Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1937)
- Date
- 1937-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 7 . Der Israelit 18. Februar 1937 Alle Redner. schildei-ten -den ungeheuren Aufstieg der P.Ä.- J., 4enen anzugehören früher >ls Schande galt, die aber5n zähem Kampfe bewiesen haben, daß auch thorätreue Poalim wertvolle Mitarbeiter am Aufbau unseres Lahdes sind* So ist es symbolisch, wenn das neue Heim gegenüber dem' Gebäude der Histadruth liegt. ' Begleitet von .dem Beifall der Anwesenden bestieg nun der Referent des Abends, Jacob Landau. (Mercas P. A. J. Tel Äwiw) das Podium, um in kurzen, klaren Ausführungen den ideologischen Standort der P. A. J. und ihre Arbeit im Lande zu 'skizzieren. Ausgehend von den Erscheinungen der individuellen, nationalen und sozialen Assimilation, die unsere Thora in den letzten Winkel drücken wollte, schilderte er den schweren, aber zielbewuß-. ten Weg des agudistisqhen Arbeiters und seine ersten ~— wenn auch noch bescheidenen — Erfolge, •Gemessen' an den Hinderhissen und Widerständen erscheint •das Erreichte durchaus nicht so .geringfügig, wie es dem Außenstehenden manchmal scheinen mag. Wehn es vor allem die Aufgabe der Agudas Jisroel ist, die gesetzestreuen Kreise der Judenheit aufzurütteln und ihnen ihre Verantwortung wieder zum Bewußt sein zu bringen, so können wir feststellen, daß weite Kreise diesen Ruf bereits vernommen haben und aus ihrer Passivität erwacht'^ind. Diese, Tatsache sollte uns den Mut geben, auch in Zukunft inmitten eines religiös indifferenten Jischuws für unsere Ideen zu kämpfen. Mit leidenschaftlichen Worten entwarf dann Chawer Jacob K a t z (Sekretär der P. A. J. Ilaifa) ein Bild von dem täglichen Kampf unserer Poalim um jeden Arbeitsplatz. Besonders scharf geißelte er das geringe Interesse der frommen Arbeitgeber gegenüber dem agudistischen Poel und rief alle Anwesenden auf, stärker als bisher sich für unsere Arbeiter und ihre Forderungen einzusetzen. Während die Gäste mit Wein und Obst bewirtet wurden, die Chawerim, unterbrochen durch eine kurze Ansprache von Raw Balsam, sangen und tanzten, ging diese Feier ihrem Ende entgegen. Unsere Haifaer Poalim dürfen für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, hier den Boden für eine fruchtbare weitere agudistische Arbeit vorbereitet zu haben. Bei dieser Gelegenheit sei kurz über die agudistische Arbeit — besonders im Kreise der deutschen Olim — in diesem Winter berichtet. Im Rahmen der P. A. J.-Gruppe Haifa, die heute 250 Chawerim zählt, sind die deutschen Chawerim im Chug S. R. Hirsch zusammengeschlossen, der zurzeit 25 Mitglieder zählt. Er veranstaltet regelmäßig Mauzoe Schabbos abwechselnd Vorträge und Arbeitsgemein* Personalien. Berlin, 15, Febr. Vor kurzem verschied Frau Adoline Ja cöbi, Tochter von Rabbi Abraham Hillel Simon, einem Freunde von Rabbi Schlome Eger, unmittelbar vor Vollendung ihres 82. Lebensjahres. Mit ihr ist eine unserer Besten von uns gegangen. Als 19jährige gründete sie mit ihrem vor vier Jahre verstorbenen Gatten Michaelis Jacobi ^"ST in Posen ein echt jüdisches Haus, wie sie es beide von den Eltern überkommen hatten. In den fast sechs Jahrzehnten ihrer harmonischen Ehe blieben ihnen Kummer und Sorgen nicht erspart. Von 12 Kindern mußten sie vier in frühester Jugend und einen Sohn im Alter von 35 Jahren hergeben; im hohen Alter die liebgewohnte Umgebung, die nbnp mit der wieder aufblühenden Jüdischkeit, verlassen und in das fremde Berlin flüchten. Doch ihre echte Frömmigkeit und ihr festes G'ttvertrauen haben sie über alles hinweg getragen. So, hat sie bis in die letzten Tage ihre Lebensfreude und bewunderungswürdige Frische sich bewahrt. Erfüllt von tiefer G'ttes- und Menschenliebe suchte sie mit aller Kraft ihrem Schöpfer zu dienen, in weitestem Umfange die rnx» zu erfüllen und bis ins Greisenalter freute sie sich, wenn ihr ein neuer fllütta pnp*» bekannt wurde. Jeder fand bei ihr Teilnahme, Rat, Trost und Hilfe. So säte sie Liebe in reichem Maße und hatte auch die Freude, Liebe zu ernten. Und sie war glücklich, die Kinder zu tüchtigen braven Menschen heranwachsen zu sehen, die auch in schweren Zeiten m. G. H. sich durchsetzten und die in rührender Liebe und Dankbarkeit' ihren Lebensabend zu verschönen sich bemühten. Seit ihrer Jugend war """k das Land ihrer Sehnsucht. Im Alter von 70 Jahren hatte sie es besucht und war jetzt im Begriff, dorthin überzusiedeln. Der Allmächtige in seiner Weisheit hatte es anders beschlossen und so ruht sie hier, das Antlitz ztigewandt dem heiligen Lande, und harret des Rufes, der die Heimkehr der Seelen kündet, fT'SSan Schäften, bisher u. -a. Vorträge. von Dr. S. Heckscher, Ernst Pleßner und M. Großmann, und eine A. G. über, „die Gedankenwelt des Rambam" (Ernst Pleßner). Zur Vorbereitung-späterer Werbearbeit des Keren Hajischuw wurde hier vor «einigen Monaten auf Anregung von Herrni Dr. I. Breuer ein Keren Hatorah- Komitee gegründet, deren Veranstaltungen sich regen. Zuspruchs aus den Kreisen der deutschen Alijak erfreuen. Es sprachen bisher Dir. Dr. A. Cohn 'find Ismar Jeremias über „Fragen religiöser; Erziehung" und Raw Findling über „Unsere Pflichten in Erez Jisroel." Ebenso beteiligte sich das Keren Hatoräh* Komitee an der Einweihungsfeier des neuen P. A. ■ J.¬ Heimes und bereitet weitere Vortragsabende vor, — Eine besonders erfreuliche Entwicklung nimmt die unter Leitung von Hugo Heinemann stehende Bnoth A. J.-Gruppe, die nach wenigen Monaten ihres Bestehens heute schon 60 Chaweroth umfaßt. Sie sieht ihre erste Aufgabe in der bisher sehr erfolgreichen Arbeitsvermittlung für ihre Mitglieder sowie in der Veranstaltung von Schiurim und A. G., die von Frau M. Flörsheim, Dr. S. Heckscher u. a. geleitet werden. Wenn auch der Kreis der hiesigen Gruppen durchaus noch erweiterungsfähig und =bedürftig ist, so kann doch mit Genugtuung festgestellt werden, daß es in diesem Winter zum ersten Male gelungen ist, eine, regelmäßige A. J.-Arbeit zu organisieren. Rettet die Kibbuzim! Folgender Aufruf geht uns aus Erez Jisroel zu: Haben wir alle schon jenen ersten Zusammenbruch von Machane Jisrael vergessen, daß wir glauben, es auf uns nehmen zu können, mit ruhigem Gewissen ein neues Fiasko der Agudas Jisroel in Erez Jisrael mitanzusehen?! Man rühmte sich jedes kleinsten Fortschrittes: im Kibbuz Gederah, man posaunte es in der Welt aus, daß in Gederah heute schon soundsoviele Chawerim seien, daß heute eine Kuh gekauft werden konnte, heute ein neuer Wohnzrif gebaut werden konnte; man berichtete auch den Vorfall aufs Tiefste bedauernd — von dem schrecklichen Brand im Kibbuz, und freute sich auch über jedes Kind, das in dieser, oder jener Familie im Kibbuz geboren wurde. Hat man sich aber einmal gefragt, wie denn eigentlich die Familie, deren Hab und Gut abgebrannt war, die Familie, die ein Kind bekommen hatte, morgen leben sollte, wie denn die Mehrausgaben, die jedes Kind mit sich bringt, bestritten werden sollten, woher denn das Kind für den Winter seine warmen Kleiderchen haben sollte usw.? Burgsinn (Ufr.), 9. Febr. Am Donnerstag, den 4. Februar, verstarb hier ganz plötzlich unsere allseits verehrte und geliebte Frau Lotte Stiefel im kaum vollendeten 66. Lebensjahre. Wer diese fromme, edle und selten bescheidene Frau kannte, weiß den Schmerz zu würdigen, den die Familie und unsere kleine Gemeinde erlitten hat. Einer frommen Familie entstammend, war ihr strenge Erfüllung des G'ttesgesetzes zeitlebens oberste Richtschnur. Am Trauerhause sprach der Schwiegersohn, Herr Lehrer W e i ngarten, Hanau, die Dankbarkeit betonend, die die Familie dervteuren Verblichenen schulde. Herr Lehrer Strauß, Mittelsann, / schilderte die wahrhafte Frömmigkeit, Gastfreundschaft und große Wohltätig1 keit der Heimgegangenen, in deren Heim Arme und Bedürftige stets Beistand und Hilfe fanden. Auf dem Friedhofe in Altengronau, wo 'die Beisetzung am Freitag stattfand, sprach der Vorsteher 'der Gemeinde Burgsinn, Herr Adolf Heinema n n , 'warmempfundene Worte des Gedenkens. n"3X3n Hamburg, 8. Febr. Eine unserer besten Frauen ging mit Fanny C o r i von uns. Frau Cori war eine geb. Ettlinger^Halpern aus Karlsruhe, Nachkommen von Reb. Jakob Ettlinger ^"xt Altona. Wie sie es in ihrem Elternhause vor sich gesehen hatte, war ihr ganzes Lebensziel darauf gerichtet, in echtjüdischem Sinne eine vorbildliche Tochter, eine liebevolle Gattin und aufopfernde Mutter zu sein, die nur eine Freude kannte, ihre Umgebung glücklich zu machen. Obwohl das Schicksal ihr während der letzten Jahre eine» langwierige Krankheit auferlegte, kam nie ein Laut der Klage über ihre Lippen, und alle bewunderten -das G'ttvertrauen und die Zuversicht, mit der sie der erhofften Genesung entgegensah. Am Freitag nachmittag wurde die Verewigte unter großer Beteiligung auf 'dem Portugiesischen jüdischen Friedhof zu Hamburg zur letzten Ruhe geleitet. Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach konnte wegen Freitag und Rauschchaudesch keine Abschiedsworte spre- Diese und" viele anderen Fragen waren^Iden.Freunden in Europa und selbst in Deutschland schednbar fremd — „die Agudast Jisroel wdJrd schon'sorgen, wir freuen uns einstweilen^.daß auchwir; 'Kibbuzim haben". Manchmal konnte man vielleicht sogar? über die primitiven Zustände in den Kibbuzim, von denen man irgendwie, teilweise völlig übertrieben, •gehört hatte, ein Wort verlieren und dabei wieder , ialles auf die Organisation schieben/ „die dochwirklioft besser arbeiten sollte", aber seiner eigenen Pflicht' gegenüber den Kibbuzim war man sich nie' bewußt, ' weil man ja keine. Ahnung davon: hat, wasf^Uns' hier äi Land die Kibbuzim bedeuten. 1 : ' Weiß man denn in Chuz laarez überhaupt, wie wichtig als einziges Bollwerk gegen das religiöse Und vielfach auch moralische Hefkeruth in den Kibbuzim und Kwuzoth der Histadruth, diese unsere einzigen Stützpunkte auf dem Land für Chisuk-Hatörah sind? Weiß man denn überhaupt, daß in Erez Jisrafel nicht die Stadt für die religiöse Entwicklung/maßgebend ist, sondern das Land? Darüber sind sich .^die Mitglieder der agudistischen1-" Organisationen offenbar noch immer eben so wenig klar geworden, wie die Anderen, die uns weniger nahe stehen. Und nun hören wir aus Gederah, daß in diesen Wochen von den unverheirateten Chawerim ver* langt wird, daß die Verheirateten möglichst, den Kibbuz verlassen. Wir hören weiter, diaß auchviele unverheiratete , Chawerim herausgehen, -weil sie sich nicht der Bedingung fügen wollen, nicht fügen können, im. Laufe der nächsten zwei Jahre -n'i cht1 z u heiraten. Diese Bedingung mußte aus finanziellen Gründen gestellt werden. Kann es einen orthodoxen Kibbuz geben, eine irgendwie geartete Gruppe von jungen orthodoxen Menschen bestehen, in der man nicht. heiraten darf? Dürfen wir es ruhig mit anhören, daß eine Familie sich schämen muß, Kinder zu bekommen, weil die unverheirateten Chawerim — aus finanziellen Gründen und nur aus solchen — sich. weigern müssen, die Mehrunkosten für ein weiteres Kind zu tragen?! Wollen und können wir mitansehen, daß unsere jungen Chawerim in Gederah, .die sich alle voll und ganz darüber klar sind, daß so etwas nicht geschehen darf, einer nach dem anderen den Kibbuz verlassen? Ist die,, Agudas Jisrael irgendwo in der Welt und besonders in Erez Jisrael so stark, daß sie ich ein solches Fiasko wie damals in Machane Jisrael, ein zweites Mal leisten kann? Helfen wir alle, es zu verhüten! Es geht um unsere Thora, um unser Land! chen, nur -der Gatte dankte an der Bahre init wenigen ergreifenden Worten. * n'^san Guttstadt (OstprgL 15. Febr. Herr Josef Mayer ist als Lehrer und Vorbeter unserer Gemeinde -von der Behörde bestätigt worden. Herr Mayer entstammt der, alten, streng religiösen Familie Ascher Mayer aus Prenzlau, jetzt Berlin. Von Beruf Kaufmann, mußte er nach Aufgabe des elterlichen Geschäfts in Prenzlau, nicht zuletzt, um den Schabbos zu halten, sich umstellen. Seiner Liebe zum Lernen und Lehren im Sinne des alten überlieferten Judentums folgend, konnte er sich in kurzer Zeit für den neuen Beruf vorbereiten und wirkt nun 'in der kleinen Gemeinde zur Hebung des jüdischen Geistes segensreich. Vermischtes/ 1 Berlin, 5. Febr. Vom Brith Hanoar schel Zeire Misrachi, Berlin W. 50, Augsburgerstr. 60, wird uns geschrieben: Die demnächst erscheinende Pessachbroschüre von Bernhard S. Jacobson enthält einen Arbeitsplan und eine Stoffsammlung für die Behandlung des Pessachfestes in der Schule und in der Bundesarbeit. Sie dient auch zur Vorbereitung des Sederabends. Aus dem Inhalt: Namen und Bedeutung. Wichtige Einzelheiten, Nissan und. Pessach betreffend Feder und Vorschriften zurzeit des Heiligtums. Feier und Vorschriften zu allen Zeiten. Ueber die . Texte, Thora und Haftara, Hallel, Tal, Schir Haschirim usw. Diese Broschüre ist für Mk. 0.50 zuzgl. Porto bei der Bundesleitung des Brith Hanoar zu beziehen. Bei dieser Gelegenheit weisen wir auch schon auf das in Vorbereitung befindliche Buch hin, das Arbeitspläne und Stoffsammlungen für das gesamte Cjebiet der jüdischen Geschichte, Literatur und Religionsphilosophie enthält. Dieses Buch wird voraussichtlich Ende März erscheinen und ist''ebenfalls bei der Bundesledtunig des Brith Hanoar erhältlich: