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Der Israelit · 1937-02-25 · Heft 8 (25.2.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 8 (25.2.1937)
Date
1937-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a- M. 25. Februar 1937 14. Adar 5697 Nttfflmer 8 Die neue Entwicklung in Polen und die Juden. An anderer Stelle dieser Nummer berichten wir über die neue Wendung in Polen, von der naturgemäß auch das Schicksal der dreieinhalb Millionen Juden im Lande bedingt sein wird. Inzwischen wird die Rede des Oberst Adam Ko c, des Beauftragten des Marschalls Rydz- Smigly, im Warsxkauer Rundfunk -im Wortlaute bekanntgegeben, -un^ es zeigt sich, daß der auf die Juden bezügliche Passus in freundlicherem Sinne gedeutet werden kann, als es nach, den ersten bekanntgewordenen Brüchstücken der Rede: geschehen ist Oberst Koc sagte: 1 „Wir legen zu hohen Wert auf unsere Kultur und unsere Achtving für Gesetz und Ordnung, ohne die kein zivilisierter Staat bestehen kann, als daß wir Gewaltakte und brutale judenfeindliche Ausschreitungen billigen könnten, die-die Würde und das Prestige eines großen Volkes herabdrücken. Andererseits ist es klar, daß der Instinkt k u 1 tu r e 11 e r S e Ih s tv e r t e i d i g u n g befolgt werden muß und es ist nur natürlich,;daß die polnische Gesellschaft danach streben soll, wirtschaftlich üna b h ä n gi g zu werden. Dies ganz besonders in einer Zeit wirtschaftlicher und finanzieller Erschütterungen, in der das Gefühl der Staatstreue jeden Bürger bereit sein lassen sollte, seinem Lande mit Leben und Vermögen Opfer zu bringen. Dies allein kann eine Lösung für die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme bringen, ohne die Kraft unseres Landes zu gefährden. Was die M i n d e r h e i t e n betrifft, so sehen wir die Verschiedenheiten zwischen ihnen und uns ein. Wir anerkennen diese Verschieß d e n h e i t e n , so 1 an g e sie dte.Iater e ss e n des Sta aie s nicht beeinträchtigen und sofern sie nicht absichtlich dazu benunzt werden, eine chinesische Mauer des Hasses zwischen den-verschiedenen Teilen unserer Bevölkerung aufzurichten." Diese Formulierung klingt keineswegs wie eine Verteidigung öder Erklärung der Gewaltakte. Es kann und muß der Instinkt der kulturellen Selbstverteidigung ohne Gewalt und Benachteiligung anderer Bevölkerungsteile befolgt werden. Man hat auch ohnedies allgemein das Gefühl, daß die neugebildete Regierung in Polen unter der Leitung des Marschall Rydz- Smigly^ der ein treuer Hüter der Traditionen P i 1 s u d s k i s ist, es ernst und ehrlich mit ihrem Programme zum Wohle aller Bevölkerungsteile in Polen meint. Mit Genugtuung muß auch die Aeußerurig von Oberst Koc hervorgehoben wer* den, daß bei Anerkennung der katholischen Religion als das Bekenntnis der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit, a 11 e n ü b r igen R e - 1 i g i o n e n , a« u c h der j ü d i s c h e n , unverkürzt" d i e (Rechte gewährt bleiben, 'wie sie in der Verfassung und in den Traditionen der polnischen Toleranz begründet sind. Es liegt kein Grund für die Juden Polens vor, der neuen Regierung von vornherein mit Mißtrauen zu begegnen. Ausnahmezustand in Tiberias. Zusammensfoss zwischen Arabern uiid Revisionisten. Jerusalem, 18. Februar. In Tiberias ist es am Freitag zu ernsten Unruhen gekommen. Araber, die nach dem Morgengottes dienst die Moschee verließen, warfen Steine gegen jüdische Passanten und später gegen einen Autobus, in dem uniformierte Revi- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Ans dem Inhalt : Neue Unruhen in Tiberias . ■ . . . Seite 2 Das englische Unterhaus debattiert über Palästina............ Seite 2 Die. Juden in Persien . . ... Seite S Wochenruindschau........ . Seite 4 , Zur ersten Jahrzeit für den Rogozower Gaon Seite 4 Zum Schmitto/ahr.j Von Rabbiner M. Jakobovits . . Seite 6 Aus den Gemeinden . . . . . Seite 7 Amtseinführung des neuen Oberrabbiners Von Rom ......Seite 8 Purimbrocken .........Seite 14 Kuriosa ........Seite 14 Beilage: Erziehung und Lehre DER SABBAT - DIE SEELE DES JUDENTUMS. Von Rabb. Dr. Robert Zion.*) Das Geheimnis der ewigen Existenz des jüdischen Volkes liegt nicht zuletzt in seinem G'ttesglauben, in seiner Religion, im — Judentum. Das Judentum, die G'ttesidee Israels, kann aber nicht existieren ohne einen Träger, das jüdische Volk. Die Idee der jüdischen Religion kann nicht losgelöst bestehen. Sie kann nicht lebendig bleiben —: auch wenn man sie in noch so hervorragende wissenschaftliche Werke einlangt — ohne daß sie 'von lebendigen Menschen gelebt wird. Ohne Judenheit, ohne jüdisches Volk kein Judentum! Jedoch auch umgekehrt kann das jüdische Volk nicht auf die Dauer erhalten bleiben, ohne daß das Judentum, die jüdische Idee, das jüdische Gesetz, das jüdische Cttesbewoißtsein lebendig in den Herzen und Seelen der jüdischen Menschen verwurzelt ist. Die Wegrichtung und die Zielsetzung des jüdischen Weges darf nicht den Meinungen und Weltanschauungen angepaßt werden, die den Tag und selbst das Jahrhundert beherrschen. Sie muß allein bestimmt werden von den Forderungen der jüdischen Idee. Ohne Judentum keine Judenheit, kein jüdisches Volk! . *) Aus . Anlaß der neuen Bewegung für den Sabbat in Erez Israel, die durch einen erschütternden Aufruf Oberrabbiner Duschinskis im Jerusalemer „Kol Israel" eingeleitet - wurde, bringen wir obigen Aufsatz. Man wende nicht ein, die jüdische Idee sei ein verschwommener, dehnbarer Begriff, in den man alles hineindeuten und hineingeheimnissen könne, so daß man die jüdische Idee nicht als Maßstab jüdischer Arbeit und jüdischer Sehnsucht anerkennen könne! Jüdische Idee, jüdisches Gesetz, Judentum ist eine gewaltige festumrissene Weltanschauung, im Schöße des jüdischen Volkes geworden, im ewigen Buche, der Bibel, geformt und niedergelegt, in drei Jahrtausenden, jüdischen Daseins gelebt. Mittelpunkt dieser jüdischen Idee, Seele des Judentums, höchste jüdische Lebensform, Ziel jüdischen Sinns ist — der Sabbat. Der Sabbat, der heilige Schabbos, ist Anfang, Ziel und Ende der Welt und des jüdischen Seins. Als G'tt in den sechs Tagen des Anfangs die Welt schuf, da war Ziel seines Wirkens — der Sabbat. Um des Sabbats willen hat G'tt die Welt geschaffen, der Tag der Ruhe ist die Krönung der Schöpfung; durch ihn erhält die Schöpfung — das Irdische — erst ihren eigentlichen, überirdischen, ewigen Sinn. L>ieser Gedanke wird angedeutet in den Worten des Schöpfungsberichtes: „G'tt segnete den siebenten Tag und heiligte ihn" und findet seine prägnante Formulierung in den Worten des Liedes, mit dem wir nach dem Vorbild der Kabbalisten von Safed den Sabbat begrüßen: (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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