Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1937)
- Date
- 1937-02-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton- Nummer 7 1937 Wir. Von Alice Oppenheimer. (Fortsetzung-) Nun erzählt der, Lehrer von der Angelegenheit der reichen FamilieMendes Nassi, ihrem Uebertritt zum Christentum als Marannen. Die Inquisition, die ihnen; auf der Spur ist, veranlaßt die Familie zu fliehen. Sie haben eine große Bankfirmä in Lissabon und eine.Filiäle ■ in Antwerpen. Sie kommenrnach Antwerpen, dort:haben sie, ihre Firma, feinen so außerordentlich guteri; Namen,' ^daß-sie; Eingang in "die .höchsten aristokratischen Kreise rfmden^Hierdurcii jedoch wir d ihr v: heiniliches Bekennen rzum . Ju den tum noch; erschwert, sie spüren das Schnüffeln der Inquisition, Ziehen ^aeh iVehedig^Aber so'.-leicht wird ihnen der; Fpt^ziig -sucht gestattet, man ^beschlagnahmt ihnen ihr ganzes. Vermögen. Viel Drangsal erleben-sie und, nur mit Mühe und. Not retten &ie>: sichv' üncL' ihr=Vennägen. cS'fe kommen nach Venedig, um von, dort aus nach der Türkei überzusiedeln. jp£e -Regierung -von- Venedig will bei dßr'„\l^iie'rreMe?äfr "Familie Mendes. ihr (Seid beschlagnahmen, /-.est, -entstehen neue Schwierigkeiten. 13er französische König Heinrich ILJbe-r nutzte die .Gelegenheit, seine große Bankschuld dem Hause Mendes schuldig zu "Ble'ibe'n' mit der Begründung, er sei des Glaubens gewesen, mit Christen Geschäftsverbindungen zu haben, aber nicht mit Juden. Schwer" kämpfend,' alle Drangsale ^bs^^ Kbnstantinopel. Dort beginnt für sie eine neue Zeit!des Erfolges und des Aufstieges. '! Siö treten in geschäftliche und freundschaftliche^- Beziehungen .zum Sultan. Sie erhalten Einfloß auf die Staatsgeschäfte. Der Sültan bel&hn^jjdie Familie mit einem Gut in Palästina, djizuii'gehört Tiberias und viele umliegende Ortschaften. Hier , will die Familie Mendes Nassi eine ' sichere Zuflucht den jüdischen Auswanderern aus Europa geben. Das war im Jahre 1564. Ich sage Ihnen nur "das Jahrhundert, um Sjfef njeine- Zuhörer, zurückzuführen in die Vergangenheit. . \\ „Hat einer von Ihnen eine Uhr da?" Es "dünkfeit, ikeiner hat die heraufsteigende Dämmerung bemerkt so erfüllt sind sie von ihrem Erleben, vij>m ^Schicksal der Marannenfamilie Mendes Njässil; Es wur den,r;s$h8Ä .z$:et*Ber che's' gehölt. Alle 'eilen i^na^^qh^^ uj^cgießjehr Dann erh|lt jjfeder sie hängen, aij, h^bräisc^j^d% |^pgen, die all« in,Bez}ehtJ||g zur Herrliclp^rF' des Schabbos\steben. Site, siegen und singe^'und mit der DämÄeriing kbmx$- eine Begeis%fung über die jungen .-Mejfr s^henjf die sich^inv^Wiegen des Körpers, in deFj, Inlbrdöst des Öfe's'anges ausdrückt. Immer dunkte'fe( wfrd es im Raum, bald sieht man >die Einzelnen nur noch als schattenhafte Umrisse. Eine Straßenlaterne leuchtet auf. „Paul, gehe mal ans Fenster und . schaue, ob drei Sterne da sind/' H'ömi jGrünberg stößt Jacob an den Fuß. Jacob si^httihn an und Heinz meint: „Was soll denn das ajljfes?" „Wir dehnen den Schabbos aus, wir hc^teii ihn, wir jubeln ihm zu, wie etwas, das »dn über die Massen liebt und sich von ihm nicht jtrennen mag. Ich will ihnen eine kleine Erzählung geben: „Als Adam vom Baume der fE4teriHtnis aß, wollte G'tt die Welt vernichten, dehn j-JG'tt meinte: „Alles habe ich dem MenscHeniliu Liebe geschaffen und er vernichtet mir meine&Ä-r?&i^ -: sich nicht würdig. Ich will die Welt zerstören und wüst machen.." Da kam der Schabbos zu G'tt und sprach: „Strafe" den Menschen, wenn Duio G'tt es für richtig findest,\ aber vernichte nicht Djem'e, Welt. Gib eine ewige Erinnerung ah den 'Garten Eden Deinen Kindern." Da segnete G'tt den Schabbos und heiligte ihn. Und Adam fühlte den Segen, der auf dem Schabbos ruhte und . er begann den Schabbos zu lobpreisen in Liedern und Gesängen." Am nächsten Tage, als Ina sich für eine Weile Y.pm Haushalt zurückgezogen hatte, setzte sich Heinz zu ihr. „Ina, rate mir, soll ich morgen wieder als Wäschezähl er - antreten?" „Heinz, nein, denn Du erliegst seelisch. Nichtstun ist fürc.hter}ich für Dich und mich. Dich^ herumlaufen1 zu sehenAohne Zielsetzung ist gewiß ebenso schwer für.. Deine Frau, als es Dir;.-hart ankommt:, aber diese. Arbeit, -die Du nie gewohnt, die so ganz aus dem Rahmen dessen fäljt, .was Dir zuzumuten ist, die laß fahren., Arteit braucht der Mensch, aber diese Arbeit ist geisttötend, die Einnahmen, die Du dabei erzielst;; so gering, daß man noch nicht einmal 'von einer Beschäftigung reden kann. Wohl können wir es-noch ein wenig zusehen, aber nicht mehr" allzulange,, dann, - ja, dann müssen wir zii jeder: Arbeit greifen. Fahrje do'ch, :■ entschließe; Dich;doch einn>al' dazu, f nach Frankreich, schau Dich, dprf*um, "gehe 'irfs FJsaß, fahre nach Holland,. nur unternimm etwas, so iänj|e "Du; noch^Zeit;zUm..Züsehen iast" ^Glaubst Du,..Iöä~dort ist es^anders wie hier? Keiner, liebt uns;' tfeirier will -uns. ^eil wir-ihnen fremd und unheimlich shidp!;;KeWsti Du noch irgend ei^ Volk, das seit? fest; 2000 Jahren ohne Land'ist zerstreut über die ganze Welt und doch besteht und bestehen wird? Zu Ende des 15. Jahrhun derts schickte Spanien seine . Juden aus dem Lande und heute wollen sie, ichT las es gestern in der Zeitun^,r:Mäimonides; -feinen: unserergeistig Großen, feiern. Seine Geburtsstadt Cor^ova schmückt sich festlich und ist stolz, daß in ihren Mauern vor 800 Jahren ein Jude lebte!" „Heinz, was ist denn in Dich gefahren? Du bekennst Dich zürn stolze^ noch, nicht einmal hebräisch'lesen kannst, der Du gewiß nichts über\däs Volk der Juden weißt*, der unglücklich war.' bis--' jetzt,*;: weil;er Jude "ist.-:* „Ina, Du staunst, ja a&er Ihatein, man kommt jnil an einen toten Punkt, meist; erst, dann, wenn es einem richtig dreckig geht, dann, will man Hals über Kopf Schluß machen, nur - die Pflicht "gegen Frau und Kinder hält einen. Was tut man? Man läßt alles laufen, wie es läuft, der Atem geht einem schier aus. Du gehst ans Fenster, reißt es auf,c um Luft einzüsäugen. Die Luft draiißen ist geschwängert, voll giftiger Gase. Du sehlägst das Fenster,, zu. und findest .die Luft in Deinem Raumer; auf einmäl^nfech't njehr ^schlecht." - „Ich schweige und' staune., welch e}iTö Handlung Heinz! Vielleicht 7ScHr:eite.st. E>u 'auf "eifern. hoffnungsvollen ^ege för£ vWjgiß nicht,: daß ^iph mit möchte, .|ib'er nicht kann,1' denn mir" f&hll jeder Wegweiser, '«Jet- -richtunggebend sehj.i könnte.'' '„Ina,-5 kommen1 wir zum Ausgangspunkt unserer" Unterhaltung zurück. Du hältst es für richtig, daß ich nach Frankreich fahre?" „Ja." „Wie soll ich dort leben? Viel Geld darf ich nicht mitnehmen!'' ... ,tScjir,eib an Deine Verwandten und bitte sie, eiri paar Tage ihr Gast sehr zu dürf en." Heinz lacht spöttisch auf . „Die, die shid, gib acht, wie wir waren.bis 1932." „Was heißt das"? „Die sind Französen und nochmals Franzosen und das Judesein und das Verbundensein mit anderen Juden kommt denen noch lange nicht." „Probiere es, Heinz, man soll nichts unversucht lassen." >. -;-;- -^^reriHaine, - w«rt§,J ich muß ^Dir was sagen*; Denk mal an, heute morgen kam ein Brief von Heinz . Grünberg;, .dem <Sc:hi£ von Tante ClaiHsse. Er möchte für-«in |>äär Tage liier wohnen^ will sich nach Afbeit' um$ehen," ,(Ö, diese Woc^e paßt es schlecht, ~da; habeh'Viyr die Schneiderm* nächste Woche'; haben ywir zweimal Bridge, ^%n Theaterabonniement,. das "müßten wir fahretf lassen. Schade!. Kann er'! es nicht .äüf später:-verschieben? Diese 'Deutschen kommen immer.'^iu unpassender Zeit;'- ' Robert lacht auf. ,iNun, wie halten wir's?" „Das lasse ich. D'ich^:entscheiden." „Wenns: mir nachgeht,' kommt er gär nicht." „Das geht nicht, ich schreibe, ihm;: daß er übernächste:; Woche kommen kann." -Bon, mon cheri!" ...... ... ....... rteinz ist nicht böse über 'die Verzögerung. Die Arbeit, in der; Wäscherer hat .er aufgegeben. Jacob, den Sohn des^ Wäscjiereibesitzers trifft er zuweilen aul der Straße, und läßt sich von ihm über manche.. Fragen desr Judentums unterrichten. Doch aiies; bleibt niehr;;an der Öherfläche. Er fühlt sich dem Knabeni;uiteriegen; Meist sitzt er in öffentlichen Eeseffalien und Bibliotheken. Der Ge'ida;hk-e, Fra% und Kiöder auf einige Zeiti vielleicht ßafc langer '^eiilyeHassen^zii müssen,- lastet jschi$e£ auf ihm; Mahcnmal richtet!er es so ein, daß •' er. so zeitig.Von )der BibliotHek 'kommt, daß er Briedel auf'.-v-dem Heimwigg treffen i kann. -Heute geht .das Kind neben einem großen : wohlbeleibten I§errn. Es schaut strahlend zu ihm a^f '.-ündipkia^eH^Tmit ihm; Da^entdecki Friedel ■ den Vater, ^„ya^ter, Vater!' Herr -Doktor/ das ist :' ifiein ^Vatep'l'^-Eger^beiden Herren ^teilen? sich gegenseitig vor,, nahmen das 'Kindjiff die Mitte und gehen: gemeinsam ,weii_err; '^„Herr Dr^. Winter, sagten-Sie, Sie siinl noctf nicht lange - hier an der Schule?" „Nein, Sie -haben ganz Recht, ich war in einer kleineren Gemeinde Norddeutschlands in einer frommen Gemeinde Rabbiner, aber die ^'kleine^r Gß!meinden|. ^cl|m|l^eri^ sefc- ^sämin^n, daßvsie-weder ei^n^Lehrje^nüch einen^Rabbin^r sich halten könnie^i.^ x„W)§& wird-^deiui ^us; d'ön Kindern der. dort.:-Afisäss^en?^'"»„Jägdäs^is^ ^in schweres P'&blenti «v^eftejüchl.. Täaß ^-mah^ -jun^e Leute gewinnt, dfe von ^-ößefen gemeinden: ittiterstütit, sich als; ^ander^rediger öder Lehrer betätigen. ,,Hier,"Jttieir4e3Hfeinz Sie ijvojhl ein bemerkendes .^beitstei^-%elu^en-?Mä undn^n! Die_Kindern ^ojjen micjh.j'die""Eltern hassen: mich. Iclf isirilihne^n fzw fromm, diesen Herrscbkftenj. Gäbe ich. der^-Kindern nur jüdische Geschichte öder üjehHe. fbh" s^e ^eierstunrdemr^n den Schabbos zuj[e^en, ö;hne fsie dabei aber atif die religiösen Formen'aufmerksam zu machen, ohne ihnen klar 'tior Äugen, zuführen, daß" mit Feierstunden für ^Schabbos.- nichts;, raber auch nichts,; getan ist, jdiesei iLeuf enwäre ich; r^cht. Ich muß .aber ••den^ I^iäern^^cäif -^ren'.:lSnaefhr Herr Grünberg, eitlhämmernj v?as2 unsere RellgÜpün will und soll,' io\i^^^ü^^i^ro^^zx^)^z .T.und Mensch, es nicht f verantworten,-r nur ..Surrogate dieser Jugend -zü jgejßreh, Soristl vierliert sief^iah genau im Unglaüb^n; wie ihre^; BUernl." ^Unterdessen'; haben iie Heinz' :W§hlß'ung erreichtr Heinz und Friedel' verabschieden.^sichr- < "* .** >>;9 Die Zeit der^ Abreise ^rückte ' immer . näher für Hein'z. Morgen schon sitzt et .^eii seinen Verwandten, - die er Sei$ Beendigung des Krieges nicht mehr gesehen, hat.;; Am||BaKhhöf Sn-Paris steht Robert, geschniegelt une1(gestriegeit/^Er fällt seinem Vetter um den Hals, küßt ihn-aul beide Backenl Ijet Jude Heinde Grünbejrg unH der Jude Robeft Fleck gehen Arm in Arni<; aus der-<Bahfrhofsnalle.: -5ieht man siie näher ^a, so muß man sich ^sagen* Da geht ein ' Deutsc^r und\ein Fränzose, .zwei gänzlich verschiedene Nationalitäten kommen, in;,' diesen .Gästalten ium-' Aus druck, vom Juden :; fehlt allesf aber aiftih alles. '• . . , ... -;; ■ \. '■; /(Fortsetzung folgt.)!