Augen schloß. Zum ersten Jahrzeitstage stellt uns Herr B. Rachelsohn das demnächst im Drucke erscheinende Konzept seines in der Frankfurter Aguda gehaltenen großangelegten H e s p e d zur Verfügung, dem wir folgende Stellen über die Eigenart der halachischen Entscheidungen des Dwinsker inn |1JM entnehmen: Schreiber dieses stellte an den Gaon folgende Frage; Unterliegt eine Rektalernährung am Jaum Kippur der *il3 -Strafe? Praktisch hängt davon die Frage ab — die Schreiber später im Responsenwerk n*i«n n-ttnnn rrwNr. 123 fand —, ob man sich dieser Nährmethode in Krankheitsfällen am Jaum Kippur, anstelle des sogenannten „Schiurhaitens'' (H3*,s*3ö nifis) bedienen dürfe. (Geht bei dieser Methode in norma* len Fällen die *i"i3-:Strafe an, dann darf man es nicht; geht sie nicht an, dann darf man es wohl.) — Des Gaon postwendende, Antwort lautet etwa wie folgt: Die nno ejw nbaj» das Gefallene eines reinen bezw. zum Essen erlaubten Vogel« kann (nach III 17, 15} einen Menschen nur Kao» sein (verunreinigen), wenn er soviel wie eine Olive (rris) davon gegessen hat. Unter Essen jedoch, bemerkt Sifro z. St., sei nur eine Nahrungsaufnahme zu verstehen, die dem Menschen einen Vollgenuß der Speise bezw. der n^33 vermittle. Das sei nur der Fall, wenn die nbaa bereits in die Kehle des- Essenden gelangt sei (und nicht während sie sich noch in seiner Mundhöhle befindet. Die Notwendigkeit des Vollgenusses beim Essen jedoch folgert der Sifro daraus, daß es im erwähnten Verse nicht etwa hedße, wie vorher im Kap. 7, 25, b*)8 nVaa „Und jeder, der vba ißt", sondern: "iipr vsi Vai nbai ^a«n „Und jede Seele,„die nba? ißt usw." Ein Essen, meint der Sifro, da® der Seele zugeschrieben werde, müsse dem Essenden, volle seelische Behaglichkeit, einen Vollgenuß der Speise verschaffen. Andernfalls heiße es nicht nVoi* (Vgl, V. 11, 10 *-"oa '13 -psa miK ,/Mit deiner ganzen Seelenlust darfst du Fleisch essen." Malbim.). Ergo, schreibt Rogozower, da doch bei Jaum Kippur ebenfalls das Eßverbot, das unter Ji*tt-Strafe gestellt ist, nicht an die Person, sondern an die Seele gerichtet ist — heißt es doch III. 23, 29 nicht etwa mv si> >3 '3- „Denn jeder Nichtdarbende", sondern: nwn »V H£>K c'sari ^3 '3 „Denn jede nichtdarbende Seele n/nsai usw," —, so ist auch hier für die nis-Strafe volle seelische Behaglichkeit bezw. Vollgenuß der Speise oder des Getränkes Gnindbedangung. Und da diese bei der Rektalernährung nicht erfüllt sei, so sei sie zwar in nicht dringenden Krankheitsfällen am Jaum Kippur streng verboten — von der;/i*p -Strafe jedoch sei sie zweifellos ausgeschlossen.; Ein anderer Fall: Schreiber dieses frug den Ro^ gozower, ob man der Jiltt mbvn -Pflicht am Purim genügen könne, wenn man die zwei o b Id g a t o r i'= sehen Portionen (mia) an ein und dieselbe Person getrennt schickebeispielsweise, eine Porti o n vor- und eine Portion nachmittags!. Rogozower bemerkt zu Beginn seiner Antwort: n»3 ff» nrn *ma o*E7a hrviio* „lieber diese prinzipielle Frage gibt es mehrere Widersprüche in Schaß" und geht auf dieselben näher ein, um einen Anhaltspunkt für unsere Frage zu finden. Nachdem ihm dies nicht gelingt, schreibt er am Schluß kurz: nm naa -p-ix w*-*r?v „Es ist Vorschrift,: beide Portionen auf einmal zu schikken". Hätte Rogozower uns die 'Notwendigkeit des Aufeinmalschickens. bloß ak Mio n», als guten Rat erteilen wollen, dann wäre es nichtiger, wenn, er geschrieben hätte, wie üblich: Jini* roa *]*<is. nvyi&i „Praktisch sei es erforderlich, beide P o r t i o * nen usw." Da er es aber als Din bezeichnet, so ist anzunehmen, daß er dies als bindende Vorschrift aufgefaßt wissen will. Das beweist, wie sicher Rogozower bei Entscheidungen war, die er lediglich auf Grund seiner Xiao traf. (Für die erwähnte Entscheidung hat er gar keinen bindenden Beweis; trotzdem erhebt er sie zur gebieterischen Vorschrift^ doch nur deshalb, weil sein ungeheures1 Wissen ihm die Garantie gibt, daß dieselbe von keiner Seite anfechtbar ist,} Man -richtete einst an R, die Frage, ob es reltgionsgesetzlich gestattet sei, (aus modernen Keusch* heitsbedenken), beim Schulunterricht der vJugend diejenigen Stellen im „Tnach" zu überspringen, die an das Eheleben streifen. (Selbstverständlich setzt' diese Frage voraus, daß das Üeberspringen keine behördliche Vorschrift ist).. Rogozower erklärt das Üeberspringen. für entschieden verboten auf Grund einer Stelle in der KHaoin am Ende von Megiloh: , , . w*n_3 inVn -\öionv „Der Kinderlehrer aber unterrichte seine Schüler alles, selbst das Vorkommnis von *in und yat** Jia,"