Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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25. .Februar 1937 D e f I §<r a e 1 i % Nr. 8 Seite 3 DER SABBAT - DIE SEELE DES JUDENTUMS. (Fortsetzung von Seite 1.) „Laßt uns dem Sabbat entgegengehen, Denn er ist der Quell des Segens. Von Anbeginn, von Urzeit her eingesetzt. Abschluß des Werkes, aber im Gedanken der Anfang." So sprechen wir an jedem Freitagabend mit dem zweiten Vers des L'cho daudi, dieses wundersamen Liedes, das den" Namen seines Verfassers, Salqmo Alkabez, für alle Zeiten unsterblich gemacht hat. Der Weltensabbat, der Schöpfungssabbat, ist also Ziel und Sinn der Weltschöpfung; aber er ist auch Ziel und Abschluß der Weltgeschichte. Denn als Abschluß und Höhepunkt der Weltgeschichte erwartet Israel den „Tag, der ganz Sabbat ist", den Tag der Erfüllung und der g'ttlichen, seligen Ruhe nach der ewigen Uhrast der Jahrtausende; — die messianische Zeit, Es ist. das höchste Zeichen der Erwählung Israels und d?s jüdischen Volkes, daß G'tt den Sabbat, den Grundgedanken und die Krone der Schöpfung, untfer allen Völkern der Welt gerade ihm zu eigen gegeben hat. Damit ist Israel zum Teilhaber der Schöpfung, zum Mitarbeiter an der ewigen, g'ttlicheh Welischöpfung geworden/ Denn der Sabbat ist ja im Grunde das schöpfe rische Prinzip der Welt; er ist nicht die be sphauliche, sondern die waiphaftt seh^riferi^he Ruhe", er ist die Sammlung, durch deren Vorhandensein erst neue Schöpfung, schöpferische Tat, möglich ist. Was wäre dehn die Welt ohne die Idee des Sabbat? Maschine; laufendes Band! Dieser Sabbat in seiner ewigen Wiederkehr im unveränderlichen Gleichmaß der sieben Tage als Verbindung des Schöpfungssabbats mit dem Endze'itsabbat ist g'ttlich und ist weltenfern verschieden von jedem anderen körperlichen Ruhe tag, mag er SO oder anders heißen. Es bleibt sich gleich, ob sich diese Ruhezeit alle fünf Tage wiederholt;— wie im heutigen Rußland — oder alle sieben Tage — wie im europäischamerikanischen Wirtschaftsleben. Sobald dieser Tag nicht eingeordnet ist in die kosmische Verbindung von. Schöpfung und messianigcher Zeit, so hat er mit dem wahren Sabbat höchstens den Namen gemeinsam. Tatsachen beweisen: Der jüdische Sabbat verlangt die absolute Arbeitsruhe. Wo gibt es dergleichen außerhalb des jüdischen Bezirkes? Im Bewußtsein des modernen Manschen gibt es keinen Sonntag für die Menschen, die an Theatern, Gast- und Vergnügungsstätten, Verkehrsmitteln und sonstigen mehr oder weniger lebenswichtigen Betrieben tätig sind. Wohl gibt es auch für sie irgendwann eine Freizeit — feria, wie die katholische Kirche den Sabbat übersetzt —, aber nicht den Ruhe-, tag der Gemeinschaft. Am Ruhetag der Gemeinschaft müssen sie arbeiten, um grade durch ihre Arbeit der Allgemeinheit den Ruhetag angenehm und erstrebenswert zu gestalten. Das aber ist die Aufhebung , und Umkehrung der Sabbatidee. Die Idee des , wahren Sabbats, ist dem jüdischen Volke nicht durch einen Gnadenakt von außen her geschenkt, auch nicht aufgezwungen o d er aus fr emd em Kultur b er eich . üb ernommen worden. Der Sabbat ist so alt wie die jüdische G'ttesidee selbst; er ist mit. ihr. unzertrennlich verbunden. Ursprünglich war der Auftrag, den Sabbat zu beobachten; der ganzen Menschheit erteilt worden, und zwar in den Tagen des .Anfangs. In der Thora wird der Abschnitt vom Schöpfungs- Sabbat von zwei Berichten über den Menschen umrahmt. In dem ersten Bericht wird erzählt, der Mensch sei im iEbenbilde G'ttes geschaffen und zum Herrn über . die Natur ernannt worden. Im zweiten -Bericht wird der Mensch in das Paradies hineingestellt, „um es . zu .bearbeiten und zu behüten." In der Mitte aber, .steht die Einsetzung des Sabbats. Damit will gesagt sein; Der Mensch soll G'ttes* Ebenbild sein und über der Natur stehen. G'tt aber hat am siebenten Tage geruht. Will der, Mensch also G'ttes (Ebenbild werden, will er ifyn nacheifern, so muß auch er am siebenten Ta^, ruhen. Dadurch steht er über der Natur, beherrscht er die Natur. Denn wenn der Mensch Tag-;für Tagarbeitet, ohne dazwischen Ruhetage einzuschalten, so wird er durch die ewig gleichbleibende Arbeit zur Maschine heruntergedrückt Er ist dann nicht der Herr, sondern der Sklave der Arbeit, der Sklave der Natur. Nur durch den Sabbat wird er Herr der Natur. Wenn er will, arbeitet die Natur für ihn — der Ochs, der Esel, die. Maschine, die Elektrizität —, wenn er will, ruht sie. Dadurch ordnet, er sich auch der g'ttlichen Schöpfermajestät unter, indem er alierkennt, daß seine Herrschaft über die Natur ein Gottesgeschenk ist, auf welche ,;er auf G'ttes Geheiß am siebenten Tage ver ziehtet. Dann aber;- wenn der Mensch den Sab bat hütet,, lebt;'er im Paradiese. Am Sabbat ist ei-, nicht der Getretene, Geknechtete, der „Hund mit hündischen; Gedariken" — wie Heine sagt - sondern . der König, der in 'seinem Hause wie in einem Paradiese'lebt, sfeh freut und G'tt lobt. Hat er.^beram:• SaJBrjfat;das Paradies gefunden, jsj^ strähljt; ein Ap^änz des Paradieses auch in seinen Werktag ^iiieiin, so «laß er nicht unter <$ehi Druck des Alltags zerbrechen kann. Das ist die Bötschaft des Sabbats an den - Menschen,, und. deshalb wird der Abschnitt über den Schöpfungssabbat von den beiden Berichten über die Schaffung des Menschen umrahmt. Diese Botschaft, diese Verheißung, diese Forderung rifihtet Sich an alle Menschen, und sie1' wurde auch von Adam zuerst beachtet. Dann aber ver lor der Mensch den G'ttesglauben und damit auch den Sabbat. Er^st Abraham, der Ahnherr unseres Volkes, erkannte von neuem den einigeinzigen Schöpfer — G'tt und damit zugleich den Sabbat, das Siegel der g'ttlichen Weltschöpfung. Nach der Meinung unserer Midraschüberlieferungen beobachtete Abraham den Sabbat und vererbte als kostbarstes Gut diesen Schatz , seihen Nachkommen. Daher heißt es im Sabbatnachmittagsgebet: ,,Abraham frohlockt, Isaak jubelt, Jakob und seine Söhne ruhen an ihm." Diesen Sabbat nahmen die Söhne Jakobs mit nach Aegypten und hielten ihn, solange sie als freie Menschen in Gosen lebten: Nachdem es jedoch dem Pharao gelungen war, Israel zu überlisten und sie zur Sklavenarbeit zu zwingen, ging ihnen der sabbatliche Ruhetag verloren. Nur die Söhne Levis bewahrten den Sabbat als heilige Väterüberlieferung in ihren Häusern und in ihren Herzen. Mose kannte aus Besuchen in seinem Vaterhause die beseligende Kraft des Sabbats; daher richtete er als Jüngling sein Hauptaugenmerk darauf, dem ganzen Volke Israel den Sabbat neu zu schenken. Ihm, dem königlichen Prinzen, gelingt es, Pharao zu bewegen, den Staatssklaven den siebenten Tag als Ruhetag zu gewähren. Pharao wird durch den Hinweis gewonnen, die ^Arbeitskraft und die Arbeitsfreude erfahre durch einen periodisch wiederkehrenden Ruhetag eine gewaltige Steigerung. Zufriedene, ausgeruhte Arbeiter leisten in sechs Tagen mehr als getretene, gehetzte Arbeiter in sieben Tagen. Nachdem so mit Pharaos Genehmigung dem Volke der Sabbat und damit die Zeit der seelischen Erholung und des Nachdenkens, des Betens und Lernens gegeben war, mußte notwendigerweise die Kette der Sklaverei bald zerreißen; denn ein Volk, das den Sabbat besitzt, und sich damit als Diener und Mitarbeiter G'ttes fühlt, ist für die Knechtschaft unbrauchbar, weil es die Knechtschaft, innerlich überwunden hat.. Der Sabbat, der dem Volke in Aegypten zuerst heilige Ueberliiaferung und dann Staatsgesetz war, wurde in der Wüste durch ein g'tK Helles Wunder sanktioniert. Dabei konnte das' Volk zeigen, wie - weit der Sabbatgedanke in Das Grab von Morile chai und Es-ther in Hamadan (Pörsten) In Persden, heute Iran, genannt, befinden sich etwa 50—60.000 Juden. In der Hauptstadt Teheran zählt die jüdische Gemeinde rund 10.000 Seelen. Größere Gemeinden befinden sich in den Städten Isfahan, Hamadan und Schiras, kleinere in Kaschan und J ezd. Die persischen Juden führen ihre Abstammung auf die ersten Exulanten unter Jechania zurück und.sind dementsprechend sehr stolz auf ihre vornehme Herkunft. In Mesckh e d leben die sog. Kry p t o - Juden, so was wie persisch-jüdische Marianen, die sich zum Judentum und nach Palästina sehnen. <, . In Hamadan, wo sich das hier abgebildete' Doppelgrab von M o r d e c h a i und .Esther befindet^ 'versammeln sich Tausedne von persischen Juden am 14. und 15. Adar (SehmehansPurim), um diese Tage bei Gehet und Freudenfesten an der Nähe der •Gräber der Erretter des jüdischen Volkes zu verbringen. seinem Innern bereits Wurzel geschlagen hatte. Das Volk Israel hat diese Probe in seiner großen Masse glänzend bestanden. Als G'tt zur Ernährung des Volkes Manna vom Himmel sandte, sammelte ein Jeder nach Vörschrift täglich ein Omer pro Person. Am sechsten Tage aber sammelte das Volk, ohne daß Mose ihnen etwas gesagt hatte, zwei Omer pro Person. Das Volk hielt es also für eine Selbstverständlichkeit, daß auch in der Wüste der Sahbat Geltung habe. Aber die Aeltesten meldeten es Möse, weil ihnen die Instinktsicherheit des Volkes wie' eine Unbotmäßigkeit erschien. Mose freute sich jedoch, denn das Volk hatte die Prüfung, ob es in den Geboten G'ttes wandle oder nicht; glänzend 'bestanden. Jetzt verkündete er offiziell den Sabbat als den Ruhetag. Der Sabbat war ja jetzt nicht mehr eine U eberlief erung aus Urvätertagen, auch nicht ein staatspolitisches Gesetz Pharaos, sondern er war durch ein Wunder als g'ttliche Einrichtung beglaubigt worden. Während nämlich jeder an den übrigen Tagen stets nur ein Omer voll fand," auch wenn er viel gesammelt hatte, so hatte jetzt jeder zwei Omer voll gesammelt. Am Sabbat selbst wurde das Wunder bestätigt und erweitert: Das vom Vortage übrig gebliebene Manna wurde nicht, wie an den anderen. Tagen, schlecht, sondern blieb frisch, während an diesem Tage neues Manna nicht fiel. Damit wurde dem Volke sinnfällig vor Augen geführt, daß am Sabbat sogar die Natur' ruhe. Bereits jetzt, vor der Offenbarung am Sinai, wird also das Sabbatgesetz in seinen Grundzügen verkündet. So wird der Sab- . bat nicht nur vom Midrasch, sondern auch von der Thora als vorsinaitisches Gesetz gelehrt und damit seine überragende Bedeutung kundgetan. Unsere These, der Sabbat sei die Seele des Judentums, stützt sich ferner auf die Tätsache, daß . der Sabbat als einziges Fest im Zehnwort ausdrücklich erwähnt und ausführlich besprochen wird.. In den beiden Fassungen des Zehnwortes — im zweiten und im fünften Buch Moses — geht die Thora auf die Doppelbedeutung des Sabbats . Hebe voll ein. In. der ersten Fassung des vierten Gebotes wird Israel aufgefordert, des Säbbattages zu „gedenken", sich also des Sabbats und. seiner Heiligung als einer längst bekannten Vorschrift zu erinnern. Dabei wird ganz ausdrücklich auf die Einsetzung des Schöpfungssäbbäts Bezug , genommen,