Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450969--82812-2540769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tiberias 5× ep/1048138
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Seite 2 Nr. 8 Der 1 s r a e 1 it 25:' Feibruar 1937 sionisten nach Tel Chai fuhren. Die Insassen des Autobusses erwiderten die Steinwürfe. Es kam zu einem Handgemenge, dem die Polizei durch Verhaftung mehrerer Araber ein Ende machte. Bei dem Zusammenstoß wurde ein Jude durch einen Messerstich schwer verletzt; er mußte nach Haifa ins Krankenhaus gebracht werden. Ein zweiter Jude ist durch Steinwürfe schwer verwundet worden. Insgesamt haben etwa 30 Juden und 30 Araber Verletzungen durch Steinwürfe erlitten. Nachdem die streitenden Parteien getrennt worden waren, griff die arabische Menge . die Polizeistation, zu der die Gefangenen gebracht worden waren, an. Es gelang ihr, die Verhafteten zu befreien. Zwei britische und ein palästinensischer Polizist wurden verwundet. Die Polizei gab drei Salven ab. Hierbei wurde ein weiterer Araber verwundet. Ueber Tiberias ist der Ausnahmezustand verhängt worden. Das Betreten der Straßen nach 7 Uhr abends ist verboten. Das Pressebüro der Regierung gibt bekannt, daß bei den freitägigen Ausschreitungen in Tiberias an 'jüdischem und arabischem Eigentum einiger Schaden angerichtet worden ist. Es wurde ferner festgestellt, daß von den die Stadt umgebenden Bergen her Schüsse auf die Stadt abgegeben worden sind. Von den bei den Ausschreitungen festgenommenen Personen wurden drei Araber und drei Juden in Haft behalten und bereits am Samstag Morgen abgeurteilt. Ein Araber wurde zu zwei, ein zweiter zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, ein Jude zu zwei Monaten Gefängnis. Das Urteil gegen die übrigen Beschuldigten steht noch aus. Am Samstag ist wieder ein mit Juden besetzter Autobus in Tiberias mit Steinen beworfen worden. Drei Juden wurden leicht verletzt. Andererseits schleuderten Juden Steine gegen' einen mit Arabern aus dem Haiuran besetzten Autobus, wobei. ein Insasse leicht verwundet wurde. Drei Juden wurden verhaftet, zwei von ihnen zu zwei Jahren, der dritte zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Während der Vorfälle am Freitag ist auch das Barackenlager der englischen Truppen beschossen worden. Das Militär erwiderte das Feuer. Die Behörden und die Unruhen,' Der Distriktskommissar von Nazaret, Blackborn, hat der Gemeindeverwaltung von Tiberias am Sonnabend einen Besuch abgestattet und efklärt, daß die Zentralstellen in London und Jerusalem die Unruhen bedauern und er den Auftrag erhalten habe, jeglichen Aufruhr zu unterdrücken und alles zu tun, um ein Ausbreiten der Unruhen zu verhüten. Der Gemeinderat von Tiberias, dem jüdische und arabische Stadtverordnete angehören, trat zusammen und veröffentlichte einen Aufruf an beide Bevölkerungsteile, den gegenseitigen Boykott einzustellen und Frieden zu halten. Scharfe Kritik der hebräischen Presse. Die Sonntags-Ausgaben der hebräischen Presse Palästinas verurteilen scharf die Haltung der Regierung anläßlich der Unruhen in liberias. Insbesondere wird an dem Commumque, das die Regierung über die Vorfälle ausgegeben hat, Kritik geübt.; Der ,,Dawar", das Organ des Arbeiterverbandes, erklärt in einem Leitartikel, das Communique habe die Vorfalle entstellt wiedergegeben. Was sich ereignet habe, sei von nicht geringerer Bedeutung als die letzten Unruhen im Lande. Die Regierung verberge absichtlich" die Wahrheit über den hemmungslosen arabischen Boykott und die Aufreizung gegen die Juden, die bereits wochenlang getrieben werden. Das Polizeigericht, das die nach den Ausschreitungen verhafteten Juden und Araber bestraft hat, habe keinen Unterschied gemacht zwischen den Arabern, die die Angreifer waren, und den Juden, die sich verteidigten. Die Behörden seien noch immer von der Vorstellung beherrscht, daß ein Gleichgewicht zwischen den Juden und Arabern gewahrt werden müsse» '■; Im allgemeinen fordern die 'jüdischen Zeitungen das Recht der Selbstwehr für die Juden und weisen den von dem Polizeirichter gegebenen Rat zurück, daß .die Juden sich im Falle arabischer Angriffe verborgen halten sollten. Protesttelegramm des Betar. Der palästinensische Betar hat an den stellvertretenden High Commissioner, John Hathorn Hall, ein Protesttelegramm gegen das Regierungscommunique über die Vorfälle in Tiberias gerichtet, Durch dieses Communique werde der Eindruck vermittelt, daß der Betar an den Vorfällen Schuld sei, obwohl man wisse, daß sie eine Folge der arabischen Hetze sind, die ganz Palästina mit neuen Unruhen zu überfluten drohe. In dem Telegramm wird eine sofortige Richtigstellung des Communiques gefordert. Jüdischer Lehrer aus Deutschland erstochen. Der aus Deutschland eingewanderte 21jährige Lehrer Chaim Brock ist auf dein Rückwege von Tel Amal nach Bet Alpha von Arabern niedergestochen worden. Man fand neben ihm einen blutbespritzten Zettel mit den Worten; „Araber haben mich erstochen. Ich sterbe. Grüßet meine Angehörigen und meine Freunde." Der Waad Leumi zur Lage, Der Waad Leumx hat beschlossen, zum stellvertretenden High Commissioner J. H. Hall eine Abordnung zu entsenden, die Maßnahmen angesichts der Lage in Tiberias und Safed, wo dauernd ein „kalter Pogrom" im Gange sei, fordern soll. An die Exekutive in London wurde ein Telegramm über die allgemeine Lage in Palästina gerichtet und sofortige energische Intervention verlangt. Das englische Unterhaus debattiert wieder über Palästina London, 24. Februar. Der Kolonienminister Ormsby-Gore beantragte Abstimmung über die Kosten der militärischen Aktion in Palästina. Diese Gelegenheit benutzten einige Abgeordnete, um scharfe Kritik an der Palästinapolitik der Regierung zu üben. Auch das Gespenst „neuer Unruhen" wurde dabei in den schwärzesten Farben an die Wand gemalt. Die Gesamtkosten der Aktion, sagt der Minister, betragen Lst 1,105.000.-^-, von denen nian den größten Teil von Palästina zurückerhalten habe. Für die Erhaltung der Garnison in Palästina und Transjordanien mußte auch Transjordanien zu seinem Teile beitragen. Die Belastung für Palästina war sehr groß, was aber durch den bedeutenden Finanzüberschruß in Palästina in den letzten Jahren einigermaßen gemildert werde. Die künftige finanzielle Situation hänge zum Teile von den Empfehlungen der König!. Kommission ab, die er noch nicht kenne, möglicherweise werde man für die Verteidigung Palästinas dem Hause noch einen E r g ä. n z un g se t a t vorlegen müssen. In der einsetzenden Debatte sagte Tom W i 1liams, die großen Kosten seien eine unverdiente Strafe für die loyale Bevölkerung des Landes. Es sei nicht richtig, daß Ueberschüsse, die zu Zwecken der Erziehung, der Sozialfürsorge und der Verkehrsverbesserung dienen sollen, zur Deckung der Militärausgaben verwendet werden. Sir Percy .H arr i s meint, man sollte die Feststellungen der Königl. Kommission abwarten. Er möchte wissen, ob es wahr sei, daß die Araberbanden ihre Waffen behalten durfteni. General Dill verdiene alle Anerkennung, aber solange die Terrorakte, sogar Mordtaten, andauern, könne die" Lage* nicht als befriedigend gelten. „Das jüdische Volk ist auf die Einladung der britischen Regierung und unter den Auspizien des Völkerbundes nach Palästina gekommen und hat daher Anspruch darauf, von der Mandatarmacht mit allen Mitteln geschützt zu werden." Als bekannter Araberfreund wirft Lord Win t ertön derii Parlamente vor, daß seine . einseitige Stellungnahme zuungunsten der Araber die Unruhen verschuldet habe. Eine eingehende, Debatte über die Lage in Palästina in diesem Momente sei ein Spiel mit dem Feuer. Es sei schon richtig, daß die Einwohner Palästinas (er meint in erster Reihe die Juden) die Ausgaben für die zusätzlichen Truppen zu trägen haben. ♦ Nach Winterton kommt Colonel W.e d g ew o o d zu Wort. Die Beamtenschaft in Palästina stehe ständig im Kriege, mit dem Parlamente.' Er möchte wissen, ob das Militär in Palästina freie Hand zur Niederwerfung des Aufstandes hatte. Die Unruhen hätten in viel kürzerer Zeit und mit viel geringeren Kosten unterdrückt werden können, wenn man General Dill freie Hand gelassen hätte. Andere Abgeordnete bemerken, die Mäßigung sei gerade die richtige Taktik gewesen. Englische Soldaten hätten immer den Wunsch, Freunde der Bevölkerung des. Landes zu werden, in das man sie schickt, Als nächster 'Redner berichtete der Abgeordnete Campbell Stephen über seine Beobachtungen in Palästina, die er vor kurzem als Teilnehmer der Delegation der Unabhängigen Arbeiterpartei gemacht hat. Die Bevölkerung Palästinas habe ungemein viel gegen die Behörde zu klagen. Es wäre ein großes Unrecht, die ganzen. Kosten der. Militäraktion auf diese abzuwälzen, da ja kein Mensch glaube, daß die Truppen nur im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina weilten . . . Soviele Soldaten wären nicht nötig gewesen, um mit den Unruhen fertig zu werden- Man dürfe die Bevölkerung nicht die Unfähigkeit der Palästinaverwaltung büßen lassen, Selbstverständlich ergriff auch der einzige Kommunist im Hause, Gallacher, das Wortr um seine Sympathien für die arabischen Nationalisten auszudrücken. Die Antwort des Kolonienministers Ormsby-'Gore war auf den Ton abgestimmt, daß Zurückhaltung geboten sei, bis die Kommission gesprochen habe. Er wendet sicfr dagegen, daß die Entsendung der Truppen eine Verschwendung, an Mühe und Geld gewesen wäre.. Nicht die Menge der Getöteten beweise die Notwendigkeit der Truppen. Der wilde Terror habe doch mit der Ankunft der Truppen und der Kommission aufgehört, wenn auch Verbrechen immer noch vorkommen. Er übernehme für sich und das Kabinett die volle Verantwortung für die große Zalil der entsendeten Truppen. Der (Minister spricht sich zum Schlüsse noch über die Waffeneinfuhr in Palästina aus, die ganz zu unterbinden unmöglich sei. Auf eine Frage Wedgewoods; ob er den Besitz von Waffen zum Zwecke der Verteidigung von Leib und Leben •dem Waffenbesitz zum Zwecke des Mordens gleichstelle, geht der Minister nicht ein. Er könne nur sagen, daß es eine erhebliche Menge von Waffen auf beiden Seiten gebe; Es kommen zum Schluß auch die letzten Vorfälle (Ueberfälle in Tiberias) zur Sprache, und der Minister erklärt, daß diese Vorfälle mit der Entwaffnung der Polizei in bestimmten Gebieten nichts zu tun'hätten. Ein eigenes Gebiet für die Falaschas, " Rom, 23, Februar, ' Wie die amtliche Agentur Stefanie mitteilt, haben die italienischen Behörden von Addis / Abeba beschlossen, d e n F a 1 a s c h a s ein e i gene's Gebiet zur SN er f ü gun g - zu stellen, auf dem landwirtschaftliche Siedlungen, gewerbliche Werkstätten und Schulen errichtetWerden sollenv v ■